Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Herbart, Johann Friedrich: Psychologie als Wissenschaft. Bd. 1. Königsberg, 1824.

Bild:
<< vorherige Seite

plötzlich befolgten, Nöthigung zum Sinken, noch fort-
dauernd nachgeben. Aber bald muss der Moment ein-
treten, wo P gespannt genug, a und b nachgiebig ge-
nug sind, damit o wieder gehoben werden könne. Es
muss jetzt abermals eine endliche Grösse im Bewusstseyn
erreichen, denn nicht anders kann es als Hemmungs-
summe einen neuen endlichen Widerstand finden, durch
den es wieder zum Sinken gebracht werde. Doch wird
es nicht so hoch steigen wie das erstemal, weil es sich
jetzo während einer noch vorhandenen Spannung der wi-
derstrebenden Kräfte erhoben hat. So weit ungefähr mö-
gen die Conjecturen reichen, die man hier ohne Berech-
nung wagen darf *). --

Wir sollten jetzo untersuchen, was erfolgen müsse,
wenn mit einer Vorstellung P, sich mehrere, P, P', P"
u. s. w. verschmolzen finden, ja auch wenn diese unter
einander verbunden sind; oder, wenn P' nicht mit P,
wohl aber mit P verbunden ist, u. dgl. Allein statt des-
sen müssen wir vielmehr in dem Geschäffte, zu neuen
psychologischen Untersuchungen den Grund zu legen,
fortfahren.

Nur eine Bemerkung, welche bey den eben ange-
deuteten Untersuchungen, und noch bey manchen an-
dern in Betracht kommen wird, soll hier anhangsweise
eine Stelle finden.

§. 93.

Mehrere Vorstellungen, die durch verschiedene Ur-
sachen zur Schwelle gesunken waren, können entweder
durch die Wirkung der Verschmelzungs- und Complica-
tions-Hülfen, oder weil sie zugleich frey von einer Hem-

*) Diese Untersuchungen mögen Andre fortsetzen. Sie können
sehr wichtig werden in Hinsicht auf Alles, was sich mit zwischenfal-
lenden Pausen im Gemüthe gleichmässig wiederhohlt; auf die Stösse
erneuerter Anstrengung; desgleichen auf Hebung und Senkung in der
Metrik und Musik.

plötzlich befolgten, Nöthigung zum Sinken, noch fort-
dauernd nachgeben. Aber bald muſs der Moment ein-
treten, wo P gespannt genug, a und b nachgiebig ge-
nug sind, damit ω wieder gehoben werden könne. Es
muſs jetzt abermals eine endliche Gröſse im Bewuſstseyn
erreichen, denn nicht anders kann es als Hemmungs-
summe einen neuen endlichen Widerstand finden, durch
den es wieder zum Sinken gebracht werde. Doch wird
es nicht so hoch steigen wie das erstemal, weil es sich
jetzo während einer noch vorhandenen Spannung der wi-
derstrebenden Kräfte erhoben hat. So weit ungefähr mö-
gen die Conjecturen reichen, die man hier ohne Berech-
nung wagen darf *). —

Wir sollten jetzo untersuchen, was erfolgen müsse,
wenn mit einer Vorstellung P, sich mehrere, Π, Π', Π″
u. s. w. verschmolzen finden, ja auch wenn diese unter
einander verbunden sind; oder, wenn Π' nicht mit P,
wohl aber mit Π verbunden ist, u. dgl. Allein statt des-
sen müssen wir vielmehr in dem Geschäffte, zu neuen
psychologischen Untersuchungen den Grund zu legen,
fortfahren.

Nur eine Bemerkung, welche bey den eben ange-
deuteten Untersuchungen, und noch bey manchen an-
dern in Betracht kommen wird, soll hier anhangsweise
eine Stelle finden.

§. 93.

Mehrere Vorstellungen, die durch verschiedene Ur-
sachen zur Schwelle gesunken waren, können entweder
durch die Wirkung der Verschmelzungs- und Complica-
tions-Hülfen, oder weil sie zugleich frey von einer Hem-

*) Diese Untersuchungen mögen Andre fortsetzen. Sie können
sehr wichtig werden in Hinsicht auf Alles, was sich mit zwischenfal-
lenden Pausen im Gemüthe gleichmäſsig wiederhohlt; auf die Stöſse
erneuerter Anstrengung; desgleichen auf Hebung und Senkung in der
Metrik und Musik.
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <div n="3">
            <div n="4">
              <p><pb facs="#f0334" n="314"/>
plötzlich befolgten, Nöthigung zum Sinken, noch fort-<lb/>
dauernd nachgeben. Aber bald mu&#x017F;s der Moment ein-<lb/>
treten, wo <hi rendition="#i">P</hi> gespannt genug, <hi rendition="#i">a</hi> und <hi rendition="#i">b</hi> nachgiebig ge-<lb/>
nug sind, damit <hi rendition="#i">&#x03C9;</hi> wieder gehoben werden könne. Es<lb/>
mu&#x017F;s jetzt abermals eine endliche Grö&#x017F;se im Bewu&#x017F;stseyn<lb/>
erreichen, denn nicht anders kann es als Hemmungs-<lb/>
summe einen neuen endlichen Widerstand finden, durch<lb/>
den es wieder zum Sinken gebracht werde. Doch wird<lb/>
es nicht so hoch steigen wie das erstemal, weil es sich<lb/>
jetzo während einer noch vorhandenen Spannung der wi-<lb/>
derstrebenden Kräfte erhoben hat. So weit ungefähr mö-<lb/>
gen die Conjecturen reichen, die man hier ohne Berech-<lb/>
nung wagen darf <note place="foot" n="*)">Diese Untersuchungen mögen Andre fortsetzen. Sie können<lb/>
sehr wichtig werden in Hinsicht auf Alles, was sich mit zwischenfal-<lb/>
lenden Pausen im Gemüthe gleichmä&#x017F;sig wiederhohlt; auf die Stö&#x017F;se<lb/>
erneuerter Anstrengung; desgleichen auf Hebung und Senkung in der<lb/>
Metrik und Musik.</note>. &#x2014;</p><lb/>
              <p>Wir sollten jetzo untersuchen, was erfolgen müsse,<lb/>
wenn mit einer Vorstellung <hi rendition="#i">P</hi>, sich mehrere, &#x03A0;, &#x03A0;', &#x03A0;&#x2033;<lb/>
u. s. w. verschmolzen finden, ja auch wenn diese unter<lb/>
einander verbunden sind; oder, wenn &#x03A0;' nicht mit P,<lb/>
wohl aber mit &#x03A0; verbunden ist, u. dgl. Allein statt des-<lb/>
sen müssen wir vielmehr in dem Geschäffte, zu neuen<lb/>
psychologischen Untersuchungen den Grund zu legen,<lb/>
fortfahren.</p><lb/>
              <p>Nur eine Bemerkung, welche bey den eben ange-<lb/>
deuteten Untersuchungen, und noch bey manchen an-<lb/>
dern in Betracht kommen wird, soll hier anhangsweise<lb/>
eine Stelle finden.</p>
            </div><lb/>
            <div n="4">
              <head>§. 93.</head><lb/>
              <p>Mehrere Vorstellungen, die durch verschiedene Ur-<lb/>
sachen zur Schwelle gesunken waren, können entweder<lb/>
durch die Wirkung der Verschmelzungs- und Complica-<lb/>
tions-Hülfen, oder weil sie zugleich frey von einer Hem-<lb/></p>
            </div>
          </div>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[314/0334] plötzlich befolgten, Nöthigung zum Sinken, noch fort- dauernd nachgeben. Aber bald muſs der Moment ein- treten, wo P gespannt genug, a und b nachgiebig ge- nug sind, damit ω wieder gehoben werden könne. Es muſs jetzt abermals eine endliche Gröſse im Bewuſstseyn erreichen, denn nicht anders kann es als Hemmungs- summe einen neuen endlichen Widerstand finden, durch den es wieder zum Sinken gebracht werde. Doch wird es nicht so hoch steigen wie das erstemal, weil es sich jetzo während einer noch vorhandenen Spannung der wi- derstrebenden Kräfte erhoben hat. So weit ungefähr mö- gen die Conjecturen reichen, die man hier ohne Berech- nung wagen darf *). — Wir sollten jetzo untersuchen, was erfolgen müsse, wenn mit einer Vorstellung P, sich mehrere, Π, Π', Π″ u. s. w. verschmolzen finden, ja auch wenn diese unter einander verbunden sind; oder, wenn Π' nicht mit P, wohl aber mit Π verbunden ist, u. dgl. Allein statt des- sen müssen wir vielmehr in dem Geschäffte, zu neuen psychologischen Untersuchungen den Grund zu legen, fortfahren. Nur eine Bemerkung, welche bey den eben ange- deuteten Untersuchungen, und noch bey manchen an- dern in Betracht kommen wird, soll hier anhangsweise eine Stelle finden. §. 93. Mehrere Vorstellungen, die durch verschiedene Ur- sachen zur Schwelle gesunken waren, können entweder durch die Wirkung der Verschmelzungs- und Complica- tions-Hülfen, oder weil sie zugleich frey von einer Hem- *) Diese Untersuchungen mögen Andre fortsetzen. Sie können sehr wichtig werden in Hinsicht auf Alles, was sich mit zwischenfal- lenden Pausen im Gemüthe gleichmäſsig wiederhohlt; auf die Stöſse erneuerter Anstrengung; desgleichen auf Hebung und Senkung in der Metrik und Musik.

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/herbart_psychologie01_1824
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/herbart_psychologie01_1824/334
Zitationshilfe: Herbart, Johann Friedrich: Psychologie als Wissenschaft. Bd. 1. Königsberg, 1824, S. 314. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/herbart_psychologie01_1824/334>, abgerufen am 17.09.2019.