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Haller, Albrecht von: Anfangsgründe der Phisiologie des menschlichen Körpers. Bd. 8. Berlin, 1776.

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V. Abs. Die Geburt.
die Aftergeburt, und ist nunmehr nicht weniger ein Stükk
der Nachgeburt, als wenn sie ein Theil des Eies wäre.
Diesen, und keinen andern Theil der Aftergeburt füllen
wir aus, wenn wir in die Gebärmutter eine Flüßigkeit
einsprizzen. Er ist es, welcher diejenige Membran aus-
macht, welche den convexen Theil des Kuchens bekleidet,
welche sich gleichsam mit tausend Fortsäzzen in den Kuchen
herabsenkt, und sich mit demjenigen Stükke des Kuchens
vermengt, welches wir das Fruchtstükk nennen. Diese
Portion ist das äussere Blat des chorii, so man gemei-
niglich kennt. Der berühmte Hunter nennet es die ab-
fallende Gebärmutterhaut, und man pflegt sie gemeinig-
lich zu London mit dem Namen dieses berühmten Man-
nes zu belegen.

Sie löset sich an dem Umkreise des Kuchens von der
Gebärmutter ab, und sie umwikkelt das ganze Ei, und
die convexe Oberfläche des chorii, fast auf eben solche
Weise, wie der Herzbeutel die Oberfläche des Herzens
einhüllt.

Jn den lezztern Monaten der Schwangerschaft ver-
einigen sich die zwei Blätter dieser abfallenden Membran,
so wie bei dem Anwachsen des Herzbeutels ans Herz zu
geschehen pflegt, und sie machen auswendig dasjenige
aus, was man chorion zu nennen gewohnt ist.

§. 2.
Wie sich der Muttermund verändere.

Ob gleich der berühmte Röderer glaubt, daß die
Frucht bereits am funfzehnten Tage (a) den Gebärmut-
terhals in die Scheide herabstosse, und also der innere
Muttermund dem äussern natürlichen Zugange der

Schaam
(a) [Spaltenumbruch] Ars obstetric. p. 22. da-
gegen steige der Muttermund in
[Spaltenumbruch] die Höhe THEBES p. 76.
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V. Abſ. Die Geburt.
die Aftergeburt, und iſt nunmehr nicht weniger ein Stuͤkk
der Nachgeburt, als wenn ſie ein Theil des Eies waͤre.
Dieſen, und keinen andern Theil der Aftergeburt fuͤllen
wir aus, wenn wir in die Gebaͤrmutter eine Fluͤßigkeit
einſprizzen. Er iſt es, welcher diejenige Membran aus-
macht, welche den convexen Theil des Kuchens bekleidet,
welche ſich gleichſam mit tauſend Fortſaͤzzen in den Kuchen
herabſenkt, und ſich mit demjenigen Stuͤkke des Kuchens
vermengt, welches wir das Fruchtſtuͤkk nennen. Dieſe
Portion iſt das aͤuſſere Blat des chorii, ſo man gemei-
niglich kennt. Der beruͤhmte Hunter nennet es die ab-
fallende Gebaͤrmutterhaut, und man pflegt ſie gemeinig-
lich zu London mit dem Namen dieſes beruͤhmten Man-
nes zu belegen.

Sie loͤſet ſich an dem Umkreiſe des Kuchens von der
Gebaͤrmutter ab, und ſie umwikkelt das ganze Ei, und
die convexe Oberflaͤche des chorii, faſt auf eben ſolche
Weiſe, wie der Herzbeutel die Oberflaͤche des Herzens
einhuͤllt.

Jn den lezztern Monaten der Schwangerſchaft ver-
einigen ſich die zwei Blaͤtter dieſer abfallenden Membran,
ſo wie bei dem Anwachſen des Herzbeutels ans Herz zu
geſchehen pflegt, und ſie machen auswendig dasjenige
aus, was man chorion zu nennen gewohnt iſt.

§. 2.
Wie ſich der Muttermund veraͤndere.

Ob gleich der beruͤhmte Roͤderer glaubt, daß die
Frucht bereits am funfzehnten Tage (a) den Gebaͤrmut-
terhals in die Scheide herabſtoſſe, und alſo der innere
Muttermund dem aͤuſſern natuͤrlichen Zugange der

Schaam
(a) [Spaltenumbruch] Ars obſtetric. p. 22. da-
gegen ſteige der Muttermund in
[Spaltenumbruch] die Hoͤhe THEBES p. 76.
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[673[675]/0727] V. Abſ. Die Geburt. die Aftergeburt, und iſt nunmehr nicht weniger ein Stuͤkk der Nachgeburt, als wenn ſie ein Theil des Eies waͤre. Dieſen, und keinen andern Theil der Aftergeburt fuͤllen wir aus, wenn wir in die Gebaͤrmutter eine Fluͤßigkeit einſprizzen. Er iſt es, welcher diejenige Membran aus- macht, welche den convexen Theil des Kuchens bekleidet, welche ſich gleichſam mit tauſend Fortſaͤzzen in den Kuchen herabſenkt, und ſich mit demjenigen Stuͤkke des Kuchens vermengt, welches wir das Fruchtſtuͤkk nennen. Dieſe Portion iſt das aͤuſſere Blat des chorii, ſo man gemei- niglich kennt. Der beruͤhmte Hunter nennet es die ab- fallende Gebaͤrmutterhaut, und man pflegt ſie gemeinig- lich zu London mit dem Namen dieſes beruͤhmten Man- nes zu belegen. Sie loͤſet ſich an dem Umkreiſe des Kuchens von der Gebaͤrmutter ab, und ſie umwikkelt das ganze Ei, und die convexe Oberflaͤche des chorii, faſt auf eben ſolche Weiſe, wie der Herzbeutel die Oberflaͤche des Herzens einhuͤllt. Jn den lezztern Monaten der Schwangerſchaft ver- einigen ſich die zwei Blaͤtter dieſer abfallenden Membran, ſo wie bei dem Anwachſen des Herzbeutels ans Herz zu geſchehen pflegt, und ſie machen auswendig dasjenige aus, was man chorion zu nennen gewohnt iſt. §. 2. Wie ſich der Muttermund veraͤndere. Ob gleich der beruͤhmte Roͤderer glaubt, daß die Frucht bereits am funfzehnten Tage (a) den Gebaͤrmut- terhals in die Scheide herabſtoſſe, und alſo der innere Muttermund dem aͤuſſern natuͤrlichen Zugange der Schaam (a) Ars obſtetric. p. 22. da- gegen ſteige der Muttermund in die Hoͤhe THEBES p. 76. U u 2

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Zitationshilfe: Haller, Albrecht von: Anfangsgründe der Phisiologie des menschlichen Körpers. Bd. 8. Berlin, 1776, S. 673[675]. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/haller_anfangsgruende08_1776/727>, abgerufen am 17.11.2019.