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Hirschfeld, Christian Cay Lorenz: Theorie der Gartenkunst. Bd. 1. Leipzig, 1779.

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der schönen ländlichen Natur überhaupt.
Gegend durch einen Garten gehoben werden sollten; so würde jener Vorschlag seine
Richtigkeit haben. Aber dann wär ein solcher Garten nur als ein Mittel, die Land-
schaft zu verschönern, nicht aber als ein Werk, das für sich besteht, anzusehen.
Soll ein Garten seinen eigenen Grundsätzen unterwürfig seyn, so kann er nicht von den
Eigenschaften eines ihm benachbarten Gegenstandes eine Veranlassung nehmen, seine
innere Einrichtung darnach umzuändern. Wo sollte man die wahren Regeln der
Kunst suchen, wenn sie erst dem Willkühr überlassen werden? Ein Garten ist nicht
blos wegen der Gegend da; bey der gehörigen Anlage ist er ein Werk, das seinen ei-
genen Umkreis beschreibt, und darin seinen eigenen Charakter und seinen eigenen
Werth enthält.

[Abbildung]

Zweyter
I Band. A a

der ſchoͤnen laͤndlichen Natur uͤberhaupt.
Gegend durch einen Garten gehoben werden ſollten; ſo wuͤrde jener Vorſchlag ſeine
Richtigkeit haben. Aber dann waͤr ein ſolcher Garten nur als ein Mittel, die Land-
ſchaft zu verſchoͤnern, nicht aber als ein Werk, das fuͤr ſich beſteht, anzuſehen.
Soll ein Garten ſeinen eigenen Grundſaͤtzen unterwuͤrfig ſeyn, ſo kann er nicht von den
Eigenſchaften eines ihm benachbarten Gegenſtandes eine Veranlaſſung nehmen, ſeine
innere Einrichtung darnach umzuaͤndern. Wo ſollte man die wahren Regeln der
Kunſt ſuchen, wenn ſie erſt dem Willkuͤhr uͤberlaſſen werden? Ein Garten iſt nicht
blos wegen der Gegend da; bey der gehoͤrigen Anlage iſt er ein Werk, das ſeinen ei-
genen Umkreis beſchreibt, und darin ſeinen eigenen Charakter und ſeinen eigenen
Werth enthaͤlt.

[Abbildung]

Zweyter
I Band. A a
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[185/0199] der ſchoͤnen laͤndlichen Natur uͤberhaupt. Gegend durch einen Garten gehoben werden ſollten; ſo wuͤrde jener Vorſchlag ſeine Richtigkeit haben. Aber dann waͤr ein ſolcher Garten nur als ein Mittel, die Land- ſchaft zu verſchoͤnern, nicht aber als ein Werk, das fuͤr ſich beſteht, anzuſehen. Soll ein Garten ſeinen eigenen Grundſaͤtzen unterwuͤrfig ſeyn, ſo kann er nicht von den Eigenſchaften eines ihm benachbarten Gegenſtandes eine Veranlaſſung nehmen, ſeine innere Einrichtung darnach umzuaͤndern. Wo ſollte man die wahren Regeln der Kunſt ſuchen, wenn ſie erſt dem Willkuͤhr uͤberlaſſen werden? Ein Garten iſt nicht blos wegen der Gegend da; bey der gehoͤrigen Anlage iſt er ein Werk, das ſeinen ei- genen Umkreis beſchreibt, und darin ſeinen eigenen Charakter und ſeinen eigenen Werth enthaͤlt. [Abbildung] Zweyter I Band. A a

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Zitationshilfe: Hirschfeld, Christian Cay Lorenz: Theorie der Gartenkunst. Bd. 1. Leipzig, 1779, S. 185. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/hirschfeld_gartenkunst1_1779/199>, abgerufen am 17.11.2019.