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Harsdörffer, Georg Philipp: Poetischer Trichter. Bd. 3. Nürnberg, 1653.

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Fels.
Felsenberge Hügel/ höhen. Da die Wellen sich
zerprellen und zerschällen/ die durch die Fluten einge-
dammt da die Fluten sich mit schaumen stossen
und nicht mehr gesamt rollen ihren Würbel Lauff.
Da deß Wassers Silber Glantz endet seiner Flu-
ten Dantz. Die Struten stiegen hoch/ gleich Fel-
sen hohen Bergen/ die Klippen zuverbergen.

Der Fels hat die Deutung der unbewegli-
chen Standhafftigkeit.

117. Fessel.

Die harten/ schweren Strangen/ engen/ knir-
schenden/ ängstigen Knechtschafft Bande/ Ket-
ten/ das Pfand der Dienstbarkeit/ das überschwe-
re Joch. Die Festen Fessel drucken/ zwängen/ be-
lasten/ behindern den Gang mit hartbezwängten
Klang.

Die Fessel haben die Deutung der obhaben-
den Dienstbarkeit/ und Knechtschafft.

118. Feuer.

Die guldne/ saffrane/ Purpurhelle/ Sonnen
Farbe Hitze/ die hauende Flamme/ Glut/ Brand/
der niemals satte/ nie vergnügte/ vernichtende/ zu
Grund und Aschen richtende Wasser Feind. Es
flammet Wellenweis/ Lufftauf/ Himmelan.
Das Feuer erweicht/ zerschmeltzt/ lösset auf/ er-
leuchtet/ zieht oder wendet aller Augen an sich/
das Feuer äschert ein/ das was verbrennlich ist/
erschreckt/ beleucht/ zertheilt die Finsterniß/ der

Miße-

Fels.
Felſenberge Huͤgel/ hoͤhen. Da die Wellen ſich
zerprellen und zerſchaͤllẽ/ die durch die Flutẽ einge-
dammt da die Fluten ſich mit ſchaumen ſtoſſen
und nicht mehr geſamt rollen ihrẽ Wuͤrbel Lauff.
Da deß Waſſers Silber Glantz endet ſeiner Flu-
ten Dantz. Die Struten ſtiegen hoch/ gleich Fel-
ſen hohen Bergen/ die Klippen zuverbergen.

Der Fels hat die Deutung der unbewegli-
chen Standhafftigkeit.

117. Feſſel.

Die harten/ ſchweren Strangen/ engen/ knir-
ſchenden/ aͤngſtigen Knechtſchafft Bande/ Ket-
ten/ das Pfand der Dienſtbarkeit/ das uͤberſchwe-
re Joch. Die Feſten Feſſel drucken/ zwaͤngen/ be-
laſten/ behindern den Gang mit hartbezwaͤngten
Klang.

Die Feſſel haben die Deutung der obhaben-
den Dienſtbarkeit/ und Knechtſchafft.

118. Feuer.

Die guldne/ ſaffrane/ Purpurhelle/ Sonnen
Farbe Hitze/ die hauende Flamme/ Glut/ Brand/
der niemals ſatte/ nie vergnuͤgte/ vernichtende/ zu
Grund und Aſchen richtende Waſſer Feind. Es
flammet Wellenweis/ Lufftauf/ Himmelan.
Das Feuer erweicht/ zerſchmeltzt/ loͤſſet auf/ er-
leuchtet/ zieht oder wendet aller Augen an ſich/
das Feuer aͤſchert ein/ das was verbrennlich iſt/
erſchreckt/ beleucht/ zertheilt die Finſterniß/ der

Miße-
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[200[198]/0230] Fels. Felſenberge Huͤgel/ hoͤhen. Da die Wellen ſich zerprellen und zerſchaͤllẽ/ die durch die Flutẽ einge- dammt da die Fluten ſich mit ſchaumen ſtoſſen und nicht mehr geſamt rollen ihrẽ Wuͤrbel Lauff. Da deß Waſſers Silber Glantz endet ſeiner Flu- ten Dantz. Die Struten ſtiegen hoch/ gleich Fel- ſen hohen Bergen/ die Klippen zuverbergen. Der Fels hat die Deutung der unbewegli- chen Standhafftigkeit. 117. Feſſel. Die harten/ ſchweren Strangen/ engen/ knir- ſchenden/ aͤngſtigen Knechtſchafft Bande/ Ket- ten/ das Pfand der Dienſtbarkeit/ das uͤberſchwe- re Joch. Die Feſten Feſſel drucken/ zwaͤngen/ be- laſten/ behindern den Gang mit hartbezwaͤngten Klang. Die Feſſel haben die Deutung der obhaben- den Dienſtbarkeit/ und Knechtſchafft. 118. Feuer. Die guldne/ ſaffrane/ Purpurhelle/ Sonnen Farbe Hitze/ die hauende Flamme/ Glut/ Brand/ der niemals ſatte/ nie vergnuͤgte/ vernichtende/ zu Grund und Aſchen richtende Waſſer Feind. Es flammet Wellenweis/ Lufftauf/ Himmelan. Das Feuer erweicht/ zerſchmeltzt/ loͤſſet auf/ er- leuchtet/ zieht oder wendet aller Augen an ſich/ das Feuer aͤſchert ein/ das was verbrennlich iſt/ erſchreckt/ beleucht/ zertheilt die Finſterniß/ der Miße-

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Zitationshilfe: Harsdörffer, Georg Philipp: Poetischer Trichter. Bd. 3. Nürnberg, 1653, S. 200[198]. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/harsdoerffer_trichter03_1653/230>, abgerufen am 19.01.2020.