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Herder, Johann Gottfried von: Briefe zu Beförderung der Humanität. Bd. 4. Riga, 1794.

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Ueber die Vergänglichkeit.

Eine Ode von Sarbievius.


Menschlichem Elend wär' es eine Lindrung,
Sänken die Dinge wieder wie sie stiegen,
Langsam; doch oft begräbt ein schneller Umsturz
Hohe Gebäude.
Lange beglückt stand nichts. Der Städt' und
Menschen
Schickungen fliegen immer auf und nieder.
Jahre bedarf ein Königreich zu steigen,
Stunden zu fallen.
Du, der du selbst des Todes Opfer seyn wirst,
Nenne darum nicht, weil die Zeit im Stillen
Menschen und Menschenwohnungen zerstöret,
Grausam die Götter.
Ueber die Vergaͤnglichkeit.

Eine Ode von Sarbievius.


Menſchlichem Elend waͤr' es eine Lindrung,
Saͤnken die Dinge wieder wie ſie ſtiegen,
Langſam; doch oft begraͤbt ein ſchneller Umſturz
Hohe Gebaͤude.
Lange begluͤckt ſtand nichts. Der Staͤdt' und
Menſchen
Schickungen fliegen immer auf und nieder.
Jahre bedarf ein Koͤnigreich zu ſteigen,
Stunden zu fallen.
Du, der du ſelbſt des Todes Opfer ſeyn wirſt,
Nenne darum nicht, weil die Zeit im Stillen
Menſchen und Menſchenwohnungen zerſtoͤret,
Grauſam die Goͤtter.
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[127/0132] Ueber die Vergaͤnglichkeit. Eine Ode von Sarbievius. Menſchlichem Elend waͤr' es eine Lindrung, Saͤnken die Dinge wieder wie ſie ſtiegen, Langſam; doch oft begraͤbt ein ſchneller Umſturz Hohe Gebaͤude. Lange begluͤckt ſtand nichts. Der Staͤdt' und Menſchen Schickungen fliegen immer auf und nieder. Jahre bedarf ein Koͤnigreich zu ſteigen, Stunden zu fallen. Du, der du ſelbſt des Todes Opfer ſeyn wirſt, Nenne darum nicht, weil die Zeit im Stillen Menſchen und Menſchenwohnungen zerſtoͤret, Grauſam die Goͤtter.

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Zitationshilfe: Herder, Johann Gottfried von: Briefe zu Beförderung der Humanität. Bd. 4. Riga, 1794, S. 127. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/herder_humanitaet04_1794/132>, abgerufen am 15.11.2019.