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Hoffmann von Fallersleben, August Heinrich: Unpolitische Lieder. Bd. 1. Hamburg, 1840.

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Heimweh in Frankreich.

Zwischen Saone und Rhone.

Wie sehn' ich mich nach deinen Bergen wieder,
Nach deinem Schatten, deinem Sonnenschein!
Nach deutschen Herzen voller Sang und Lieder,
Nach deutscher Freud' und Lust, nach deutschem Wein!
Könnt' ich den Wolken meine Hände reichen,
Ich flöge windesschnell zu dir hinein;
Könnt' ich dem Adler und dem Lichtstrahl gleichen,
Wie ein Gedanke wollt' ich bei dir sein!
Die Fremde macht mich still und ernst und traurig;
Verkümmern muß mein frisches junges Herz.
Das Leben hier, wie ist es bang' und schaurig,
Und was es beut, ist nur der Sehnsucht Schmerz.
O Vaterland, und wenn ich nichts mehr habe,
Begleitet treu noch diese Sehnsucht mich;
Und würde selbst die Fremde mir zum Grabe,
Gern sterb' ich, denn ich lebte nur für dich.

Heimweh in Frankreich.

Zwiſchen Sâone und Rhône.

Wie ſehn' ich mich nach deinen Bergen wieder,
Nach deinem Schatten, deinem Sonnenſchein!
Nach deutſchen Herzen voller Sang und Lieder,
Nach deutſcher Freud' und Luſt, nach deutſchem Wein!
Könnt' ich den Wolken meine Hände reichen,
Ich flöge windesſchnell zu dir hinein;
Könnt' ich dem Adler und dem Lichtſtrahl gleichen,
Wie ein Gedanke wollt' ich bei dir ſein!
Die Fremde macht mich ſtill und ernſt und traurig;
Verkümmern muß mein friſches junges Herz.
Das Leben hier, wie iſt es bang' und ſchaurig,
Und was es beut, iſt nur der Sehnſucht Schmerz.
O Vaterland, und wenn ich nichts mehr habe,
Begleitet treu noch dieſe Sehnſucht mich;
Und würde ſelbſt die Fremde mir zum Grabe,
Gern ſterb' ich, denn ich lebte nur für dich.

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[158/0176] Heimweh in Frankreich. Zwiſchen Sâone und Rhône. Wie ſehn' ich mich nach deinen Bergen wieder, Nach deinem Schatten, deinem Sonnenſchein! Nach deutſchen Herzen voller Sang und Lieder, Nach deutſcher Freud' und Luſt, nach deutſchem Wein! Könnt' ich den Wolken meine Hände reichen, Ich flöge windesſchnell zu dir hinein; Könnt' ich dem Adler und dem Lichtſtrahl gleichen, Wie ein Gedanke wollt' ich bei dir ſein! Die Fremde macht mich ſtill und ernſt und traurig; Verkümmern muß mein friſches junges Herz. Das Leben hier, wie iſt es bang' und ſchaurig, Und was es beut, iſt nur der Sehnſucht Schmerz. O Vaterland, und wenn ich nichts mehr habe, Begleitet treu noch dieſe Sehnſucht mich; Und würde ſelbſt die Fremde mir zum Grabe, Gern ſterb' ich, denn ich lebte nur für dich.

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Zitationshilfe: Hoffmann von Fallersleben, August Heinrich: Unpolitische Lieder. Bd. 1. Hamburg, 1840, S. 158. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/hoffmann_unpolitische01_1840/176>, abgerufen am 20.09.2020.