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Haller, Johannes: Das Papsttum. Bd. 2,1. Stuttgart, 1937.

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Rom und Konstantinopel nach 787
im Gange war, erhob sich ein Sturm, den die griechischen Schiffe aus-
hielten, während die leichteren Fahrzeuge der Araber größtenteils unter-
gingen. Seitdem sind Rom und seine nächste Umgebung von Überfällen
verschont geblieben.

Der Fürst des Kirchenstaats, mit dem wir es bisher zu tun hatten,
brauchte seit dem Friedensschluß zwischen Franken und Griechen über
die Politik des Kaisers in Konstantinopel sich keine Sorgen zu machen.
Anders der erste Bischof der Kirche. Jhm mußte der alte Osten noch
immer ebenso wichtig sein wie der junge Westen, vollends wenn dort
Dinge geschahen, die ihn mittelbar oder unmittelbar angingen. Dies
aber war der Fall in eben den Jahren, nachdem die staatlichen Be-
ziehungen zwischen Ost und West für die Dauer geregelt waren. Eine
merkwürdige Fügung hat bewirkt, daß dem weltlichen Frieden eine er-
neute kirchliche Spannung auf dem Fuße folgte, und mehr als einmal
hat es geschienen, als sollte die Spaltung, die im Osten herrschte, auch
den Westen ergreifen.

Die Epoche, die mit der Synode von Nikäa (787) anhob, ist für Kon-
stantinopel nicht glücklich gewesen. Gekennzeichnet ist sie durch eine Kette
von Thronrevolutionen und durch das Emporkommen des bulgarischen
Reiches, das seit 802 seine Herrschaft im Süden der Donau bis an den
Balkan ausdehnte, ohne daß das Entgegentreten der Kaiser zu anderem
als zu schweren Niederlagen geführt hätte. Dieses Versagen der seit
fünfundzwanzig Jahren herrschenden Partei wirkte mit zu einer Umkehr
der Kirchenpolitik. Der Armenier Leo V., der im Jahre 813 den erfolg-
losen Michael I. beseitigte und ersetzte, kehrte in die Bahn seiner bilder-
feindlichen Vorgänger zurück, ließ die Synode von Nikäa aufheben, die
Bilder verbieten und verfolgte ihre Verehrer mit ähnlicher Strenge
wie einst Konstantin V. Leos Sturz und die Thronbesteigung Mi-
chaels II. (820) machten zwar der Verfolgung ein Ende, aber mehr als
stillschweigende Duldung wurde den Bildern auch jetzt nicht gewährt.
Gesetzlich blieben sie abgeschafft. Beide Herrscher stießen auf den er-
bitterten Widerstand vor allem der Mönche, die von jeher die Bilder-
verehrung am eifrigsten gepflegt hatten. Unter ihnen ragt die Gestalt
des Abtes Theodor von Studion (+ 826) hervor, der die Partei in Wort
und Schrift vertrat, unerschüttert durch Verfolgung und Mißhandlung,
unbeugsam, ja trotzig in seinem Widerstand. Schon vor dem Bilder-

Rom und Konſtantinopel nach 787
im Gange war, erhob ſich ein Sturm, den die griechiſchen Schiffe aus-
hielten, während die leichteren Fahrzeuge der Araber größtenteils unter-
gingen. Seitdem ſind Rom und ſeine nächſte Umgebung von Überfällen
verſchont geblieben.

Der Fürſt des Kirchenſtaats, mit dem wir es bisher zu tun hatten,
brauchte ſeit dem Friedensſchluß zwiſchen Franken und Griechen über
die Politik des Kaiſers in Konſtantinopel ſich keine Sorgen zu machen.
Anders der erſte Biſchof der Kirche. Jhm mußte der alte Oſten noch
immer ebenſo wichtig ſein wie der junge Weſten, vollends wenn dort
Dinge geſchahen, die ihn mittelbar oder unmittelbar angingen. Dies
aber war der Fall in eben den Jahren, nachdem die ſtaatlichen Be-
ziehungen zwiſchen Oſt und Weſt für die Dauer geregelt waren. Eine
merkwürdige Fügung hat bewirkt, daß dem weltlichen Frieden eine er-
neute kirchliche Spannung auf dem Fuße folgte, und mehr als einmal
hat es geſchienen, als ſollte die Spaltung, die im Oſten herrſchte, auch
den Weſten ergreifen.

Die Epoche, die mit der Synode von Nikäa (787) anhob, iſt für Kon-
ſtantinopel nicht glücklich geweſen. Gekennzeichnet iſt ſie durch eine Kette
von Thronrevolutionen und durch das Emporkommen des bulgariſchen
Reiches, das ſeit 802 ſeine Herrſchaft im Süden der Donau bis an den
Balkan ausdehnte, ohne daß das Entgegentreten der Kaiſer zu anderem
als zu ſchweren Niederlagen geführt hätte. Dieſes Verſagen der ſeit
fünfundzwanzig Jahren herrſchenden Partei wirkte mit zu einer Umkehr
der Kirchenpolitik. Der Armenier Leo V., der im Jahre 813 den erfolg-
loſen Michael I. beſeitigte und erſetzte, kehrte in die Bahn ſeiner bilder-
feindlichen Vorgänger zurück, ließ die Synode von Nikäa aufheben, die
Bilder verbieten und verfolgte ihre Verehrer mit ähnlicher Strenge
wie einſt Konſtantin V. Leos Sturz und die Thronbeſteigung Mi-
chaels II. (820) machten zwar der Verfolgung ein Ende, aber mehr als
ſtillſchweigende Duldung wurde den Bildern auch jetzt nicht gewährt.
Geſetzlich blieben ſie abgeſchafft. Beide Herrſcher ſtießen auf den er-
bitterten Widerſtand vor allem der Mönche, die von jeher die Bilder-
verehrung am eifrigſten gepflegt hatten. Unter ihnen ragt die Geſtalt
des Abtes Theodor von Studion († 826) hervor, der die Partei in Wort
und Schrift vertrat, unerſchüttert durch Verfolgung und Mißhandlung,
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[31/0040] Rom und Konſtantinopel nach 787 im Gange war, erhob ſich ein Sturm, den die griechiſchen Schiffe aus- hielten, während die leichteren Fahrzeuge der Araber größtenteils unter- gingen. Seitdem ſind Rom und ſeine nächſte Umgebung von Überfällen verſchont geblieben. Der Fürſt des Kirchenſtaats, mit dem wir es bisher zu tun hatten, brauchte ſeit dem Friedensſchluß zwiſchen Franken und Griechen über die Politik des Kaiſers in Konſtantinopel ſich keine Sorgen zu machen. Anders der erſte Biſchof der Kirche. Jhm mußte der alte Oſten noch immer ebenſo wichtig ſein wie der junge Weſten, vollends wenn dort Dinge geſchahen, die ihn mittelbar oder unmittelbar angingen. Dies aber war der Fall in eben den Jahren, nachdem die ſtaatlichen Be- ziehungen zwiſchen Oſt und Weſt für die Dauer geregelt waren. Eine merkwürdige Fügung hat bewirkt, daß dem weltlichen Frieden eine er- neute kirchliche Spannung auf dem Fuße folgte, und mehr als einmal hat es geſchienen, als ſollte die Spaltung, die im Oſten herrſchte, auch den Weſten ergreifen. Die Epoche, die mit der Synode von Nikäa (787) anhob, iſt für Kon- ſtantinopel nicht glücklich geweſen. Gekennzeichnet iſt ſie durch eine Kette von Thronrevolutionen und durch das Emporkommen des bulgariſchen Reiches, das ſeit 802 ſeine Herrſchaft im Süden der Donau bis an den Balkan ausdehnte, ohne daß das Entgegentreten der Kaiſer zu anderem als zu ſchweren Niederlagen geführt hätte. Dieſes Verſagen der ſeit fünfundzwanzig Jahren herrſchenden Partei wirkte mit zu einer Umkehr der Kirchenpolitik. Der Armenier Leo V., der im Jahre 813 den erfolg- loſen Michael I. beſeitigte und erſetzte, kehrte in die Bahn ſeiner bilder- feindlichen Vorgänger zurück, ließ die Synode von Nikäa aufheben, die Bilder verbieten und verfolgte ihre Verehrer mit ähnlicher Strenge wie einſt Konſtantin V. Leos Sturz und die Thronbeſteigung Mi- chaels II. (820) machten zwar der Verfolgung ein Ende, aber mehr als ſtillſchweigende Duldung wurde den Bildern auch jetzt nicht gewährt. Geſetzlich blieben ſie abgeſchafft. Beide Herrſcher ſtießen auf den er- bitterten Widerſtand vor allem der Mönche, die von jeher die Bilder- verehrung am eifrigſten gepflegt hatten. Unter ihnen ragt die Geſtalt des Abtes Theodor von Studion († 826) hervor, der die Partei in Wort und Schrift vertrat, unerſchüttert durch Verfolgung und Mißhandlung, unbeugſam, ja trotzig in ſeinem Widerſtand. Schon vor dem Bilder-

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Zitationshilfe: Haller, Johannes: Das Papsttum. Bd. 2,1. Stuttgart, 1937, S. 31. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/haller_papsttum02-1_1937/40>, abgerufen am 14.12.2019.