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Haller, Albrecht von: Anfangsgründe der Phisiologie des menschlichen Körpers. Bd. 8. Berlin, 1776.

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II. Abs. Der Zustand des Menschen.
Narben, daß die Natur seste Theile viel langsamer er-
gänzt, indem selbige vermittelst eines Safts ernährt wer-
den, welcher in die Poros derselben eindringt. So läs-
set sich auch von dem Knochen noch ein viel langsameres
Reiben, und also auch eine viel spätere Veränderung
erwarten.

§. 8.
Das Fettwerden.

Es ist der vollkommne Körper noch einer andern
Art von Veränderung unterworfen, welche zu einer Art
des Wachsthums mit zu gehören scheint, nemlich das
Fettwerden.

Bereits zeigte sich dieses an dem Kinde (a). Wenn
bei einem Kinde die Muskeln zu arbeiten anfangen, so
nimmt diese Fettigkeit bereits seit dem vierten Jahre ab,
und es verzehret sich ein Theil des Fettes, so wie der
Knabe mit seinen geschlanken Gliedern, und mit feiner
Binsenähnlichen Länge, die Hofnung von sich giebt, eine
lang gestrekkte Taille zu bekommen.

Wenn aber der Jüngling bereits sein völliges Wachs-
thum erreicht hat (b), so nimmt die Fettigkeit wieder von
neuem ihren Anfang. Dieses thun die Frauensperso-
nen noch eher, weil bey ihnen das Fadengewebe schlaffer
ist, und sie legen noch vor dem Ende des Wachsthums
an den Brüsten (c), und den Hintern Fett an. Der
Mann nimmt nach dem dreißigsten Jahre, und so wei-
ter bis ins hohe Alter und zwar an allen Stellen in den
Zwischenräumen der Fasern so fehr an Fettigkeit zu, daß
er leicht gedoppelt so schwer als vorher wird, da er das
Ende seines Wachsthums erreicht hatte. Dieses Fett
(e)

legt
(a) L. I. p. 26.
(b) [Spaltenumbruch] ARISTOT. hist. anim. L.
I. p.
18. auch die Wallfische MAR-
TENS
Spizzberg Reis. p. 106.
(c) L. XXVIII. p. 11.
(e) [Spaltenumbruch] Jm vierten Monate, da sie
nakkt sind CARDAN subtilit. p.
520.

II. Abſ. Der Zuſtand des Menſchen.
Narben, daß die Natur ſeſte Theile viel langſamer er-
gaͤnzt, indem ſelbige vermittelſt eines Safts ernaͤhrt wer-
den, welcher in die Poros derſelben eindringt. So laͤſ-
ſet ſich auch von dem Knochen noch ein viel langſameres
Reiben, und alſo auch eine viel ſpaͤtere Veraͤnderung
erwarten.

§. 8.
Das Fettwerden.

Es iſt der vollkommne Koͤrper noch einer andern
Art von Veraͤnderung unterworfen, welche zu einer Art
des Wachsthums mit zu gehoͤren ſcheint, nemlich das
Fettwerden.

Bereits zeigte ſich dieſes an dem Kinde (a). Wenn
bei einem Kinde die Muskeln zu arbeiten anfangen, ſo
nimmt dieſe Fettigkeit bereits ſeit dem vierten Jahre ab,
und es verzehret ſich ein Theil des Fettes, ſo wie der
Knabe mit ſeinen geſchlanken Gliedern, und mit feiner
Binſenaͤhnlichen Laͤnge, die Hofnung von ſich giebt, eine
lang geſtrekkte Taille zu bekommen.

Wenn aber der Juͤngling bereits ſein voͤlliges Wachs-
thum erreicht hat (b), ſo nimmt die Fettigkeit wieder von
neuem ihren Anfang. Dieſes thun die Frauensperſo-
nen noch eher, weil bey ihnen das Fadengewebe ſchlaffer
iſt, und ſie legen noch vor dem Ende des Wachsthums
an den Bruͤſten (c), und den Hintern Fett an. Der
Mann nimmt nach dem dreißigſten Jahre, und ſo wei-
ter bis ins hohe Alter und zwar an allen Stellen in den
Zwiſchenraͤumen der Faſern ſo fehr an Fettigkeit zu, daß
er leicht gedoppelt ſo ſchwer als vorher wird, da er das
Ende ſeines Wachsthums erreicht hatte. Dieſes Fett
(e)

legt
(a) L. I. p. 26.
(b) [Spaltenumbruch] ARISTOT. hiſt. anim. L.
I. p.
18. auch die Wallfiſche MAR-
TENS
Spizzberg Reiſ. p. 106.
(c) L. XXVIII. p. 11.
(e) [Spaltenumbruch] Jm vierten Monate, da ſie
nakkt ſind CARDAN ſubtilit. p.
520.
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[889[891]/0943] II. Abſ. Der Zuſtand des Menſchen. Narben, daß die Natur ſeſte Theile viel langſamer er- gaͤnzt, indem ſelbige vermittelſt eines Safts ernaͤhrt wer- den, welcher in die Poros derſelben eindringt. So laͤſ- ſet ſich auch von dem Knochen noch ein viel langſameres Reiben, und alſo auch eine viel ſpaͤtere Veraͤnderung erwarten. §. 8. Das Fettwerden. Es iſt der vollkommne Koͤrper noch einer andern Art von Veraͤnderung unterworfen, welche zu einer Art des Wachsthums mit zu gehoͤren ſcheint, nemlich das Fettwerden. Bereits zeigte ſich dieſes an dem Kinde (a). Wenn bei einem Kinde die Muskeln zu arbeiten anfangen, ſo nimmt dieſe Fettigkeit bereits ſeit dem vierten Jahre ab, und es verzehret ſich ein Theil des Fettes, ſo wie der Knabe mit ſeinen geſchlanken Gliedern, und mit feiner Binſenaͤhnlichen Laͤnge, die Hofnung von ſich giebt, eine lang geſtrekkte Taille zu bekommen. Wenn aber der Juͤngling bereits ſein voͤlliges Wachs- thum erreicht hat (b), ſo nimmt die Fettigkeit wieder von neuem ihren Anfang. Dieſes thun die Frauensperſo- nen noch eher, weil bey ihnen das Fadengewebe ſchlaffer iſt, und ſie legen noch vor dem Ende des Wachsthums an den Bruͤſten (c), und den Hintern Fett an. Der Mann nimmt nach dem dreißigſten Jahre, und ſo wei- ter bis ins hohe Alter und zwar an allen Stellen in den Zwiſchenraͤumen der Faſern ſo fehr an Fettigkeit zu, daß er leicht gedoppelt ſo ſchwer als vorher wird, da er das Ende ſeines Wachsthums erreicht hatte. Dieſes Fett legt (e) (a) L. I. p. 26. (b) ARISTOT. hiſt. anim. L. I. p. 18. auch die Wallfiſche MAR- TENS Spizzberg Reiſ. p. 106. (c) L. XXVIII. p. 11. (e) Jm vierten Monate, da ſie nakkt ſind CARDAN ſubtilit. p. 520.

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Zitationshilfe: Haller, Albrecht von: Anfangsgründe der Phisiologie des menschlichen Körpers. Bd. 8. Berlin, 1776, S. 889[891]. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/haller_anfangsgruende08_1776/943>, abgerufen am 17.11.2019.