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Stats- u. Gelehrte Zeitung des Hollsteinischen Correspondenten. Nr. 75, Hamburg, 11. Mai 1725.

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[Spaltenumbruch] bassadeur an den Chinesischen Kayser übersenden,
bestehen in 2. mit grünen Sammet beschlagenen
Kisten, die eine mit Gold und die andere mit Sil-
ber bordiret; selbige sind angefüllet mit gülden- und
silbernen Stoffen, Lionischer Fabric; verschiedenen
Marmornen Tischen, einer silbernen zu Rom ge-
machten Arm-Crone; unterschiedliche Kästgen
mit köstlichen zu Paris und Londen verfertigten Ga-
lanterien, als Schnuptobacks-Dosen, Köchern, und
andern Curiositäten, etc. etc. Dem Verlaut nach wil
der König, zu wieder Aufbauung des Klosters derer
Bernhardiner-Nonnen in der Stadt Arroucca, so
bekanter massen durch einen grausamen Brand grö-
sten theils ruiniret worden, eine Ansehnliche Sum-
ma Geld geben.


Vorigen Sonnabend begab sich der Pabst nach
St. Johan im Lateran, um daselbst zu schlaffen, und
folgenden Morgen desto eher zur Eröffnung des Con-
cilii bey der Hand zu seyn. Am Sonntag Morgen
machte Se. Heil. mit einer Proceßion nebst der gan-
tzen Clerisey um gedachte Kirche den Anfang, und
hielte, auf dem Päbstl. Sessel sitzend, ein brennend
Licht in der Hand, sunge folgends die Messe vom
Heil. Geist, und taht eine gelehrte Anrede an die
Bischöffe, worauf die erste Seßion in der Kirche ge-
halten ward, und retournirte der Pabst des Abends
nach dem Vatican. Selbigen Morgen ward die
schon balsamirte Leiche des am 13. dieses verstorbenen
Hertzogs v. Fiano Ottoboni auf einem hohen mit 100.
Wachs-Lichtern und vielen Wapen-Schilden umgebe-
nen in prächtigen mit güldenen Frantzen Trauer-Ap-
parat gezierten Todten-Gerüst exponiret, und nach ge-
haltenen musicalischen Exequien des Abends in dem
Grabmahl seiner Vorfahren zu San Marco zur Er-
den bestattet. Er hat 2. Söhne als Erben hinter-
lassen, und die Hertzogin seine Gemahlin nebst dem
Cardinal Ottoboni, seinem Nepoten, zu Administra-
toren bestellet, auch 10000. Messen für seine Sele
zu lesen angeordnet. Am Montage besuchte der
Pabst die 4. Ablaß-Kirchen, und gab desselbigen Ta-
ges der Portugiesische Ambassadeur dem Cardinal
Marefoschi die öffentliche Visite. Am Mittwochen
hielte der Pabst geheimes Consistorium, worin aber,
ausser der von ihm sowol als denen Cardinälen ge-
schehenen Ausruffung verschiedener Kirchen, nichts
neues vorgefallen. Selbigen Mittag speisete die
Groß-Printzeßin in dem Kloster von St. Teresa bey
den 4. Brunnen, wohin sie eine Menge von frischen
Fischen bringen ließ, weil selbige des Mittwochens
[Spaltenumbruch] aus Devotion kein Fleisch isset. Am Donnerstag
Nachmittags ward vor dem Pabst im Vatican-Pal-
last die erste Congregation des Concilii gehalten,
wobey 32. Cardinäle und 57. Ertz- und Bischöffe sich
gegenwärtig befunden, und sind darinnen die am
Sonntag bestimmte Puncta erörtert, welche morgen
solenniter sollen approbiret, und zu gleicher Zeit an-
dere Puncta wieder vorgenommen werden, deren
Approbation künfftigen Sonntag zu publiciren seyn
wird. Diese Ordnung soll so lange observiret wer-
den, als neue Materien zu proponiren verhanden
seyn, und glaubt man, daß bey continuirender Ei-
nigkeit das Concilium am Sontag über 8. Tage
geendiget seyn könne, dessen Decreta durch den Hrn.
Majella ausführlich beschrieben, und sodann gedruckt,
auch an alle Bischöffe, so dem Concilio nicht beyge-
wohnet, übersandt werden sollen. Mit letztern
Frantzösischen Briefen vernimt man, daß die in der
Constitutions-Affaire vom Pabst nach Franckreich spe-
dirte Bulle viel Aufsehens daselbst verursachet habe.
Der Pabst hat ein Edict publiciren, und solches an
alle Nuntios und Ministres des Römischen Stuhls,
sogar an denen entlegensten Oertern in der Welt, über-
senden lassen, damit einem jeden der Pardon bekant
seyn möge, welchen Se. Heiligkeit allen Abtrünni-
gen, die sich aus denen Klöstern, in fremder Religion
Länder retiriret, verliehen, daß sie nemlich zurück
kommen, und von ihren Obern ohne Straffe wie-
derum angenommen werden sollen.


Am verwichenen Sonnabend Abend kam der Hoch-
Edle Hr. Gio Maria Vincenti, welcher unlängst
mit der Groß-Cantzler-Würde gezieret worden, von
Cambray allhie zurücke. Hingegen hat der jüngst-
bemeldte Tripolitanische Bottschaffter Mehemet Ef-
fendi sich auf das Schiff, das Crucifix, an Boort be-
geben, um mit selbigem nach seiner Heymaht zu re-
tourniren.


Verwichenen Sonntag hat der Pohlnische Minister,
Graf von Watzdorff, sich von hier nach Parma bege-
ben, und scheinet es, daß bemeldter Graf an dem hiesi-
gen Hofe mehr von Seiten des Kaysers, als seines Kö-
nigs gewesen sey. Jndessen hat er seinen Secretaire
allhier gelassen, weilen er in 3. Monahten wieder zu
kommen vermeynet. Der Groß-Hertzog hält sich an-
noch in seiner Cammer auf, weilen ihn, sich aufs Land
zu begeben, von denen Medicis, wegen des jetzigen un-
beständigen Wetters, widerrahten worden; Jeden-
noch haben Se. Hoheit heute unterschiedlichen Mini-

[Spaltenumbruch] baſſadeur an den Chineſiſchen Kayſer uͤberſenden,
beſtehen in 2. mit gruͤnen Sammet beſchlagenen
Kiſten, die eine mit Gold und die andere mit Sil-
ber bordiret; ſelbige ſind angefuͤllet mit guͤlden- und
ſilbernen Stoffen, Lioniſcher Fabric; verſchiedenen
Marmornen Tiſchen, einer ſilbernen zu Rom ge-
machten Arm-Crone; unterſchiedliche Kaͤſtgen
mit koͤſtlichen zu Paris und Londen verfertigten Ga-
lanterien, als Schnuptobacks-Doſen, Koͤchern, und
andern Curioſitaͤten, ꝛc. ꝛc. Dem Verlaut nach wil
der Koͤnig, zu wieder Aufbauung des Kloſters derer
Bernhardiner-Nonnen in der Stadt Arroucca, ſo
bekanter maſſen durch einen grauſamen Brand groͤ-
ſten theils ruiniret worden, eine Anſehnliche Sum-
ma Geld geben.


Vorigen Sonnabend begab ſich der Pabſt nach
St. Johan im Lateran, um daſelbſt zu ſchlaffen, und
folgenden Morgen deſto eher zur Eroͤffnung des Con-
cilii bey der Hand zu ſeyn. Am Sonntag Morgen
machte Se. Heil. mit einer Proceßion nebſt der gan-
tzen Cleriſey um gedachte Kirche den Anfang, und
hielte, auf dem Paͤbſtl. Seſſel ſitzend, ein brennend
Licht in der Hand, ſunge folgends die Meſſe vom
Heil. Geiſt, und taht eine gelehrte Anrede an die
Biſchoͤffe, worauf die erſte Seßion in der Kirche ge-
halten ward, und retournirte der Pabſt des Abends
nach dem Vatican. Selbigen Morgen ward die
ſchon balſamirte Leiche des am 13. dieſes verſtorbenen
Hertzogs v. Fiano Ottoboni auf einem hohen mit 100.
Wachs-Lichtern und vielen Wapen-Schilden umgebe-
nen in praͤchtigen mit guͤldenen Frantzen Trauer-Ap-
parat gezierten Todten-Geruͤſt exponiret, und nach ge-
haltenen muſicaliſchen Exequien des Abends in dem
Grabmahl ſeiner Vorfahren zu San Marco zur Er-
den beſtattet. Er hat 2. Soͤhne als Erben hinter-
laſſen, und die Hertzogin ſeine Gemahlin nebſt dem
Cardinal Ottoboni, ſeinem Nepoten, zu Adminiſtra-
toren beſtellet, auch 10000. Meſſen fuͤr ſeine Sele
zu leſen angeordnet. Am Montage beſuchte der
Pabſt die 4. Ablaß-Kirchen, und gab deſſelbigen Ta-
ges der Portugieſiſche Ambaſſadeur dem Cardinal
Marefoſchi die oͤffentliche Viſite. Am Mittwochen
hielte der Pabſt geheimes Conſiſtorium, worin aber,
auſſer der von ihm ſowol als denen Cardinaͤlen ge-
ſchehenen Auſruffung verſchiedener Kirchen, nichts
neues vorgefallen. Selbigen Mittag ſpeiſete die
Groß-Printzeßin in dem Kloſter von St. Tereſa bey
den 4. Brunnen, wohin ſie eine Menge von friſchen
Fiſchen bringen ließ, weil ſelbige des Mittwochens
[Spaltenumbruch] aus Devotion kein Fleiſch iſſet. Am Donnerſtag
Nachmittags ward vor dem Pabſt im Vatican-Pal-
laſt die erſte Congregation des Concilii gehalten,
wobey 32. Cardinaͤle und 57. Ertz- und Biſchoͤffe ſich
gegenwaͤrtig befunden, und ſind darinnen die am
Sonntag beſtimmte Puncta eroͤrtert, welche morgen
ſolenniter ſollen approbiret, und zu gleicher Zeit an-
dere Puncta wieder vorgenommen werden, deren
Approbation kuͤnfftigen Sonntag zu publiciren ſeyn
wird. Dieſe Ordnung ſoll ſo lange obſerviret wer-
den, als neue Materien zu proponiren verhanden
ſeyn, und glaubt man, daß bey continuirender Ei-
nigkeit das Concilium am Sontag uͤber 8. Tage
geendiget ſeyn koͤnne, deſſen Decreta durch den Hrn.
Majella ausfuͤhrlich beſchrieben, und ſodann gedruckt,
auch an alle Biſchoͤffe, ſo dem Concilio nicht beyge-
wohnet, uͤberſandt werden ſollen. Mit letztern
Frantzoͤſiſchen Briefen vernimt man, daß die in der
Conſtitutions-Affaire vom Pabſt nach Franckreich ſpe-
dirte Bulle viel Aufſehens daſelbſt verurſachet habe.
Der Pabſt hat ein Edict publiciren, und ſolches an
alle Nuntios und Miniſtres des Roͤmiſchen Stuhls,
ſogar an denen entlegenſten Oertern in der Welt, uͤber-
ſenden laſſen, damit einem jeden der Pardon bekant
ſeyn moͤge, welchen Se. Heiligkeit allen Abtruͤnni-
gen, die ſich aus denen Kloͤſtern, in fremder Religion
Laͤnder retiriret, verliehen, daß ſie nemlich zuruͤck
kommen, und von ihren Obern ohne Straffe wie-
derum angenommen werden ſollen.


Am verwichenen Sonnabend Abend kam der Hoch-
Edle Hr. Gio Maria Vincenti, welcher unlaͤngſt
mit der Groß-Cantzler-Wuͤrde gezieret worden, von
Cambray allhie zuruͤcke. Hingegen hat der juͤngſt-
bemeldte Tripolitaniſche Bottſchaffter Mehemet Ef-
fendi ſich auf das Schiff, das Crucifix, an Boort be-
geben, um mit ſelbigem nach ſeiner Heymaht zu re-
tourniren.


Verwichenen Sonntag hat der Pohlniſche Miniſter,
Graf von Watzdorff, ſich von hier nach Parma bege-
ben, und ſcheinet es, daß bemeldter Graf an dem hieſi-
gen Hofe mehr von Seiten des Kayſers, als ſeines Koͤ-
nigs geweſen ſey. Jndeſſen hat er ſeinen Secretaire
allhier gelaſſen, weilen er in 3. Monahten wieder zu
kommen vermeynet. Der Groß-Hertzog haͤlt ſich an-
noch in ſeiner Cammer auf, weilen ihn, ſich aufs Land
zu begeben, von denen Medicis, wegen des jetzigen un-
beſtaͤndigen Wetters, widerrahten worden; Jeden-
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[[2]/0002] baſſadeur an den Chineſiſchen Kayſer uͤberſenden, beſtehen in 2. mit gruͤnen Sammet beſchlagenen Kiſten, die eine mit Gold und die andere mit Sil- ber bordiret; ſelbige ſind angefuͤllet mit guͤlden- und ſilbernen Stoffen, Lioniſcher Fabric; verſchiedenen Marmornen Tiſchen, einer ſilbernen zu Rom ge- machten Arm-Crone; unterſchiedliche Kaͤſtgen mit koͤſtlichen zu Paris und Londen verfertigten Ga- lanterien, als Schnuptobacks-Doſen, Koͤchern, und andern Curioſitaͤten, ꝛc. ꝛc. Dem Verlaut nach wil der Koͤnig, zu wieder Aufbauung des Kloſters derer Bernhardiner-Nonnen in der Stadt Arroucca, ſo bekanter maſſen durch einen grauſamen Brand groͤ- ſten theils ruiniret worden, eine Anſehnliche Sum- ma Geld geben. Rom, den 21. April. Vorigen Sonnabend begab ſich der Pabſt nach St. Johan im Lateran, um daſelbſt zu ſchlaffen, und folgenden Morgen deſto eher zur Eroͤffnung des Con- cilii bey der Hand zu ſeyn. Am Sonntag Morgen machte Se. Heil. mit einer Proceßion nebſt der gan- tzen Cleriſey um gedachte Kirche den Anfang, und hielte, auf dem Paͤbſtl. Seſſel ſitzend, ein brennend Licht in der Hand, ſunge folgends die Meſſe vom Heil. Geiſt, und taht eine gelehrte Anrede an die Biſchoͤffe, worauf die erſte Seßion in der Kirche ge- halten ward, und retournirte der Pabſt des Abends nach dem Vatican. Selbigen Morgen ward die ſchon balſamirte Leiche des am 13. dieſes verſtorbenen Hertzogs v. Fiano Ottoboni auf einem hohen mit 100. Wachs-Lichtern und vielen Wapen-Schilden umgebe- nen in praͤchtigen mit guͤldenen Frantzen Trauer-Ap- parat gezierten Todten-Geruͤſt exponiret, und nach ge- haltenen muſicaliſchen Exequien des Abends in dem Grabmahl ſeiner Vorfahren zu San Marco zur Er- den beſtattet. Er hat 2. Soͤhne als Erben hinter- laſſen, und die Hertzogin ſeine Gemahlin nebſt dem Cardinal Ottoboni, ſeinem Nepoten, zu Adminiſtra- toren beſtellet, auch 10000. Meſſen fuͤr ſeine Sele zu leſen angeordnet. Am Montage beſuchte der Pabſt die 4. Ablaß-Kirchen, und gab deſſelbigen Ta- ges der Portugieſiſche Ambaſſadeur dem Cardinal Marefoſchi die oͤffentliche Viſite. Am Mittwochen hielte der Pabſt geheimes Conſiſtorium, worin aber, auſſer der von ihm ſowol als denen Cardinaͤlen ge- ſchehenen Auſruffung verſchiedener Kirchen, nichts neues vorgefallen. Selbigen Mittag ſpeiſete die Groß-Printzeßin in dem Kloſter von St. Tereſa bey den 4. Brunnen, wohin ſie eine Menge von friſchen Fiſchen bringen ließ, weil ſelbige des Mittwochens aus Devotion kein Fleiſch iſſet. Am Donnerſtag Nachmittags ward vor dem Pabſt im Vatican-Pal- laſt die erſte Congregation des Concilii gehalten, wobey 32. Cardinaͤle und 57. Ertz- und Biſchoͤffe ſich gegenwaͤrtig befunden, und ſind darinnen die am Sonntag beſtimmte Puncta eroͤrtert, welche morgen ſolenniter ſollen approbiret, und zu gleicher Zeit an- dere Puncta wieder vorgenommen werden, deren Approbation kuͤnfftigen Sonntag zu publiciren ſeyn wird. Dieſe Ordnung ſoll ſo lange obſerviret wer- den, als neue Materien zu proponiren verhanden ſeyn, und glaubt man, daß bey continuirender Ei- nigkeit das Concilium am Sontag uͤber 8. Tage geendiget ſeyn koͤnne, deſſen Decreta durch den Hrn. Majella ausfuͤhrlich beſchrieben, und ſodann gedruckt, auch an alle Biſchoͤffe, ſo dem Concilio nicht beyge- wohnet, uͤberſandt werden ſollen. Mit letztern Frantzoͤſiſchen Briefen vernimt man, daß die in der Conſtitutions-Affaire vom Pabſt nach Franckreich ſpe- dirte Bulle viel Aufſehens daſelbſt verurſachet habe. Der Pabſt hat ein Edict publiciren, und ſolches an alle Nuntios und Miniſtres des Roͤmiſchen Stuhls, ſogar an denen entlegenſten Oertern in der Welt, uͤber- ſenden laſſen, damit einem jeden der Pardon bekant ſeyn moͤge, welchen Se. Heiligkeit allen Abtruͤnni- gen, die ſich aus denen Kloͤſtern, in fremder Religion Laͤnder retiriret, verliehen, daß ſie nemlich zuruͤck kommen, und von ihren Obern ohne Straffe wie- derum angenommen werden ſollen. Venedig, den 28. April. Am verwichenen Sonnabend Abend kam der Hoch- Edle Hr. Gio Maria Vincenti, welcher unlaͤngſt mit der Groß-Cantzler-Wuͤrde gezieret worden, von Cambray allhie zuruͤcke. Hingegen hat der juͤngſt- bemeldte Tripolitaniſche Bottſchaffter Mehemet Ef- fendi ſich auf das Schiff, das Crucifix, an Boort be- geben, um mit ſelbigem nach ſeiner Heymaht zu re- tourniren. Florentz, den 21. April. Verwichenen Sonntag hat der Pohlniſche Miniſter, Graf von Watzdorff, ſich von hier nach Parma bege- ben, und ſcheinet es, daß bemeldter Graf an dem hieſi- gen Hofe mehr von Seiten des Kayſers, als ſeines Koͤ- nigs geweſen ſey. Jndeſſen hat er ſeinen Secretaire allhier gelaſſen, weilen er in 3. Monahten wieder zu kommen vermeynet. Der Groß-Hertzog haͤlt ſich an- noch in ſeiner Cammer auf, weilen ihn, ſich aufs Land zu begeben, von denen Medicis, wegen des jetzigen un- beſtaͤndigen Wetters, widerrahten worden; Jeden- noch haben Se. Hoheit heute unterſchiedlichen Mini-

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Zitationshilfe: Stats- u. Gelehrte Zeitung des Hollsteinischen Correspondenten. Nr. 75, Hamburg, 11. Mai 1725, S. [2]. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/hc_751105_1725/2>, abgerufen am 21.03.2019.