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Staats- und Gelehrte Zeitung des Hamburgischen unpartheyischen Correspondenten. Nr. 112, Hamburg, 15. Juli 1789.

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[Spaltenumbruch] und der nöthigen Ammunition, auch eine Compagnie
Artilleristen mit 10 Feldstücken, nebst 150 Cosacken.
Vermuthlich sind diese Truppen zu einer Landung an
der Küste von Schwedisch-Finnland bestimmt. Die
große Rußische Flotte hat in der Mitte des Junius
auf der Rhede von Reval gelegen, und einige Schiffe
ausgeschickt, um die Ankunft der Schwedischen Flotte
zu signaliren. Der Capitain Trevenon ist indeß von
der Rußischen Flotte mit einer Verstärkung an Schiffen
und Fregatten, nebst den nöthigen Soldaten am Bord,
detaschirt worden, um sich, wo möglich, des Posten
von Hangood zu bemächtigen. -- Ein Rußischer Kreuzer
hatte ein Preußisches Schiff genommen, welches mit
gesalzenem Fleisch nach Helsingfors bestimmt war;
aber die Kayserinn von Rußland hat sogleich befohlen,
daß das Schiff in Freyheit gesetzt, und die Kosten der
Verzögerung bezahlt werden sollen.


Aus Finnland ist Nachricht eingegangen, daß auch
der General-Major Knorring ein Corps Schweden von
800 Mann geschlagen, eine Kanone erobert, und einige
feindliche Fahrzeuge verbrannt habe.


Se. Durchl. der Herr Landgraf, haben nun auch
Jhren Kanzler und ersten Lehrer der Universität Rin-
teln, wie auch ersten Lehrer der Staatswirthschaft,
Herrn von Springer, zum vorsitzenden ordentlichen
Lehrer bey der Juristen Facultät ernannt.




Von gelehrten Sachen.
Arethusa, oder die Bukolischen Dichter des Alterthums.
Erster Theil, gedruckt und verlegt bey Johann Friedrich
Unger.

Dies Werk muß einem jeden, der sich für das ächte
Schöne intereßirt, eine desto willkommnere Erscheinung
seyn, je seltener in unsern Tagen die uneigennützigen
Bemühungen für die wahre Vervollkommung unsrer
Litteratur werden, und je häufiger die Arbeiten des
Geistes auf unmittelbaren Geldgewinn kalkulirt wer-
den. Der edle und ruhmwürdige Verfasser dieser
Schrift hat sich in den Dichter, den er bearbeitet, mit
ganzer Seele hineingedacht, um ihn uns in unsrer
Sprache metrisch wiederzugeben. Jhm ist die wahre
und unverfälschte Menschheit, die sich in Theokrits
Jdyllen unsern Augen so liebenswürdig darstellt, kein
unwichtiger und unbedeutender Gegenstand gewesen;
er hat es der Mühe werth gefunden, sich in das kleinste
Detail seines Dichters einzulassen, um den Schatz von
ächter poetischer Darstellung, welcher darinn liegt, zu
enthüllen; und er hat es seiner Muße nicht unwürdig
gefunden, die schönen entflohenen Zeiten des griechi-
schen Alterthums wieder vor unsern Blick zu zaubern.
Dieser erste Theil enthält einen Versuch über das Bu-
kolische Gedicht, und die Jdyllen des Theokrit in
Deutsche Hexameter übersetzt. Der schöne simple und
reine Druck dieser Schrift mit Didotschen Lettern ist
ihres Jnhalts würdig, und dieser Jnhalt und die äußere
geschmackvolle Einrichtung sind ein Beweis, daß der
Verfasser und Verleger aus Liebe zu ihrem Gegenstande
zu Werke gegangen, und darauf bedacht gewesen sind,
ein Werk zu liefern, das Deutschland Ehre macht.
[Spaltenumbruch] Kostet auf großem Format 13 Mk. 12 ßl. und in ge-
wöhnlichem Format 9 Mk.




Philosophische Aufsätze von Joh. Georg Müller,
gr. 8vo. Breslau, bey G. Löwe, 1789. 543 S. ohne
Zueignungsschrift und Jnhalt.

Der Verfasser (ein Bruder des geh. Legationsrath
in Maynz) zeigt sich in diesen Aufsätzen als einen hellen
gründlichen Denker und bescheidenen Forscher. Die
Erziehung des Menschengeschlechts durch alle Zeit-
alter der Welt darzustellen, scheint der Hauptzweck des
Verfassers zu seyn, den er bey diesem Buche vor Augen
hatte; dieser Zweck ist besonders sichtbar in den Auf-
sätzen über den Geist des Mosaischen Gesetzes, über die
Verfassung des Jüdischen Volks, über Jesum, seine
Lehre und deren Wirkung auf Philosophie, Politik,
u. s. w. die den größten Theil des Buchs ausmachen,
und viele treffliche neue Bemerkungen enthalten. Man
kann das Ganze als einen Commentar über Leßings
Erziehung des Menschengeschlechts ansehen, welche
Schrift auch öfters angeführt wird. Der Verfasser ist
ein Schüler (aber nicht Nachbeter Herders,) und man
wird seinen Aufsätzen gern einen Platz neben den Jdeen
zur Geschichte der Menschheit einräumen, mit welchen
sie in einiger Verbindung stehen, auch wird die Be-
scheidenheit, mit der er seine Sätze vorträgt, ihm den
Beyfall solcher Leser verschaffen, die nicht in allen
Stücken mit ihm gleich denken möchten.

Die ausgezeichnete Schönheit des Drucks und Papiers
ist sehr einladend, und eine von Herrn Berger in
Berlin vortrefflich gestochene Minerva, als Titel-
Vigneite, trägt zur äußern Zierde ungemein viel
bey.




Dem hiesigen Wohll. Niedergerichte haben Srs. Johann Pe-
ter Graape
und Nicolaus Gülich, uxor. mandatario et cu-
ratorio nom., per Procurstorem implorando
abermals zu ver-
nehmen gegeben, welchergestalt hieselbst am 8ten April a. c.
der Ehrbare Oberalte, Johann Gottlieb Gerhard, verstor-
ben, und sie, Jmploranten, als dessen hinterlassene Kinder,
da sie von der Beschaffenheit des Vermögens-Zustandes des
Defuncti nicht genug unterrichtet wären, und die Verbin-
dungen, worinn derselbe, als Kaufmann, bey seinem Leben
gestanden, zu wenig kennten, dessen Nachlaß nicht anders,
als cum beneficio legis et Inventarii. hätten antreten kön-
nen; auch diese ihre Erklärungen, welche sie, per Supplicas.
bey Einem Hochedlen und Hochweisen Rathe eingebracht, von
Hochdemselben, ausweise beygebrachter Decreten, angenom-
men worden. Wann nun die Gesetze dieser Stadt, ihnen
Jmploranten, im gegenwärtigen Falle die Art und Weise
vorzeichneten, wie sie zu handeln schuldig wären; so befolg-
ten sie dieselben dadurch, indem sie um die Erkennung eines
Proclamatis, des Jnhalts, geziemend bäten: Daß alle dieje-
nigen, welche an den Nachlaß des hieselbst verstorbenen Ehr-
baren Oberalten, Johann Gottlieb Gerhard, ex capite cre-
diti, vel ex alia quacunque causa,
einige rechtliche Ansprache
und Forderung zu haben vermeynten, wie auch diejenigen,
welche von dem Defuncto etwas in Händen hätten, oder an
denselben zu bezahlen schuldig wären, sich mit demselben,
in Termino praefigendo, respective sub poena praeclusi et per-
petui silentii,
und bey den in den Gesetzen bestimmten Stra-
fen, gehörigen Orts zu melden schuldig seyn sollen. Diesem
Petito adi Proclamatis ist gerichtlich deferiret, und der 28ste
August a. c., pro Termino peremtorlo, anberahmet worden.




(Hierbey folgt eine Beylage.)

[Spaltenumbruch] und der noͤthigen Ammunition, auch eine Compagnie
Artilleriſten mit 10 Feldſtuͤcken, nebſt 150 Coſacken.
Vermuthlich ſind dieſe Truppen zu einer Landung an
der Kuͤſte von Schwediſch-Finnland beſtimmt. Die
große Rußiſche Flotte hat in der Mitte des Junius
auf der Rhede von Reval gelegen, und einige Schiffe
ausgeſchickt, um die Ankunft der Schwediſchen Flotte
zu ſignaliren. Der Capitain Trevenon iſt indeß von
der Rußiſchen Flotte mit einer Verſtaͤrkung an Schiffen
und Fregatten, nebſt den noͤthigen Soldaten am Bord,
detaſchirt worden, um ſich, wo moͤglich, des Poſten
von Hangood zu bemaͤchtigen. — Ein Rußiſcher Kreuzer
hatte ein Preußiſches Schiff genommen, welches mit
geſalzenem Fleiſch nach Helſingfors beſtimmt war;
aber die Kayſerinn von Rußland hat ſogleich befohlen,
daß das Schiff in Freyheit geſetzt, und die Koſten der
Verzoͤgerung bezahlt werden ſollen.


Aus Finnland iſt Nachricht eingegangen, daß auch
der General-Major Knorring ein Corps Schweden von
800 Mann geſchlagen, eine Kanone erobert, und einige
feindliche Fahrzeuge verbrannt habe.


Se. Durchl. der Herr Landgraf, haben nun auch
Jhren Kanzler und erſten Lehrer der Univerſitaͤt Rin-
teln, wie auch erſten Lehrer der Staatswirthſchaft,
Herrn von Springer, zum vorſitzenden ordentlichen
Lehrer bey der Juriſten Facultaͤt ernannt.




Von gelehrten Sachen.
Arethuſa, oder die Bukoliſchen Dichter des Alterthums.
Erſter Theil, gedruckt und verlegt bey Johann Friedrich
Unger.

Dies Werk muß einem jeden, der ſich fuͤr das aͤchte
Schoͤne intereßirt, eine deſto willkommnere Erſcheinung
ſeyn, je ſeltener in unſern Tagen die uneigennuͤtzigen
Bemuͤhungen fuͤr die wahre Vervollkommung unſrer
Litteratur werden, und je haͤufiger die Arbeiten des
Geiſtes auf unmittelbaren Geldgewinn kalkulirt wer-
den. Der edle und ruhmwuͤrdige Verfaſſer dieſer
Schrift hat ſich in den Dichter, den er bearbeitet, mit
ganzer Seele hineingedacht, um ihn uns in unſrer
Sprache metriſch wiederzugeben. Jhm iſt die wahre
und unverfaͤlſchte Menſchheit, die ſich in Theokrits
Jdyllen unſern Augen ſo liebenswuͤrdig darſtellt, kein
unwichtiger und unbedeutender Gegenſtand geweſen;
er hat es der Muͤhe werth gefunden, ſich in das kleinſte
Detail ſeines Dichters einzulaſſen, um den Schatz von
aͤchter poetiſcher Darſtellung, welcher darinn liegt, zu
enthuͤllen; und er hat es ſeiner Muße nicht unwuͤrdig
gefunden, die ſchoͤnen entflohenen Zeiten des griechi-
ſchen Alterthums wieder vor unſern Blick zu zaubern.
Dieſer erſte Theil enthaͤlt einen Verſuch uͤber das Bu-
koliſche Gedicht, und die Jdyllen des Theokrit in
Deutſche Hexameter uͤberſetzt. Der ſchoͤne ſimple und
reine Druck dieſer Schrift mit Didotſchen Lettern iſt
ihres Jnhalts wuͤrdig, und dieſer Jnhalt und die aͤußere
geſchmackvolle Einrichtung ſind ein Beweis, daß der
Verfaſſer und Verleger aus Liebe zu ihrem Gegenſtande
zu Werke gegangen, und darauf bedacht geweſen ſind,
ein Werk zu liefern, das Deutſchland Ehre macht.
[Spaltenumbruch] Koſtet auf großem Format 13 Mk. 12 ßl. und in ge-
woͤhnlichem Format 9 Mk.




Philoſophiſche Aufſaͤtze von Joh. Georg Muͤller,
gr. 8vo. Breslau, bey G. Loͤwe, 1789. 543 S. ohne
Zueignungsſchrift und Jnhalt.

Der Verfaſſer (ein Bruder des geh. Legationsrath
in Maynz) zeigt ſich in dieſen Aufſaͤtzen als einen hellen
gruͤndlichen Denker und beſcheidenen Forſcher. Die
Erziehung des Menſchengeſchlechts durch alle Zeit-
alter der Welt darzuſtellen, ſcheint der Hauptzweck des
Verfaſſers zu ſeyn, den er bey dieſem Buche vor Augen
hatte; dieſer Zweck iſt beſonders ſichtbar in den Auf-
ſaͤtzen uͤber den Geiſt des Moſaiſchen Geſetzes, uͤber die
Verfaſſung des Juͤdiſchen Volks, uͤber Jeſum, ſeine
Lehre und deren Wirkung auf Philoſophie, Politik,
u. ſ. w. die den groͤßten Theil des Buchs ausmachen,
und viele treffliche neue Bemerkungen enthalten. Man
kann das Ganze als einen Commentar uͤber Leßings
Erziehung des Menſchengeſchlechts anſehen, welche
Schrift auch oͤfters angefuͤhrt wird. Der Verfaſſer iſt
ein Schuͤler (aber nicht Nachbeter Herders,) und man
wird ſeinen Aufſaͤtzen gern einen Platz neben den Jdeen
zur Geſchichte der Menſchheit einraͤumen, mit welchen
ſie in einiger Verbindung ſtehen, auch wird die Be-
ſcheidenheit, mit der er ſeine Saͤtze vortraͤgt, ihm den
Beyfall ſolcher Leſer verſchaffen, die nicht in allen
Stuͤcken mit ihm gleich denken moͤchten.

Die ausgezeichnete Schoͤnheit des Drucks und Papiers
iſt ſehr einladend, und eine von Herrn Berger in
Berlin vortrefflich geſtochene Minerva, als Titel-
Vigneite, traͤgt zur aͤußern Zierde ungemein viel
bey.




Dem hieſigen Wohll. Niedergerichte haben Srs. Johann Pe-
ter Graape
und Nicolaus Guͤlich, uxor. mandatario et cu-
ratorio nom., per Procurstorem implorando
abermals zu ver-
nehmen gegeben, welchergeſtalt hieſelbſt am 8ten April a. c.
der Ehrbare Oberalte, Johann Gottlieb Gerhard, verſtor-
ben, und ſie, Jmploranten, als deſſen hinterlaſſene Kinder,
da ſie von der Beſchaffenheit des Vermoͤgens-Zuſtandes des
Defuncti nicht genug unterrichtet waͤren, und die Verbin-
dungen, worinn derſelbe, als Kaufmann, bey ſeinem Leben
geſtanden, zu wenig kennten, deſſen Nachlaß nicht anders,
als cum beneficio legis et Inventarii. haͤtten antreten koͤn-
nen; auch dieſe ihre Erklaͤrungen, welche ſie, per Supplicas.
bey Einem Hochedlen und Hochweiſen Rathe eingebracht, von
Hochdemſelben, ausweiſe beygebrachter Decreten, angenom-
men worden. Wann nun die Geſetze dieſer Stadt, ihnen
Jmploranten, im gegenwaͤrtigen Falle die Art und Weiſe
vorzeichneten, wie ſie zu handeln ſchuldig waͤren; ſo befolg-
ten ſie dieſelben dadurch, indem ſie um die Erkennung eines
Proclamatis, des Jnhalts, geziemend baͤten: Daß alle dieje-
nigen, welche an den Nachlaß des hieſelbſt verſtorbenen Ehr-
baren Oberalten, Johann Gottlieb Gerhard, ex capite cre-
diti, vel ex alia quacunque cauſa,
einige rechtliche Anſprache
und Forderung zu haben vermeynten, wie auch diejenigen,
welche von dem Defuncto etwas in Haͤnden haͤtten, oder an
denſelben zu bezahlen ſchuldig waͤren, ſich mit demſelben,
in Termino præfigendo, reſpective ſub pœna præcluſi et per-
petui ſilentii,
und bey den in den Geſetzen beſtimmten Stra-
fen, gehoͤrigen Orts zu melden ſchuldig ſeyn ſollen. Dieſem
Petito adi Proclamatis iſt gerichtlich deferiret, und der 28ſte
Auguſt a. c., pro Termino peremtorlo, anberahmet worden.




(Hierbey folgt eine Beylage.)
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[[4]/0004] und der noͤthigen Ammunition, auch eine Compagnie Artilleriſten mit 10 Feldſtuͤcken, nebſt 150 Coſacken. Vermuthlich ſind dieſe Truppen zu einer Landung an der Kuͤſte von Schwediſch-Finnland beſtimmt. Die große Rußiſche Flotte hat in der Mitte des Junius auf der Rhede von Reval gelegen, und einige Schiffe ausgeſchickt, um die Ankunft der Schwediſchen Flotte zu ſignaliren. Der Capitain Trevenon iſt indeß von der Rußiſchen Flotte mit einer Verſtaͤrkung an Schiffen und Fregatten, nebſt den noͤthigen Soldaten am Bord, detaſchirt worden, um ſich, wo moͤglich, des Poſten von Hangood zu bemaͤchtigen. — Ein Rußiſcher Kreuzer hatte ein Preußiſches Schiff genommen, welches mit geſalzenem Fleiſch nach Helſingfors beſtimmt war; aber die Kayſerinn von Rußland hat ſogleich befohlen, daß das Schiff in Freyheit geſetzt, und die Koſten der Verzoͤgerung bezahlt werden ſollen. St. Petersburg, den 26 Junii. Aus Finnland iſt Nachricht eingegangen, daß auch der General-Major Knorring ein Corps Schweden von 800 Mann geſchlagen, eine Kanone erobert, und einige feindliche Fahrzeuge verbrannt habe. Caſſel, den 1 Julii. Se. Durchl. der Herr Landgraf, haben nun auch Jhren Kanzler und erſten Lehrer der Univerſitaͤt Rin- teln, wie auch erſten Lehrer der Staatswirthſchaft, Herrn von Springer, zum vorſitzenden ordentlichen Lehrer bey der Juriſten Facultaͤt ernannt. Von gelehrten Sachen. Arethuſa, oder die Bukoliſchen Dichter des Alterthums. Erſter Theil, gedruckt und verlegt bey Johann Friedrich Unger. Dies Werk muß einem jeden, der ſich fuͤr das aͤchte Schoͤne intereßirt, eine deſto willkommnere Erſcheinung ſeyn, je ſeltener in unſern Tagen die uneigennuͤtzigen Bemuͤhungen fuͤr die wahre Vervollkommung unſrer Litteratur werden, und je haͤufiger die Arbeiten des Geiſtes auf unmittelbaren Geldgewinn kalkulirt wer- den. Der edle und ruhmwuͤrdige Verfaſſer dieſer Schrift hat ſich in den Dichter, den er bearbeitet, mit ganzer Seele hineingedacht, um ihn uns in unſrer Sprache metriſch wiederzugeben. Jhm iſt die wahre und unverfaͤlſchte Menſchheit, die ſich in Theokrits Jdyllen unſern Augen ſo liebenswuͤrdig darſtellt, kein unwichtiger und unbedeutender Gegenſtand geweſen; er hat es der Muͤhe werth gefunden, ſich in das kleinſte Detail ſeines Dichters einzulaſſen, um den Schatz von aͤchter poetiſcher Darſtellung, welcher darinn liegt, zu enthuͤllen; und er hat es ſeiner Muße nicht unwuͤrdig gefunden, die ſchoͤnen entflohenen Zeiten des griechi- ſchen Alterthums wieder vor unſern Blick zu zaubern. Dieſer erſte Theil enthaͤlt einen Verſuch uͤber das Bu- koliſche Gedicht, und die Jdyllen des Theokrit in Deutſche Hexameter uͤberſetzt. Der ſchoͤne ſimple und reine Druck dieſer Schrift mit Didotſchen Lettern iſt ihres Jnhalts wuͤrdig, und dieſer Jnhalt und die aͤußere geſchmackvolle Einrichtung ſind ein Beweis, daß der Verfaſſer und Verleger aus Liebe zu ihrem Gegenſtande zu Werke gegangen, und darauf bedacht geweſen ſind, ein Werk zu liefern, das Deutſchland Ehre macht. Koſtet auf großem Format 13 Mk. 12 ßl. und in ge- woͤhnlichem Format 9 Mk. Philoſophiſche Aufſaͤtze von Joh. Georg Muͤller, gr. 8vo. Breslau, bey G. Loͤwe, 1789. 543 S. ohne Zueignungsſchrift und Jnhalt. Der Verfaſſer (ein Bruder des geh. Legationsrath in Maynz) zeigt ſich in dieſen Aufſaͤtzen als einen hellen gruͤndlichen Denker und beſcheidenen Forſcher. Die Erziehung des Menſchengeſchlechts durch alle Zeit- alter der Welt darzuſtellen, ſcheint der Hauptzweck des Verfaſſers zu ſeyn, den er bey dieſem Buche vor Augen hatte; dieſer Zweck iſt beſonders ſichtbar in den Auf- ſaͤtzen uͤber den Geiſt des Moſaiſchen Geſetzes, uͤber die Verfaſſung des Juͤdiſchen Volks, uͤber Jeſum, ſeine Lehre und deren Wirkung auf Philoſophie, Politik, u. ſ. w. die den groͤßten Theil des Buchs ausmachen, und viele treffliche neue Bemerkungen enthalten. Man kann das Ganze als einen Commentar uͤber Leßings Erziehung des Menſchengeſchlechts anſehen, welche Schrift auch oͤfters angefuͤhrt wird. Der Verfaſſer iſt ein Schuͤler (aber nicht Nachbeter Herders,) und man wird ſeinen Aufſaͤtzen gern einen Platz neben den Jdeen zur Geſchichte der Menſchheit einraͤumen, mit welchen ſie in einiger Verbindung ſtehen, auch wird die Be- ſcheidenheit, mit der er ſeine Saͤtze vortraͤgt, ihm den Beyfall ſolcher Leſer verſchaffen, die nicht in allen Stuͤcken mit ihm gleich denken moͤchten. Die ausgezeichnete Schoͤnheit des Drucks und Papiers iſt ſehr einladend, und eine von Herrn Berger in Berlin vortrefflich geſtochene Minerva, als Titel- Vigneite, traͤgt zur aͤußern Zierde ungemein viel bey. Dem hieſigen Wohll. Niedergerichte haben Srs. Johann Pe- ter Graape und Nicolaus Guͤlich, uxor. mandatario et cu- ratorio nom., per Procurstorem implorando abermals zu ver- nehmen gegeben, welchergeſtalt hieſelbſt am 8ten April a. c. der Ehrbare Oberalte, Johann Gottlieb Gerhard, verſtor- ben, und ſie, Jmploranten, als deſſen hinterlaſſene Kinder, da ſie von der Beſchaffenheit des Vermoͤgens-Zuſtandes des Defuncti nicht genug unterrichtet waͤren, und die Verbin- dungen, worinn derſelbe, als Kaufmann, bey ſeinem Leben geſtanden, zu wenig kennten, deſſen Nachlaß nicht anders, als cum beneficio legis et Inventarii. haͤtten antreten koͤn- nen; auch dieſe ihre Erklaͤrungen, welche ſie, per Supplicas. bey Einem Hochedlen und Hochweiſen Rathe eingebracht, von Hochdemſelben, ausweiſe beygebrachter Decreten, angenom- men worden. Wann nun die Geſetze dieſer Stadt, ihnen Jmploranten, im gegenwaͤrtigen Falle die Art und Weiſe vorzeichneten, wie ſie zu handeln ſchuldig waͤren; ſo befolg- ten ſie dieſelben dadurch, indem ſie um die Erkennung eines Proclamatis, des Jnhalts, geziemend baͤten: Daß alle dieje- nigen, welche an den Nachlaß des hieſelbſt verſtorbenen Ehr- baren Oberalten, Johann Gottlieb Gerhard, ex capite cre- diti, vel ex alia quacunque cauſa, einige rechtliche Anſprache und Forderung zu haben vermeynten, wie auch diejenigen, welche von dem Defuncto etwas in Haͤnden haͤtten, oder an denſelben zu bezahlen ſchuldig waͤren, ſich mit demſelben, in Termino præfigendo, reſpective ſub pœna præcluſi et per- petui ſilentii, und bey den in den Geſetzen beſtimmten Stra- fen, gehoͤrigen Orts zu melden ſchuldig ſeyn ſollen. Dieſem Petito adi Proclamatis iſt gerichtlich deferiret, und der 28ſte Auguſt a. c., pro Termino peremtorlo, anberahmet worden. Hamburg, den 7ten Julii 1789. (Hierbey folgt eine Beylage.)

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Zitationshilfe: Staats- und Gelehrte Zeitung des Hamburgischen unpartheyischen Correspondenten. Nr. 112, Hamburg, 15. Juli 1789, S. [4]. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/hc_1121507_1789/4>, abgerufen am 17.02.2019.