Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Harsdörffer, Georg Philipp: Poetischer Trichter. Bd. 3. Nürnberg, 1653.

Bild:
<< vorherige Seite
Eißzapfe.
so zieh' ich nach uud nach den Harnisch wieder
aus.
92. Ein Eißzapfe.
Jch wachse lang und dünn/ doch niemals aus
der Erden:
(Kan auch dergleichen Stamm bey uns gefun-
den werden?)
Hab keine Wurtzel nicht/ spross' aus deß Him-
mels Feld
mich kennt ein jedes Kind und kaufft mich oh-
ne Geld.

Dieses Deutung ist Frost/ Kält und der Winter.

Winter/ Schnee/ Kält etc.

93. Eisen.

Das harte Pflug Metall. Zu Spiesen und
zu Stangen/ zu Waffen und Pistölen. Wer hat
erst in den Schlund der Erden sich vertieffet/
die schweren Eisenschlacken ohn Stahl und Ei-
sen hacken/ erhaben aus den Grund und sie zu
Tubalsfund dem Ofen eingesteckt. Wer kan ohn
Eisen leben? Wer kan den Freudenreben beschnei-
den ohne Kneiff? Mit eisenharter Mühe und nie
erlegnen Fleiß/ bringt/ haut/ gräbt/ zieht/ schrollt
man das Eisen Ertz aus den verrosten Stollen.

Das Eisen hat die Deutung der Hartneckig-
keit/ und hat jener recht über den Pflug geschrie-
ben: rast ich/ so rost ich.

Elend miseria: Elent Alcis.

94. El-
Eißzapfe.
ſo zieh’ ich nach uud nach den Harniſch wieder
aus.
92. Ein Eißzapfe.
Jch wachſe lang und duͤnn/ doch niemals aus
der Erden:
(Kan auch dergleichen Stamm bey uns gefun-
den werden?)
Hab keine Wurtzel nicht/ ſproſſ’ aus deß Him-
mels Feld
mich kennt ein jedes Kind und kaufft mich oh-
ne Geld.

Dieſes Deutung iſt Froſt/ Kaͤlt und der Winteꝛ.

☞Winter/ Schnee/ Kaͤlt ꝛc.

93. Eiſen.

Das harte Pflug Metall. Zu Spieſen und
zu Stangen/ zu Waffen und Piſtoͤlen. Wer hat
erſt in den Schlund der Erden ſich vertieffet/
die ſchweren Eiſenſchlacken ohn Stahl und Ei-
ſen hacken/ erhaben aus den Grund und ſie zu
Tubalsfund dem Ofen eingeſteckt. Wer kan ohn
Eiſen leben? Wer kan den Freudenreben beſchnei-
den ohne Kneiff? Mit eiſenharter Muͤhe und nie
erlegnen Fleiß/ bringt/ haut/ graͤbt/ zieht/ ſchrollt
man das Eiſen Ertz aus den verroſten Stollen.

Das Eiſen hat die Deutung der Hartneckig-
keit/ und hat jener recht uͤber den Pflug geſchrie-
ben: raſt ich/ ſo roſt ich.

Elend miſeria: Elent Alcis.

94. El-
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <div n="3">
            <lg type="poem">
              <pb facs="#f0210" n="180[178]"/>
              <fw place="top" type="header">Eißzapfe.</fw><lb/>
              <l>&#x017F;o zieh&#x2019; ich nach uud nach den Harni&#x017F;ch wieder</l><lb/>
              <l> <hi rendition="#et">aus.</hi> </l>
            </lg>
          </div><lb/>
          <div n="3">
            <head> <hi rendition="#fr"> <hi rendition="#b">92. Ein Eißzapfe.</hi> </hi> </head><lb/>
            <lg type="poem">
              <l>Jch wach&#x017F;e lang und du&#x0364;nn/ doch niemals aus</l><lb/>
              <l> <hi rendition="#et">der Erden:</hi> </l><lb/>
              <l>(Kan auch dergleichen Stamm bey uns gefun-</l><lb/>
              <l> <hi rendition="#et">den werden?)</hi> </l><lb/>
              <l>Hab keine Wurtzel nicht/ &#x017F;pro&#x017F;&#x017F;&#x2019; aus deß Him-</l><lb/>
              <l> <hi rendition="#et">mels Feld</hi> </l><lb/>
              <l>mich kennt ein jedes Kind und kaufft mich oh-</l><lb/>
              <l> <hi rendition="#et">ne Geld.</hi> </l>
            </lg><lb/>
            <p>Die&#x017F;es Deutung i&#x017F;t Fro&#x017F;t/ Ka&#x0364;lt und der Winte&#xA75B;.</p><lb/>
            <p>&#x261E;Winter/ Schnee/ Ka&#x0364;lt &#xA75B;c.</p>
          </div><lb/>
          <div n="3">
            <head> <hi rendition="#fr"> <hi rendition="#b">93. Ei&#x017F;en.</hi> </hi> </head><lb/>
            <p>Das harte Pflug Metall. Zu Spie&#x017F;en und<lb/>
zu Stangen/ zu Waffen und Pi&#x017F;to&#x0364;len. Wer hat<lb/>
er&#x017F;t in den Schlund der Erden &#x017F;ich vertieffet/<lb/>
die &#x017F;chweren Ei&#x017F;en&#x017F;chlacken ohn Stahl und Ei-<lb/>
&#x017F;en hacken/ erhaben aus den Grund und &#x017F;ie zu<lb/>
Tubalsfund dem Ofen einge&#x017F;teckt. Wer kan ohn<lb/>
Ei&#x017F;en leben? Wer kan den Freudenreben be&#x017F;chnei-<lb/>
den ohne Kneiff? Mit ei&#x017F;enharter Mu&#x0364;he und nie<lb/>
erlegnen Fleiß/ bringt/ haut/ gra&#x0364;bt/ zieht/ &#x017F;chrollt<lb/>
man das Ei&#x017F;en Ertz aus den verro&#x017F;ten Stollen.</p><lb/>
            <p>Das <hi rendition="#fr">Ei&#x017F;en</hi> hat die Deutung der Hartneckig-<lb/>
keit/ und hat jener recht u&#x0364;ber den Pflug ge&#x017F;chrie-<lb/>
ben: <hi rendition="#fr">ra&#x017F;t ich/ &#x017F;o ro&#x017F;t ich.</hi></p><lb/>
            <p> <hi rendition="#fr">Elend</hi> <hi rendition="#aq">mi&#x017F;eria:</hi> <hi rendition="#fr">Elent</hi> <hi rendition="#aq">Alcis.</hi> </p>
          </div><lb/>
          <fw place="bottom" type="catch"> <hi rendition="#b">94. El-</hi> </fw><lb/>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[180[178]/0210] Eißzapfe. ſo zieh’ ich nach uud nach den Harniſch wieder aus. 92. Ein Eißzapfe. Jch wachſe lang und duͤnn/ doch niemals aus der Erden: (Kan auch dergleichen Stamm bey uns gefun- den werden?) Hab keine Wurtzel nicht/ ſproſſ’ aus deß Him- mels Feld mich kennt ein jedes Kind und kaufft mich oh- ne Geld. Dieſes Deutung iſt Froſt/ Kaͤlt und der Winteꝛ. ☞Winter/ Schnee/ Kaͤlt ꝛc. 93. Eiſen. Das harte Pflug Metall. Zu Spieſen und zu Stangen/ zu Waffen und Piſtoͤlen. Wer hat erſt in den Schlund der Erden ſich vertieffet/ die ſchweren Eiſenſchlacken ohn Stahl und Ei- ſen hacken/ erhaben aus den Grund und ſie zu Tubalsfund dem Ofen eingeſteckt. Wer kan ohn Eiſen leben? Wer kan den Freudenreben beſchnei- den ohne Kneiff? Mit eiſenharter Muͤhe und nie erlegnen Fleiß/ bringt/ haut/ graͤbt/ zieht/ ſchrollt man das Eiſen Ertz aus den verroſten Stollen. Das Eiſen hat die Deutung der Hartneckig- keit/ und hat jener recht uͤber den Pflug geſchrie- ben: raſt ich/ ſo roſt ich. Elend miſeria: Elent Alcis. 94. El-

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/harsdoerffer_trichter03_1653
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/harsdoerffer_trichter03_1653/210
Zitationshilfe: Harsdörffer, Georg Philipp: Poetischer Trichter. Bd. 3. Nürnberg, 1653, S. 180[178]. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/harsdoerffer_trichter03_1653/210>, abgerufen am 17.10.2019.