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Haller, Albrecht von: Anfangsgründe der Phisiologie des menschlichen Körpers. Bd. 8. Berlin, 1776.

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IV. Abs. Das Leben der Frucht.
einigen Zwischenplatten, Zwischenräume haben solte, wel-
che ebenfalls, wie ich jezzo gesagt, verzerrt werden.

§. 16.
Dieses geschiehet an dem ganzen Körper.

Es hat diese gedoppelte Art von Ernährung und
Wachsthum in dem gesammten Körper Statt (a); so
wie in allen grossen und kleinen Gefässen (b) in einem
jeden Fadengewebe, aus welchem sich vielleicht blos einen
Theil der Muskelfaser ausgenommen, doch auch diesen
noch nicht einmal mit Zuverläßigkeit ausgenommen, alles
übrige am menschlichen Körper bildet.

Bei den kleinen Theilen zeiget sich die Kraft des An-
hängens, bei den grossen die stossende Kraft stärker.

Der gröste Theil einer Muskelfaser gehöret ebenfalls
zu dem Fadengewebe mit: indem dieses nicht nur die Fa-
serpäkke zusammenhält, woraus eine solche Faser gewach-
sen ist, sondern auch die kleinste Gefässe derselben beglei-
tet. Wenn an einer solchen Faser ja was besonders vor-
kömmt, so von einem gemeinen Fadengewebe verschieden
ist, so ist doch zu vermuthen, daß auch dasselbe von dem
aus den Gefässen ausschwizzenden, und sich anhängen-
den afte genähret wird. Jhr besonders ist der mar-
kige Brei, den die cellulöse Fäden zusammenhalten, und
die Zwischenräume dieses Gewebes sind es, welche den
Saft in sich aufnehmen.

Das Wachsthum ist indessen doch einigermaassen
ungleichförmig, und es wachsen nunmehr einige Theile,
welche sich früher als andere entwikkeln, nach Propor-
tion weniger, indessen daß andere schneller wachsen,
da sie klein und schleimartig waren, indem die andern
reifer gewordene eine grössere Festigkeit hatten.

Der
(a) [Spaltenumbruch] BOERHAAVE Comm. T.
III. p.
663. 667.
(b) Warum schliesset solche aus
[Spaltenumbruch] VERHEYEN p. 105. & F. QUES-
NAI suppur. p.
267. welche eine
Wiederherstellung sehr bedürfen.
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IV. Abſ. Das Leben der Frucht.
einigen Zwiſchenplatten, Zwiſchenraͤume haben ſolte, wel-
che ebenfalls, wie ich jezzo geſagt, verzerrt werden.

§. 16.
Dieſes geſchiehet an dem ganzen Koͤrper.

Es hat dieſe gedoppelte Art von Ernaͤhrung und
Wachsthum in dem geſammten Koͤrper Statt (a); ſo
wie in allen groſſen und kleinen Gefaͤſſen (b) in einem
jeden Fadengewebe, aus welchem ſich vielleicht blos einen
Theil der Muskelfaſer ausgenommen, doch auch dieſen
noch nicht einmal mit Zuverlaͤßigkeit ausgenommen, alles
uͤbrige am menſchlichen Koͤrper bildet.

Bei den kleinen Theilen zeiget ſich die Kraft des An-
haͤngens, bei den groſſen die ſtoſſende Kraft ſtaͤrker.

Der groͤſte Theil einer Muskelfaſer gehoͤret ebenfalls
zu dem Fadengewebe mit: indem dieſes nicht nur die Fa-
ſerpaͤkke zuſammenhaͤlt, woraus eine ſolche Faſer gewach-
ſen iſt, ſondern auch die kleinſte Gefaͤſſe derſelben beglei-
tet. Wenn an einer ſolchen Faſer ja was beſonders vor-
koͤmmt, ſo von einem gemeinen Fadengewebe verſchieden
iſt, ſo iſt doch zu vermuthen, daß auch daſſelbe von dem
aus den Gefaͤſſen ausſchwizzenden, und ſich anhaͤngen-
den afte genaͤhret wird. Jhr beſonders iſt der mar-
kige Brei, den die celluloͤſe Faͤden zuſammenhalten, und
die Zwiſchenraͤume dieſes Gewebes ſind es, welche den
Saft in ſich aufnehmen.

Das Wachsthum iſt indeſſen doch einigermaaſſen
ungleichfoͤrmig, und es wachſen nunmehr einige Theile,
welche ſich fruͤher als andere entwikkeln, nach Propor-
tion weniger, indeſſen daß andere ſchneller wachſen,
da ſie klein und ſchleimartig waren, indem die andern
reifer gewordene eine groͤſſere Feſtigkeit hatten.

Der
(a) [Spaltenumbruch] BOERHAAVE Comm. T.
III. p.
663. 667.
(b) Warum ſchlieſſet ſolche aus
[Spaltenumbruch] VERHEYEN p. 105. & F. QUES-
NAI ſuppur. p.
267. welche eine
Wiederherſtellung ſehr beduͤrfen.
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[485[487]/0539] IV. Abſ. Das Leben der Frucht. einigen Zwiſchenplatten, Zwiſchenraͤume haben ſolte, wel- che ebenfalls, wie ich jezzo geſagt, verzerrt werden. §. 16. Dieſes geſchiehet an dem ganzen Koͤrper. Es hat dieſe gedoppelte Art von Ernaͤhrung und Wachsthum in dem geſammten Koͤrper Statt (a); ſo wie in allen groſſen und kleinen Gefaͤſſen (b) in einem jeden Fadengewebe, aus welchem ſich vielleicht blos einen Theil der Muskelfaſer ausgenommen, doch auch dieſen noch nicht einmal mit Zuverlaͤßigkeit ausgenommen, alles uͤbrige am menſchlichen Koͤrper bildet. Bei den kleinen Theilen zeiget ſich die Kraft des An- haͤngens, bei den groſſen die ſtoſſende Kraft ſtaͤrker. Der groͤſte Theil einer Muskelfaſer gehoͤret ebenfalls zu dem Fadengewebe mit: indem dieſes nicht nur die Fa- ſerpaͤkke zuſammenhaͤlt, woraus eine ſolche Faſer gewach- ſen iſt, ſondern auch die kleinſte Gefaͤſſe derſelben beglei- tet. Wenn an einer ſolchen Faſer ja was beſonders vor- koͤmmt, ſo von einem gemeinen Fadengewebe verſchieden iſt, ſo iſt doch zu vermuthen, daß auch daſſelbe von dem aus den Gefaͤſſen ausſchwizzenden, und ſich anhaͤngen- den afte genaͤhret wird. Jhr beſonders iſt der mar- kige Brei, den die celluloͤſe Faͤden zuſammenhalten, und die Zwiſchenraͤume dieſes Gewebes ſind es, welche den Saft in ſich aufnehmen. Das Wachsthum iſt indeſſen doch einigermaaſſen ungleichfoͤrmig, und es wachſen nunmehr einige Theile, welche ſich fruͤher als andere entwikkeln, nach Propor- tion weniger, indeſſen daß andere ſchneller wachſen, da ſie klein und ſchleimartig waren, indem die andern reifer gewordene eine groͤſſere Feſtigkeit hatten. Der (a) BOERHAAVE Comm. T. III. p. 663. 667. (b) Warum ſchlieſſet ſolche aus VERHEYEN p. 105. & F. QUES- NAI ſuppur. p. 267. welche eine Wiederherſtellung ſehr beduͤrfen. H h 4

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Zitationshilfe: Haller, Albrecht von: Anfangsgründe der Phisiologie des menschlichen Körpers. Bd. 8. Berlin, 1776, S. 485[487]. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/haller_anfangsgruende08_1776/539>, abgerufen am 21.07.2019.