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Hoffmann von Fallersleben, August Heinrich: Unpolitische Lieder. Bd. 1. Hamburg, 1840.

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Heute.
Nur nicht ängstlich! nur nicht klagen!
Laß doch, was Dir nicht behagt!
Willst du nach dem Schicksal fragen?
Hat es je nach Dir gefragt?
Willst Du wie die Kinder scherzen?
Süß ist wohl der Kindheit Lust;
Wärst Du Dir im Männerherzen
Jener Freuden auch bewusst?
In der Wiege des Bewusstseins
Liegt der Säugling Deines Glücks;
Wirf den Gaukel alles Lustscheins
Der Erinnerung hinterrücks!
Was Du liebtest, was Dich freute,
Gönn ihm seinen raschen Flug!
Blieb Dir nicht ein frohes Heute?
Athme auf! Du hast genug.

Heute.
Nur nicht ängſtlich! nur nicht klagen!
Laß doch, was Dir nicht behagt!
Willſt du nach dem Schickſal fragen?
Hat es je nach Dir gefragt?
Willſt Du wie die Kinder ſcherzen?
Süß iſt wohl der Kindheit Luſt;
Wärſt Du Dir im Männerherzen
Jener Freuden auch bewuſſt?
In der Wiege des Bewuſſtſeins
Liegt der Säugling Deines Glücks;
Wirf den Gaukel alles Luſtſcheins
Der Erinnerung hinterrücks!
Was Du liebteſt, was Dich freute,
Gönn ihm ſeinen raſchen Flug!
Blieb Dir nicht ein frohes Heute?
Athme auf! Du haſt genug.

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[48/0066] Heute. Nur nicht ängſtlich! nur nicht klagen! Laß doch, was Dir nicht behagt! Willſt du nach dem Schickſal fragen? Hat es je nach Dir gefragt? Willſt Du wie die Kinder ſcherzen? Süß iſt wohl der Kindheit Luſt; Wärſt Du Dir im Männerherzen Jener Freuden auch bewuſſt? In der Wiege des Bewuſſtſeins Liegt der Säugling Deines Glücks; Wirf den Gaukel alles Luſtſcheins Der Erinnerung hinterrücks! Was Du liebteſt, was Dich freute, Gönn ihm ſeinen raſchen Flug! Blieb Dir nicht ein frohes Heute? Athme auf! Du haſt genug.

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Zitationshilfe: Hoffmann von Fallersleben, August Heinrich: Unpolitische Lieder. Bd. 1. Hamburg, 1840, S. 48. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/hoffmann_unpolitische01_1840/66>, abgerufen am 09.08.2020.