Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Herder, Johann Gottfried von: Briefe zu Beförderung der Humanität. Bd. 3. Riga, 1794.

Bild:
<< vorherige Seite

unter den Menschen wirksam zu lieben.
Alle diese Worte enthalten Theilbegriffe
unseres Zwecks, den wir gern mit Einem
Ausdruck bezeichnen möchten.

Also wollen wir bei dem Wort Hu-
manität bleiben, an welches unter Al-
ten und Neuern die besten Schriftsteller
so würdige Begriffe geknüpft haben. Hu-
manität ist der Charakter unsres Ge-
schlechts; er ist uns aber nur in Anla-
gen angebohren, und muß uns eigentlich
angebildet werden. Wir bringen ihn nicht
fertig auf die Welt mit; auf der Welt
aber soll er das Ziel unsres Bestrebens,
die Summe unsrer Uebungen, unser Werth
seyn: denn eine Angelität im Menschen
kennen wir nicht, und wenn der Dämon,
der uns regiert, kein humaner Dämon ist,
werden wir Plagegeister der Menschen.
Das Göttliche in unserm Geschlecht ist

unter den Menſchen wirkſam zu lieben.
Alle dieſe Worte enthalten Theilbegriffe
unſeres Zwecks, den wir gern mit Einem
Ausdruck bezeichnen moͤchten.

Alſo wollen wir bei dem Wort Hu-
manitaͤt bleiben, an welches unter Al-
ten und Neuern die beſten Schriftſteller
ſo wuͤrdige Begriffe geknuͤpft haben. Hu-
manitaͤt iſt der Charakter unſres Ge-
ſchlechts; er iſt uns aber nur in Anla-
gen angebohren, und muß uns eigentlich
angebildet werden. Wir bringen ihn nicht
fertig auf die Welt mit; auf der Welt
aber ſoll er das Ziel unſres Beſtrebens,
die Summe unſrer Uebungen, unſer Werth
ſeyn: denn eine Angelitaͤt im Menſchen
kennen wir nicht, und wenn der Daͤmon,
der uns regiert, kein humaner Daͤmon iſt,
werden wir Plagegeiſter der Menſchen.
Das Goͤttliche in unſerm Geſchlecht iſt

<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <p><pb facs="#f0017" n="8"/>
unter den Men&#x017F;chen wirk&#x017F;am zu lieben.<lb/>
Alle die&#x017F;e Worte enthalten Theilbegriffe<lb/>
un&#x017F;eres Zwecks, den wir gern mit <hi rendition="#g">Einem</hi><lb/>
Ausdruck bezeichnen mo&#x0364;chten.</p><lb/>
        <p>Al&#x017F;o wollen wir bei dem Wort <hi rendition="#g">Hu</hi>-<lb/><hi rendition="#g">manita&#x0364;t</hi> bleiben, an welches unter Al-<lb/>
ten und Neuern die be&#x017F;ten Schrift&#x017F;teller<lb/>
&#x017F;o wu&#x0364;rdige Begriffe geknu&#x0364;pft haben. Hu-<lb/>
manita&#x0364;t i&#x017F;t der <hi rendition="#g">Charakter un&#x017F;res Ge</hi>-<lb/><hi rendition="#g">&#x017F;chlechts</hi>; er i&#x017F;t uns aber nur in Anla-<lb/>
gen angebohren, und muß uns eigentlich<lb/>
angebildet werden. Wir bringen ihn nicht<lb/>
fertig auf die Welt mit; auf der Welt<lb/>
aber &#x017F;oll er das Ziel un&#x017F;res Be&#x017F;trebens,<lb/>
die Summe un&#x017F;rer Uebungen, un&#x017F;er <hi rendition="#g">Werth</hi><lb/>
&#x017F;eyn: denn eine <hi rendition="#g">Angelita&#x0364;t</hi> im Men&#x017F;chen<lb/>
kennen wir nicht, und wenn der Da&#x0364;mon,<lb/>
der uns regiert, kein humaner Da&#x0364;mon i&#x017F;t,<lb/>
werden wir Plagegei&#x017F;ter der Men&#x017F;chen.<lb/>
Das <hi rendition="#g">Go&#x0364;ttliche</hi> in un&#x017F;erm Ge&#x017F;chlecht i&#x017F;t<lb/></p>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[8/0017] unter den Menſchen wirkſam zu lieben. Alle dieſe Worte enthalten Theilbegriffe unſeres Zwecks, den wir gern mit Einem Ausdruck bezeichnen moͤchten. Alſo wollen wir bei dem Wort Hu- manitaͤt bleiben, an welches unter Al- ten und Neuern die beſten Schriftſteller ſo wuͤrdige Begriffe geknuͤpft haben. Hu- manitaͤt iſt der Charakter unſres Ge- ſchlechts; er iſt uns aber nur in Anla- gen angebohren, und muß uns eigentlich angebildet werden. Wir bringen ihn nicht fertig auf die Welt mit; auf der Welt aber ſoll er das Ziel unſres Beſtrebens, die Summe unſrer Uebungen, unſer Werth ſeyn: denn eine Angelitaͤt im Menſchen kennen wir nicht, und wenn der Daͤmon, der uns regiert, kein humaner Daͤmon iſt, werden wir Plagegeiſter der Menſchen. Das Goͤttliche in unſerm Geſchlecht iſt

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/herder_humanitaet03_1794
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/herder_humanitaet03_1794/17
Zitationshilfe: Herder, Johann Gottfried von: Briefe zu Beförderung der Humanität. Bd. 3. Riga, 1794, S. 8. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/herder_humanitaet03_1794/17>, abgerufen am 27.05.2020.