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Harsdörffer, Georg Philipp: Poetischer Trichter. Bd. 3. Nürnberg, 1653.

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Eiche.
der Herr * so mich zerbricht schaut zu dem Fen-
ster aus
86. Eiche. Eichel.

Der Menschen erste Kost/ der breit beblätterte
schattigte Baum/ darvon man hat gemacht den
wehrten Burger-Krantz (coronam civicam.)

Der Eichenbaum ist rauh/ hoch/ bejahrt/ dick-
belaubt/ Schattenreich/ ausgezweigt/ wolbe-
grünt/ ausgehölt/ voll schwerer Aeste/ mit Frucht
belastet/ der sich der Zeiten Rub erneurend wider-
setzet. Er seuffzet ob der Axt/ die ihn in Ofen bringt/
beastet umb und umb/ trägt eine kleine Frucht/
und ist doch übergroß.

Der Eichbaum bedeutet Stärke/ die Eichel
Gesparsamkeit ein anders ist eigen proprium.

87. Eid.

Der GOTT verpflichte Schwur/ der War-
heit helles Liecht Beweiß/ Zeichen/ Augenschein/
der Wunsch/ der alle Falschheit stürtzt/ in den
tieffen Höllengrund. Mit Eid und Pflicht ver-
hafftet/ zugethan/ geferttiget/ dienstbar. Gezwun-
gener Eid bringt Hertzenleid.

Wird gebildet durch die aufgehabne Hand
gegen dem Himmel/ mit Aufreckung deß Daums
Zeiger und Mittelfingers.

88. Eile.

Hastig/ unverzögert/ ohn Verschnauffen schnell

erlauf-
* das Hünlein wann es schlieft.
Eiche.
der Herr * ſo mich zerbricht ſchaut zu dem Fen-
ſter aus
86. Eiche. Eichel.

Der Menſchen erſte Koſt/ der breit beblaͤtterte
ſchattigte Baum/ darvon man hat gemacht den
wehrten Burger-Krantz (coronam civicam.)

Der Eichenbaum iſt rauh/ hoch/ bejahrt/ dick-
belaubt/ Schattenreich/ ausgezweigt/ wolbe-
gruͤnt/ ausgehoͤlt/ voll ſchwerer Aeſte/ mit Frucht
belaſtet/ der ſich der Zeiten Rub erneurend wider-
ſetzet. Er ſeuffzet ob der Axt/ die ihn in Ofẽ bringt/
beaſtet umb und umb/ traͤgt eine kleine Frucht/
und iſt doch uͤbergroß.

Der Eichbaum bedeutet Staͤrke/ die Eichel
Geſparſamkeit ein anders iſt eigen proprium.

87. Eid.

Der GOTT verpflichte Schwur/ der War-
heit helles Liecht Beweiß/ Zeichen/ Augenſchein/
der Wunſch/ der alle Falſchheit ſtuͤrtzt/ in den
tieffen Hoͤllengrund. Mit Eid und Pflicht ver-
hafftet/ zugethan/ geferttiget/ dienſtbar. Gezwun-
gener Eid bringt Hertzenleid.

Wird gebildet durch die aufgehabne Hand
gegen dem Himmel/ mit Aufreckung deß Daums
Zeiger und Mittelfingers.

88. Eile.

Haſtig/ unverzoͤgert/ ohn Verſchnauffen ſchnell

erlauf-
* das Huͤnlein wann es ſchlieft.
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[177[175]/0207] Eiche. der Herr * ſo mich zerbricht ſchaut zu dem Fen- ſter aus 86. Eiche. Eichel. Der Menſchen erſte Koſt/ der breit beblaͤtterte ſchattigte Baum/ darvon man hat gemacht den wehrten Burger-Krantz (coronam civicam.) Der Eichenbaum iſt rauh/ hoch/ bejahrt/ dick- belaubt/ Schattenreich/ ausgezweigt/ wolbe- gruͤnt/ ausgehoͤlt/ voll ſchwerer Aeſte/ mit Frucht belaſtet/ der ſich der Zeiten Rub erneurend wider- ſetzet. Er ſeuffzet ob der Axt/ die ihn in Ofẽ bringt/ beaſtet umb und umb/ traͤgt eine kleine Frucht/ und iſt doch uͤbergroß. Der Eichbaum bedeutet Staͤrke/ die Eichel Geſparſamkeit ein anders iſt eigen proprium. 87. Eid. Der GOTT verpflichte Schwur/ der War- heit helles Liecht Beweiß/ Zeichen/ Augenſchein/ der Wunſch/ der alle Falſchheit ſtuͤrtzt/ in den tieffen Hoͤllengrund. Mit Eid und Pflicht ver- hafftet/ zugethan/ geferttiget/ dienſtbar. Gezwun- gener Eid bringt Hertzenleid. Wird gebildet durch die aufgehabne Hand gegen dem Himmel/ mit Aufreckung deß Daums Zeiger und Mittelfingers. 88. Eile. Haſtig/ unverzoͤgert/ ohn Verſchnauffen ſchnell erlauf- * das Huͤnlein wann es ſchlieft.

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Zitationshilfe: Harsdörffer, Georg Philipp: Poetischer Trichter. Bd. 3. Nürnberg, 1653, S. 177[175]. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/harsdoerffer_trichter03_1653/207>, abgerufen am 20.01.2020.