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Staats- und Gelehrte Zeitung des Hamburgischen unpartheyischen Correspondenten. Nr. 67, Hamburg, 27. April 1790.

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erste Seite
Mit allergnädigster Kayserlichen Freyheit.
Staats- und [Abbildung] Gelehrte
Zei- tung
des Hamburgischen unpartheyischen
CORRESPONDENTEN.

Anno 1790.    (Am Dienstage, den 27 April.)    
Num. 67.



[Beginn Spaltensatz]

Briefe aus Turin melden, daß Jhro Königl. Hoheit,
die Gräsinn von Artois, mit Jhren beyden jungen
Prinzen die gedachte Stadt im May verlassen, und
nach Paris zurückkommen werden. Jhr Herr Gemahl
wird selbiger sogleich folgen, wenn unsere Landes-Con-
stitution völlig zu Stande seyn wird.

Den 11ten ist zu Grenoble eine Versammlung von
mehr als 10000 Mann der Nationalgarden aus den
benachbarten Provinzen versammelt gewesen, welche
alle geschworen haben, die neue Constitution bis auf
ihren letzten Blutstropfen zu vertheidigen. Jndessen
hat diese Parthey doch eine starke Gegenparthey in den
dortigen Gegenden, an deren Spitze sich der Herr
Mounier befindet, und welche darauf bedacht ist, der
executiven Macht, das heißt, dem Könige, die ihr zu-
kommende Thätigkeit und Autorität auch die Freyheit
wieder zu geben, sich da aufzuhalten, wo der König
es für gut finden wird. Aber die Parthey wird gegen
die zahlreichen Nationalgarden nichts ausrichten kön-
nen, die alle den Marquis de la Fayette ergeben, und
zur Ausführung seiner Befehle sich aufzuopfern bereit
sind. Man will aber doch versichern, daß der Marquis
de la Fayette selbst die Meynung derer nicht billige,
welche die ganze ausübende Macht des Königs vernich-
ten wollen; man schließt dieses daraus, weil es vorzüg-
lich auf sein Verlangen geschieht, daß sich das Chatelet
noch immer mit Abhörung von Zeugen in Betreff der
Scenen vom 5ten und 6ten Oetober zu Versailles be-
schäfftigt. Besonders werden Mitglieder der National-
versammlung abgehört. Sogar hat das Chatelet
Commissarien nach Grenoble und Lausanne geschickt,
um am ersten Orte den Herrn Mounier, und am
zweyten den Herrn von Lally-Tolendal abzuhören,
welche beyde die Nationalversammlung nach dem 6ten
October verließen. Man glaubt, daß diese beyde
[Spaltenumbruch] Herren wichtige Dinge, selbst gegen einige Glieder der
Nationalversammlung, entdecken werden. Als der
Dechant des Untersuchungsausschusses die Erklärung
der Königinn über diese Scenen abholte, sagte die
Monarchinn zu ihm: Jch habe alles vergessen.

Der König ist über den Lärm vom vorigen Dienstage
sehr traurig. Sonst pflegte der Monarch des Morgens
im Garten der Thuilleries spatzieren zu gehen, nun ist
er schon seit einigen Tagen gar nicht hineingekommen.

Der Marquis von Ambert, welcher zu Marseille
wegen einiger Händel mit der Nationalgarde arretirt
ward, hat seine Freyheit wieder erhalten, und Mar-
seille verlassen.

Die Parthey der Nationalversammlung, welche zur
rechten Seite des Präsidenten sitzt, fährt noch fort,
im Capucinerkloster Versammlungen zu halten, aber
ihre Entschlüsse und Protestationen gegen die Decrete,
betreffend die katholische Religion und die Administra-
tion der geistlichen Güter, haben bisher noch nichts
ausgerichtet. Gestern mußte die Versammlung aus-
einander gehen, weil das Volk so viel Lärm machte,
daß keiner den andern reden hören konnte.

Der Ritter Pio, Secretair des hiesigen Neapolitani-
schen Ambassadeurs, welcher beym Anfange der hiesigen
Revolution in sehr enthusiastischen Ausdrücken von
selbiger nach seinem Vaterlande geschrieben hatte, hat
die Gnade seines Hofes verlohren. Er hat sich nun
zum Französischen Bürger aufnehmen lassen, und trägt
die Mondirung der Nationalgarde.

Herr Linguet hat am 16ten in dem District der
Franciscaner, wo er wohnt, den Bürgereid geschworen.

Der Cincinnatus-Ritter, Herr Deboy, hat dem
Könige 17 Perlen geschenkt, die auch außer der Schaale
wachsen, und ihres gleichen hervorbringen. Er hat
selbige seit dem 1sten November 1788 besessen, seit
welcher Zeit sie viel größer geworden. Seit dem

Mit allergnaͤdigſter Kayſerlichen Freyheit.
Staats- und [Abbildung] Gelehrte
Zei- tung
des Hamburgiſchen unpartheyiſchen
CORRESPONDENTEN.

Anno 1790.    (Am Dienſtage, den 27 April.)    
Num. 67.



[Beginn Spaltensatz]

Briefe aus Turin melden, daß Jhro Koͤnigl. Hoheit,
die Graͤſinn von Artois, mit Jhren beyden jungen
Prinzen die gedachte Stadt im May verlaſſen, und
nach Paris zuruͤckkommen werden. Jhr Herr Gemahl
wird ſelbiger ſogleich folgen, wenn unſere Landes-Con-
ſtitution voͤllig zu Stande ſeyn wird.

Den 11ten iſt zu Grenoble eine Verſammlung von
mehr als 10000 Mann der Nationalgarden aus den
benachbarten Provinzen verſammelt geweſen, welche
alle geſchworen haben, die neue Conſtitution bis auf
ihren letzten Blutstropfen zu vertheidigen. Jndeſſen
hat dieſe Parthey doch eine ſtarke Gegenparthey in den
dortigen Gegenden, an deren Spitze ſich der Herr
Mounier befindet, und welche darauf bedacht iſt, der
executiven Macht, das heißt, dem Koͤnige, die ihr zu-
kommende Thaͤtigkeit und Autoritaͤt auch die Freyheit
wieder zu geben, ſich da aufzuhalten, wo der Koͤnig
es fuͤr gut finden wird. Aber die Parthey wird gegen
die zahlreichen Nationalgarden nichts ausrichten koͤn-
nen, die alle den Marquis de la Fayette ergeben, und
zur Ausfuͤhrung ſeiner Befehle ſich aufzuopfern bereit
ſind. Man will aber doch verſichern, daß der Marquis
de la Fayette ſelbſt die Meynung derer nicht billige,
welche die ganze ausuͤbende Macht des Koͤnigs vernich-
ten wollen; man ſchließt dieſes daraus, weil es vorzuͤg-
lich auf ſein Verlangen geſchieht, daß ſich das Chatelet
noch immer mit Abhoͤrung von Zeugen in Betreff der
Scenen vom 5ten und 6ten Oetober zu Verſailles be-
ſchaͤfftigt. Beſonders werden Mitglieder der National-
verſammlung abgehoͤrt. Sogar hat das Chatelet
Commiſſarien nach Grenoble und Lauſanne geſchickt,
um am erſten Orte den Herrn Mounier, und am
zweyten den Herrn von Lally-Tolendal abzuhoͤren,
welche beyde die Nationalverſammlung nach dem 6ten
October verließen. Man glaubt, daß dieſe beyde
[Spaltenumbruch] Herren wichtige Dinge, ſelbſt gegen einige Glieder der
Nationalverſammlung, entdecken werden. Als der
Dechant des Unterſuchungsausſchuſſes die Erklaͤrung
der Koͤniginn uͤber dieſe Scenen abholte, ſagte die
Monarchinn zu ihm: Jch habe alles vergeſſen.

Der Koͤnig iſt uͤber den Laͤrm vom vorigen Dienſtage
ſehr traurig. Sonſt pflegte der Monarch des Morgens
im Garten der Thuilleries ſpatzieren zu gehen, nun iſt
er ſchon ſeit einigen Tagen gar nicht hineingekommen.

Der Marquis von Ambert, welcher zu Marſeille
wegen einiger Haͤndel mit der Nationalgarde arretirt
ward, hat ſeine Freyheit wieder erhalten, und Mar-
ſeille verlaſſen.

Die Parthey der Nationalverſammlung, welche zur
rechten Seite des Praͤſidenten ſitzt, faͤhrt noch fort,
im Capucinerkloſter Verſammlungen zu halten, aber
ihre Entſchluͤſſe und Proteſtationen gegen die Decrete,
betreffend die katholiſche Religion und die Adminiſtra-
tion der geiſtlichen Guͤter, haben bisher noch nichts
ausgerichtet. Geſtern mußte die Verſammlung aus-
einander gehen, weil das Volk ſo viel Laͤrm machte,
daß keiner den andern reden hoͤren konnte.

Der Ritter Pio, Secretair des hieſigen Neapolitani-
ſchen Ambaſſadeurs, welcher beym Anfange der hieſigen
Revolution in ſehr enthuſiaſtiſchen Ausdruͤcken von
ſelbiger nach ſeinem Vaterlande geſchrieben hatte, hat
die Gnade ſeines Hofes verlohren. Er hat ſich nun
zum Franzoͤſiſchen Buͤrger aufnehmen laſſen, und traͤgt
die Mondirung der Nationalgarde.

Herr Linguet hat am 16ten in dem Diſtrict der
Franciſcaner, wo er wohnt, den Buͤrgereid geſchworen.

Der Cincinnatus-Ritter, Herr Deboy, hat dem
Koͤnige 17 Perlen geſchenkt, die auch außer der Schaale
wachſen, und ihres gleichen hervorbringen. Er hat
ſelbige ſeit dem 1ſten November 1788 beſeſſen, ſeit
welcher Zeit ſie viel groͤßer geworden. Seit dem

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[[1]/0001] Mit allergnaͤdigſter Kayſerlichen Freyheit. Staats- und [Abbildung] Gelehrte Zei- tung des Hamburgiſchen unpartheyiſchen CORRESPONDENTEN. Anno 1790. (Am Dienſtage, den 27 April.) Num. 67. Schreiben aus Paris, vom 19 April. Briefe aus Turin melden, daß Jhro Koͤnigl. Hoheit, die Graͤſinn von Artois, mit Jhren beyden jungen Prinzen die gedachte Stadt im May verlaſſen, und nach Paris zuruͤckkommen werden. Jhr Herr Gemahl wird ſelbiger ſogleich folgen, wenn unſere Landes-Con- ſtitution voͤllig zu Stande ſeyn wird. Den 11ten iſt zu Grenoble eine Verſammlung von mehr als 10000 Mann der Nationalgarden aus den benachbarten Provinzen verſammelt geweſen, welche alle geſchworen haben, die neue Conſtitution bis auf ihren letzten Blutstropfen zu vertheidigen. Jndeſſen hat dieſe Parthey doch eine ſtarke Gegenparthey in den dortigen Gegenden, an deren Spitze ſich der Herr Mounier befindet, und welche darauf bedacht iſt, der executiven Macht, das heißt, dem Koͤnige, die ihr zu- kommende Thaͤtigkeit und Autoritaͤt auch die Freyheit wieder zu geben, ſich da aufzuhalten, wo der Koͤnig es fuͤr gut finden wird. Aber die Parthey wird gegen die zahlreichen Nationalgarden nichts ausrichten koͤn- nen, die alle den Marquis de la Fayette ergeben, und zur Ausfuͤhrung ſeiner Befehle ſich aufzuopfern bereit ſind. Man will aber doch verſichern, daß der Marquis de la Fayette ſelbſt die Meynung derer nicht billige, welche die ganze ausuͤbende Macht des Koͤnigs vernich- ten wollen; man ſchließt dieſes daraus, weil es vorzuͤg- lich auf ſein Verlangen geſchieht, daß ſich das Chatelet noch immer mit Abhoͤrung von Zeugen in Betreff der Scenen vom 5ten und 6ten Oetober zu Verſailles be- ſchaͤfftigt. Beſonders werden Mitglieder der National- verſammlung abgehoͤrt. Sogar hat das Chatelet Commiſſarien nach Grenoble und Lauſanne geſchickt, um am erſten Orte den Herrn Mounier, und am zweyten den Herrn von Lally-Tolendal abzuhoͤren, welche beyde die Nationalverſammlung nach dem 6ten October verließen. Man glaubt, daß dieſe beyde Herren wichtige Dinge, ſelbſt gegen einige Glieder der Nationalverſammlung, entdecken werden. Als der Dechant des Unterſuchungsausſchuſſes die Erklaͤrung der Koͤniginn uͤber dieſe Scenen abholte, ſagte die Monarchinn zu ihm: Jch habe alles vergeſſen. Der Koͤnig iſt uͤber den Laͤrm vom vorigen Dienſtage ſehr traurig. Sonſt pflegte der Monarch des Morgens im Garten der Thuilleries ſpatzieren zu gehen, nun iſt er ſchon ſeit einigen Tagen gar nicht hineingekommen. Der Marquis von Ambert, welcher zu Marſeille wegen einiger Haͤndel mit der Nationalgarde arretirt ward, hat ſeine Freyheit wieder erhalten, und Mar- ſeille verlaſſen. Die Parthey der Nationalverſammlung, welche zur rechten Seite des Praͤſidenten ſitzt, faͤhrt noch fort, im Capucinerkloſter Verſammlungen zu halten, aber ihre Entſchluͤſſe und Proteſtationen gegen die Decrete, betreffend die katholiſche Religion und die Adminiſtra- tion der geiſtlichen Guͤter, haben bisher noch nichts ausgerichtet. Geſtern mußte die Verſammlung aus- einander gehen, weil das Volk ſo viel Laͤrm machte, daß keiner den andern reden hoͤren konnte. Der Ritter Pio, Secretair des hieſigen Neapolitani- ſchen Ambaſſadeurs, welcher beym Anfange der hieſigen Revolution in ſehr enthuſiaſtiſchen Ausdruͤcken von ſelbiger nach ſeinem Vaterlande geſchrieben hatte, hat die Gnade ſeines Hofes verlohren. Er hat ſich nun zum Franzoͤſiſchen Buͤrger aufnehmen laſſen, und traͤgt die Mondirung der Nationalgarde. Herr Linguet hat am 16ten in dem Diſtrict der Franciſcaner, wo er wohnt, den Buͤrgereid geſchworen. Der Cincinnatus-Ritter, Herr Deboy, hat dem Koͤnige 17 Perlen geſchenkt, die auch außer der Schaale wachſen, und ihres gleichen hervorbringen. Er hat ſelbige ſeit dem 1ſten November 1788 beſeſſen, ſeit welcher Zeit ſie viel groͤßer geworden. Seit dem

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Zitationshilfe: Staats- und Gelehrte Zeitung des Hamburgischen unpartheyischen Correspondenten. Nr. 67, Hamburg, 27. April 1790, S. [1]. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/hc_672704_1790/1>, abgerufen am 15.11.2019.