Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Herbart, Johann Friedrich: Psychologie als Wissenschaft. Bd. 2. Königsberg, 1825.

Bild:
<< vorherige Seite

in der Metaphysik als ein unendliches Nichts entge-
gentritt!

Dass nun mit der Reproduction wegen der Ge-
stalt
auch Hemmung wegen der Gestalt verbunden
seyn kann, versteht sich von selbst. Und hier schliesst
sich diese Untersuchung an jene gegen das Ende des
§. 100.

Anmerkung.
Ueber räumliche Constructionen
.

Der Raum hat in seinem Ursprunge nur zwey Di-
mensionen
; er ist eine Ebene. Beym ersten Entstehen
des räumlichen Vorstellens bildet sich sogar nur eine
Linie, und zwar eine gerade; denn das erste Repro-
ductionsgesetz erzeugt sich nur in so fern, als in der
Bewegung des Gesichtsfeldes ein Vorwärts und Rück-
wärts angenommen werden kann (§. 111.). Und dieses
Reproductionsgesetz ist Anfangs nur eins; seinem Wege
kann man nur zwey völlig entgegengesetzte Richtungen
zuschreiben. Allein das räumliche Auffassen des Gefärb-
ten oder Betasteten ist noch keine Vorstellung des
Raumes selbst
; der, wie vorhin gezeigt, erst von der
Bewegung der Gegenstände auf ihrem Hintergrunde all-
mählig erzeugt wird. Wenn es dahin kommt: dann ist
längst das Vorwärts und Rückwärts nach allen Richtun-
gen in der Ebene des Gesichtsfeldes geläufig geworden.
Hingegen die dritte Dimension kann bekanntlich ursprüng-
lich nicht gesehen werden; man muss sie als etwas hin-
zukommendes um so mehr betrachten, da die Vorstel-
lung des ganzen vollständigen Raumes sich in die drey
Combinationen: Länge und Breite, Länge und Dicke,
Breite und Dicke
, immer wieder auflöset.

Man setze nun einen Punct auf die Ebene.
Dieser Punct, als im Raume befindlich, ist der Anfang
aller möglichen Richtungen in der Ebene; und die Vor-
stellung desselben steht im Begriff, nach allen Richtun-
gen gleichmässig auseinander zu gehn. Der Punct ist

II. K

in der Metaphysik als ein unendliches Nichts entge-
gentritt!

Daſs nun mit der Reproduction wegen der Ge-
stalt
auch Hemmung wegen der Gestalt verbunden
seyn kann, versteht sich von selbst. Und hier schlieſst
sich diese Untersuchung an jene gegen das Ende des
§. 100.

Anmerkung.
Ueber räumliche Constructionen
.

Der Raum hat in seinem Ursprunge nur zwey Di-
mensionen
; er ist eine Ebene. Beym ersten Entstehen
des räumlichen Vorstellens bildet sich sogar nur eine
Linie, und zwar eine gerade; denn das erste Repro-
ductionsgesetz erzeugt sich nur in so fern, als in der
Bewegung des Gesichtsfeldes ein Vorwärts und Rück-
wärts angenommen werden kann (§. 111.). Und dieses
Reproductionsgesetz ist Anfangs nur eins; seinem Wege
kann man nur zwey völlig entgegengesetzte Richtungen
zuschreiben. Allein das räumliche Auffassen des Gefärb-
ten oder Betasteten ist noch keine Vorstellung des
Raumes selbst
; der, wie vorhin gezeigt, erst von der
Bewegung der Gegenstände auf ihrem Hintergrunde all-
mählig erzeugt wird. Wenn es dahin kommt: dann ist
längst das Vorwärts und Rückwärts nach allen Richtun-
gen in der Ebene des Gesichtsfeldes geläufig geworden.
Hingegen die dritte Dimension kann bekanntlich ursprüng-
lich nicht gesehen werden; man muſs sie als etwas hin-
zukommendes um so mehr betrachten, da die Vorstel-
lung des ganzen vollständigen Raumes sich in die drey
Combinationen: Länge und Breite, Länge und Dicke,
Breite und Dicke
, immer wieder auflöset.

Man setze nun einen Punct auf die Ebene.
Dieser Punct, als im Raume befindlich, ist der Anfang
aller möglichen Richtungen in der Ebene; und die Vor-
stellung desselben steht im Begriff, nach allen Richtun-
gen gleichmäſsig auseinander zu gehn. Der Punct ist

II. K
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <div n="3">
            <div n="4">
              <p><pb facs="#f0180" n="145"/>
in der Metaphysik als ein unendliches Nichts entge-<lb/>
gentritt!</p><lb/>
              <p>Da&#x017F;s nun mit der <hi rendition="#g">Reproduction wegen der Ge-<lb/>
stalt</hi> auch <hi rendition="#g">Hemmung wegen der Gestalt</hi> verbunden<lb/>
seyn kann, versteht sich von selbst. Und hier schlie&#x017F;st<lb/>
sich diese Untersuchung an jene gegen das Ende des<lb/>
§. 100.</p>
            </div><lb/>
            <div n="4">
              <head><hi rendition="#g">Anmerkung.<lb/>
Ueber räumliche Constructionen</hi>.</head><lb/>
              <p>Der Raum hat in seinem Ursprunge nur <hi rendition="#g">zwey Di-<lb/>
mensionen</hi>; er ist eine Ebene. Beym ersten Entstehen<lb/>
des räumlichen Vorstellens bildet sich sogar nur eine<lb/><hi rendition="#g">Linie</hi>, und zwar eine <hi rendition="#g">gerade</hi>; denn das erste Repro-<lb/>
ductionsgesetz erzeugt sich nur in so fern, als in der<lb/>
Bewegung des Gesichtsfeldes ein Vorwärts und Rück-<lb/>
wärts angenommen werden kann (§. 111.). Und dieses<lb/>
Reproductionsgesetz ist Anfangs nur eins; seinem Wege<lb/>
kann man nur zwey völlig entgegengesetzte Richtungen<lb/>
zuschreiben. Allein das räumliche Auffassen des Gefärb-<lb/>
ten oder Betasteten ist noch keine Vorstellung <hi rendition="#g">des<lb/>
Raumes selbst</hi>; der, wie vorhin gezeigt, erst von der<lb/>
Bewegung der Gegenstände auf ihrem Hintergrunde all-<lb/>
mählig erzeugt wird. Wenn es dahin kommt: dann ist<lb/>
längst das Vorwärts und Rückwärts nach allen Richtun-<lb/>
gen in der Ebene des Gesichtsfeldes geläufig geworden.<lb/>
Hingegen die dritte Dimension kann bekanntlich ursprüng-<lb/>
lich nicht gesehen werden; man mu&#x017F;s sie als etwas hin-<lb/>
zukommendes um so mehr betrachten, da die Vorstel-<lb/>
lung des ganzen vollständigen Raumes sich in die drey<lb/>
Combinationen: <hi rendition="#g">Länge und Breite, Länge und Dicke,<lb/>
Breite und Dicke</hi>, immer wieder auflöset.</p><lb/>
              <p><hi rendition="#g">Man setze nun einen Punct auf die Ebene</hi>.<lb/>
Dieser Punct, als im Raume befindlich, ist der Anfang<lb/>
aller möglichen Richtungen in der Ebene; und die Vor-<lb/>
stellung desselben steht im Begriff, nach allen Richtun-<lb/>
gen gleichmä&#x017F;sig auseinander zu gehn. Der Punct ist<lb/>
<fw place="bottom" type="sig"><hi rendition="#i">II.</hi> K</fw><lb/></p>
            </div>
          </div>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[145/0180] in der Metaphysik als ein unendliches Nichts entge- gentritt! Daſs nun mit der Reproduction wegen der Ge- stalt auch Hemmung wegen der Gestalt verbunden seyn kann, versteht sich von selbst. Und hier schlieſst sich diese Untersuchung an jene gegen das Ende des §. 100. Anmerkung. Ueber räumliche Constructionen. Der Raum hat in seinem Ursprunge nur zwey Di- mensionen; er ist eine Ebene. Beym ersten Entstehen des räumlichen Vorstellens bildet sich sogar nur eine Linie, und zwar eine gerade; denn das erste Repro- ductionsgesetz erzeugt sich nur in so fern, als in der Bewegung des Gesichtsfeldes ein Vorwärts und Rück- wärts angenommen werden kann (§. 111.). Und dieses Reproductionsgesetz ist Anfangs nur eins; seinem Wege kann man nur zwey völlig entgegengesetzte Richtungen zuschreiben. Allein das räumliche Auffassen des Gefärb- ten oder Betasteten ist noch keine Vorstellung des Raumes selbst; der, wie vorhin gezeigt, erst von der Bewegung der Gegenstände auf ihrem Hintergrunde all- mählig erzeugt wird. Wenn es dahin kommt: dann ist längst das Vorwärts und Rückwärts nach allen Richtun- gen in der Ebene des Gesichtsfeldes geläufig geworden. Hingegen die dritte Dimension kann bekanntlich ursprüng- lich nicht gesehen werden; man muſs sie als etwas hin- zukommendes um so mehr betrachten, da die Vorstel- lung des ganzen vollständigen Raumes sich in die drey Combinationen: Länge und Breite, Länge und Dicke, Breite und Dicke, immer wieder auflöset. Man setze nun einen Punct auf die Ebene. Dieser Punct, als im Raume befindlich, ist der Anfang aller möglichen Richtungen in der Ebene; und die Vor- stellung desselben steht im Begriff, nach allen Richtun- gen gleichmäſsig auseinander zu gehn. Der Punct ist II. K

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/herbart_psychologie02_1825
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/herbart_psychologie02_1825/180
Zitationshilfe: Herbart, Johann Friedrich: Psychologie als Wissenschaft. Bd. 2. Königsberg, 1825, S. 145. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/herbart_psychologie02_1825/180>, abgerufen am 19.05.2019.