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Stats- und Gelehrte Zeitung des Hamburgischen unpartheyischen Correspondenten. Nr. 108, Hamburg, 10. Julii 1731.

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[Spaltenumbruch] nach Amsterdam, mit Roggen, Bock- und Reh-
Haar, Lars Larson, nach Geste, mit Roggen, Flachs
und Flachs-Heede, Herman Steffens, nach Lübeck,
mit Roggen, roh Ochsen-Leder, Flachs und Hanff,
Jan Schmidt, nach Amsterdam, mit Roggen, und
Jürgen Fick, nach Lübeck, mit roh Ochsen-Leder
und Flachs. Von Cronstadt sind den 8. in See
gegangen: Gregorius Perwiz, Ernst Mülden und
Henrich Haslop. Tages aber darauf ist daselbst
eingegangen: Schiffer Jochim Dressen, von Ham-
burg kommend, an Herman Meyer u. Compagnie.
In Archangel sind noch den 25. Passati weder aus-
ländische Schiffe noch Rußische Fahrzeuge mit Fi-
schen angekommen gewesen, so daß wohl allem
Ansehen nach das weisse Meer noch voller Eyß seyn
muß.


Aus Kaminiec wird berichtet, daß der Preyß
des Getreydes bisher sich nicht mindere. In Po-
dolien wären die Cosacken aus ihrem Lager, so
8000. Mann starck, in die Pohlnische Ukraine ein-
gefallen, und verschoneten niemand mit Rauben
und Morden, noch weniger die Adelichen Höfe,
wie auch die Dörffer und Städte; so gar zur Zeit
der Marckt-Tage und Jahrmärckte, insbesondere
nähmen sie alle befindliche Pferde weg. Selbige
führten auch ihre Weiber mit sich in Manns-Klei-
dern verkleidet, die gleichfalls Rauben und der-
gleichen Thätlichkeiten mehr verübten, da dieses
böse Gesindel sehr angewachsen, durch den Zu-
tritt der Räuberischen Cosacken und Bauren. Der
Primas Regni, nachdem er auf des Castellans
von Posen Beylager sich zween Tage aufgehalten,
ist sodann von danach Chocim aufgebrochen, und
hat bey dem Hn. Supiacha, Starosten von Frau-
stadt das Mittagmal eingenommen, ferner ist er nach
dem Woywoden von Kyow gegangen, und von
da auf Kalisch nach Lowiz abgereiset. Der Woy-
woda von Kyow hat dem Primas Regni mit gros-
sen Ehren-Bezeugungen empfangen, und ist die
Bürgerschafft in Krotoseyn ihm mit fliegenden
Fahnen entgegen gegangen, hat ihn auch biß in
die Kirche geleitet. Die Jüdische Synagoge hat-
te ihn auch gleichfalls mit einer Musique bey dessen
Einzug bewillkommet: Dahingegen bey dem Ein-
gang zu der Kirche die Geistlichkeit ihm mit bren-
nenden Wachs-Lichtern begegnet, und dasiger De-
chant ihm mit einer wohlgezierten Lateinischen Rede
begrüsset. Darauf er sich, nach vollzogener
Residirung, nach dem Schloß erhoben, und von
[Spaltenumbruch]
dem Hn. Woywoden von Kyow bewillkommet wor-
den ist. Nach dem Mittagsmahl ist er wieder nach
der Kirche gefahren, wo er die Olla Sacra
revidiret, auch die geistliche Gerichte daselbst aus-
geübet hat.


Verwichenen Sonntag haben Ihro Kayserl.
Majest. das Sauer-Brunnen-Wasser von Ro-
bitsch, wie jährlich gewöhnlich, zu trincken ange-
fangen. Ohngeachtet die Berahtschlagungen
zwischen den Kayserl. und ausländischen Mini-
stern noch immer fleißig fortgesezet werden; so
kann man doch hiervon nichts gesichertes in Erfah-
rung bringen, weil sehr viel verschiedliches, die
Italiänischen und Spanischen Sachen betreffend,
geschrieben wird, jedoch wird sich das mehreste
auf die Niederkunfft der verwittibten Herzogin
von Parma beruffen. Von Genua wird berichtet,
daß das kleine Geschwader so in 2. Galleeren, 2.
Schiffen, 4. Pincken und 2. Corallen-Schiffen be-
stehet, stets auf den Corsischen Küsten herum streif-
fen, um alle Beyhülffe den Rebellen auf der In-
sul Corsica zu verhindern. Auch ist zu gedachtem
Genua ein Patent kund gemachet worden, krafft
welches allen Schiffen, sie seyn von was Ration
sie wollen, der Handel mit besagter Insul verbo-
then wird, und solle keines in jenem Königreich,
ausser zu Bastia, Calvi, Ajaccio und Bonifacio bey
Lebens Straffe und Verlust der Waaren anlan-
den: Dahero sollen sich solche Rebellen schon er-
bohten haben, sich mit der Republic in einem Ver-
gleich einzulassen, zumahl ihnen auch bekannt
worden, daß mehr erwehnte Republic eine grosse
Anzahl Mannschafft von dem Römischen Kayser,
gegen baare Bezahlung übernommen habe.


Am Mittwochen Vormittags hatte der Türckische
ausserordentliche Gesandte Mustapha Effendi sei-
ne öffentliche Audienz bey Ihro Kayserl. Cathol.
Majest. allerhöchsten Monarchen in der Favorita,
zu welcher derselbe in einem schönen Kayserl. Hof-
Wagen mit sechs Pferden bespannet, mit gewöhnl.
Ceremonien aus seinem Quartier abgeholet, und
nachgehends wieder zurück geführet worden.
Heute den 30sten Junii ist der lezte Transport der
Recruten für das Löbl. Graf Walseggische Infan-
terie-Regiment, so in 100. lauter schöner und
auserlesener Mannschafft bestanden, von hier
nach der Lombardie zu dem löblichen Regiment
abgeschicket worden.

[Spaltenumbruch] nach Amſterdam, mit Roggen, Bock- und Reh-
Haar, Lars Larſon, nach Geſte, mit Roggen, Flachs
und Flachs-Heede, Herman Steffens, nach Luͤbeck,
mit Roggen, roh Ochſen-Leder, Flachs und Hanff,
Jan Schmidt, nach Amſterdam, mit Roggen, und
Juͤrgen Fick, nach Luͤbeck, mit roh Ochſen-Leder
und Flachs. Von Cronſtadt sind den 8. in See
gegangen: Gregorius Perwiz, Ernſt Muͤlden und
Henrich Haslop. Tages aber darauf iſt daſelbſt
eingegangen: Schiffer Jochim Dreſſen, von Ham-
burg kommend, an Herman Meyer u. Compagnie.
In Archangel ſind noch den 25. Paſſati weder aus-
laͤndiſche Schiffe noch Rußiſche Fahrzeuge mit Fi-
ſchen angekommen geweſen, ſo daß wohl allem
Anſehen nach das weiſſe Meer noch voller Eyß seyn
muß.


Aus Kaminiec wird berichtet, daß der Preyß
des Getreydes bisher ſich nicht mindere. In Po-
dolien waͤren die Coſacken aus ihrem Lager, ſo
8000. Mann ſtarck, in die Pohlniſche Ukraine ein-
gefallen, und verſchoneten niemand mit Rauben
und Morden, noch weniger die Adelichen Hoͤfe,
wie auch die Doͤrffer und Staͤdte; ſo gar zur Zeit
der Marckt-Tage und Jahrmaͤrckte, insbeſondere
naͤhmen ſie alle befindliche Pferde weg. Selbige
fuͤhrten auch ihre Weiber mit ſich in Manns-Klei-
dern verkleidet, die gleichfalls Rauben und der-
gleichen Thaͤtlichkeiten mehr veruͤbten, da dieſes
boͤſe Geſindel ſehr angewachſen, durch den Zu-
tritt der Raͤuberiſchen Coſacken und Bauren. Der
Primas Regni, nachdem er auf des Caſtellans
von Poſen Beylager ſich zween Tage aufgehalten,
iſt ſodann von danach Chocim aufgebrochen, und
hat bey dem Hn. Supiacha, Staroſten von Frau-
ſtadt das Mittagmal eingenom̃en, ferner iſt er nach
dem Woywoden von Kyow gegangen, und von
da auf Kaliſch nach Lowiz abgereiſet. Der Woy-
woda von Kyow hat dem Primas Regni mit groſ-
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Buͤrgerſchafft in Krotoſeyn ihm mit fliegenden
Fahnen entgegen gegangen, hat ihn auch biß in
die Kirche geleitet. Die Juͤdiſche Synagoge hat-
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Einzug bewillkommet: Dahingegen bey dem Ein-
gang zu der Kirche die Geiſtlichkeit ihm mit bren-
nenden Wachs-Lichtern begegnet, und daſiger De-
chant ihm mit einer wohlgezierten Lateiniſchen Rede
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Reſidirung, nach dem Schloß erhoben, und von
[Spaltenumbruch]
dem Hn. Woywoden von Kyow bewillkom̃et wor-
den iſt. Nach dem Mittagsmahl iſt er wieder nach
der Kirche gefahren, wo er die Olla Sacra
revidiret, auch die geiſtliche Gerichte daſelbſt aus-
geuͤbet hat.


Verwichenen Sonntag haben Ihro Kayſerl.
Majeſt. das Sauer-Brunnen-Wasser von Ro-
bitſch, wie jaͤhrlich gewoͤhnlich, zu trincken ange-
fangen. Ohngeachtet die Berahtſchlagungen
zwiſchen den Kayſerl. und auslaͤndiſchen Mini-
ſtern noch immer fleißig fortgeſezet werden; ſo
kann man doch hiervon nichts geſichertes in Erfah-
rung bringen, weil ſehr viel verſchiedliches, die
Italiaͤniſchen und Spaniſchen Sachen betreffend,
geſchrieben wird, jedoch wird ſich das mehreſte
auf die Niederkunfft der verwittibten Herzogin
von Parma beruffen. Von Genua wird berichtet,
daß das kleine Geſchwader ſo in 2. Galleeren, 2.
Schiffen, 4. Pincken und 2. Corallen-Schiffen be-
ſtehet, ſtets auf den Corſiſchen Kuͤſten herum ſtreif-
fen, um alle Beyhuͤlffe den Rebellen auf der In-
ſul Corſica zu verhindern. Auch iſt zu gedachtem
Genua ein Patent kund gemachet worden, krafft
welches allen Schiffen, ſie ſeyn von was Ration
ſie wollen, der Handel mit beſagter Inſul verbo-
then wird, und ſolle keines in jenem Koͤnigreich,
auſſer zu Baſtia, Calvi, Ajaccio und Bonifacio bey
Lebens Straffe und Verluſt der Waaren anlan-
den: Dahero ſollen ſich ſolche Rebellen ſchon er-
bohten haben, ſich mit der Republic in einem Ver-
gleich einzulaſſen, zumahl ihnen auch bekannt
worden, daß mehr erwehnte Republic eine groſſe
Anzahl Mannſchafft von dem Roͤmiſchen Kayſer,
gegen baare Bezahlung uͤbernommen habe.


Am Mittwochen Vormittags hatte der Tuͤrckiſche
auſſerordentliche Geſandte Muſtapha Effendi ſei-
ne oͤffentliche Audienz bey Ihro Kayſerl. Cathol.
Majeſt. allerhoͤchſten Monarchen in der Favorita,
zu welcher derſelbe in einem ſchoͤnen Kayſerl. Hof-
Wagen mit ſechs Pferden beſpannet, mit gewoͤhnl.
Ceremonien aus ſeinem Quartier abgeholet, und
nachgehends wieder zuruͤck gefuͤhret worden.
Heute den 30ſten Junii iſt der lezte Tranſport der
Recruten fuͤr das Loͤbl. Graf Walſeggiſche Infan-
terie-Regiment, ſo in 100. lauter ſchoͤner und
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nach der Lombardie zu dem loͤblichen Regiment
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Zitationshilfe: Stats- und Gelehrte Zeitung des Hamburgischen unpartheyischen Correspondenten. Nr. 108, Hamburg, 10. Julii 1731, S. [2]. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/hc_1081007_1731/2>, abgerufen am 25.03.2019.