Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Heckert, Adolph (Hrsg.): Handbuch der Schulgesetzgebung Preußens. Berlin, 1847.

Bild:
<< vorherige Seite

nungen zu bessern suchen, und wenn dieselben fruchtlos sind, seinen
Eltern oder Vormündern, wie denjenigen, von welchen sie Stipendien
genießen, davon Nachricht geben.

Anhangs §. 135. Wer unter dem Namen eines Studirenden
allein seinen Vergnügungen nachgeht, und weder die Collegien be-
sucht, noch sonst gelehrte oder doch dem Zwecke der Universität
angemessene Geschäfte treibt, soll auf der Universität nicht gelitten
werden.

Circ.-Rescr. v. 17. April 1844. (M.-Bl. S. 147.), betr. die Ver-
anstaltung repetitorischer Uebungen mit Studirenden. (s. Anhang Nr. 46.)

Von der academischen Disciplin.

§. 84. Alle Studirende müssen den allgemeinen Polizeigesetzen des
Landes und Ortes sowohl, als den besondern, die academische Zucht
betreffenden Vorschriften und Anordnungen die genaueste Folge leisten.

1. Cab.-O. v. 21. Mai 1824., mitgetheilt durch das Rescript v. 16.
Juni 1824. (v. K. Ann. B. 8. S. 440.), betr. die Ertheilung von
Pässen an reisende Studenten.
2. Rescr. v. 9. Juni 1824. (v. K. Ann. B. 8. S. 437.), betr. das Ver-
bot der Beherbergung reisender Studirenden bei Studenten.
3. Rescr. v. 16. Juni 1824. (v. K. Ann. B. 8. S. 442.) dens. Gegen-
stand betr.
4. Rescr. v. 5. August 1824. (v. K. Ann. B. 8. S. 833.) dehnt jene
Verordnungen auf Gymnasiasten und Candidaten aus.
Anhangs §. 136. So weit die academischen Vorrechte und
Gesetze keine Ausnahme machen, sind die Studenten auf den
Königl. Universitäten, gleich andern Unterthanen, alle Gesetze des
Staates zu beobachten schuldig; doch werden sie in Absicht auf die
aus allgemeinen gesellschaftlichen, oder aus Familienverhältnissen
entspringenden persönlichen Rechte, besonders in Ansehung der
Großjährigkeit und wegen des Erbrechtes auf ihren Nachlaß, nach
den Gesetzen ihrer Heimath beurtheilt, wofern sie nicht den Vorsatz,
auf der Academie ihren beständigen Wohnsitz zu nehmen, aus-
drücklich oder stillschweigend erklärt haben.
Auch bei Criminalfällen, besonders in Ansehung der Duelle,
sind die Studenten den allgemeinen Landesgesetzen unterworfen,
und es wird deshalb ausdrücklich auf das Allgemeine Landrecht
verwiesen; doch soll kein Arzt oder Wundarzt verpflichtet sein,
der Obrigkeit von einem vorgefallenen, zum Behuf der Cur zu
seiner Kenntniß gekommenen Duell, Kenntniß zu geben, vielmehr

nungen zu beſſern ſuchen, und wenn dieſelben fruchtlos ſind, ſeinen
Eltern oder Vormündern, wie denjenigen, von welchen ſie Stipendien
genießen, davon Nachricht geben.

Anhangs §. 135. Wer unter dem Namen eines Studirenden
allein ſeinen Vergnügungen nachgeht, und weder die Collegien be-
ſucht, noch ſonſt gelehrte oder doch dem Zwecke der Univerſität
angemeſſene Geſchäfte treibt, ſoll auf der Univerſität nicht gelitten
werden.

Circ.-Reſcr. v. 17. April 1844. (M.-Bl. S. 147.), betr. die Ver-
anſtaltung repetitoriſcher Uebungen mit Studirenden. (ſ. Anhang Nr. 46.)

Von der academiſchen Disciplin.

§. 84. Alle Studirende müſſen den allgemeinen Polizeigeſetzen des
Landes und Ortes ſowohl, als den beſondern, die academiſche Zucht
betreffenden Vorſchriften und Anordnungen die genaueſte Folge leiſten.

1. Cab.-O. v. 21. Mai 1824., mitgetheilt durch das Reſcript v. 16.
Juni 1824. (v. K. Ann. B. 8. S. 440.), betr. die Ertheilung von
Päſſen an reiſende Studenten.
2. Reſcr. v. 9. Juni 1824. (v. K. Ann. B. 8. S. 437.), betr. das Ver-
bot der Beherbergung reiſender Studirenden bei Studenten.
3. Reſcr. v. 16. Juni 1824. (v. K. Ann. B. 8. S. 442.) denſ. Gegen-
ſtand betr.
4. Reſcr. v. 5. Auguſt 1824. (v. K. Ann. B. 8. S. 833.) dehnt jene
Verordnungen auf Gymnaſiaſten und Candidaten aus.
Anhangs §. 136. So weit die academiſchen Vorrechte und
Geſetze keine Ausnahme machen, ſind die Studenten auf den
Königl. Univerſitäten, gleich andern Unterthanen, alle Geſetze des
Staates zu beobachten ſchuldig; doch werden ſie in Abſicht auf die
aus allgemeinen geſellſchaftlichen, oder aus Familienverhältniſſen
entſpringenden perſönlichen Rechte, beſonders in Anſehung der
Großjährigkeit und wegen des Erbrechtes auf ihren Nachlaß, nach
den Geſetzen ihrer Heimath beurtheilt, wofern ſie nicht den Vorſatz,
auf der Academie ihren beſtändigen Wohnſitz zu nehmen, aus-
drücklich oder ſtillſchweigend erklärt haben.
Auch bei Criminalfällen, beſonders in Anſehung der Duelle,
ſind die Studenten den allgemeinen Landesgeſetzen unterworfen,
und es wird deshalb ausdrücklich auf das Allgemeine Landrecht
verwieſen; doch ſoll kein Arzt oder Wundarzt verpflichtet ſein,
der Obrigkeit von einem vorgefallenen, zum Behuf der Cur zu
ſeiner Kenntniß gekommenen Duell, Kenntniß zu geben, vielmehr
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <div n="3">
            <p><pb facs="#f0072" n="58"/>
nungen zu be&#x017F;&#x017F;ern &#x017F;uchen, und wenn die&#x017F;elben fruchtlos &#x017F;ind, &#x017F;einen<lb/>
Eltern oder Vormündern, wie denjenigen, von welchen &#x017F;ie Stipendien<lb/>
genießen, davon Nachricht geben.</p><lb/>
            <p> <hi rendition="#et">Anhangs §. 135. Wer unter dem Namen eines Studirenden<lb/>
allein &#x017F;einen Vergnügungen nachgeht, und weder die Collegien be-<lb/>
&#x017F;ucht, noch &#x017F;on&#x017F;t gelehrte oder doch dem Zwecke der Univer&#x017F;ität<lb/>
angeme&#x017F;&#x017F;ene Ge&#x017F;chäfte treibt, &#x017F;oll auf der Univer&#x017F;ität nicht gelitten<lb/>
werden.</hi> </p><lb/>
            <p> <hi rendition="#et"><hi rendition="#g">Circ.-Re&#x017F;cr</hi>. v. 17. April 1844. (M.-Bl. S. 147.), betr. die Ver-<lb/>
an&#x017F;taltung repetitori&#x017F;cher Uebungen mit Studirenden. (&#x017F;. Anhang Nr. 46.)</hi> </p>
          </div><lb/>
          <div n="3">
            <head>Von der academi&#x017F;chen Disciplin.</head><lb/>
            <p>§. 84. Alle Studirende mü&#x017F;&#x017F;en den allgemeinen Polizeige&#x017F;etzen des<lb/>
Landes und Ortes &#x017F;owohl, als den be&#x017F;ondern, die academi&#x017F;che Zucht<lb/>
betreffenden Vor&#x017F;chriften und Anordnungen die genaue&#x017F;te Folge lei&#x017F;ten.</p><lb/>
            <list>
              <item>1. <hi rendition="#g">Cab.-O</hi>. v. 21. Mai 1824., mitgetheilt durch das <hi rendition="#g">Re&#x017F;cript</hi> v. 16.<lb/>
Juni 1824. (v. K. Ann. B. 8. S. 440.), betr. die Ertheilung von<lb/>&#x017F;&#x017F;en an rei&#x017F;ende Studenten.</item><lb/>
              <item>2. <hi rendition="#g">Re&#x017F;cr</hi>. v. 9. Juni 1824. (v. K. Ann. B. 8. S. 437.), betr. das Ver-<lb/>
bot der Beherbergung rei&#x017F;ender Studirenden bei Studenten.</item><lb/>
              <item>3. <hi rendition="#g">Re&#x017F;cr</hi>. v. 16. Juni 1824. (v. K. Ann. B. 8. S. 442.) den&#x017F;. Gegen-<lb/>
&#x017F;tand betr.</item><lb/>
              <item>4. <hi rendition="#g">Re&#x017F;cr</hi>. v. 5. Augu&#x017F;t 1824. (v. K. Ann. B. 8. S. 833.) dehnt jene<lb/>
Verordnungen auf Gymna&#x017F;ia&#x017F;ten und Candidaten aus.<lb/><hi rendition="#et">Anhangs §. 136. So weit die academi&#x017F;chen Vorrechte und<lb/>
Ge&#x017F;etze keine Ausnahme machen, &#x017F;ind die Studenten auf den<lb/>
Königl. Univer&#x017F;itäten, gleich andern Unterthanen, alle Ge&#x017F;etze des<lb/>
Staates zu beobachten &#x017F;chuldig; doch werden &#x017F;ie in Ab&#x017F;icht auf die<lb/>
aus allgemeinen ge&#x017F;ell&#x017F;chaftlichen, oder aus Familienverhältni&#x017F;&#x017F;en<lb/>
ent&#x017F;pringenden per&#x017F;önlichen Rechte, be&#x017F;onders in An&#x017F;ehung der<lb/>
Großjährigkeit und wegen des Erbrechtes auf ihren Nachlaß, nach<lb/>
den Ge&#x017F;etzen ihrer Heimath beurtheilt, wofern &#x017F;ie nicht den Vor&#x017F;atz,<lb/>
auf der Academie ihren be&#x017F;tändigen Wohn&#x017F;itz zu nehmen, aus-<lb/>
drücklich oder &#x017F;till&#x017F;chweigend erklärt haben.<lb/>
Auch bei Criminalfällen, be&#x017F;onders in An&#x017F;ehung der Duelle,<lb/>
&#x017F;ind die Studenten den allgemeinen Landesge&#x017F;etzen unterworfen,<lb/>
und es wird deshalb ausdrücklich auf das Allgemeine Landrecht<lb/>
verwie&#x017F;en; doch &#x017F;oll kein Arzt oder Wundarzt verpflichtet &#x017F;ein,<lb/>
der Obrigkeit von einem vorgefallenen, zum Behuf der Cur zu<lb/>
&#x017F;einer Kenntniß gekommenen Duell, Kenntniß zu geben, vielmehr<lb/></hi></item>
            </list>
          </div>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[58/0072] nungen zu beſſern ſuchen, und wenn dieſelben fruchtlos ſind, ſeinen Eltern oder Vormündern, wie denjenigen, von welchen ſie Stipendien genießen, davon Nachricht geben. Anhangs §. 135. Wer unter dem Namen eines Studirenden allein ſeinen Vergnügungen nachgeht, und weder die Collegien be- ſucht, noch ſonſt gelehrte oder doch dem Zwecke der Univerſität angemeſſene Geſchäfte treibt, ſoll auf der Univerſität nicht gelitten werden. Circ.-Reſcr. v. 17. April 1844. (M.-Bl. S. 147.), betr. die Ver- anſtaltung repetitoriſcher Uebungen mit Studirenden. (ſ. Anhang Nr. 46.) Von der academiſchen Disciplin. §. 84. Alle Studirende müſſen den allgemeinen Polizeigeſetzen des Landes und Ortes ſowohl, als den beſondern, die academiſche Zucht betreffenden Vorſchriften und Anordnungen die genaueſte Folge leiſten. 1. Cab.-O. v. 21. Mai 1824., mitgetheilt durch das Reſcript v. 16. Juni 1824. (v. K. Ann. B. 8. S. 440.), betr. die Ertheilung von Päſſen an reiſende Studenten. 2. Reſcr. v. 9. Juni 1824. (v. K. Ann. B. 8. S. 437.), betr. das Ver- bot der Beherbergung reiſender Studirenden bei Studenten. 3. Reſcr. v. 16. Juni 1824. (v. K. Ann. B. 8. S. 442.) denſ. Gegen- ſtand betr. 4. Reſcr. v. 5. Auguſt 1824. (v. K. Ann. B. 8. S. 833.) dehnt jene Verordnungen auf Gymnaſiaſten und Candidaten aus. Anhangs §. 136. So weit die academiſchen Vorrechte und Geſetze keine Ausnahme machen, ſind die Studenten auf den Königl. Univerſitäten, gleich andern Unterthanen, alle Geſetze des Staates zu beobachten ſchuldig; doch werden ſie in Abſicht auf die aus allgemeinen geſellſchaftlichen, oder aus Familienverhältniſſen entſpringenden perſönlichen Rechte, beſonders in Anſehung der Großjährigkeit und wegen des Erbrechtes auf ihren Nachlaß, nach den Geſetzen ihrer Heimath beurtheilt, wofern ſie nicht den Vorſatz, auf der Academie ihren beſtändigen Wohnſitz zu nehmen, aus- drücklich oder ſtillſchweigend erklärt haben. Auch bei Criminalfällen, beſonders in Anſehung der Duelle, ſind die Studenten den allgemeinen Landesgeſetzen unterworfen, und es wird deshalb ausdrücklich auf das Allgemeine Landrecht verwieſen; doch ſoll kein Arzt oder Wundarzt verpflichtet ſein, der Obrigkeit von einem vorgefallenen, zum Behuf der Cur zu ſeiner Kenntniß gekommenen Duell, Kenntniß zu geben, vielmehr

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/heckert_schulgesetzgebung_1847
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/heckert_schulgesetzgebung_1847/72
Zitationshilfe: Heckert, Adolph (Hrsg.): Handbuch der Schulgesetzgebung Preußens. Berlin, 1847, S. 58. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/heckert_schulgesetzgebung_1847/72>, abgerufen am 03.12.2020.