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Herder, Johann Gottfried von: Briefe zu Beförderung der Humanität. Bd. 3. Riga, 1794.

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29.

Das Hauptgut wollen wir ja nicht ver-
gessen, das uns die tiefere Betrachtung
der Menschennatur für alle Zeiten erwor-
ben hat; es ist die Erkenntniß unsrer
Kräfte und Anlagen
, unsres Be-
rufes und unsrer Pflicht. Eben in
dem, wodurch der Mensch von Thieren sich
unterscheidet, liegt sein Charakter, sein
Adel, seine Bestimmung; er kann sich da-
von so wenig als von der Menschheit
selbst lossagen. Dies ist das wahre studi-
um humanitatis,
in welchem uns Griechen
und Römer vortreflich vorgegangen sind;
Schande, wenn wir ihnen nachbleiben
wollten!


B 4
29.

Das Hauptgut wollen wir ja nicht ver-
geſſen, das uns die tiefere Betrachtung
der Menſchennatur fuͤr alle Zeiten erwor-
ben hat; es iſt die Erkenntniß unſrer
Kraͤfte und Anlagen
, unſres Be-
rufes und unſrer Pflicht. Eben in
dem, wodurch der Menſch von Thieren ſich
unterſcheidet, liegt ſein Charakter, ſein
Adel, ſeine Beſtimmung; er kann ſich da-
von ſo wenig als von der Menſchheit
ſelbſt losſagen. Dies iſt das wahre ſtudi-
um humanitatis,
in welchem uns Griechen
und Roͤmer vortreflich vorgegangen ſind;
Schande, wenn wir ihnen nachbleiben
wollten!


B 4
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[23/0032] 29. Das Hauptgut wollen wir ja nicht ver- geſſen, das uns die tiefere Betrachtung der Menſchennatur fuͤr alle Zeiten erwor- ben hat; es iſt die Erkenntniß unſrer Kraͤfte und Anlagen, unſres Be- rufes und unſrer Pflicht. Eben in dem, wodurch der Menſch von Thieren ſich unterſcheidet, liegt ſein Charakter, ſein Adel, ſeine Beſtimmung; er kann ſich da- von ſo wenig als von der Menſchheit ſelbſt losſagen. Dies iſt das wahre ſtudi- um humanitatis, in welchem uns Griechen und Roͤmer vortreflich vorgegangen ſind; Schande, wenn wir ihnen nachbleiben wollten! B 4

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Zitationshilfe: Herder, Johann Gottfried von: Briefe zu Beförderung der Humanität. Bd. 3. Riga, 1794, S. 23. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/herder_humanitaet03_1794/32>, abgerufen am 07.04.2020.