Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Heckert, Adolph (Hrsg.): Handbuch der Schulgesetzgebung Preußens. Berlin, 1847.

Bild:
<< vorherige Seite

übrigen Lehrern auch jetzt noch, wie sie es schon früher zu thun ver-
pflichtet waren, die Wahl eines andern Berufs dringend anzurathen.
Bleiben solche für nicht reif Erklärte bei ihrer Absicht, die Univer-
sität zu beziehen, so ist auch ihnen auf ihr Verlangen das Ergebniß
ihrer Prüfung in einem Zeugnisse auszufertigen.

§. 30. Abfassung des Zeugnisses.

Auf den Grund des Prüfungs-Protocolls (§§. 18. 25.) und der
Censurbücher (§. 27.) wird in deutscher Sprache das Zeugniß im
Concept vom Director ausgefertigt, und sämmtlichen Mitgliedern der
Prüfungs-Commission zur Mitzeichnung vorgelegt, demnächst in der
Reinschrift zuerst von dem Königl. Commissarius unterschrieben und
untersiegelt, worauf es an das betreffende Mitglied des Scholarchats,
Ephorats oder Curatoriums, jedoch nur zur Unterschrift gelangt.
Dann versieht solches der Director mit dem Insiegel der Schule und
seiner Namensunterschrift, welche letztere endlich auch von den übrigen
Mitgliedern der Prüfungs-Commission beigefügt wird.

§. 31. Form des Zeugnisses.

Bei der Ausfertigung des Zeugnisses, welches eine sorgfältig aus-
geführte Characteristik des Abiturienten, nach seiner sittlichen Führung,
seinen Fähigkeiten und deren Entwickelung enthalten muß, ist das
Schema zu beobachten.

Das Zeugniß der Nichtreife wird nur auf ausdrückliches Ver-
langen des Geprüften oder seiner Angehörigen ausgefertigt, nach
obigem Schema, jedoch mit Weglassung des Zusatzes der Reife in
der Ueberschrift, und statt des Schlusses wird gesetzt: Es hat ihm
hiernach in der Prüfung vom .. ten .... 18 .. das Zeugniß der
Reife nicht zuerkannt werden können.

§. 32. Einhändigung des Zeugnisses und Entlassung.

Die Zeugnisse werden den Abgehenden erst bei der Entlassung
vom Director eingehändigt; bis dahin haben sie den Schulunterricht
unausgesetzt zu besuchen, und sich der gewöhnlichen Schulordnung zu
unterwerfen. Die Entlassung der Abgehenden ist in jedem Gymnasium
entweder beim Schlusse der öffentlichen Schulprüfung oder bei andern
in den verschiedenen Anstalten üblichen öffentlichen Feierlichkeiten vor-
zunehmen, und es ist darauf zu halten, daß jeder von der Schule mit
dem Zeugnisse der Reife zur Universität Abgehende dabei anwesend
sei. Hier werden alle für reif erklärten und die Schule wirklich ver-

übrigen Lehrern auch jetzt noch, wie ſie es ſchon früher zu thun ver-
pflichtet waren, die Wahl eines andern Berufs dringend anzurathen.
Bleiben ſolche für nicht reif Erklärte bei ihrer Abſicht, die Univer-
ſität zu beziehen, ſo iſt auch ihnen auf ihr Verlangen das Ergebniß
ihrer Prüfung in einem Zeugniſſe auszufertigen.

§. 30. Abfaſſung des Zeugniſſes.

Auf den Grund des Prüfungs-Protocolls (§§. 18. 25.) und der
Cenſurbücher (§. 27.) wird in deutſcher Sprache das Zeugniß im
Concept vom Director ausgefertigt, und ſämmtlichen Mitgliedern der
Prüfungs-Commiſſion zur Mitzeichnung vorgelegt, demnächſt in der
Reinſchrift zuerſt von dem Königl. Commiſſarius unterſchrieben und
unterſiegelt, worauf es an das betreffende Mitglied des Scholarchats,
Ephorats oder Curatoriums, jedoch nur zur Unterſchrift gelangt.
Dann verſieht ſolches der Director mit dem Inſiegel der Schule und
ſeiner Namensunterſchrift, welche letztere endlich auch von den übrigen
Mitgliedern der Prüfungs-Commiſſion beigefügt wird.

§. 31. Form des Zeugniſſes.

Bei der Ausfertigung des Zeugniſſes, welches eine ſorgfältig aus-
geführte Characteriſtik des Abiturienten, nach ſeiner ſittlichen Führung,
ſeinen Fähigkeiten und deren Entwickelung enthalten muß, iſt das
Schema zu beobachten.

Das Zeugniß der Nichtreife wird nur auf ausdrückliches Ver-
langen des Geprüften oder ſeiner Angehörigen ausgefertigt, nach
obigem Schema, jedoch mit Weglaſſung des Zuſatzes der Reife in
der Ueberſchrift, und ſtatt des Schluſſes wird geſetzt: Es hat ihm
hiernach in der Prüfung vom .. ten .... 18 .. das Zeugniß der
Reife nicht zuerkannt werden können.

§. 32. Einhändigung des Zeugniſſes und Entlaſſung.

Die Zeugniſſe werden den Abgehenden erſt bei der Entlaſſung
vom Director eingehändigt; bis dahin haben ſie den Schulunterricht
unausgeſetzt zu beſuchen, und ſich der gewöhnlichen Schulordnung zu
unterwerfen. Die Entlaſſung der Abgehenden iſt in jedem Gymnaſium
entweder beim Schluſſe der öffentlichen Schulprüfung oder bei andern
in den verſchiedenen Anſtalten üblichen öffentlichen Feierlichkeiten vor-
zunehmen, und es iſt darauf zu halten, daß jeder von der Schule mit
dem Zeugniſſe der Reife zur Univerſität Abgehende dabei anweſend
ſei. Hier werden alle für reif erklärten und die Schule wirklich ver-

<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <div n="3">
            <p><pb facs="#f0549" n="535"/>
übrigen Lehrern auch jetzt noch, wie &#x017F;ie es &#x017F;chon früher zu thun ver-<lb/>
pflichtet waren, die Wahl eines andern Berufs dringend anzurathen.<lb/>
Bleiben &#x017F;olche für <hi rendition="#g">nicht reif</hi> Erklärte bei ihrer Ab&#x017F;icht, die Univer-<lb/>
&#x017F;ität zu beziehen, &#x017F;o i&#x017F;t auch ihnen auf ihr Verlangen das Ergebniß<lb/>
ihrer Prüfung in einem Zeugni&#x017F;&#x017F;e auszufertigen.</p>
          </div><lb/>
          <div n="3">
            <head>§. 30. <hi rendition="#g">Abfa&#x017F;&#x017F;ung des Zeugni&#x017F;&#x017F;es</hi>.</head><lb/>
            <p>Auf den Grund des Prüfungs-Protocolls (§§. 18. 25.) und der<lb/>
Cen&#x017F;urbücher (§. 27.) wird in deut&#x017F;cher Sprache das Zeugniß im<lb/>
Concept vom Director ausgefertigt, und &#x017F;ämmtlichen Mitgliedern der<lb/>
Prüfungs-Commi&#x017F;&#x017F;ion zur Mitzeichnung vorgelegt, demnäch&#x017F;t in der<lb/>
Rein&#x017F;chrift zuer&#x017F;t von dem Königl. Commi&#x017F;&#x017F;arius unter&#x017F;chrieben und<lb/>
unter&#x017F;iegelt, worauf es an das betreffende Mitglied des Scholarchats,<lb/>
Ephorats oder Curatoriums, jedoch nur zur Unter&#x017F;chrift gelangt.<lb/>
Dann ver&#x017F;ieht &#x017F;olches der Director mit dem In&#x017F;iegel der Schule und<lb/>
&#x017F;einer Namensunter&#x017F;chrift, welche letztere endlich auch von den übrigen<lb/>
Mitgliedern der Prüfungs-Commi&#x017F;&#x017F;ion beigefügt wird.</p>
          </div><lb/>
          <div n="3">
            <head>§. 31. <hi rendition="#g">Form des Zeugni&#x017F;&#x017F;es</hi>.</head><lb/>
            <p>Bei der Ausfertigung des Zeugni&#x017F;&#x017F;es, welches eine &#x017F;orgfältig aus-<lb/>
geführte Characteri&#x017F;tik des Abiturienten, nach &#x017F;einer &#x017F;ittlichen Führung,<lb/>
&#x017F;einen Fähigkeiten und deren Entwickelung enthalten muß, i&#x017F;t das<lb/>
Schema zu beobachten.</p><lb/>
            <p>Das Zeugniß der <hi rendition="#g">Nichtreife</hi> wird nur auf ausdrückliches Ver-<lb/>
langen des Geprüften oder &#x017F;einer Angehörigen ausgefertigt, nach<lb/>
obigem Schema, jedoch mit Wegla&#x017F;&#x017F;ung des Zu&#x017F;atzes <hi rendition="#g">der Reife</hi> in<lb/>
der Ueber&#x017F;chrift, und &#x017F;tatt des Schlu&#x017F;&#x017F;es wird ge&#x017F;etzt: Es hat ihm<lb/>
hiernach in der Prüfung vom .. ten .... 18 .. das Zeugniß der<lb/>
Reife nicht zuerkannt werden können.</p>
          </div><lb/>
          <div n="3">
            <head>§. 32. <hi rendition="#g">Einhändigung des Zeugni&#x017F;&#x017F;es und Entla&#x017F;&#x017F;ung</hi>.</head><lb/>
            <p>Die Zeugni&#x017F;&#x017F;e werden den Abgehenden er&#x017F;t bei der Entla&#x017F;&#x017F;ung<lb/>
vom Director eingehändigt; bis dahin haben &#x017F;ie den Schulunterricht<lb/>
unausge&#x017F;etzt zu be&#x017F;uchen, und &#x017F;ich der gewöhnlichen Schulordnung zu<lb/>
unterwerfen. Die Entla&#x017F;&#x017F;ung der Abgehenden i&#x017F;t in jedem Gymna&#x017F;ium<lb/>
entweder beim Schlu&#x017F;&#x017F;e der öffentlichen Schulprüfung oder bei andern<lb/>
in den ver&#x017F;chiedenen An&#x017F;talten üblichen öffentlichen Feierlichkeiten vor-<lb/>
zunehmen, und es i&#x017F;t darauf zu halten, daß jeder von der Schule mit<lb/>
dem Zeugni&#x017F;&#x017F;e der Reife zur Univer&#x017F;ität Abgehende dabei anwe&#x017F;end<lb/>
&#x017F;ei. Hier werden alle für reif erklärten und die Schule wirklich ver-<lb/></p>
          </div>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[535/0549] übrigen Lehrern auch jetzt noch, wie ſie es ſchon früher zu thun ver- pflichtet waren, die Wahl eines andern Berufs dringend anzurathen. Bleiben ſolche für nicht reif Erklärte bei ihrer Abſicht, die Univer- ſität zu beziehen, ſo iſt auch ihnen auf ihr Verlangen das Ergebniß ihrer Prüfung in einem Zeugniſſe auszufertigen. §. 30. Abfaſſung des Zeugniſſes. Auf den Grund des Prüfungs-Protocolls (§§. 18. 25.) und der Cenſurbücher (§. 27.) wird in deutſcher Sprache das Zeugniß im Concept vom Director ausgefertigt, und ſämmtlichen Mitgliedern der Prüfungs-Commiſſion zur Mitzeichnung vorgelegt, demnächſt in der Reinſchrift zuerſt von dem Königl. Commiſſarius unterſchrieben und unterſiegelt, worauf es an das betreffende Mitglied des Scholarchats, Ephorats oder Curatoriums, jedoch nur zur Unterſchrift gelangt. Dann verſieht ſolches der Director mit dem Inſiegel der Schule und ſeiner Namensunterſchrift, welche letztere endlich auch von den übrigen Mitgliedern der Prüfungs-Commiſſion beigefügt wird. §. 31. Form des Zeugniſſes. Bei der Ausfertigung des Zeugniſſes, welches eine ſorgfältig aus- geführte Characteriſtik des Abiturienten, nach ſeiner ſittlichen Führung, ſeinen Fähigkeiten und deren Entwickelung enthalten muß, iſt das Schema zu beobachten. Das Zeugniß der Nichtreife wird nur auf ausdrückliches Ver- langen des Geprüften oder ſeiner Angehörigen ausgefertigt, nach obigem Schema, jedoch mit Weglaſſung des Zuſatzes der Reife in der Ueberſchrift, und ſtatt des Schluſſes wird geſetzt: Es hat ihm hiernach in der Prüfung vom .. ten .... 18 .. das Zeugniß der Reife nicht zuerkannt werden können. §. 32. Einhändigung des Zeugniſſes und Entlaſſung. Die Zeugniſſe werden den Abgehenden erſt bei der Entlaſſung vom Director eingehändigt; bis dahin haben ſie den Schulunterricht unausgeſetzt zu beſuchen, und ſich der gewöhnlichen Schulordnung zu unterwerfen. Die Entlaſſung der Abgehenden iſt in jedem Gymnaſium entweder beim Schluſſe der öffentlichen Schulprüfung oder bei andern in den verſchiedenen Anſtalten üblichen öffentlichen Feierlichkeiten vor- zunehmen, und es iſt darauf zu halten, daß jeder von der Schule mit dem Zeugniſſe der Reife zur Univerſität Abgehende dabei anweſend ſei. Hier werden alle für reif erklärten und die Schule wirklich ver-

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/heckert_schulgesetzgebung_1847
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/heckert_schulgesetzgebung_1847/549
Zitationshilfe: Heckert, Adolph (Hrsg.): Handbuch der Schulgesetzgebung Preußens. Berlin, 1847, S. 535. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/heckert_schulgesetzgebung_1847/549>, abgerufen am 24.03.2019.