Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Haller, Albrecht von: Anfangsgründe der Phisiologie des menschlichen Körpers. Bd. 8. Berlin, 1776.

Bild:
<< vorherige Seite

V. Abs. Die Geburt.
Gegenparthei darauf, daß sie die Nabelschnur zu binden
befehlen (d); ja es unterstand sich Schulze selbst nicht
seine eigene Kinder, zur Beglaubigung dieser neuen Spe-
culation, ohne einen Nabelfaden zu lassen (e).

§. 13.
Das Geblüte gehet mit dem Mutterkuchen fort.

Es ist die Gebärmutter, welche die Frucht nunmehr
verlassen, in einer ziemlichen Strekke gleichsam enthäu-
tet, indem das chorion, von der innersten Membran
der Gebärmutter, an der es sehr feste hing, losgerissen
wird, und diejenige Gefässe zerreissen (a), welche zwischen
diesen Membranen die Gemeinschaft unterhielten. Die-
ses ist der erste Quell von demjenigen Blute, welches
zugleich mit der Frucht und kurz hinter derselben, aus
der Gebärmutter wegfließt.

Von dem chorion bleiben, noch etliche Monate lang,
breite Lappen (b) in der Gebärmutter zurükke, welche ich
oft darinnen gefunden, und die ich nicht für die Mutter-
membran halten kann, indem sie blos in der Mutter, un-
ordentliche und unregelmäßige Jnseln ausmachen.

Viel grösser ist der Verlust des Blutes, welches auf
den, von der Mutter abgelösten Mutterkuchen folgt.

Es erfolgt zu jeder Zeit, und so auch bei dem Unrich-
tiggehen, wenn dieses eine zarte Frucht betrift (c), eine
Menge Blut, es sei daß der Kuchen zugleich mit der
Frucht zum Vorschein kömmt, oder daß die erstere das
Tageslicht erblikkt, und der Kuchen in der Gebärmutter
feste stekken bleibt (d): oder daß derselbe eine Weile zu-

rükke
(d) [Spaltenumbruch] ROEDERER Satur. p. 27.
(e) ALBERTI praef. med. Le-
gal.
(a) p. 186. 236.
(b) MORGAGN. sed. & caus.
II. p.
59. diese Membran HUN-
TER p.
405.
(c) [Spaltenumbruch] L. BOURGEOIS &c.
(d) MAURICEAU II. obs. 154.
169. 180. 223. 297. 491. 694 &
896. obs. post. 120. La MOTTE
obs. 348. GIFFARD cas.
153. mit
tödtlichen Erfolge MAURICEAU
obs.
591.
A a a 3

V. Abſ. Die Geburt.
Gegenparthei darauf, daß ſie die Nabelſchnur zu binden
befehlen (d); ja es unterſtand ſich Schulze ſelbſt nicht
ſeine eigene Kinder, zur Beglaubigung dieſer neuen Spe-
culation, ohne einen Nabelfaden zu laſſen (e).

§. 13.
Das Gebluͤte gehet mit dem Mutterkuchen fort.

Es iſt die Gebaͤrmutter, welche die Frucht nunmehr
verlaſſen, in einer ziemlichen Strekke gleichſam enthaͤu-
tet, indem das chorion, von der innerſten Membran
der Gebaͤrmutter, an der es ſehr feſte hing, losgeriſſen
wird, und diejenige Gefaͤſſe zerreiſſen (a), welche zwiſchen
dieſen Membranen die Gemeinſchaft unterhielten. Die-
ſes iſt der erſte Quell von demjenigen Blute, welches
zugleich mit der Frucht und kurz hinter derſelben, aus
der Gebaͤrmutter wegfließt.

Von dem chorion bleiben, noch etliche Monate lang,
breite Lappen (b) in der Gebaͤrmutter zuruͤkke, welche ich
oft darinnen gefunden, und die ich nicht fuͤr die Mutter-
membran halten kann, indem ſie blos in der Mutter, un-
ordentliche und unregelmaͤßige Jnſeln ausmachen.

Viel groͤſſer iſt der Verluſt des Blutes, welches auf
den, von der Mutter abgeloͤſten Mutterkuchen folgt.

Es erfolgt zu jeder Zeit, und ſo auch bei dem Unrich-
tiggehen, wenn dieſes eine zarte Frucht betrift (c), eine
Menge Blut, es ſei daß der Kuchen zugleich mit der
Frucht zum Vorſchein koͤmmt, oder daß die erſtere das
Tageslicht erblikkt, und der Kuchen in der Gebaͤrmutter
feſte ſtekken bleibt (d): oder daß derſelbe eine Weile zu-

ruͤkke
(d) [Spaltenumbruch] ROEDERER Satur. p. 27.
(e) ALBERTI præf. med. Le-
gal.
(a) p. 186. 236.
(b) MORGAGN. ſed. & cauſ.
II. p.
59. dieſe Membran HUN-
TER p.
405.
(c) [Spaltenumbruch] L. BOURGEOIS &c.
(d) MAURICEAU II. obſ. 154.
169. 180. 223. 297. 491. 694 &
896. obſ. poſt. 120. La MOTTE
obſ. 348. GIFFARD caſ.
153. mit
toͤdtlichen Erfolge MAURICEAU
obſ.
591.
A a a 3
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <div n="3">
            <div n="4">
              <p><pb facs="#f0793" n="739[741]"/><fw place="top" type="header"><hi rendition="#b"><hi rendition="#aq">V.</hi> Ab&#x017F;. Die Geburt.</hi></fw><lb/>
Gegenparthei darauf, daß &#x017F;ie die Nabel&#x017F;chnur zu binden<lb/>
befehlen <note place="foot" n="(d)"><cb/><hi rendition="#aq">ROEDERER Satur. p.</hi> 27.</note>; ja es unter&#x017F;tand &#x017F;ich <hi rendition="#fr">Schulze</hi> &#x017F;elb&#x017F;t nicht<lb/>
&#x017F;eine eigene Kinder, zur Beglaubigung die&#x017F;er neuen Spe-<lb/>
culation, ohne einen Nabelfaden zu la&#x017F;&#x017F;en <note place="foot" n="(e)"><hi rendition="#aq">ALBERTI præf. med. Le-<lb/>
gal.</hi></note>.</p>
            </div><lb/>
            <div n="4">
              <head>§. 13.<lb/><hi rendition="#b">Das Geblu&#x0364;te gehet mit dem Mutterkuchen fort.</hi></head><lb/>
              <p>Es i&#x017F;t die Geba&#x0364;rmutter, welche die Frucht nunmehr<lb/>
verla&#x017F;&#x017F;en, in einer ziemlichen Strekke gleich&#x017F;am entha&#x0364;u-<lb/>
tet, indem das <hi rendition="#aq">chorion,</hi> von der inner&#x017F;ten Membran<lb/>
der Geba&#x0364;rmutter, an der es &#x017F;ehr fe&#x017F;te hing, losgeri&#x017F;&#x017F;en<lb/>
wird, und diejenige Gefa&#x0364;&#x017F;&#x017F;e zerrei&#x017F;&#x017F;en <note place="foot" n="(a)"><hi rendition="#aq">p.</hi> 186. 236.</note>, welche zwi&#x017F;chen<lb/>
die&#x017F;en Membranen die Gemein&#x017F;chaft unterhielten. Die-<lb/>
&#x017F;es i&#x017F;t der er&#x017F;te Quell von demjenigen Blute, welches<lb/>
zugleich mit der Frucht und kurz hinter der&#x017F;elben, aus<lb/>
der Geba&#x0364;rmutter wegfließt.</p><lb/>
              <p>Von dem <hi rendition="#aq">chorion</hi> bleiben, noch etliche Monate lang,<lb/>
breite Lappen <note place="foot" n="(b)"><hi rendition="#aq">MORGAGN. &#x017F;ed. &amp; cau&#x017F;.<lb/>
II. p.</hi> 59. die&#x017F;e Membran <hi rendition="#aq">HUN-<lb/>
TER p.</hi> 405.</note> in der Geba&#x0364;rmutter zuru&#x0364;kke, welche ich<lb/>
oft darinnen gefunden, und die ich nicht fu&#x0364;r die Mutter-<lb/>
membran halten kann, indem &#x017F;ie blos in der Mutter, un-<lb/>
ordentliche und unregelma&#x0364;ßige Jn&#x017F;eln ausmachen.</p><lb/>
              <p>Viel gro&#x0364;&#x017F;&#x017F;er i&#x017F;t der Verlu&#x017F;t des Blutes, welches auf<lb/>
den, von der Mutter abgelo&#x0364;&#x017F;ten Mutterkuchen folgt.</p><lb/>
              <p>Es erfolgt zu jeder Zeit, und &#x017F;o auch bei dem Unrich-<lb/>
tiggehen, wenn die&#x017F;es eine zarte Frucht betrift <note place="foot" n="(c)"><cb/><hi rendition="#aq">L. BOURGEOIS &amp;c.</hi></note>, eine<lb/>
Menge Blut, es &#x017F;ei daß der Kuchen zugleich mit der<lb/>
Frucht zum Vor&#x017F;chein ko&#x0364;mmt, oder daß die er&#x017F;tere das<lb/>
Tageslicht erblikkt, und der Kuchen in der Geba&#x0364;rmutter<lb/>
fe&#x017F;te &#x017F;tekken bleibt <note place="foot" n="(d)"><hi rendition="#aq">MAURICEAU II. ob&#x017F;. 154.<lb/>
169. 180. 223. 297. 491. 694 &amp;<lb/>
896. ob&#x017F;. po&#x017F;t. 120. La MOTTE<lb/>
ob&#x017F;. 348. GIFFARD ca&#x017F;.</hi> 153. mit<lb/>
to&#x0364;dtlichen Erfolge <hi rendition="#aq">MAURICEAU<lb/>
ob&#x017F;.</hi> 591.</note>: oder daß der&#x017F;elbe eine Weile zu-<lb/>
<fw place="bottom" type="sig">A a a 3</fw><fw place="bottom" type="catch">ru&#x0364;kke</fw><lb/></p>
            </div>
          </div>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[739[741]/0793] V. Abſ. Die Geburt. Gegenparthei darauf, daß ſie die Nabelſchnur zu binden befehlen (d); ja es unterſtand ſich Schulze ſelbſt nicht ſeine eigene Kinder, zur Beglaubigung dieſer neuen Spe- culation, ohne einen Nabelfaden zu laſſen (e). §. 13. Das Gebluͤte gehet mit dem Mutterkuchen fort. Es iſt die Gebaͤrmutter, welche die Frucht nunmehr verlaſſen, in einer ziemlichen Strekke gleichſam enthaͤu- tet, indem das chorion, von der innerſten Membran der Gebaͤrmutter, an der es ſehr feſte hing, losgeriſſen wird, und diejenige Gefaͤſſe zerreiſſen (a), welche zwiſchen dieſen Membranen die Gemeinſchaft unterhielten. Die- ſes iſt der erſte Quell von demjenigen Blute, welches zugleich mit der Frucht und kurz hinter derſelben, aus der Gebaͤrmutter wegfließt. Von dem chorion bleiben, noch etliche Monate lang, breite Lappen (b) in der Gebaͤrmutter zuruͤkke, welche ich oft darinnen gefunden, und die ich nicht fuͤr die Mutter- membran halten kann, indem ſie blos in der Mutter, un- ordentliche und unregelmaͤßige Jnſeln ausmachen. Viel groͤſſer iſt der Verluſt des Blutes, welches auf den, von der Mutter abgeloͤſten Mutterkuchen folgt. Es erfolgt zu jeder Zeit, und ſo auch bei dem Unrich- tiggehen, wenn dieſes eine zarte Frucht betrift (c), eine Menge Blut, es ſei daß der Kuchen zugleich mit der Frucht zum Vorſchein koͤmmt, oder daß die erſtere das Tageslicht erblikkt, und der Kuchen in der Gebaͤrmutter feſte ſtekken bleibt (d): oder daß derſelbe eine Weile zu- ruͤkke (d) ROEDERER Satur. p. 27. (e) ALBERTI præf. med. Le- gal. (a) p. 186. 236. (b) MORGAGN. ſed. & cauſ. II. p. 59. dieſe Membran HUN- TER p. 405. (c) L. BOURGEOIS &c. (d) MAURICEAU II. obſ. 154. 169. 180. 223. 297. 491. 694 & 896. obſ. poſt. 120. La MOTTE obſ. 348. GIFFARD caſ. 153. mit toͤdtlichen Erfolge MAURICEAU obſ. 591. A a a 3

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/haller_anfangsgruende08_1776
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/haller_anfangsgruende08_1776/793
Zitationshilfe: Haller, Albrecht von: Anfangsgründe der Phisiologie des menschlichen Körpers. Bd. 8. Berlin, 1776, S. 739[741]. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/haller_anfangsgruende08_1776/793>, abgerufen am 24.07.2019.