Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Harsdörffer, Georg Philipp: Poetischer Trichter. Bd. 3. Nürnberg, 1653.

Bild:
<< vorherige Seite

Ast.
oder die Glieder/ erstreckt die neuen Zweige/ be-
knopft sie hin und her/ eröffnet seine Blüt/ trägt
ein grünweisses Haar/ umblättert seinen Raum/
schleusst einen Schatten Thron/ trägt seiner
Fruchte Art/ beugt sich ob dem schönen Last/ neiget
sich mit seiner Bürd/ würfft die reiffe Frucht von
sich/ hat mit sammgewundner Lieb' einen grünen
Krantz geflochten. Die Aeste halten sich und hal-
ten fast zusammen/ in Regen/ Wind und Schnee/
bethrenet/ und erfreut/ wann aus dem weiten
See/ die heitre Sonne scheint. Das reiff-befruch-
te Holtz. Der Ast ist/ begrünet/ beblüet/ mit dem
leichten Blat behenkt/ hart und rauch bekleidet/
schwebt in der freyen Lufft gleicht den verborgnen
Wurtzelzweigen. Jn unbefälter Lufft drönt eines
Baumes Gipfel/ der wächset Stuffenweis etc.

Der grüne Ast hat die Deutung eines guten
Anfangs/ wie hingegen der falbe Ast die Deutung
der Unfruchtbarkeit und deß Verderbens.

Auen.

Auen/ Feld/ Wiesen/ Anger.

27. Aufruhr.

Auflauf/ Empörung/ Vergadrung/ der Auf-
stand von dem Volk/ erheischt die Obrigkeit für
Recht/ dardurch das gantze Land gesetzt in Angst
und Noht; Es fallen die Gesetze ein jeder ist sein
Herr/ ein Herr der nicht versteht/ das/ was Ge-
horsam heisst. Die Vorbotten sind die heimlichen

Schmäh-

Aſt.
oder die Glieder/ erſtreckt die neuen Zweige/ be-
knopft ſie hin und her/ eroͤffnet ſeine Bluͤt/ traͤgt
ein gruͤnweiſſes Haar/ umblaͤttert ſeinen Raum/
ſchleuſſt einen Schatten Thron/ traͤgt ſeiner
Fruchte Art/ beugt ſich ob dem ſchoͤnẽ Laſt/ neiget
ſich mit ſeiner Buͤrd/ wuͤrfft die reiffe Frucht von
ſich/ hat mit ſammgewundner Lieb’ einen gruͤnen
Krantz geflochten. Die Aeſte halten ſich und hal-
ten faſt zuſammen/ in Regen/ Wind und Schnee/
bethrenet/ und erfreut/ wann aus dem weiten
See/ die heitre Sonne ſcheint. Das reiff-befruch-
te Holtz. Der Aſt iſt/ begruͤnet/ bebluͤet/ mit dem
leichten Blat behenkt/ hart und rauch bekleidet/
ſchwebt in der freyen Lufft gleicht den verborgnen
Wurtzelzweigen. Jn unbefaͤlter Lufft droͤnt eines
Baumes Gipfel/ der waͤchſet Stuffenweis ꝛc.

Der gruͤne Aſt hat die Deutung eines guten
Anfangs/ wie hingegen der falbe Aſt die Deutung
der Unfruchtbarkeit und deß Verderbens.

Auen.

Auen/ Feld/ Wieſen/ Anger.

27. Aufruhr.

Auflauf/ Empoͤrung/ Vergadrung/ der Auf-
ſtand von dem Volk/ erheiſcht die Obrigkeit fuͤr
Recht/ dardurch das gantze Land geſetzt in Angſt
und Noht; Es fallen die Geſetze ein jeder iſt ſein
Herr/ ein Herr der nicht verſteht/ das/ was Ge-
horſam heiſſt. Die Vorbotten ſind die heimlichen

Schmaͤh-
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <div n="3">
            <p><pb facs="#f0164" n="132"/><fw place="top" type="header">A&#x017F;t.</fw><lb/>
oder die Glieder/ er&#x017F;treckt die neuen Zweige/ be-<lb/>
knopft &#x017F;ie hin und her/ ero&#x0364;ffnet &#x017F;eine Blu&#x0364;t/ tra&#x0364;gt<lb/>
ein gru&#x0364;nwei&#x017F;&#x017F;es Haar/ umbla&#x0364;ttert &#x017F;einen Raum/<lb/>
&#x017F;chleu&#x017F;&#x017F;t einen Schatten Thron/ tra&#x0364;gt &#x017F;einer<lb/>
Fruchte Art/ beugt &#x017F;ich ob dem &#x017F;cho&#x0364;n&#x1EBD; La&#x017F;t/ neiget<lb/>
&#x017F;ich mit &#x017F;einer Bu&#x0364;rd/ wu&#x0364;rfft die reiffe Frucht von<lb/>
&#x017F;ich/ hat mit &#x017F;ammgewundner Lieb&#x2019; einen gru&#x0364;nen<lb/>
Krantz geflochten. Die Ae&#x017F;te halten &#x017F;ich und hal-<lb/>
ten fa&#x017F;t zu&#x017F;ammen/ in Regen/ Wind und Schnee/<lb/>
bethrenet/ und erfreut/ wann aus dem weiten<lb/>
See/ die heitre Sonne &#x017F;cheint. Das reiff-befruch-<lb/>
te Holtz. Der A&#x017F;t i&#x017F;t/ begru&#x0364;net/ beblu&#x0364;et/ mit dem<lb/>
leichten Blat behenkt/ hart und rauch bekleidet/<lb/>
&#x017F;chwebt in der freyen Lufft gleicht den verborgnen<lb/>
Wurtzelzweigen. Jn unbefa&#x0364;lter Lufft dro&#x0364;nt eines<lb/>
Baumes Gipfel/ der wa&#x0364;ch&#x017F;et Stuffenweis &#xA75B;c.</p><lb/>
            <p>Der gru&#x0364;ne <hi rendition="#fr">A&#x017F;t</hi> hat die Deutung eines guten<lb/>
Anfangs/ wie hingegen der falbe A&#x017F;t die Deutung<lb/>
der <hi rendition="#fr">U</hi>nfruchtbarkeit und deß Verderbens.</p>
          </div><lb/>
          <div n="3">
            <head> <hi rendition="#b">Auen.</hi> </head><lb/>
            <p>&#x261E; <hi rendition="#fr">Auen/ Feld/ Wie&#x017F;en/ Anger.</hi></p>
          </div><lb/>
          <div n="3">
            <head>27. <hi rendition="#b">Aufruhr.</hi></head><lb/>
            <p>Auflauf/ Empo&#x0364;rung/ Vergadrung/ der Auf-<lb/>
&#x017F;tand von dem Volk/ erhei&#x017F;cht die Obrigkeit fu&#x0364;r<lb/>
Recht/ dardurch das gantze Land ge&#x017F;etzt in Ang&#x017F;t<lb/>
und Noht; Es fallen die Ge&#x017F;etze ein jeder i&#x017F;t &#x017F;ein<lb/>
Herr/ ein Herr der nicht ver&#x017F;teht/ das/ was Ge-<lb/>
hor&#x017F;am hei&#x017F;&#x017F;t. Die Vorbotten &#x017F;ind die heimlichen<lb/>
<fw place="bottom" type="catch">Schma&#x0364;h-</fw><lb/></p>
          </div>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[132/0164] Aſt. oder die Glieder/ erſtreckt die neuen Zweige/ be- knopft ſie hin und her/ eroͤffnet ſeine Bluͤt/ traͤgt ein gruͤnweiſſes Haar/ umblaͤttert ſeinen Raum/ ſchleuſſt einen Schatten Thron/ traͤgt ſeiner Fruchte Art/ beugt ſich ob dem ſchoͤnẽ Laſt/ neiget ſich mit ſeiner Buͤrd/ wuͤrfft die reiffe Frucht von ſich/ hat mit ſammgewundner Lieb’ einen gruͤnen Krantz geflochten. Die Aeſte halten ſich und hal- ten faſt zuſammen/ in Regen/ Wind und Schnee/ bethrenet/ und erfreut/ wann aus dem weiten See/ die heitre Sonne ſcheint. Das reiff-befruch- te Holtz. Der Aſt iſt/ begruͤnet/ bebluͤet/ mit dem leichten Blat behenkt/ hart und rauch bekleidet/ ſchwebt in der freyen Lufft gleicht den verborgnen Wurtzelzweigen. Jn unbefaͤlter Lufft droͤnt eines Baumes Gipfel/ der waͤchſet Stuffenweis ꝛc. Der gruͤne Aſt hat die Deutung eines guten Anfangs/ wie hingegen der falbe Aſt die Deutung der Unfruchtbarkeit und deß Verderbens. Auen. ☞ Auen/ Feld/ Wieſen/ Anger. 27. Aufruhr. Auflauf/ Empoͤrung/ Vergadrung/ der Auf- ſtand von dem Volk/ erheiſcht die Obrigkeit fuͤr Recht/ dardurch das gantze Land geſetzt in Angſt und Noht; Es fallen die Geſetze ein jeder iſt ſein Herr/ ein Herr der nicht verſteht/ das/ was Ge- horſam heiſſt. Die Vorbotten ſind die heimlichen Schmaͤh-

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/harsdoerffer_trichter03_1653
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/harsdoerffer_trichter03_1653/164
Zitationshilfe: Harsdörffer, Georg Philipp: Poetischer Trichter. Bd. 3. Nürnberg, 1653, S. 132. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/harsdoerffer_trichter03_1653/164>, abgerufen am 14.10.2019.