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Hirschfeld, Christian Cay Lorenz: Theorie der Gartenkunst. Bd. 3. Leipzig, 1780.

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Anhang. Beschreibungen


III.
Marienlust.
[Spaltenumbruch] *)

Eine vortrefflichere Lage, als dieses königliche Lusthaus in der westlichen Gegend der
Stadt Helsingör genießt, dichtet kaum ein Thomson aus der reichsten Phan-
tasie hervor, findet kaum ein Tavernier, der die herrlichsten Lustplätze aller Welt-
theile durchwanderte.

Das Gebäude ist schön und erst vor zwanzig Jahren erbauet. Es ruhet an ei-
nem Hügel, und besteht aus zwey Stockwerken zur Bewohnung; denn das Erdge-
schoß, das nur auf der Vorderseite ganz sichtbar und mit einem Ausgang unter einer
Arcade versehen ist, dient zu den Bedürfnissen der Tafel in geräumigen und hellen Ab-
theilungen. An der Vorderseite des zweyten Stockwerks befindet sich unter einer zwo-
ten Arcade ein anmuthiger Sitz, besonders zum Genuß der Aussicht über den Garten
oder den Vorplatz. Auf der Hinterseite des Gebäudes ist die Anlage so gebildet, daß
man zu dem obersten Stockwerk fährt. Das Dach ist flach und mit einer Gallerie
umgeben, deren Vorderseite vier schöne Vasen zieren. Das ganze Gebäude ist von
Stein aufgeführt und mit einem grauen Anwurf überkleidet.

Die Zimmer dieses Lusthauses sind nach richtigen Verhältnissen vertheilt und
eingerichtet; in dem untern Stockwerke befinden sich vier, außer einigen Cabinetten;
allein die schönsten sieht man in dem obersten Stockwerk, mit Geschmack verziert und
mit Gemälden über den Thüren von Mandelbergs Pinsel geschmückt. In der Mitte
dieses Stockwerks liegt ein großer, viereckigter, heitrer, schöner Saal, der die herr-
lichsten Prospecte eröffnet und sie in zwey hohen Wandspiegeln wiederscheinen läßt, die
oben mit den Bildnissen Friedrichs des Fünften und Julianens, wie halb
erhobene Arbeit medaillenförmig von Pilo gemalt, bekrönt sind. Das Auge vergißt
bald die reizenden Wiederscheine von Meer und Landschaft, und bleibt verweilend an
den geliebten Bildnissen mit stummer Entzückung hangen. Zur Linken stößt an die-
sen Saal ein länglicher Speisesaal; zur Rechten liegen zwey Zimmer.

Der
*) Dieses königliche Lusthaus gehörte
Ihrer Königl. Majestät, der verwittweten
Königinn, Juliana Maria, und ist von Ihr
Sr. Königl. Hoheit, dem jetzigen Kronprin-
zen, Friedrich, geschenkt. Es liegt ganz nahe
bey der Stadt Helsingör und dem Schlosse
[Spaltenumbruch] Kronenburg, fünf Meilen von Kopenhagen.
Man hat von Marienlust zwey Kupferstiche,
einen kleinen von Quist, der blos das Ge-
bäude zeigt, und einen grössern von W. A.
Müller (1767), der außer dem Lusthause
den Hügel und den Garten vorstellt.
Anhang. Beſchreibungen


III.
Marienluſt.
[Spaltenumbruch] *)

Eine vortrefflichere Lage, als dieſes koͤnigliche Luſthaus in der weſtlichen Gegend der
Stadt Helſingoͤr genießt, dichtet kaum ein Thomſon aus der reichſten Phan-
taſie hervor, findet kaum ein Tavernier, der die herrlichſten Luſtplaͤtze aller Welt-
theile durchwanderte.

Das Gebaͤude iſt ſchoͤn und erſt vor zwanzig Jahren erbauet. Es ruhet an ei-
nem Huͤgel, und beſteht aus zwey Stockwerken zur Bewohnung; denn das Erdge-
ſchoß, das nur auf der Vorderſeite ganz ſichtbar und mit einem Ausgang unter einer
Arcade verſehen iſt, dient zu den Beduͤrfniſſen der Tafel in geraͤumigen und hellen Ab-
theilungen. An der Vorderſeite des zweyten Stockwerks befindet ſich unter einer zwo-
ten Arcade ein anmuthiger Sitz, beſonders zum Genuß der Ausſicht uͤber den Garten
oder den Vorplatz. Auf der Hinterſeite des Gebaͤudes iſt die Anlage ſo gebildet, daß
man zu dem oberſten Stockwerk faͤhrt. Das Dach iſt flach und mit einer Gallerie
umgeben, deren Vorderſeite vier ſchoͤne Vaſen zieren. Das ganze Gebaͤude iſt von
Stein aufgefuͤhrt und mit einem grauen Anwurf uͤberkleidet.

Die Zimmer dieſes Luſthauſes ſind nach richtigen Verhaͤltniſſen vertheilt und
eingerichtet; in dem untern Stockwerke befinden ſich vier, außer einigen Cabinetten;
allein die ſchoͤnſten ſieht man in dem oberſten Stockwerk, mit Geſchmack verziert und
mit Gemaͤlden uͤber den Thuͤren von Mandelbergs Pinſel geſchmuͤckt. In der Mitte
dieſes Stockwerks liegt ein großer, viereckigter, heitrer, ſchoͤner Saal, der die herr-
lichſten Proſpecte eroͤffnet und ſie in zwey hohen Wandſpiegeln wiederſcheinen laͤßt, die
oben mit den Bildniſſen Friedrichs des Fuͤnften und Julianens, wie halb
erhobene Arbeit medaillenfoͤrmig von Pilo gemalt, bekroͤnt ſind. Das Auge vergißt
bald die reizenden Wiederſcheine von Meer und Landſchaft, und bleibt verweilend an
den geliebten Bildniſſen mit ſtummer Entzuͤckung hangen. Zur Linken ſtoͤßt an die-
ſen Saal ein laͤnglicher Speiſeſaal; zur Rechten liegen zwey Zimmer.

Der
*) Dieſes koͤnigliche Luſthaus gehoͤrte
Ihrer Koͤnigl. Majeſtaͤt, der verwittweten
Koͤniginn, Juliana Maria, und iſt von Ihr
Sr. Koͤnigl. Hoheit, dem jetzigen Kronprin-
zen, Friedrich, geſchenkt. Es liegt ganz nahe
bey der Stadt Helſingoͤr und dem Schloſſe
[Spaltenumbruch] Kronenburg, fuͤnf Meilen von Kopenhagen.
Man hat von Marienluſt zwey Kupferſtiche,
einen kleinen von Quiſt, der blos das Ge-
baͤude zeigt, und einen groͤſſern von W. A.
Muͤller (1767), der außer dem Luſthauſe
den Huͤgel und den Garten vorſtellt.
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[210/0221] Anhang. Beſchreibungen III. Marienluſt. *) Eine vortrefflichere Lage, als dieſes koͤnigliche Luſthaus in der weſtlichen Gegend der Stadt Helſingoͤr genießt, dichtet kaum ein Thomſon aus der reichſten Phan- taſie hervor, findet kaum ein Tavernier, der die herrlichſten Luſtplaͤtze aller Welt- theile durchwanderte. Das Gebaͤude iſt ſchoͤn und erſt vor zwanzig Jahren erbauet. Es ruhet an ei- nem Huͤgel, und beſteht aus zwey Stockwerken zur Bewohnung; denn das Erdge- ſchoß, das nur auf der Vorderſeite ganz ſichtbar und mit einem Ausgang unter einer Arcade verſehen iſt, dient zu den Beduͤrfniſſen der Tafel in geraͤumigen und hellen Ab- theilungen. An der Vorderſeite des zweyten Stockwerks befindet ſich unter einer zwo- ten Arcade ein anmuthiger Sitz, beſonders zum Genuß der Ausſicht uͤber den Garten oder den Vorplatz. Auf der Hinterſeite des Gebaͤudes iſt die Anlage ſo gebildet, daß man zu dem oberſten Stockwerk faͤhrt. Das Dach iſt flach und mit einer Gallerie umgeben, deren Vorderſeite vier ſchoͤne Vaſen zieren. Das ganze Gebaͤude iſt von Stein aufgefuͤhrt und mit einem grauen Anwurf uͤberkleidet. Die Zimmer dieſes Luſthauſes ſind nach richtigen Verhaͤltniſſen vertheilt und eingerichtet; in dem untern Stockwerke befinden ſich vier, außer einigen Cabinetten; allein die ſchoͤnſten ſieht man in dem oberſten Stockwerk, mit Geſchmack verziert und mit Gemaͤlden uͤber den Thuͤren von Mandelbergs Pinſel geſchmuͤckt. In der Mitte dieſes Stockwerks liegt ein großer, viereckigter, heitrer, ſchoͤner Saal, der die herr- lichſten Proſpecte eroͤffnet und ſie in zwey hohen Wandſpiegeln wiederſcheinen laͤßt, die oben mit den Bildniſſen Friedrichs des Fuͤnften und Julianens, wie halb erhobene Arbeit medaillenfoͤrmig von Pilo gemalt, bekroͤnt ſind. Das Auge vergißt bald die reizenden Wiederſcheine von Meer und Landſchaft, und bleibt verweilend an den geliebten Bildniſſen mit ſtummer Entzuͤckung hangen. Zur Linken ſtoͤßt an die- ſen Saal ein laͤnglicher Speiſeſaal; zur Rechten liegen zwey Zimmer. Der *) Dieſes koͤnigliche Luſthaus gehoͤrte Ihrer Koͤnigl. Majeſtaͤt, der verwittweten Koͤniginn, Juliana Maria, und iſt von Ihr Sr. Koͤnigl. Hoheit, dem jetzigen Kronprin- zen, Friedrich, geſchenkt. Es liegt ganz nahe bey der Stadt Helſingoͤr und dem Schloſſe Kronenburg, fuͤnf Meilen von Kopenhagen. Man hat von Marienluſt zwey Kupferſtiche, einen kleinen von Quiſt, der blos das Ge- baͤude zeigt, und einen groͤſſern von W. A. Muͤller (1767), der außer dem Luſthauſe den Huͤgel und den Garten vorſtellt.

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Zitationshilfe: Hirschfeld, Christian Cay Lorenz: Theorie der Gartenkunst. Bd. 3. Leipzig, 1780, S. 210. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/hirschfeld_gartenkunst3_1780/221>, abgerufen am 07.08.2020.