Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Staats/ und Gelehrte Zeitung des Hollsteinischen Correspondenten. Nr. 40, Hamburg, 12. September 1721.

Bild:
<< vorherige Seite

[Spaltenumbruch] Officiers, bey 30. an der Zahl, die in Moscau ge-
fangen gewesen, hat frey gegeben, die auch bereits
hier ankommen sind. Man redet dann wieder
von der Rück-Reise der Englischen Flotte, und sie-
het überall, daß sich die vor einiger Zeit entstande-
ne grosse Bewegung wieder geleget hat; daher
man balde hoffet, einige mehrere Umstände berich-
ten zu können.

Bey denen, die Gü-
ther hier in diesen Landen haben, scheinet es eini-
ge Unruhe zu machen, weil Jhro Czaarische Ma-
jest. sollen begehren, daß sie auf eine gesetzte Zeit
darthun, mit was Fug und Recht sie dieselben be-
sitzen. Unser Gouverneur der Fürst Repnin ist von
hier nach dem Czaarischen Hofe gangen, als dahin
er auf expresse Ordre eilfertigst entbohten worden,
welches gewiß was sonderlichs muß zu bedeuten
haben. Wo es wahr ist, daß der Czaar die Düna
durch diese Stadt wil leiten lassen, so dürffte es
uns einen gar grossen Nutzen bringen. Wie man
aus Petersburg vernimmt, so ist der Frieden mit
Schweden noch nicht geschlossen gewesen; doch
sey jetzo darzu grosse Hoffnung. Jhro Czaarische
Majest. sollen sich nebst der Czaarin recht gesund
befinden, und nebst Seiner Hoheit dem Hertzog
von Hollstein sich offt auf der Flotte belustigen.
Alda ist auch der junge Fürst Sapieha ankommen,
und wil des Printzen Menzikoffs älteste Fräulein
Tochter heyrahten.

Käyserliche Affairen.

Von der Heyraht
der zweyten Josephinis. Ertz-Hertzogin mit dem
Chur-Printz von Bayern, wird gesagt, daß sie ge-
schlossen seye. Hier ist von Mayland eine wohlge-
gründete Species facti eingesand, welche vom dor-
tigen Senats-Secret. entworfen und deme für sei-
ne Mühe 600. Rthl. verehret worden. Solche be-
trifft nun die von den umliegenden Printzen zum
Nachtheil des Mäyländischen Staats gefchehene
Erweiterung der Gräntzen. Man meynt, daß
der Printz Borghese als Vice-König zu Neapolis
von Jhro Käyserl. Majest. wohl möchte auf 3. Jahr
bestätigt werden, weil so wohl der Adel als das ge-
meine Volk eine grosse Liebe zu ihm hat, die er durch
seine sanfte und freygebige Aufführung sich zu we-
ge bracht. Die Käyserl. Regimenter müssen alle
ergäntzt, und sol die Käyserl. Macht in Jtalien
auf 36000. Mann vermehret werden. Da nun-
mehro der die Mecklenburgischen Dienste völlig
quittirte Herr Baron von Eichholtz jüngstens
seine Bagage nach Hamburg voraus geschicket,
und ehestens dahin folgen will; so vermuhtet man,
ob möchte sothaner Hr. Baron in dem Mecklen-
[Spaltenumbruch] burgischen Käyserl. Commissiones überkommen.
Jhro Durchl. der Printz Eugenius von Savoyen
stehen nun fertig, in wenig Tagen von hier nacher
Ungarn abzufahren. Von Ofen ist die Nach-
richt gekommen, daß der jüngst dahin von den
Schönbornnischen Dragounern gefänglich ge-
brachte Edelman aus Ober-Ungarn wieder auf
freyen Fuß gestellet worden. Mit dem Ertz-Biß-
tuhm Wien hat es nunmehro seine Richtigkeit, in-
dem der Bischof von Passau, er wolle oder wolle
nicht, die Pfarren hergeben muß, und mit dem Rö-
mischen Hof hat man sich auch verglichen; der an
statt 30000 fl. mit 10000 fl. verlieb nehmen wird.
Und da seithero der Graf Mikosch von hier in das
Carls-Bad abgereiset, ist auch von Hof ein Decret
an die Cammer ergangen, daß man künftighin die
Sachen auf den alten Fuß tractiren, und sich nicht
mehr nach dem neuen richten sol. Der Käyserl.
Gesandte in Berlin hat mit letzterer Post gemeldet
daß er das Rescript, so Jh. Käys. Majest. an den
König in Preussen wegen des Doms zu Minden
abgehen lassen, in Abwesenheit Jh. Maj. dem ge-
heimen Raht von Jlgen eingehändiget; und wird
also nächstens bey Jh. Kön. Maj. Zurückkunft zu
vernehmen stehen, was darauf erfolgen werde.

Pohlnische Affairen.

Der neu ankom-
mende Päbstliche Nuntius Archinto ist bereits
Breßlau passiret, und wird in kurtzem hier ver-
muhtet, da denn die Anforderungen derer Credi-
toren von der Verlassenschafft derer Bischöffe von
Culm und Luck sollen liquidiret und bezahlet wer-
den. Der Wohwode von Plock und andere Ma-
gnaten haben bey Jhro Königl. Majest. wegen
der Primatial-Würde Ansuchung gethan, und be-
wirbt sich sonderlich gedachter Woywode vor sei-
nen Bruder den Bischoff von Plock darum; Jhro
Königl. Majest. bleiben aber beständig dabey, sol-
che Würde und Aempter nirgends anderswo, als
in Pohlen zu vergeben. Der bey denen jüngst
fruchtloß zerschlagenen Reichs-Tägen gewesene
Land-Bothen-Marschall Zawisza hat jüngstens
in Bardyszewo dieses Zeitliche gesegnet, welchen
die Fama folgende Grab-Schrifft aufgesetzt:

Der Pohlen Tullius, der die verwirrte Glieder

Der spröden Ritterschafft so treflich hat regiert,
Legt hier den Marschalls-Stab und seine Sorgen
nieder;

Weil ihn der blasse Tod zu solcher Stube führt,
Wo er demselben wil sein Niepozwollam zeigen,

Drum wird Zawisza wohl hinführo stille
schweigen.

Bey denen itzigen Conjuncturen wil man hier vor-

[Spaltenumbruch] Officiers, bey 30. an der Zahl, die in Moſcau ge-
fangen geweſen, hat frey gegeben, die auch bereits
hier ankommen ſind. Man redet dann wieder
von der Ruͤck-Reiſe der Engliſchen Flotte, und ſie-
het uͤberall, daß ſich die vor einiger Zeit entſtande-
ne groſſe Bewegung wieder geleget hat; daher
man balde hoffet, einige mehrere Umſtaͤnde berich-
ten zu koͤnnen.

Bey denen, die Guͤ-
ther hier in dieſen Landen haben, ſcheinet es eini-
ge Unruhe zu machen, weil Jhro Czaariſche Ma-
jeſt. ſollen begehren, daß ſie auf eine geſetzte Zeit
darthun, mit was Fug und Recht ſie dieſelben be-
ſitzen. Unſer Gouverneur der Fuͤrſt Repnin iſt von
hier nach dem Czaariſchen Hofe gangen, als dahin
er auf expreſſe Ordre eilfertigſt entbohten worden,
welches gewiß was ſonderlichs muß zu bedeuten
haben. Wo es wahr iſt, daß der Czaar die Duͤna
durch dieſe Stadt wil leiten laſſen, ſo duͤrffte es
uns einen gar groſſen Nutzen bringen. Wie man
aus Petersburg vernimmt, ſo iſt der Frieden mit
Schweden noch nicht geſchloſſen geweſen; doch
ſey jetzo darzu groſſe Hoffnung. Jhro Czaariſche
Majeſt. ſollen ſich nebſt der Czaarin recht geſund
befinden, und nebſt Seiner Hoheit dem Hertzog
von Hollſtein ſich offt auf der Flotte beluſtigen.
Alda iſt auch der junge Fuͤrſt Sapieha ankommen,
und wil des Printzen Menzikoffs aͤlteſte Fraͤulein
Tochter heyrahten.

Kaͤyſerliche Affairen.

Von der Heyraht
der zweyten Joſephiniſ. Ertz-Hertzogin mit dem
Chur-Printz von Bayern, wird geſagt, daß ſie ge-
ſchloſſen ſeye. Hier iſt von Mayland eine wohlge-
gruͤndete Species facti eingeſand, welche vom dor-
tigen Senats-Secret. entworfen und deme fuͤr ſei-
ne Muͤhe 600. Rthl. verehret worden. Solche be-
trifft nun die von den umliegenden Printzen zum
Nachtheil des Maͤylaͤndiſchen Staats gefchehene
Erweiterung der Graͤntzen. Man meynt, daß
der Printz Borgheſe als Vice-Koͤnig zu Neapolis
von Jhro Kaͤyſerl. Majeſt. wohl moͤchte auf 3. Jahr
beſtaͤtigt werden, weil ſo wohl der Adel als das ge-
meine Volk eine groſſe Liebe zu ihm hat, die er durch
ſeine ſanfte und freygebige Auffuͤhrung ſich zu we-
ge bracht. Die Kaͤyſerl. Regimenter muͤſſen alle
ergaͤntzt, und ſol die Kaͤyſerl. Macht in Jtalien
auf 36000. Mann vermehret werden. Da nun-
mehro der die Mecklenburgiſchen Dienſte voͤllig
quittirte Herr Baron von Eichholtz juͤngſtens
ſeine Bagage nach Hamburg voraus geſchicket,
und eheſtens dahin folgen will; ſo vermuhtet man,
ob moͤchte ſothaner Hr. Baron in dem Mecklen-
[Spaltenumbruch] burgiſchen Kaͤyſerl. Commisſiones uͤberkommen.
Jhro Durchl. der Printz Eugenius von Savoyen
ſtehen nun fertig, in wenig Tagen von hier nacher
Ungarn abzufahren. Von Ofen iſt die Nach-
richt gekommen, daß der juͤngſt dahin von den
Schoͤnbornniſchen Dragounern gefaͤnglich ge-
brachte Edelman aus Ober-Ungarn wieder auf
freyen Fuß geſtellet worden. Mit dem Ertz-Biß-
tuhm Wien hat es nunmehro ſeine Richtigkeit, in-
dem der Biſchof von Paſſau, er wolle oder wolle
nicht, die Pfarren hergeben muß, und mit dem Roͤ-
miſchen Hof hat man ſich auch verglichen; der an
ſtatt 30000 fl. mit 10000 fl. verlieb nehmen wird.
Und da ſeithero der Graf Mikoſch von hier in das
Carls-Bad abgereiſet, iſt auch von Hof ein Decret
an die Cammer ergangen, daß man kuͤnftighin die
Sachen auf den alten Fuß tractiren, und ſich nicht
mehr nach dem neuen richten ſol. Der Kaͤyſerl.
Geſandte in Berlin hat mit letzterer Poſt gemeldet
daß er das Reſcript, ſo Jh. Kaͤyſ. Majeſt. an den
Koͤnig in Preuſſen wegen des Doms zu Minden
abgehen laſſen, in Abweſenheit Jh. Maj. dem ge-
heimen Raht von Jlgen eingehaͤndiget; und wird
alſo naͤchſtens bey Jh. Koͤn. Maj. Zuruͤckkunft zu
vernehmen ſtehen, was darauf erfolgen werde.

Pohlniſche Affairen.

Der neu ankom-
mende Paͤbſtliche Nuntius Archinto iſt bereits
Breßlau pasſiret, und wird in kurtzem hier ver-
muhtet, da denn die Anforderungen derer Credi-
toren von der Verlaſſenſchafft derer Biſchoͤffe von
Culm und Luck ſollen liquidiret und bezahlet wer-
den. Der Wohwode von Plock und andere Ma-
gnaten haben bey Jhro Koͤnigl. Majeſt. wegen
der Primatial-Wuͤrde Anſuchung gethan, und be-
wirbt ſich ſonderlich gedachter Woywode vor ſei-
nen Bruder den Biſchoff von Plock darum; Jhro
Koͤnigl. Majeſt. bleiben aber beſtaͤndig dabey, ſol-
che Wuͤrde und Aempter nirgends anderswo, als
in Pohlen zu vergeben. Der bey denen juͤngſt
fruchtloß zerſchlagenen Reichs-Taͤgen geweſene
Land-Bothen-Marſchall Zawisza hat juͤngſtens
in Bardyszewo dieſes Zeitliche geſegnet, welchen
die Fama folgende Grab-Schrifft aufgeſetzt:

Der Pohlen Tullius, der die verwirrte Glieder

Der ſproͤden Ritterſchafft ſo treflich hat regiert,
Legt hier den Marſchalls-Stab und ſeine Sorgen
nieder;

Weil ihn der blaſſe Tod zu ſolcher Stube fuͤhrt,
Wo er demſelben wil ſein Niepozwollam zeigen,

Drum wird Zawisza wohl hinfuͤhro ſtille
ſchweigen.

Bey denen itzigen Conjuncturen wil man hier vor-

<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div type="jPoliticalNews">
          <div type="jPoliticalNews">
            <div type="jArticle">
              <p><pb facs="#f0002" n="[2]"/><cb/>
Officiers, bey 30. an der Zahl, die in Mo&#x017F;cau ge-<lb/>
fangen                         gewe&#x017F;en, hat frey gegeben, die auch bereits<lb/>
hier ankommen                         &#x017F;ind. Man redet dann wieder<lb/>
von der Ru&#x0364;ck-Rei&#x017F;e der                         Engli&#x017F;chen Flotte, und &#x017F;ie-<lb/>
het u&#x0364;berall, daß                         &#x017F;ich die vor einiger Zeit ent&#x017F;tande-<lb/>
ne                         gro&#x017F;&#x017F;e Bewegung wieder geleget hat; daher<lb/>
man balde                         hoffet, einige mehrere Um&#x017F;ta&#x0364;nde berich-<lb/>
ten zu                         ko&#x0364;nnen.</p>
            </div><lb/>
            <div type="jArticle">
              <dateline><hi rendition="#fr">Riga/</hi> den 29. Augu&#x017F;t.</dateline>
              <p> Bey denen, die                         Gu&#x0364;-<lb/>
ther hier in die&#x017F;en Landen haben, &#x017F;cheinet es                         eini-<lb/>
ge Unruhe zu machen, weil Jhro Czaari&#x017F;che                         Ma-<lb/>
je&#x017F;t. &#x017F;ollen begehren, daß &#x017F;ie auf eine                         ge&#x017F;etzte Zeit<lb/>
darthun, mit was Fug und Recht &#x017F;ie                         die&#x017F;elben be-<lb/>
&#x017F;itzen. Un&#x017F;er Gouverneur der                         Fu&#x0364;r&#x017F;t Repnin i&#x017F;t von<lb/>
hier nach dem                         Czaari&#x017F;chen Hofe gangen, als dahin<lb/>
er auf expre&#x017F;&#x017F;e                         Ordre eilfertig&#x017F;t entbohten worden,<lb/>
welches gewiß was                         &#x017F;onderlichs muß zu bedeuten<lb/>
haben. Wo es wahr i&#x017F;t, daß der                         Czaar die Du&#x0364;na<lb/>
durch die&#x017F;e Stadt wil leiten                         la&#x017F;&#x017F;en, &#x017F;o du&#x0364;rffte es<lb/>
uns einen gar                         gro&#x017F;&#x017F;en Nutzen bringen. Wie man<lb/>
aus Petersburg vernimmt,                         &#x017F;o i&#x017F;t der Frieden mit<lb/>
Schweden noch nicht                         ge&#x017F;chlo&#x017F;&#x017F;en gewe&#x017F;en; doch<lb/>
&#x017F;ey jetzo                         darzu gro&#x017F;&#x017F;e Hoffnung. Jhro                         Czaari&#x017F;che<lb/>
Maje&#x017F;t. &#x017F;ollen &#x017F;ich neb&#x017F;t                         der Czaarin recht ge&#x017F;und<lb/>
befinden, und neb&#x017F;t Seiner Hoheit                         dem Hertzog<lb/>
von Holl&#x017F;tein &#x017F;ich offt auf der Flotte                         belu&#x017F;tigen.<lb/>
Alda i&#x017F;t auch der junge Fu&#x0364;r&#x017F;t                         Sapieha ankommen,<lb/>
und wil des Printzen Menzikoffs a&#x0364;lte&#x017F;te                         Fra&#x0364;ulein<lb/>
Tochter heyrahten.</p>
            </div>
          </div><lb/>
          <div type="jPoliticalNews">
            <head> <hi rendition="#c"> <hi rendition="#fr">Ka&#x0364;y&#x017F;erliche</hi> <hi rendition="#aq">Affairen.</hi> </hi> </head><lb/>
            <div type="jArticle">
              <dateline><hi rendition="#fr">Wien/</hi> den 3. Septembr.</dateline>
              <p> Von der Heyraht<lb/>
der                         zweyten Jo&#x017F;ephini&#x017F;. Ertz-Hertzogin mit dem<lb/>
Chur-Printz von                         Bayern, wird ge&#x017F;agt, daß &#x017F;ie                         ge-<lb/>
&#x017F;chlo&#x017F;&#x017F;en &#x017F;eye. Hier i&#x017F;t von                         Mayland eine wohlge-<lb/>
gru&#x0364;ndete Species facti einge&#x017F;and,                         welche vom dor-<lb/>
tigen Senats-Secret. entworfen und deme fu&#x0364;r                         &#x017F;ei-<lb/>
ne Mu&#x0364;he 600. Rthl. verehret worden. Solche                         be-<lb/>
trifft nun die von den umliegenden Printzen zum<lb/>
Nachtheil des                         Ma&#x0364;yla&#x0364;ndi&#x017F;chen Staats gefchehene<lb/>
Erweiterung der                         Gra&#x0364;ntzen. Man meynt, daß<lb/>
der Printz Borghe&#x017F;e als                         Vice-Ko&#x0364;nig zu Neapolis<lb/>
von Jhro Ka&#x0364;y&#x017F;erl.                         Maje&#x017F;t. wohl mo&#x0364;chte auf 3. Jahr<lb/>
be&#x017F;ta&#x0364;tigt                         werden, weil &#x017F;o wohl der Adel als das ge-<lb/>
meine Volk eine                         gro&#x017F;&#x017F;e Liebe zu ihm hat, die er durch<lb/>
&#x017F;eine                         &#x017F;anfte und freygebige Auffu&#x0364;hrung &#x017F;ich zu we-<lb/>
ge                         bracht. Die Ka&#x0364;y&#x017F;erl. Regimenter mu&#x0364;&#x017F;&#x017F;en                         alle<lb/>
erga&#x0364;ntzt, und &#x017F;ol die Ka&#x0364;y&#x017F;erl. Macht                         in Jtalien<lb/>
auf 36000. Mann vermehret werden. Da nun-<lb/>
mehro der die                         Mecklenburgi&#x017F;chen Dien&#x017F;te vo&#x0364;llig<lb/>
quittirte Herr                         Baron von Eichholtz ju&#x0364;ng&#x017F;tens<lb/>
&#x017F;eine Bagage nach                         Hamburg voraus ge&#x017F;chicket,<lb/>
und ehe&#x017F;tens dahin folgen will;                         &#x017F;o vermuhtet man,<lb/>
ob mo&#x0364;chte &#x017F;othaner Hr. Baron in                         dem Mecklen-<lb/><cb/>
burgi&#x017F;chen Ka&#x0364;y&#x017F;erl.                         Commis&#x017F;iones u&#x0364;berkommen.<lb/>
Jhro Durchl. der Printz Eugenius                         von Savoyen<lb/>
&#x017F;tehen nun fertig, in wenig Tagen von hier                         nacher<lb/>
Ungarn abzufahren. Von Ofen i&#x017F;t die Nach-<lb/>
richt                         gekommen, daß der ju&#x0364;ng&#x017F;t dahin von                         den<lb/>
Scho&#x0364;nbornni&#x017F;chen Dragounern gefa&#x0364;nglich                         ge-<lb/>
brachte Edelman aus Ober-Ungarn wieder auf<lb/>
freyen Fuß                         ge&#x017F;tellet worden. Mit dem Ertz-Biß-<lb/>
tuhm Wien hat es nunmehro                         &#x017F;eine Richtigkeit, in-<lb/>
dem der Bi&#x017F;chof von                         Pa&#x017F;&#x017F;au, er wolle oder wolle<lb/>
nicht, die Pfarren hergeben                         muß, und mit dem Ro&#x0364;-<lb/>
mi&#x017F;chen Hof hat man &#x017F;ich auch                         verglichen; der an<lb/>
&#x017F;tatt 30000 fl. mit 10000 fl. verlieb nehmen                         wird.<lb/>
Und da &#x017F;eithero der Graf Miko&#x017F;ch von hier in                         das<lb/>
Carls-Bad abgerei&#x017F;et, i&#x017F;t auch von Hof ein                         Decret<lb/>
an die Cammer ergangen, daß man ku&#x0364;nftighin die<lb/>
Sachen                         auf den alten Fuß tractiren, und &#x017F;ich nicht<lb/>
mehr nach dem neuen                         richten &#x017F;ol. Der Ka&#x0364;y&#x017F;erl.<lb/>
Ge&#x017F;andte in                         Berlin hat mit letzterer Po&#x017F;t gemeldet<lb/>
daß er das                         Re&#x017F;cript, &#x017F;o Jh. Ka&#x0364;y&#x017F;. Maje&#x017F;t. an                         den<lb/>
Ko&#x0364;nig in Preu&#x017F;&#x017F;en wegen des Doms zu                         Minden<lb/>
abgehen la&#x017F;&#x017F;en, in Abwe&#x017F;enheit Jh. Maj. dem                         ge-<lb/>
heimen Raht von Jlgen eingeha&#x0364;ndiget; und                         wird<lb/>
al&#x017F;o na&#x0364;ch&#x017F;tens bey Jh. Ko&#x0364;n. Maj.                         Zuru&#x0364;ckkunft zu<lb/>
vernehmen &#x017F;tehen, was darauf erfolgen                         werde.</p>
            </div>
          </div><lb/>
          <div type="jPoliticalNews">
            <head> <hi rendition="#c"> <hi rendition="#fr">Pohlni&#x017F;che</hi> <hi rendition="#aq">Affairen.</hi> </hi> </head><lb/>
            <div type="jArticle">
              <dateline><hi rendition="#fr">War&#x017F;chau/</hi> den 29. Augu&#x017F;t.</dateline>
              <p> Der neu                         ankom-<lb/>
mende Pa&#x0364;b&#x017F;tliche Nuntius Archinto i&#x017F;t                         bereits<lb/>
Breßlau pas&#x017F;iret, und wird in kurtzem hier                         ver-<lb/>
muhtet, da denn die Anforderungen derer Credi-<lb/>
toren von der                         Verla&#x017F;&#x017F;en&#x017F;chafft derer Bi&#x017F;cho&#x0364;ffe                         von<lb/>
Culm und Luck &#x017F;ollen liquidiret und bezahlet wer-<lb/>
den.                         Der Wohwode von Plock und andere Ma-<lb/>
gnaten haben bey Jhro                         Ko&#x0364;nigl. Maje&#x017F;t. wegen<lb/>
der Primatial-Wu&#x0364;rde                         An&#x017F;uchung gethan, und be-<lb/>
wirbt &#x017F;ich &#x017F;onderlich                         gedachter Woywode vor &#x017F;ei-<lb/>
nen Bruder den Bi&#x017F;choff von                         Plock darum; Jhro<lb/>
Ko&#x0364;nigl. Maje&#x017F;t. bleiben aber                         be&#x017F;ta&#x0364;ndig dabey, &#x017F;ol-<lb/>
che Wu&#x0364;rde und                         Aempter nirgends anderswo, als<lb/>
in Pohlen zu vergeben. Der bey denen                         ju&#x0364;ng&#x017F;t<lb/>
fruchtloß zer&#x017F;chlagenen                         Reichs-Ta&#x0364;gen gewe&#x017F;ene<lb/>
Land-Bothen-Mar&#x017F;chall                         Zawisza hat ju&#x0364;ng&#x017F;tens<lb/>
in Bardyszewo die&#x017F;es                         Zeitliche ge&#x017F;egnet, welchen<lb/>
die Fama folgende Grab-Schrifft                         aufge&#x017F;etzt:</p><lb/>
              <p>Der Pohlen Tullius, der die verwirrte Glieder</p><lb/>
              <p>Der &#x017F;pro&#x0364;den Ritter&#x017F;chafft &#x017F;o treflich hat                         regiert,<lb/>
Legt hier den Mar&#x017F;challs-Stab und &#x017F;eine                             Sorgen<lb/><hi rendition="#c">nieder;</hi></p><lb/>
              <p>Weil ihn der bla&#x017F;&#x017F;e Tod zu &#x017F;olcher Stube                         fu&#x0364;hrt,<lb/>
Wo er dem&#x017F;elben wil &#x017F;ein Niepozwollam                         zeigen,</p><lb/>
              <p>Drum wird Zawisza wohl hinfu&#x0364;hro &#x017F;tille<lb/><hi rendition="#c">&#x017F;chweigen.</hi></p><lb/>
              <p>Bey denen itzigen Conjuncturen wil man hier vor-<lb/></p>
            </div>
          </div>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[[2]/0002] Officiers, bey 30. an der Zahl, die in Moſcau ge- fangen geweſen, hat frey gegeben, die auch bereits hier ankommen ſind. Man redet dann wieder von der Ruͤck-Reiſe der Engliſchen Flotte, und ſie- het uͤberall, daß ſich die vor einiger Zeit entſtande- ne groſſe Bewegung wieder geleget hat; daher man balde hoffet, einige mehrere Umſtaͤnde berich- ten zu koͤnnen. Riga/ den 29. Auguſt. Bey denen, die Guͤ- ther hier in dieſen Landen haben, ſcheinet es eini- ge Unruhe zu machen, weil Jhro Czaariſche Ma- jeſt. ſollen begehren, daß ſie auf eine geſetzte Zeit darthun, mit was Fug und Recht ſie dieſelben be- ſitzen. Unſer Gouverneur der Fuͤrſt Repnin iſt von hier nach dem Czaariſchen Hofe gangen, als dahin er auf expreſſe Ordre eilfertigſt entbohten worden, welches gewiß was ſonderlichs muß zu bedeuten haben. Wo es wahr iſt, daß der Czaar die Duͤna durch dieſe Stadt wil leiten laſſen, ſo duͤrffte es uns einen gar groſſen Nutzen bringen. Wie man aus Petersburg vernimmt, ſo iſt der Frieden mit Schweden noch nicht geſchloſſen geweſen; doch ſey jetzo darzu groſſe Hoffnung. Jhro Czaariſche Majeſt. ſollen ſich nebſt der Czaarin recht geſund befinden, und nebſt Seiner Hoheit dem Hertzog von Hollſtein ſich offt auf der Flotte beluſtigen. Alda iſt auch der junge Fuͤrſt Sapieha ankommen, und wil des Printzen Menzikoffs aͤlteſte Fraͤulein Tochter heyrahten. Kaͤyſerliche Affairen. Wien/ den 3. Septembr. Von der Heyraht der zweyten Joſephiniſ. Ertz-Hertzogin mit dem Chur-Printz von Bayern, wird geſagt, daß ſie ge- ſchloſſen ſeye. Hier iſt von Mayland eine wohlge- gruͤndete Species facti eingeſand, welche vom dor- tigen Senats-Secret. entworfen und deme fuͤr ſei- ne Muͤhe 600. Rthl. verehret worden. Solche be- trifft nun die von den umliegenden Printzen zum Nachtheil des Maͤylaͤndiſchen Staats gefchehene Erweiterung der Graͤntzen. Man meynt, daß der Printz Borgheſe als Vice-Koͤnig zu Neapolis von Jhro Kaͤyſerl. Majeſt. wohl moͤchte auf 3. Jahr beſtaͤtigt werden, weil ſo wohl der Adel als das ge- meine Volk eine groſſe Liebe zu ihm hat, die er durch ſeine ſanfte und freygebige Auffuͤhrung ſich zu we- ge bracht. Die Kaͤyſerl. Regimenter muͤſſen alle ergaͤntzt, und ſol die Kaͤyſerl. Macht in Jtalien auf 36000. Mann vermehret werden. Da nun- mehro der die Mecklenburgiſchen Dienſte voͤllig quittirte Herr Baron von Eichholtz juͤngſtens ſeine Bagage nach Hamburg voraus geſchicket, und eheſtens dahin folgen will; ſo vermuhtet man, ob moͤchte ſothaner Hr. Baron in dem Mecklen- burgiſchen Kaͤyſerl. Commisſiones uͤberkommen. Jhro Durchl. der Printz Eugenius von Savoyen ſtehen nun fertig, in wenig Tagen von hier nacher Ungarn abzufahren. Von Ofen iſt die Nach- richt gekommen, daß der juͤngſt dahin von den Schoͤnbornniſchen Dragounern gefaͤnglich ge- brachte Edelman aus Ober-Ungarn wieder auf freyen Fuß geſtellet worden. Mit dem Ertz-Biß- tuhm Wien hat es nunmehro ſeine Richtigkeit, in- dem der Biſchof von Paſſau, er wolle oder wolle nicht, die Pfarren hergeben muß, und mit dem Roͤ- miſchen Hof hat man ſich auch verglichen; der an ſtatt 30000 fl. mit 10000 fl. verlieb nehmen wird. Und da ſeithero der Graf Mikoſch von hier in das Carls-Bad abgereiſet, iſt auch von Hof ein Decret an die Cammer ergangen, daß man kuͤnftighin die Sachen auf den alten Fuß tractiren, und ſich nicht mehr nach dem neuen richten ſol. Der Kaͤyſerl. Geſandte in Berlin hat mit letzterer Poſt gemeldet daß er das Reſcript, ſo Jh. Kaͤyſ. Majeſt. an den Koͤnig in Preuſſen wegen des Doms zu Minden abgehen laſſen, in Abweſenheit Jh. Maj. dem ge- heimen Raht von Jlgen eingehaͤndiget; und wird alſo naͤchſtens bey Jh. Koͤn. Maj. Zuruͤckkunft zu vernehmen ſtehen, was darauf erfolgen werde. Pohlniſche Affairen. Warſchau/ den 29. Auguſt. Der neu ankom- mende Paͤbſtliche Nuntius Archinto iſt bereits Breßlau pasſiret, und wird in kurtzem hier ver- muhtet, da denn die Anforderungen derer Credi- toren von der Verlaſſenſchafft derer Biſchoͤffe von Culm und Luck ſollen liquidiret und bezahlet wer- den. Der Wohwode von Plock und andere Ma- gnaten haben bey Jhro Koͤnigl. Majeſt. wegen der Primatial-Wuͤrde Anſuchung gethan, und be- wirbt ſich ſonderlich gedachter Woywode vor ſei- nen Bruder den Biſchoff von Plock darum; Jhro Koͤnigl. Majeſt. bleiben aber beſtaͤndig dabey, ſol- che Wuͤrde und Aempter nirgends anderswo, als in Pohlen zu vergeben. Der bey denen juͤngſt fruchtloß zerſchlagenen Reichs-Taͤgen geweſene Land-Bothen-Marſchall Zawisza hat juͤngſtens in Bardyszewo dieſes Zeitliche geſegnet, welchen die Fama folgende Grab-Schrifft aufgeſetzt: Der Pohlen Tullius, der die verwirrte Glieder Der ſproͤden Ritterſchafft ſo treflich hat regiert, Legt hier den Marſchalls-Stab und ſeine Sorgen nieder; Weil ihn der blaſſe Tod zu ſolcher Stube fuͤhrt, Wo er demſelben wil ſein Niepozwollam zeigen, Drum wird Zawisza wohl hinfuͤhro ſtille ſchweigen. Bey denen itzigen Conjuncturen wil man hier vor-

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde im Rahmen des Moduls DTA-Erweiterungen (DTAE) digitalisiert. Weitere Informationen …

Britt-Marie Schuster: Bereitstellung der Texttranskription. (2014-07-01T14:43:40Z) Bitte beachten Sie, dass die aktuelle Transkription (und Textauszeichnung) mittlerweile nicht mehr dem Stand zum Zeitpunkt der Übernahme des Werkes in das DTA entsprechen muss.
Manuel Wille: Bereitstellung der Texttranskription. (2014-07-01T14:43:40Z) Bitte beachten Sie, dass die aktuelle Transkription (und Textauszeichnung) mittlerweile nicht mehr dem Stand zum Zeitpunkt der Übernahme des Werkes in das DTA entsprechen muss.
Arnika Lutz: Bereitstellung der Texttranskription. (2014-07-01T14:43:40Z) Bitte beachten Sie, dass die aktuelle Transkription (und Textauszeichnung) mittlerweile nicht mehr dem Stand zum Zeitpunkt der Übernahme des Werkes in das DTA entsprechen muss.

Weitere Informationen:

Die Transkription erfolgte nach den unter http://www.deutschestextarchiv.de/doku/basisformat formulierten Richtlinien.

Verfahren der Texterfassung: manuell (doppelt erfasst).




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/hc_401209_1721
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/hc_401209_1721/2
Zitationshilfe: Staats/ und Gelehrte Zeitung des Hollsteinischen Correspondenten. Nr. 40, Hamburg, 12. September 1721, S. [2]. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/hc_401209_1721/2>, abgerufen am 10.08.2020.