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Hoffmann von Fallersleben, August Heinrich: Unpolitische Lieder. Bd. 1. Hamburg, 1840.

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Ein Weltgericht.
Die Weltgeschichte ist das Weltgericht,
Doch kein Gericht für jeden Magen,
Denn solche derbe Speise würde nicht
Ein jeder Herr und Knecht vertragen.
Drum hat man viele Männer angestellt,
Die müssen's klopfen, kochen, braten,
Daß dies Gericht der ganzen Welt gefällt,
Zumal den hohen Potentaten.
Zu haben ist es dann an jedem Ort,
Für Geld bekommt es leicht ein Jeder;
Mit einer Brühe giebt man's gratis fort
Sogar auch wohl noch vom Katheder.
Es ist bereitet dann so excellent,
Daß man die Finger danach lecket;
Gesättigt rufen wir: potz Element!
Wie gut doch die Geschichte schmecket!

Ein Weltgericht.
Die Weltgeſchichte iſt das Weltgericht,
Doch kein Gericht für jeden Magen,
Denn ſolche derbe Speiſe würde nicht
Ein jeder Herr und Knecht vertragen.
Drum hat man viele Männer angeſtellt,
Die müſſen's klopfen, kochen, braten,
Daß dies Gericht der ganzen Welt gefällt,
Zumal den hohen Potentaten.
Zu haben iſt es dann an jedem Ort,
Für Geld bekommt es leicht ein Jeder;
Mit einer Brühe giebt man's gratis fort
Sogar auch wohl noch vom Katheder.
Es iſt bereitet dann ſo excellent,
Daß man die Finger danach lecket;
Geſättigt rufen wir: potz Element!
Wie gut doch die Geſchichte ſchmecket!

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[63/0081] Ein Weltgericht. Die Weltgeſchichte iſt das Weltgericht, Doch kein Gericht für jeden Magen, Denn ſolche derbe Speiſe würde nicht Ein jeder Herr und Knecht vertragen. Drum hat man viele Männer angeſtellt, Die müſſen's klopfen, kochen, braten, Daß dies Gericht der ganzen Welt gefällt, Zumal den hohen Potentaten. Zu haben iſt es dann an jedem Ort, Für Geld bekommt es leicht ein Jeder; Mit einer Brühe giebt man's gratis fort Sogar auch wohl noch vom Katheder. Es iſt bereitet dann ſo excellent, Daß man die Finger danach lecket; Geſättigt rufen wir: potz Element! Wie gut doch die Geſchichte ſchmecket!

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Zitationshilfe: Hoffmann von Fallersleben, August Heinrich: Unpolitische Lieder. Bd. 1. Hamburg, 1840, S. 63. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/hoffmann_unpolitische01_1840/81>, abgerufen am 09.08.2020.