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Hofmann von Hofmannswaldau, Christian: Herrn von Hofmannswaldau und anderer Deutschen auserlesener und bißher ungedruckter Gedichte anderer Theil. Leipzig, 1697.

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Hochzeit-Gedichte.

Der juley/ den ihr grtzt ihr wird zu kosten geben/
Vertreib' ihr allen schmertz/ und frucht' ein langes leben.
Der aber/ so anietzt erregte flammen fühlet/
Den Amathuntens sohn mit seinem pfeil berührt/
Sey fort in seiner glut von diesem schnee gekühlet/
Den sein geliebter schatz auff ihren brüsten führt:
Es müsse dieser grtzt sein amt nach GOtt verwalten/
Viel lebend machen/ und vom tode viel erhalten!


Begräbniß-Gedichte.
Pulchrumque mori succurrit in armis,
Oder beste todes-art im kriege/ über Hertzog
Alexanders aus Curland absterben/ welcher in dem

berühmten sturm vor Ofen den 26 Jul. 1686 tödlich
geschossen ward/ und etliche tage darauff an
seiner wunde verschied.
+ + +
DJs ist die nichtigkeit der menschlichen gedancken!
Wir nehmen in der welt uns grosse dinge vor;
Die hoffnung reitzet uns und schmeichelt unser ohr;
Die jugend stecket sich die wei[t]sten lebens-schrancken.
Die hoheit der geburt/ das glücke das uns blüht/
Jst selbsten nicht genug die ehrsucht zu vergnügen;
Sie sucht ein höher ziel/ und eh man sichs versieht/
Sieht man nebst unserm wunsch/ uns auf dem rücken liegen.
Dis so verkehrte spiel in allen unsern dingen
Jst jedem stande zwar mehr als zu wohl bekandt;
Doch kennet meist der krieg desselben unbestand/
Allwo wir zu der ehr durch lauter schwerdter dringen.
Der diesen augenblick auf seinem posten ficht/
Und
Hochzeit-Gedichte.

Der juley/ den ihr grtzt ihr wird zu koſten geben/
Vertreib’ ihr allen ſchmertz/ und frucht’ ein langes leben.
Der aber/ ſo anietzt erregte flammen fuͤhlet/
Den Amathuntens ſohn mit ſeinem pfeil beruͤhrt/
Sey fort in ſeiner glut von dieſem ſchnee gekuͤhlet/
Den ſein geliebter ſchatz auff ihren bruͤſten fuͤhrt:
Es muͤſſe dieſer grtzt ſein amt nach GOtt verwalten/
Viel lebend machen/ und vom tode viel erhalten!


Begraͤbniß-Gedichte.
Pulchrumque mori ſuccurrit in armis,
Oder beſte todes-art im kriege/ uͤber Hertzog
Alexanders aus Curland abſterben/ welcher in dem

beruͤhmten ſturm vor Ofen den 26 Jul. 1686 toͤdlich
geſchoſſen ward/ und etliche tage darauff an
ſeiner wunde verſchied.
† † †
DJs iſt die nichtigkeit der menſchlichen gedancken!
Wir nehmen in der welt uns groſſe dinge vor;
Die hoffnung reitzet uns und ſchmeichelt unſer ohr;
Die jugend ſtecket ſich die wei[t]ſten lebens-ſchrancken.
Die hoheit der geburt/ das gluͤcke das uns bluͤht/
Jſt ſelbſten nicht genug die ehrſucht zu vergnuͤgen;
Sie ſucht ein hoͤher ziel/ und eh man ſichs verſieht/
Sieht man nebſt unſerm wunſch/ uns auf dem ruͤcken liegen.
Dis ſo verkehrte ſpiel in allen unſern dingen
Jſt jedem ſtande zwar mehr als zu wohl bekandt;
Doch kennet meiſt der krieg deſſelben unbeſtand/
Allwo wir zu der ehr durch lauter ſchwerdter dringen.
Der dieſen augenblick auf ſeinem poſten ficht/
Und
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[168/0184] Hochzeit-Gedichte. Der juley/ den ihr grtzt ihr wird zu koſten geben/ Vertreib’ ihr allen ſchmertz/ und frucht’ ein langes leben. Der aber/ ſo anietzt erregte flammen fuͤhlet/ Den Amathuntens ſohn mit ſeinem pfeil beruͤhrt/ Sey fort in ſeiner glut von dieſem ſchnee gekuͤhlet/ Den ſein geliebter ſchatz auff ihren bruͤſten fuͤhrt: Es muͤſſe dieſer grtzt ſein amt nach GOtt verwalten/ Viel lebend machen/ und vom tode viel erhalten! Begraͤbniß-Gedichte. Pulchrumque mori ſuccurrit in armis, Oder beſte todes-art im kriege/ uͤber Hertzog Alexanders aus Curland abſterben/ welcher in dem beruͤhmten ſturm vor Ofen den 26 Jul. 1686 toͤdlich geſchoſſen ward/ und etliche tage darauff an ſeiner wunde verſchied. † † † DJs iſt die nichtigkeit der menſchlichen gedancken! Wir nehmen in der welt uns groſſe dinge vor; Die hoffnung reitzet uns und ſchmeichelt unſer ohr; Die jugend ſtecket ſich die weitſten lebens-ſchrancken. Die hoheit der geburt/ das gluͤcke das uns bluͤht/ Jſt ſelbſten nicht genug die ehrſucht zu vergnuͤgen; Sie ſucht ein hoͤher ziel/ und eh man ſichs verſieht/ Sieht man nebſt unſerm wunſch/ uns auf dem ruͤcken liegen. Dis ſo verkehrte ſpiel in allen unſern dingen Jſt jedem ſtande zwar mehr als zu wohl bekandt; Doch kennet meiſt der krieg deſſelben unbeſtand/ Allwo wir zu der ehr durch lauter ſchwerdter dringen. Der dieſen augenblick auf ſeinem poſten ficht/ Und

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Zitationshilfe: Hofmann von Hofmannswaldau, Christian: Herrn von Hofmannswaldau und anderer Deutschen auserlesener und bißher ungedruckter Gedichte anderer Theil. Leipzig, 1697, S. 168. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/hoffmannswaldau_gedichte02_1697/184>, abgerufen am 21.03.2019.