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Heine, Heinrich: Reisebilder. Bd. 1. Hamburg, 1826.

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XVII.
Sey mir gegrüßt, du große,
Geheimnißvolle Stadt,
Die einst in ihrem Schooße
Mein Liebchen umschlossen hat.
Sagt an, Ihr Thürme und Thore,
Wo ist die Liebste mein?
Euch hab' ich sie anvertrauet,
Ihr solltet mir Bürge seyn.
Unschuldig sind die Thürme,
Sie konnten nicht von der Stell',
Als Sie mit Koffern und Schachteln
Die Stadt verlassen so schnell.
Die Thore jedoch, die ließen
Mein Liebchen entwischen gar still;
Ein Thor ist immer willig,
Wenn eine Thörin will.

XVII.
Sey mir gegruͤßt, du große,
Geheimnißvolle Stadt,
Die einſt in ihrem Schooße
Mein Liebchen umſchloſſen hat.
Sagt an, Ihr Thuͤrme und Thore,
Wo iſt die Liebſte mein?
Euch hab' ich ſie anvertrauet,
Ihr ſolltet mir Buͤrge ſeyn.
Unſchuldig ſind die Thuͤrme,
Sie konnten nicht von der Stell',
Als Sie mit Koffern und Schachteln
Die Stadt verlaſſen ſo ſchnell.
Die Thore jedoch, die ließen
Mein Liebchen entwiſchen gar ſtill;
Ein Thor iſt immer willig,
Wenn eine Thoͤrin will.

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[22/0034] XVII. Sey mir gegruͤßt, du große, Geheimnißvolle Stadt, Die einſt in ihrem Schooße Mein Liebchen umſchloſſen hat. Sagt an, Ihr Thuͤrme und Thore, Wo iſt die Liebſte mein? Euch hab' ich ſie anvertrauet, Ihr ſolltet mir Buͤrge ſeyn. Unſchuldig ſind die Thuͤrme, Sie konnten nicht von der Stell', Als Sie mit Koffern und Schachteln Die Stadt verlaſſen ſo ſchnell. Die Thore jedoch, die ließen Mein Liebchen entwiſchen gar ſtill; Ein Thor iſt immer willig, Wenn eine Thoͤrin will.

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Zitationshilfe: Heine, Heinrich: Reisebilder. Bd. 1. Hamburg, 1826, S. 22. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/heine_reisebilder01_1826/34>, abgerufen am 26.03.2019.