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Heine, Heinrich: Buch der Lieder. Hamburg, 1827.

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V.
Schöne Wiege meiner Leiden,
Schönes Grabmal meiner Ruh,
Schöne Stadt, wir müssen scheiden, --
Lebe wohl! ruf' ich dir zu.
Lebe wohl, du heilge Schwelle,
Wo da wandelt Liebchen traut:
Lebe wohl! du heilge Stelle,
Wo ich sie zuerst geschaut.
Hätt' ich dich doch nie gesehen,
Schöne Herzenskönigin!
Nimmer wär es dann geschehen,
Daß ich jetzt so elend bin.
Nie wollt' ich dein Herze rühren,
Liebe hab' ich nie erfleht;
Nur ein stilles Leben führen
Wollt' ich, wo dein Odem weht.
V.
Schöne Wiege meiner Leiden,
Schönes Grabmal meiner Ruh,
Schöne Stadt, wir müſſen ſcheiden, —
Lebe wohl! ruf' ich dir zu.
Lebe wohl, du heilge Schwelle,
Wo da wandelt Liebchen traut:
Lebe wohl! du heilge Stelle,
Wo ich ſie zuerſt geſchaut.
Hätt' ich dich doch nie geſehen,
Schöne Herzenskönigin!
Nimmer wär es dann geſchehen,
Daß ich jetzt ſo elend bin.
Nie wollt' ich dein Herze rühren,
Liebe hab' ich nie erfleht;
Nur ein ſtilles Leben führen
Wollt' ich, wo dein Odem weht.
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[42/0050] V. Schöne Wiege meiner Leiden, Schönes Grabmal meiner Ruh, Schöne Stadt, wir müſſen ſcheiden, — Lebe wohl! ruf' ich dir zu. Lebe wohl, du heilge Schwelle, Wo da wandelt Liebchen traut: Lebe wohl! du heilge Stelle, Wo ich ſie zuerſt geſchaut. Hätt' ich dich doch nie geſehen, Schöne Herzenskönigin! Nimmer wär es dann geſchehen, Daß ich jetzt ſo elend bin. Nie wollt' ich dein Herze rühren, Liebe hab' ich nie erfleht; Nur ein ſtilles Leben führen Wollt' ich, wo dein Odem weht.

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Zitationshilfe: Heine, Heinrich: Buch der Lieder. Hamburg, 1827, S. 42. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/heine_lieder_1827/50>, abgerufen am 09.12.2018.