Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Hegel, Georg Wilhelm Friedrich: Wissenschaft der Logik. Bd. 1,2. Nürnberg, 1813.

Bild:
<< vorherige Seite
Die Wirklichkeit.
Erstes Kapitel.
Das Absolute.

Die einfache gediegene Identität des Absoluten ist
unbestimmt, oder in ihr hat sich vielmehr alle Bestimmt-
heit des Wesens und der Existenz, oder des
Seyns überhaupt sowohl als der Reflexion aufge-
löst. Insofern fällt das Bestimmen dessen, was
das Absolute sey,
negativ aus, und das Absolute
selbst erscheint nur als die Negation aller Prädicate und
als das Leere. Aber indem es eben so sehr als die Po-
sition aller Prädicate ausgesprochen werden muß, er-
scheint es als der formellste Widerspruch. Insofern je-
nes Negiren und dieses Setzen, der äussern Refle-
xion
angehört, so ist es eine formelle unsystematische
Dialektik, die mit leichter Mühe die mancherley Bestim-
mungen hieher und dorther aufgreift, und mit eben so
leichter Mühe einerseits ihre Endlichkeit und blosse Rela-
tivität aufzeigt, als andererseits, indem es ihr als die
Totalität vorschwebt, auch das Innwohnen aller Bestim-
mungen von ihm ausspricht, -- ohne diese Positionen
und jene Negationen zu einer wahrhaften Einheit erhe-
ben zu können. -- Es soll aber dargestellt werden, was
das Absolute ist; aber diß Darstellen kann nicht ein Be-
stimmen noch äussere Reflexion seyn, wodurch Bestim-
mungen desselben würden, sondern es ist die Ausle-
gung
und zwar die eigene Auslegung des Absoluten,
und nur ein Zeigen dessen was es ist.



A. Die
Die Wirklichkeit.
Erſtes Kapitel.
Das Abſolute.

Die einfache gediegene Identitaͤt des Abſoluten iſt
unbeſtimmt, oder in ihr hat ſich vielmehr alle Beſtimmt-
heit des Weſens und der Exiſtenz, oder des
Seyns uͤberhaupt ſowohl als der Reflexion aufge-
loͤst. Inſofern faͤllt das Beſtimmen deſſen, was
das Abſolute ſey,
negativ aus, und das Abſolute
ſelbſt erſcheint nur als die Negation aller Praͤdicate und
als das Leere. Aber indem es eben ſo ſehr als die Po-
ſition aller Praͤdicate ausgeſprochen werden muß, er-
ſcheint es als der formellſte Widerſpruch. Inſofern je-
nes Negiren und dieſes Setzen, der aͤuſſern Refle-
xion
angehoͤrt, ſo iſt es eine formelle unſyſtematiſche
Dialektik, die mit leichter Muͤhe die mancherley Beſtim-
mungen hieher und dorther aufgreift, und mit eben ſo
leichter Muͤhe einerſeits ihre Endlichkeit und bloſſe Rela-
tivitaͤt aufzeigt, als andererſeits, indem es ihr als die
Totalitaͤt vorſchwebt, auch das Innwohnen aller Beſtim-
mungen von ihm ausſpricht, — ohne dieſe Poſitionen
und jene Negationen zu einer wahrhaften Einheit erhe-
ben zu koͤnnen. — Es ſoll aber dargeſtellt werden, was
das Abſolute iſt; aber diß Darſtellen kann nicht ein Be-
ſtimmen noch aͤuſſere Reflexion ſeyn, wodurch Beſtim-
mungen deſſelben wuͤrden, ſondern es iſt die Ausle-
gung
und zwar die eigene Auslegung des Abſoluten,
und nur ein Zeigen deſſen was es iſt.



A. Die
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <div n="3">
            <pb facs="#f0227" n="215"/>
            <fw place="top" type="header"> <hi rendition="#g">Die Wirklichkeit.</hi> </fw><lb/>
            <div n="4">
              <head> <hi rendition="#g">Er&#x017F;tes Kapitel.<lb/>
Das Ab&#x017F;olute.</hi> </head><lb/>
              <milestone rendition="#hr" unit="section"/>
              <p>Die einfache gediegene Identita&#x0364;t des Ab&#x017F;oluten i&#x017F;t<lb/>
unbe&#x017F;timmt, oder in ihr hat &#x017F;ich vielmehr alle Be&#x017F;timmt-<lb/>
heit des <hi rendition="#g">We&#x017F;ens</hi> und der <hi rendition="#g">Exi&#x017F;tenz,</hi> oder des<lb/><hi rendition="#g">Seyns</hi> u&#x0364;berhaupt &#x017F;owohl als der <hi rendition="#g">Reflexion</hi> aufge-<lb/>
lo&#x0364;st. In&#x017F;ofern fa&#x0364;llt das <hi rendition="#g">Be&#x017F;timmen</hi> de&#x017F;&#x017F;en, <hi rendition="#g">was<lb/>
das Ab&#x017F;olute &#x017F;ey,</hi> negativ aus, und das Ab&#x017F;olute<lb/>
&#x017F;elb&#x017F;t er&#x017F;cheint nur als die Negation aller Pra&#x0364;dicate und<lb/>
als das Leere. Aber indem es eben &#x017F;o &#x017F;ehr als die Po-<lb/>
&#x017F;ition aller Pra&#x0364;dicate ausge&#x017F;prochen werden muß, er-<lb/>
&#x017F;cheint es als der formell&#x017F;te Wider&#x017F;pruch. In&#x017F;ofern je-<lb/>
nes Negiren und die&#x017F;es Setzen, der <hi rendition="#g">a&#x0364;u&#x017F;&#x017F;ern Refle-<lb/>
xion</hi> angeho&#x0364;rt, &#x017F;o i&#x017F;t es eine formelle un&#x017F;y&#x017F;temati&#x017F;che<lb/>
Dialektik, die mit leichter Mu&#x0364;he die mancherley Be&#x017F;tim-<lb/>
mungen hieher und dorther aufgreift, und mit eben &#x017F;o<lb/>
leichter Mu&#x0364;he einer&#x017F;eits ihre Endlichkeit und blo&#x017F;&#x017F;e Rela-<lb/>
tivita&#x0364;t aufzeigt, als anderer&#x017F;eits, indem es ihr als die<lb/>
Totalita&#x0364;t vor&#x017F;chwebt, auch das Innwohnen aller Be&#x017F;tim-<lb/>
mungen von ihm aus&#x017F;pricht, &#x2014; ohne die&#x017F;e Po&#x017F;itionen<lb/>
und jene Negationen zu einer wahrhaften Einheit erhe-<lb/>
ben zu ko&#x0364;nnen. &#x2014; Es &#x017F;oll aber darge&#x017F;tellt werden, was<lb/>
das Ab&#x017F;olute i&#x017F;t; aber diß Dar&#x017F;tellen kann nicht ein Be-<lb/>
&#x017F;timmen noch a&#x0364;u&#x017F;&#x017F;ere Reflexion &#x017F;eyn, wodurch Be&#x017F;tim-<lb/>
mungen de&#x017F;&#x017F;elben wu&#x0364;rden, &#x017F;ondern es i&#x017F;t die <hi rendition="#g">Ausle-<lb/>
gung</hi> und zwar die <hi rendition="#g">eigene</hi> Auslegung des Ab&#x017F;oluten,<lb/>
und nur ein <hi rendition="#g">Zeigen de&#x017F;&#x017F;en was es i&#x017F;t.</hi></p><lb/>
              <milestone rendition="#hr" unit="section"/>
              <fw place="bottom" type="catch"> <hi rendition="#aq">A.</hi> <hi rendition="#g">Die</hi> </fw><lb/>
            </div>
          </div>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[215/0227] Die Wirklichkeit. Erſtes Kapitel. Das Abſolute. Die einfache gediegene Identitaͤt des Abſoluten iſt unbeſtimmt, oder in ihr hat ſich vielmehr alle Beſtimmt- heit des Weſens und der Exiſtenz, oder des Seyns uͤberhaupt ſowohl als der Reflexion aufge- loͤst. Inſofern faͤllt das Beſtimmen deſſen, was das Abſolute ſey, negativ aus, und das Abſolute ſelbſt erſcheint nur als die Negation aller Praͤdicate und als das Leere. Aber indem es eben ſo ſehr als die Po- ſition aller Praͤdicate ausgeſprochen werden muß, er- ſcheint es als der formellſte Widerſpruch. Inſofern je- nes Negiren und dieſes Setzen, der aͤuſſern Refle- xion angehoͤrt, ſo iſt es eine formelle unſyſtematiſche Dialektik, die mit leichter Muͤhe die mancherley Beſtim- mungen hieher und dorther aufgreift, und mit eben ſo leichter Muͤhe einerſeits ihre Endlichkeit und bloſſe Rela- tivitaͤt aufzeigt, als andererſeits, indem es ihr als die Totalitaͤt vorſchwebt, auch das Innwohnen aller Beſtim- mungen von ihm ausſpricht, — ohne dieſe Poſitionen und jene Negationen zu einer wahrhaften Einheit erhe- ben zu koͤnnen. — Es ſoll aber dargeſtellt werden, was das Abſolute iſt; aber diß Darſtellen kann nicht ein Be- ſtimmen noch aͤuſſere Reflexion ſeyn, wodurch Beſtim- mungen deſſelben wuͤrden, ſondern es iſt die Ausle- gung und zwar die eigene Auslegung des Abſoluten, und nur ein Zeigen deſſen was es iſt. A. Die

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/hegel_logik0102_1813
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/hegel_logik0102_1813/227
Zitationshilfe: Hegel, Georg Wilhelm Friedrich: Wissenschaft der Logik. Bd. 1,2. Nürnberg, 1813, S. 215. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/hegel_logik0102_1813/227>, abgerufen am 20.07.2019.