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Heckert, Adolph (Hrsg.): Handbuch der Schulgesetzgebung Preußens. Berlin, 1847.

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scheinende Richtung zu geben, sondern auch, wenn er es für nöthig
erachtet, in einzelnen Gegenständen selbst die Prüfung zu übernehmen.

§. 23. Gegenstände der mündlichen Prüfung.

Die mündliche Prüfung ist:

1) in der deutschen Sprache auf allgemeine Grammatik, Pro-
sodie und Metrik, auf die Hauptepochen in der Geschichte
der vaterländischen Literatur, sowie auch darauf zu richten, ob
die Examinanden einige Werke der vorzüglichsten vaterländischen
Schriftsteller mit Sinn gelesen haben.
2) Im Lateinischen werden von den Examinanden passende, theils
früher in der Schule erklärte, theils nicht gelesene Stellen aus
dem Cicero, oder Sallust, oder Livius, oder Virgil, oder Horaz
übersetzt und erklärt, um sowohl ihre Fertigkeit und Gewandtheit
im Auffassen des Sinns und im richtigen und geschmackvollen
Uebersetzen, als auch ihre grammatischen und antiquarischen Kennt-
nisse und den Erfolg ihrer Privatlectüre lateinischer Schriftsteller
zu ermitteln.
Die Prüfung erfolgt in lateinischer Sprache, wobei den Ein-
zelnen Gelegenheit zu geben ist, stellenweise in zusammenhängender
Rede ihre erlangte Fertigkeit im mündlichen lateinischen Ausdruck
zu zeigen.
3) Aus dem Griechischen werden gleichfalls theils in der Schule
gelesene, theils nicht gelesene Stellen aus einem leichteren Pro-
saiker oder dem Homer übersetzt und erklärt, und hat der Exa-
minator durch angemessene Fragen die Kenntniß der Examinanden
in der Grammatik und den auf Geschichte, Mythologie und Kunst
der Griechen sich beziehenden Gegenständen zu erforschen.
4) Die Prüfung im Französischen erfolgt durch Uebersetzung und
Erklärung vorgelegter Stücke aus classischen französischen Dichtern
oder Prosaikern. Bei der Erklärung wird den Examinanden Ge-
legenheit gegeben, darzuthun, inwieweit sie sich Fertigkeit im münd-
lichen Gebrauche der französischen Sprache erworben haben.
5) In Hinsicht der Religions-Kenntniß ist zu prüfen, ob
die Abiturienten die christliche Glaubens- und Sittenlehre, die
Hauptmomente der Geschichte der christlichen Kirche und den In-
halt der heiligen Schrift im Allgemeinen kennen gelernt, und in

ſcheinende Richtung zu geben, ſondern auch, wenn er es für nöthig
erachtet, in einzelnen Gegenſtänden ſelbſt die Prüfung zu übernehmen.

§. 23. Gegenſtände der mündlichen Prüfung.

Die mündliche Prüfung iſt:

1) in der deutſchen Sprache auf allgemeine Grammatik, Pro-
ſodie und Metrik, auf die Hauptepochen in der Geſchichte
der vaterländiſchen Literatur, ſowie auch darauf zu richten, ob
die Examinanden einige Werke der vorzüglichſten vaterländiſchen
Schriftſteller mit Sinn geleſen haben.
2) Im Lateiniſchen werden von den Examinanden paſſende, theils
früher in der Schule erklärte, theils nicht geleſene Stellen aus
dem Cicero, oder Salluſt, oder Livius, oder Virgil, oder Horaz
überſetzt und erklärt, um ſowohl ihre Fertigkeit und Gewandtheit
im Auffaſſen des Sinns und im richtigen und geſchmackvollen
Ueberſetzen, als auch ihre grammatiſchen und antiquariſchen Kennt-
niſſe und den Erfolg ihrer Privatlectüre lateiniſcher Schriftſteller
zu ermitteln.
Die Prüfung erfolgt in lateiniſcher Sprache, wobei den Ein-
zelnen Gelegenheit zu geben iſt, ſtellenweiſe in zuſammenhängender
Rede ihre erlangte Fertigkeit im mündlichen lateiniſchen Ausdruck
zu zeigen.
3) Aus dem Griechiſchen werden gleichfalls theils in der Schule
geleſene, theils nicht geleſene Stellen aus einem leichteren Pro-
ſaiker oder dem Homer überſetzt und erklärt, und hat der Exa-
minator durch angemeſſene Fragen die Kenntniß der Examinanden
in der Grammatik und den auf Geſchichte, Mythologie und Kunſt
der Griechen ſich beziehenden Gegenſtänden zu erforſchen.
4) Die Prüfung im Franzöſiſchen erfolgt durch Ueberſetzung und
Erklärung vorgelegter Stücke aus claſſiſchen franzöſiſchen Dichtern
oder Proſaikern. Bei der Erklärung wird den Examinanden Ge-
legenheit gegeben, darzuthun, inwieweit ſie ſich Fertigkeit im münd-
lichen Gebrauche der franzöſiſchen Sprache erworben haben.
5) In Hinſicht der Religions-Kenntniß iſt zu prüfen, ob
die Abiturienten die chriſtliche Glaubens- und Sittenlehre, die
Hauptmomente der Geſchichte der chriſtlichen Kirche und den In-
halt der heiligen Schrift im Allgemeinen kennen gelernt, und in
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[528/0542] ſcheinende Richtung zu geben, ſondern auch, wenn er es für nöthig erachtet, in einzelnen Gegenſtänden ſelbſt die Prüfung zu übernehmen. §. 23. Gegenſtände der mündlichen Prüfung. Die mündliche Prüfung iſt: 1) in der deutſchen Sprache auf allgemeine Grammatik, Pro- ſodie und Metrik, auf die Hauptepochen in der Geſchichte der vaterländiſchen Literatur, ſowie auch darauf zu richten, ob die Examinanden einige Werke der vorzüglichſten vaterländiſchen Schriftſteller mit Sinn geleſen haben. 2) Im Lateiniſchen werden von den Examinanden paſſende, theils früher in der Schule erklärte, theils nicht geleſene Stellen aus dem Cicero, oder Salluſt, oder Livius, oder Virgil, oder Horaz überſetzt und erklärt, um ſowohl ihre Fertigkeit und Gewandtheit im Auffaſſen des Sinns und im richtigen und geſchmackvollen Ueberſetzen, als auch ihre grammatiſchen und antiquariſchen Kennt- niſſe und den Erfolg ihrer Privatlectüre lateiniſcher Schriftſteller zu ermitteln. Die Prüfung erfolgt in lateiniſcher Sprache, wobei den Ein- zelnen Gelegenheit zu geben iſt, ſtellenweiſe in zuſammenhängender Rede ihre erlangte Fertigkeit im mündlichen lateiniſchen Ausdruck zu zeigen. 3) Aus dem Griechiſchen werden gleichfalls theils in der Schule geleſene, theils nicht geleſene Stellen aus einem leichteren Pro- ſaiker oder dem Homer überſetzt und erklärt, und hat der Exa- minator durch angemeſſene Fragen die Kenntniß der Examinanden in der Grammatik und den auf Geſchichte, Mythologie und Kunſt der Griechen ſich beziehenden Gegenſtänden zu erforſchen. 4) Die Prüfung im Franzöſiſchen erfolgt durch Ueberſetzung und Erklärung vorgelegter Stücke aus claſſiſchen franzöſiſchen Dichtern oder Proſaikern. Bei der Erklärung wird den Examinanden Ge- legenheit gegeben, darzuthun, inwieweit ſie ſich Fertigkeit im münd- lichen Gebrauche der franzöſiſchen Sprache erworben haben. 5) In Hinſicht der Religions-Kenntniß iſt zu prüfen, ob die Abiturienten die chriſtliche Glaubens- und Sittenlehre, die Hauptmomente der Geſchichte der chriſtlichen Kirche und den In- halt der heiligen Schrift im Allgemeinen kennen gelernt, und in

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Zitationshilfe: Heckert, Adolph (Hrsg.): Handbuch der Schulgesetzgebung Preußens. Berlin, 1847, S. 528. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/heckert_schulgesetzgebung_1847/542>, abgerufen am 29.11.2020.