Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Heine, Heinrich: Buch der Lieder. Hamburg, 1827.

Bild:
<< vorherige Seite
O, wie ist es hoch erfreulich,
Solchen Jüngling noch zu finden,
Jetzt in unsrer Zeit, wo täglich
Mehr und mehr die Bessern schwinden.

LXVI.
Mir träumt': ich bin der liebe Gott,
Und sitz' im Himmel droben,
Und Englein sitzen um mich her,
Die meine Verse loben.
Und Kuchen ess' ich und Confekt
Für manchen lieben Gulden,
Und Kardinal trink' ich dabei,
Und habe keine Schulden.
Doch Langeweile plagt mich sehr,
Ich wollt', ich wär' auf Erden,
Und wär' ich nicht der liebe Gott,
Ich könnt' des Teufels werden.
O, wie iſt es hoch erfreulich,
Solchen Jüngling noch zu finden,
Jetzt in unſrer Zeit, wo täglich
Mehr und mehr die Beſſern ſchwinden.

LXVI.
Mir träumt': ich bin der liebe Gott,
Und ſitz' im Himmel droben,
Und Englein ſitzen um mich her,
Die meine Verſe loben.
Und Kuchen eſſ' ich und Confekt
Für manchen lieben Gulden,
Und Kardinal trink' ich dabei,
Und habe keine Schulden.
Doch Langeweile plagt mich ſehr,
Ich wollt', ich wär' auf Erden,
Und wär' ich nicht der liebe Gott,
Ich könnt' des Teufels werden.
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <lg type="poem">
            <pb facs="#f0246" n="238"/>
            <lg n="5">
              <l>O, wie i&#x017F;t es hoch erfreulich,</l><lb/>
              <l>Solchen Jüngling noch zu finden,</l><lb/>
              <l>Jetzt in un&#x017F;rer Zeit, wo täglich</l><lb/>
              <l>Mehr und mehr die Be&#x017F;&#x017F;ern &#x017F;chwinden.</l><lb/>
            </lg>
          </lg>
          <milestone rendition="#hr" unit="section"/>
        </div>
        <div n="2">
          <head> <hi rendition="#aq">LXVI.</hi><lb/>
          </head>
          <lg type="poem">
            <lg n="1">
              <l>Mir träumt': ich bin der liebe Gott,</l><lb/>
              <l>Und &#x017F;itz' im Himmel droben,</l><lb/>
              <l>Und Englein &#x017F;itzen um mich her,</l><lb/>
              <l>Die meine Ver&#x017F;e loben.</l><lb/>
            </lg>
            <lg n="2">
              <l>Und Kuchen e&#x017F;&#x017F;' ich und Confekt</l><lb/>
              <l>Für manchen lieben Gulden,</l><lb/>
              <l>Und Kardinal trink' ich dabei,</l><lb/>
              <l>Und habe keine Schulden.</l><lb/>
            </lg>
            <lg n="3">
              <l>Doch Langeweile plagt mich &#x017F;ehr,</l><lb/>
              <l>Ich wollt', ich wär' auf Erden,</l><lb/>
              <l>Und wär' ich nicht der liebe Gott,</l><lb/>
              <l>Ich könnt' des Teufels werden.</l><lb/>
            </lg>
          </lg>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[238/0246] O, wie iſt es hoch erfreulich, Solchen Jüngling noch zu finden, Jetzt in unſrer Zeit, wo täglich Mehr und mehr die Beſſern ſchwinden. LXVI. Mir träumt': ich bin der liebe Gott, Und ſitz' im Himmel droben, Und Englein ſitzen um mich her, Die meine Verſe loben. Und Kuchen eſſ' ich und Confekt Für manchen lieben Gulden, Und Kardinal trink' ich dabei, Und habe keine Schulden. Doch Langeweile plagt mich ſehr, Ich wollt', ich wär' auf Erden, Und wär' ich nicht der liebe Gott, Ich könnt' des Teufels werden.

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde von OCR-Software automatisch erfasst und anschließend gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien von Muttersprachlern nachkontrolliert. Es wurde gemäß dem DTA-Basisformat in XML/TEI P5 kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/heine_lieder_1827
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/heine_lieder_1827/246
Zitationshilfe: Heine, Heinrich: Buch der Lieder. Hamburg, 1827, S. 238. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/heine_lieder_1827/246>, abgerufen am 27.05.2019.