Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Hohberg, Wolf Helmhard von: Georgica Curiosa. Bd. 1. Nürnberg, 1682.

Bild:
<< vorherige Seite

Vierdten Buchs Anderer Theil/ Obst-Garten.
[Spaltenumbruch] dorrte unverzüglich wegschneiden und abraumen lassen;
heisst also immedicabile vulnus ense recidendum est,
ne pars sincera trahatur.
Jst aber zu Abschneidung der
Aeste keine Hacken/ sondern eine Säge zu gebrauchen/
und der Schnitt hernach mit einem scharffen Messer zu
ebnen/ daß es ehe überwimmern möge/ die kleinern dür-
ren Aeste mögen auch wol mit Stemmeisen oder Baum-
Meissel abgenommen werden; die alten Bäume müssen
im abnehmenden/ die jungen wachsenden aber im wach-
senden Monden beschnitten seyn.

So geschicht auch zu Zeiten/ wann der Baum ge-
sunde geile Wurtzen und gutes ihm beliebiges Erdreich
hat; sonderlich wann auch das Gewitter mit gehöriger
Feuchten und Wärme mit einstimmet/ daß er so viel Holtz
und Aeste treibt/ daß er hernach bey etwan einfallenden tro-
ckenen Zeiten nicht Safft genug hat/ alle seine unnütze
Gäste zu bewirthen/ und hat er schon Nahrung für das
Holtz/ so bleibet ihm doch nichts übrig für die Frucht;
also daß ein solcher Baum wol schöne Aeste/ aber keine
Frucht bringet; da muß man mit gehöriger Vorsichtig-
keit dem Baum Platz machen/ die übrigen Aeste und al-
les überflüssige Holtz/ es sey unten oder oben/ beneh-
men/ sonst ersticken sie einander selbst/ und saugen die
Wurtzen also aus/ daß sie endlich gantz ausgemergelt
absterben muß.

[Spaltenumbruch]

Den Nebenschössen und Wasserzweigen muß man
ohne diß keinen Zutritt gestatten/ sondern sie/ so bald sie
sich nur blicken lassen/ stracks vertilgen/ und also des
Baums Safft nur in die guten fruchtbaren Aeste ein-
leiten; die Verletzungen aber/ so mit Abhauung der gros-
sen Aeste geschehen/ müssen ohne Verzug mit Baum-
salben/ oder wenigstens mit Laim und darunter vermisch-
tem Kühkoth verstrichen/ und diß muß zu Ende des Fe-
bruarii/ oder in folgenden nächsten Wochen/ verrichtet
werden/ obschon etliche den Herbst darzu erwehlen; ists
doch wegen annahender Kälte (wie oben schon gedacht)
gefährlicher/ und muß man solche Aeste (wann es ja
nicht anders seyn kan) das mal nicht gar am Stammen/
sondern ein vier Finger davon abstutzen/ damit/ wann sie
durch des Winters Frost angegriffen und beschwärtzt
würden/ man sie im folgenden Früling gar abnehmen
möge; gibt aber doppelte Mühe/ so wol zu ersparen.

Was an den Wurtzen mangelt/ kan man durch
Umhackung und Abraumung bald spühren; Diese
Baum-Wurtzen machen bißweilen Knotten/ voller
Saffts/ die immer junge eigne Brut machen/ und dem
alten Baum ihren Safft nicht beyziehen wollen/ da muß
man mit einem Messer den Knotten sauber abschneiden/
mit Koth bereiben/ und also dem rechten Stamm seine
gebührliche Nahrung wieder zusenden/ muß aber alles
im abnehmenden Monden verrichtet werden.

Cap. XXX.
Himmels-Witterung/ so den Bäumen schädlich.
[Spaltenumbruch]

VOn den durch Himmlische Influenzen erregten
bösen Winden/ so die Bäume anwähen und zu
Grunde richten/ ist im vorigen Capitel etwas
vermeldet worden; so die Lateiner Siderationem, eine
Beschädigung nennen von dem Wetter oder von der
Hitze.

Solis nam saepe arboribus fit noxius aer,
& tenerum germen, florumque infecit honorem
Interdum segetem & sata laeta, annique labores
Corripuit, scabraque uffit rubigine culmos,

wie Fracastorius lib. 1. Syphil. schreibet; Deren Ur-
sach viel den Vergiliis, etliche aber dem Hundsstern zu-
schreiben; wiewol man diesen mehr dem Weinstock/ die
Vergilias den Bäumen/ und Aquilam der Saat schäd-
lich zu seyn erachtet.

Weil nun sonsten alle Gewächse der Wärme und
der Feuchtigkeit in gewisser moderation bedörffen/ und
wann die allzuhitzige Dürre die Feuchten/ und die zu-
grosse übermässige Kälte die Wärme austreibt/ so wird
das Wesen und Krafft der Gewächse bald zu ihrem Un-
tergang beschleuniget. Daher auf die vier Jahrs-Thei-
le/ und ihre gewöhnliche Eigenschafft billige reflexion
zu machen/ daß im Sommer der Hitz und Dürren/ im
Winter aber der Kält und Feuchtigkeit mit geziemen-
dem Temperament begegnet/ und der Bäume und
Garten-Gewächse unzeitiges und gewöhnliches Unwe-
sen in billiger moderation und Gleichstand erhalten
werde.

GOtt hat zwar alles weißlich und gut erschaffen/
der Sündenfall aber unserer ersten Eltern/ und die aner-
erbte Boßheit/ damit wir ihnen immer folgen/ verur-
sachen/ daß GOtt die Erden verflucht hat; und dieser
[Spaltenumbruch] Fluch kommt meistentheils durch schadhaffte Influenzen
des Gestirnes/ der Lufft/ der Wolcken/ so aus der vom
Göttlichen Fluch beschwerten Erden die Dämpfe und
bösen Dünste aufziehet/ solche wieder zu ihrem Verder-
ben herab schüttet/ und wie dieses alles unsere Sünden
auf uns laden/ also ist auch dafür kein anders Mittel/ als
ernsthaffte Reu und Buß/ samt einem eiferigem Gebet/
so dem erzörneten GOtt die Waffen und die Ruten/ da-
mit Er uns straffen will/ entweder gar aus der Hand
nehmen/ oder doch etwas lindern kan.

Diß ist nicht darum geschrieben/ daß ein Mensch
nur allein beten/ und die Hand aus Rad nicht auch le-
gen/ oder die Vernunfft und die Mittel/ die ihm GOtt
verliehen/ nicht brauchen solte.

Der kalte Winter ist zwar nothwendig/ weil er die
belästigte und erhitzte Erden abkühlet und gleichsam ru-
hen macht und erquicket/ die Wärme darinnen concen-
tri
ret und zusammen schleust; wann er aber ohne Schnee
mit allzurauhem Frost zu tief eingreiffet/ kan er wol den
jungen Gewächsen schädlich seyn; also muß ein Gärt-
ner sich nicht verdriessen lassen/ solche mit Stroh und
Einmachung zu verwahren/ oder gar in die Gewölber
und Keller unterzubringen.

Nicht weniger wann der Schnee per materiam
aeris glutinosam
zusamm ballet/ sich an die Aeste der
Bäume henckt/ und sie also beschweret/ daß/ wann auch
ein Wind darzu kommt/ sie offtermals brechen und ber-
sten müssen/ welches sonderlich gefährlich/ wann es zum
Ende des Hornungs oder im Mertzen geschiehet/ da die
Augen schon zimlich ausgeschlagen/ da muß ein Gärt-
ner Fleiß haben/ die zarten schwachen Bäume sacht und
bescheidentlich zu bewegen/ nicht den gantzen Stamm

mit

Vierdten Buchs Anderer Theil/ Obſt-Garten.
[Spaltenumbruch] dorrte unverzuͤglich wegſchneiden und abraumen laſſen;
heiſſt alſo immedicabile vulnus enſe recidendum eſt,
ne pars ſincera trahatur.
Jſt aber zu Abſchneidung der
Aeſte keine Hacken/ ſondern eine Saͤge zu gebrauchen/
und der Schnitt hernach mit einem ſcharffen Meſſer zu
ebnen/ daß es ehe uͤberwimmern moͤge/ die kleinern duͤr-
ren Aeſte moͤgen auch wol mit Stemmeiſen oder Baum-
Meiſſel abgenommen werden; die alten Baͤume muͤſſen
im abnehmenden/ die jungen wachſenden aber im wach-
ſenden Monden beſchnitten ſeyn.

So geſchicht auch zu Zeiten/ wann der Baum ge-
ſunde geile Wurtzen und gutes ihm beliebiges Erdreich
hat; ſonderlich wann auch das Gewitter mit gehoͤriger
Feuchten und Waͤrme mit einſtim̃et/ daß er ſo viel Holtz
uñ Aeſte treibt/ daß er hernach bey etwan einfallenden tro-
ckenen Zeiten nicht Safft genug hat/ alle ſeine unnuͤtze
Gaͤſte zu bewirthen/ und hat er ſchon Nahrung fuͤr das
Holtz/ ſo bleibet ihm doch nichts uͤbrig fuͤr die Frucht;
alſo daß ein ſolcher Baum wol ſchoͤne Aeſte/ aber keine
Frucht bringet; da muß man mit gehoͤriger Vorſichtig-
keit dem Baum Platz machen/ die uͤbrigen Aeſte und al-
les uͤberfluͤſſige Holtz/ es ſey unten oder oben/ beneh-
men/ ſonſt erſticken ſie einander ſelbſt/ und ſaugen die
Wurtzen alſo aus/ daß ſie endlich gantz ausgemergelt
abſterben muß.

[Spaltenumbruch]

Den Nebenſchoͤſſen und Waſſerzweigen muß man
ohne diß keinen Zutritt geſtatten/ ſondern ſie/ ſo bald ſie
ſich nur blicken laſſen/ ſtracks vertilgen/ und alſo des
Baums Safft nur in die guten fruchtbaren Aeſte ein-
leiten; die Verletzungen aber/ ſo mit Abhauung der groſ-
ſen Aeſte geſchehen/ muͤſſen ohne Verzug mit Baum-
ſalben/ oder wenigſtens mit Laim und darunter vermiſch-
tem Kuͤhkoth verſtrichen/ und diß muß zu Ende des Fe-
bruarii/ oder in folgenden naͤchſten Wochen/ verrichtet
werden/ obſchon etliche den Herbſt darzu erwehlen; iſts
doch wegen annahender Kaͤlte (wie oben ſchon gedacht)
gefaͤhrlicher/ und muß man ſolche Aeſte (wann es ja
nicht anders ſeyn kan) das mal nicht gar am Stammen/
ſondern ein vier Finger davon abſtutzen/ damit/ wann ſie
durch des Winters Froſt angegriffen und beſchwaͤrtzt
wuͤrden/ man ſie im folgenden Fruͤling gar abnehmen
moͤge; gibt aber doppelte Muͤhe/ ſo wol zu erſparen.

Was an den Wurtzen mangelt/ kan man durch
Umhackung und Abraumung bald ſpuͤhren; Dieſe
Baum-Wurtzen machen bißweilen Knotten/ voller
Saffts/ die immer junge eigne Brut machen/ und dem
alten Baum ihren Safft nicht beyziehen wollen/ da muß
man mit einem Meſſer den Knotten ſauber abſchneiden/
mit Koth bereiben/ und alſo dem rechten Stamm ſeine
gebuͤhrliche Nahrung wieder zuſenden/ muß aber alles
im abnehmenden Monden verrichtet werden.

Cap. XXX.
Himmels-Witterung/ ſo den Baͤumen ſchaͤdlich.
[Spaltenumbruch]

VOn den durch Himmliſche Influenzen erregten
boͤſen Winden/ ſo die Baͤume anwaͤhen und zu
Grunde richten/ iſt im vorigen Capitel etwas
vermeldet worden; ſo die Lateiner Siderationem, eine
Beſchaͤdigung nennen von dem Wetter oder von der
Hitze.

Solis nam ſæpè arboribus fit noxius aër,
& tenerum germen, florumq́ue infecit honorem
Interdum ſegetem & ſata læta, anniq́ue labores
Corripuit, ſcabraq́ue uffit rubigine culmos,

wie Fracaſtorius lib. 1. Syphil. ſchreibet; Deren Ur-
ſach viel den Vergiliis, etliche aber dem Hundsſtern zu-
ſchreiben; wiewol man dieſen mehr dem Weinſtock/ die
Vergilias den Baͤumen/ und Aquilam der Saat ſchaͤd-
lich zu ſeyn erachtet.

Weil nun ſonſten alle Gewaͤchſe der Waͤrme und
der Feuchtigkeit in gewiſſer moderation bedoͤrffen/ und
wann die allzuhitzige Duͤrre die Feuchten/ und die zu-
groſſe uͤbermaͤſſige Kaͤlte die Waͤrme austreibt/ ſo wird
das Weſen und Krafft der Gewaͤchſe bald zu ihrem Un-
tergang beſchleuniget. Daher auf die vier Jahrs-Thei-
le/ und ihre gewoͤhnliche Eigenſchafft billige reflexion
zu machen/ daß im Sommer der Hitz und Duͤrren/ im
Winter aber der Kaͤlt und Feuchtigkeit mit geziemen-
dem Temperament begegnet/ und der Baͤume und
Garten-Gewaͤchſe unzeitiges und gewoͤhnliches Unwe-
ſen in billiger moderation und Gleichſtand erhalten
werde.

GOtt hat zwar alles weißlich und gut erſchaffen/
der Suͤndenfall aber unſerer erſten Eltern/ und die aner-
erbte Boßheit/ damit wir ihnen immer folgen/ verur-
ſachen/ daß GOtt die Erden verflucht hat; und dieſer
[Spaltenumbruch] Fluch kommt meiſtentheils durch ſchadhaffte Influenzen
des Geſtirnes/ der Lufft/ der Wolcken/ ſo aus der vom
Goͤttlichen Fluch beſchwerten Erden die Daͤmpfe und
boͤſen Duͤnſte aufziehet/ ſolche wieder zu ihrem Verder-
ben herab ſchuͤttet/ und wie dieſes alles unſere Suͤnden
auf uns laden/ alſo iſt auch dafuͤr kein anders Mittel/ als
ernſthaffte Reu und Buß/ ſamt einem eiferigem Gebet/
ſo dem erzoͤrneten GOtt die Waffen und die Ruten/ da-
mit Er uns ſtraffen will/ entweder gar aus der Hand
nehmen/ oder doch etwas lindern kan.

Diß iſt nicht darum geſchrieben/ daß ein Menſch
nur allein beten/ und die Hand aus Rad nicht auch le-
gen/ oder die Vernunfft und die Mittel/ die ihm GOtt
verliehen/ nicht brauchen ſolte.

Der kalte Winter iſt zwar nothwendig/ weil er die
belaͤſtigte und erhitzte Erden abkuͤhlet und gleichſam ru-
hen macht und erquicket/ die Waͤrme darinnen concen-
tri
ret und zuſammen ſchleuſt; wann er aber ohne Schnee
mit allzurauhem Froſt zu tief eingreiffet/ kan er wol den
jungen Gewaͤchſen ſchaͤdlich ſeyn; alſo muß ein Gaͤrt-
ner ſich nicht verdrieſſen laſſen/ ſolche mit Stroh und
Einmachung zu verwahren/ oder gar in die Gewoͤlber
und Keller unterzubringen.

Nicht weniger wann der Schnee per materiam
aëris glutinoſam
zuſamm ballet/ ſich an die Aeſte der
Baͤume henckt/ und ſie alſo beſchweret/ daß/ wann auch
ein Wind darzu kommt/ ſie offtermals brechen und ber-
ſten muͤſſen/ welches ſonderlich gefaͤhrlich/ wann es zum
Ende des Hornungs oder im Mertzen geſchiehet/ da die
Augen ſchon zimlich ausgeſchlagen/ da muß ein Gaͤrt-
ner Fleiß haben/ die zarten ſchwachen Baͤume ſacht und
beſcheidentlich zu bewegen/ nicht den gantzen Stamm

mit
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <div n="3">
            <p><pb facs="#f0441" n="423"/><fw place="top" type="header"><hi rendition="#b">Vierdten Buchs Anderer Theil/ Ob&#x017F;t-Garten.</hi></fw><lb/><cb/>
dorrte unverzu&#x0364;glich weg&#x017F;chneiden und abraumen la&#x017F;&#x017F;en;<lb/>
hei&#x017F;&#x017F;t al&#x017F;o <hi rendition="#aq">immedicabile vulnus en&#x017F;e recidendum e&#x017F;t,<lb/>
ne pars &#x017F;incera trahatur.</hi> J&#x017F;t aber zu Ab&#x017F;chneidung der<lb/>
Ae&#x017F;te keine Hacken/ &#x017F;ondern eine Sa&#x0364;ge zu gebrauchen/<lb/>
und der Schnitt hernach mit einem &#x017F;charffen Me&#x017F;&#x017F;er zu<lb/>
ebnen/ daß es ehe u&#x0364;berwimmern mo&#x0364;ge/ die kleinern du&#x0364;r-<lb/>
ren Ae&#x017F;te mo&#x0364;gen auch wol mit Stemmei&#x017F;en oder Baum-<lb/>
Mei&#x017F;&#x017F;el abgenommen werden; die alten Ba&#x0364;ume mu&#x0364;&#x017F;&#x017F;en<lb/>
im abnehmenden/ die jungen wach&#x017F;enden aber im wach-<lb/>
&#x017F;enden Monden be&#x017F;chnitten &#x017F;eyn.</p><lb/>
            <p>So ge&#x017F;chicht auch zu Zeiten/ wann der Baum ge-<lb/>
&#x017F;unde geile Wurtzen und gutes ihm beliebiges Erdreich<lb/>
hat; &#x017F;onderlich wann auch das Gewitter mit geho&#x0364;riger<lb/>
Feuchten und Wa&#x0364;rme mit ein&#x017F;tim&#x0303;et/ daß er &#x017F;o viel Holtz<lb/>
un&#x0303; Ae&#x017F;te treibt/ daß er hernach bey etwan einfallenden tro-<lb/>
ckenen Zeiten nicht Safft genug hat/ alle &#x017F;eine unnu&#x0364;tze<lb/>
Ga&#x0364;&#x017F;te zu bewirthen/ und hat er &#x017F;chon Nahrung fu&#x0364;r das<lb/>
Holtz/ &#x017F;o bleibet ihm doch nichts u&#x0364;brig fu&#x0364;r die Frucht;<lb/>
al&#x017F;o daß ein &#x017F;olcher Baum wol &#x017F;cho&#x0364;ne Ae&#x017F;te/ aber keine<lb/>
Frucht bringet; da muß man mit geho&#x0364;riger Vor&#x017F;ichtig-<lb/>
keit dem Baum Platz machen/ die u&#x0364;brigen Ae&#x017F;te und al-<lb/>
les u&#x0364;berflu&#x0364;&#x017F;&#x017F;ige Holtz/ es &#x017F;ey unten oder oben/ beneh-<lb/>
men/ &#x017F;on&#x017F;t er&#x017F;ticken &#x017F;ie einander &#x017F;elb&#x017F;t/ und &#x017F;augen die<lb/>
Wurtzen al&#x017F;o aus/ daß &#x017F;ie endlich gantz ausgemergelt<lb/>
ab&#x017F;terben muß.</p><lb/>
            <cb/>
            <p>Den Neben&#x017F;cho&#x0364;&#x017F;&#x017F;en und Wa&#x017F;&#x017F;erzweigen muß man<lb/>
ohne diß keinen Zutritt ge&#x017F;tatten/ &#x017F;ondern &#x017F;ie/ &#x017F;o bald &#x017F;ie<lb/>
&#x017F;ich nur blicken la&#x017F;&#x017F;en/ &#x017F;tracks vertilgen/ und al&#x017F;o des<lb/>
Baums Safft nur in die guten fruchtbaren Ae&#x017F;te ein-<lb/>
leiten; die Verletzungen aber/ &#x017F;o mit Abhauung der gro&#x017F;-<lb/>
&#x017F;en Ae&#x017F;te ge&#x017F;chehen/ mu&#x0364;&#x017F;&#x017F;en ohne Verzug mit Baum-<lb/>
&#x017F;alben/ oder wenig&#x017F;tens mit Laim und darunter vermi&#x017F;ch-<lb/>
tem Ku&#x0364;hkoth ver&#x017F;trichen/ und diß muß zu Ende des Fe-<lb/>
bruarii/ oder in folgenden na&#x0364;ch&#x017F;ten Wochen/ verrichtet<lb/>
werden/ ob&#x017F;chon etliche den Herb&#x017F;t darzu erwehlen; i&#x017F;ts<lb/>
doch wegen annahender Ka&#x0364;lte (wie oben &#x017F;chon gedacht)<lb/>
gefa&#x0364;hrlicher/ und muß man &#x017F;olche Ae&#x017F;te (wann es ja<lb/>
nicht anders &#x017F;eyn kan) das mal nicht gar am Stammen/<lb/>
&#x017F;ondern ein vier Finger davon ab&#x017F;tutzen/ damit/ wann &#x017F;ie<lb/>
durch des Winters Fro&#x017F;t angegriffen und be&#x017F;chwa&#x0364;rtzt<lb/>
wu&#x0364;rden/ man &#x017F;ie im folgenden Fru&#x0364;ling gar abnehmen<lb/>
mo&#x0364;ge; gibt aber doppelte Mu&#x0364;he/ &#x017F;o wol zu er&#x017F;paren.</p><lb/>
            <p>Was an den Wurtzen mangelt/ kan man durch<lb/>
Umhackung und Abraumung bald &#x017F;pu&#x0364;hren; Die&#x017F;e<lb/>
Baum-Wurtzen machen bißweilen Knotten/ voller<lb/>
Saffts/ die immer junge eigne Brut machen/ und dem<lb/>
alten Baum ihren Safft nicht beyziehen wollen/ da muß<lb/>
man mit einem Me&#x017F;&#x017F;er den Knotten &#x017F;auber ab&#x017F;chneiden/<lb/>
mit Koth bereiben/ und al&#x017F;o dem rechten Stamm &#x017F;eine<lb/>
gebu&#x0364;hrliche Nahrung wieder zu&#x017F;enden/ muß aber alles<lb/>
im abnehmenden Monden verrichtet werden.</p>
          </div><lb/>
          <div n="3">
            <head> <hi rendition="#aq"> <hi rendition="#g"><hi rendition="#k">Cap.</hi> XXX.</hi> </hi><lb/> <hi rendition="#fr">Himmels-Witterung/ &#x017F;o den Ba&#x0364;umen &#x017F;cha&#x0364;dlich.</hi> </head><lb/>
            <cb/>
            <p><hi rendition="#in">V</hi>On den durch Himmli&#x017F;che <hi rendition="#aq">Influenz</hi>en erregten<lb/>
bo&#x0364;&#x017F;en Winden/ &#x017F;o die Ba&#x0364;ume anwa&#x0364;hen und zu<lb/>
Grunde richten/ i&#x017F;t im vorigen Capitel etwas<lb/>
vermeldet worden; &#x017F;o die Lateiner <hi rendition="#aq">Siderationem,</hi> eine<lb/>
Be&#x017F;cha&#x0364;digung nennen von dem Wetter oder von der<lb/>
Hitze.</p><lb/>
            <lg type="poem">
              <l> <hi rendition="#aq">Solis nam &#x017F;æpè arboribus fit noxius aër,</hi> </l><lb/>
              <l> <hi rendition="#aq">&amp; tenerum germen, florumq&#x0301;ue infecit honorem</hi> </l><lb/>
              <l> <hi rendition="#aq">Interdum &#x017F;egetem &amp; &#x017F;ata læta, anniq&#x0301;ue labores</hi> </l><lb/>
              <l> <hi rendition="#aq">Corripuit, &#x017F;cabraq&#x0301;ue uffit rubigine culmos,</hi> </l>
            </lg><lb/>
            <p>wie <hi rendition="#aq">Fraca&#x017F;torius lib. 1. Syphil.</hi> &#x017F;chreibet; Deren Ur-<lb/>
&#x017F;ach viel den <hi rendition="#aq">Vergiliis,</hi> etliche aber dem Hunds&#x017F;tern zu-<lb/>
&#x017F;chreiben; wiewol man die&#x017F;en mehr dem Wein&#x017F;tock/ die<lb/><hi rendition="#aq">Vergilias</hi> den Ba&#x0364;umen/ und <hi rendition="#aq">Aquilam</hi> der Saat &#x017F;cha&#x0364;d-<lb/>
lich zu &#x017F;eyn erachtet.</p><lb/>
            <p>Weil nun &#x017F;on&#x017F;ten alle Gewa&#x0364;ch&#x017F;e der Wa&#x0364;rme und<lb/>
der Feuchtigkeit in gewi&#x017F;&#x017F;er <hi rendition="#aq">moderation</hi> bedo&#x0364;rffen/ und<lb/>
wann die allzuhitzige Du&#x0364;rre die Feuchten/ und die zu-<lb/>
gro&#x017F;&#x017F;e u&#x0364;berma&#x0364;&#x017F;&#x017F;ige Ka&#x0364;lte die Wa&#x0364;rme austreibt/ &#x017F;o wird<lb/>
das We&#x017F;en und Krafft der Gewa&#x0364;ch&#x017F;e bald zu ihrem Un-<lb/>
tergang be&#x017F;chleuniget. Daher auf die vier Jahrs-Thei-<lb/>
le/ und ihre gewo&#x0364;hnliche Eigen&#x017F;chafft billige <hi rendition="#aq">reflexion</hi><lb/>
zu machen/ daß im Sommer der Hitz und Du&#x0364;rren/ im<lb/>
Winter aber der Ka&#x0364;lt und Feuchtigkeit mit geziemen-<lb/>
dem <hi rendition="#aq">Temperament</hi> begegnet/ und der Ba&#x0364;ume und<lb/>
Garten-Gewa&#x0364;ch&#x017F;e unzeitiges und gewo&#x0364;hnliches Unwe-<lb/>
&#x017F;en in billiger <hi rendition="#aq">moderation</hi> und Gleich&#x017F;tand erhalten<lb/>
werde.</p><lb/>
            <p>GOtt hat zwar alles weißlich und gut er&#x017F;chaffen/<lb/>
der Su&#x0364;ndenfall aber un&#x017F;erer er&#x017F;ten Eltern/ und die aner-<lb/>
erbte Boßheit/ damit wir ihnen immer folgen/ verur-<lb/>
&#x017F;achen/ daß GOtt die Erden verflucht hat; und die&#x017F;er<lb/><cb/>
Fluch kommt mei&#x017F;tentheils durch &#x017F;chadhaffte <hi rendition="#aq">Influenz</hi>en<lb/>
des Ge&#x017F;tirnes/ der Lufft/ der Wolcken/ &#x017F;o aus der vom<lb/>
Go&#x0364;ttlichen Fluch be&#x017F;chwerten Erden die Da&#x0364;mpfe und<lb/>
bo&#x0364;&#x017F;en Du&#x0364;n&#x017F;te aufziehet/ &#x017F;olche wieder zu ihrem Verder-<lb/>
ben herab &#x017F;chu&#x0364;ttet/ und wie die&#x017F;es alles un&#x017F;ere Su&#x0364;nden<lb/>
auf uns laden/ al&#x017F;o i&#x017F;t auch dafu&#x0364;r kein anders Mittel/ als<lb/>
ern&#x017F;thaffte Reu und Buß/ &#x017F;amt einem eiferigem Gebet/<lb/>
&#x017F;o dem erzo&#x0364;rneten GOtt die Waffen und die Ruten/ da-<lb/>
mit Er uns &#x017F;traffen will/ entweder gar aus der Hand<lb/>
nehmen/ oder doch etwas lindern kan.</p><lb/>
            <p>Diß i&#x017F;t nicht darum ge&#x017F;chrieben/ daß ein Men&#x017F;ch<lb/>
nur allein beten/ und die Hand aus Rad nicht auch le-<lb/>
gen/ oder die Vernunfft und die Mittel/ die ihm GOtt<lb/>
verliehen/ nicht brauchen &#x017F;olte.</p><lb/>
            <p>Der kalte Winter i&#x017F;t zwar nothwendig/ weil er die<lb/>
bela&#x0364;&#x017F;tigte und erhitzte Erden abku&#x0364;hlet und gleich&#x017F;am ru-<lb/>
hen macht und erquicket/ die Wa&#x0364;rme darinnen <hi rendition="#aq">concen-<lb/>
tri</hi>ret und zu&#x017F;ammen &#x017F;chleu&#x017F;t; wann er aber ohne Schnee<lb/>
mit allzurauhem Fro&#x017F;t zu tief eingreiffet/ kan er wol den<lb/>
jungen Gewa&#x0364;ch&#x017F;en &#x017F;cha&#x0364;dlich &#x017F;eyn; al&#x017F;o muß ein Ga&#x0364;rt-<lb/>
ner &#x017F;ich nicht verdrie&#x017F;&#x017F;en la&#x017F;&#x017F;en/ &#x017F;olche mit Stroh und<lb/>
Einmachung zu verwahren/ oder gar in die Gewo&#x0364;lber<lb/>
und Keller unterzubringen.</p><lb/>
            <p>Nicht weniger wann der Schnee <hi rendition="#aq">per materiam<lb/>
aëris glutino&#x017F;am</hi> zu&#x017F;amm ballet/ &#x017F;ich an die Ae&#x017F;te der<lb/>
Ba&#x0364;ume henckt/ und &#x017F;ie al&#x017F;o be&#x017F;chweret/ daß/ wann auch<lb/>
ein Wind darzu kommt/ &#x017F;ie offtermals brechen und ber-<lb/>
&#x017F;ten mu&#x0364;&#x017F;&#x017F;en/ welches &#x017F;onderlich gefa&#x0364;hrlich/ wann es zum<lb/>
Ende des Hornungs oder im Mertzen ge&#x017F;chiehet/ da die<lb/>
Augen &#x017F;chon zimlich ausge&#x017F;chlagen/ da muß ein Ga&#x0364;rt-<lb/>
ner Fleiß haben/ die zarten &#x017F;chwachen Ba&#x0364;ume &#x017F;acht und<lb/>
be&#x017F;cheidentlich zu bewegen/ nicht den gantzen Stamm<lb/>
<fw place="bottom" type="catch">mit</fw><lb/></p>
          </div>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[423/0441] Vierdten Buchs Anderer Theil/ Obſt-Garten. dorrte unverzuͤglich wegſchneiden und abraumen laſſen; heiſſt alſo immedicabile vulnus enſe recidendum eſt, ne pars ſincera trahatur. Jſt aber zu Abſchneidung der Aeſte keine Hacken/ ſondern eine Saͤge zu gebrauchen/ und der Schnitt hernach mit einem ſcharffen Meſſer zu ebnen/ daß es ehe uͤberwimmern moͤge/ die kleinern duͤr- ren Aeſte moͤgen auch wol mit Stemmeiſen oder Baum- Meiſſel abgenommen werden; die alten Baͤume muͤſſen im abnehmenden/ die jungen wachſenden aber im wach- ſenden Monden beſchnitten ſeyn. So geſchicht auch zu Zeiten/ wann der Baum ge- ſunde geile Wurtzen und gutes ihm beliebiges Erdreich hat; ſonderlich wann auch das Gewitter mit gehoͤriger Feuchten und Waͤrme mit einſtim̃et/ daß er ſo viel Holtz uñ Aeſte treibt/ daß er hernach bey etwan einfallenden tro- ckenen Zeiten nicht Safft genug hat/ alle ſeine unnuͤtze Gaͤſte zu bewirthen/ und hat er ſchon Nahrung fuͤr das Holtz/ ſo bleibet ihm doch nichts uͤbrig fuͤr die Frucht; alſo daß ein ſolcher Baum wol ſchoͤne Aeſte/ aber keine Frucht bringet; da muß man mit gehoͤriger Vorſichtig- keit dem Baum Platz machen/ die uͤbrigen Aeſte und al- les uͤberfluͤſſige Holtz/ es ſey unten oder oben/ beneh- men/ ſonſt erſticken ſie einander ſelbſt/ und ſaugen die Wurtzen alſo aus/ daß ſie endlich gantz ausgemergelt abſterben muß. Den Nebenſchoͤſſen und Waſſerzweigen muß man ohne diß keinen Zutritt geſtatten/ ſondern ſie/ ſo bald ſie ſich nur blicken laſſen/ ſtracks vertilgen/ und alſo des Baums Safft nur in die guten fruchtbaren Aeſte ein- leiten; die Verletzungen aber/ ſo mit Abhauung der groſ- ſen Aeſte geſchehen/ muͤſſen ohne Verzug mit Baum- ſalben/ oder wenigſtens mit Laim und darunter vermiſch- tem Kuͤhkoth verſtrichen/ und diß muß zu Ende des Fe- bruarii/ oder in folgenden naͤchſten Wochen/ verrichtet werden/ obſchon etliche den Herbſt darzu erwehlen; iſts doch wegen annahender Kaͤlte (wie oben ſchon gedacht) gefaͤhrlicher/ und muß man ſolche Aeſte (wann es ja nicht anders ſeyn kan) das mal nicht gar am Stammen/ ſondern ein vier Finger davon abſtutzen/ damit/ wann ſie durch des Winters Froſt angegriffen und beſchwaͤrtzt wuͤrden/ man ſie im folgenden Fruͤling gar abnehmen moͤge; gibt aber doppelte Muͤhe/ ſo wol zu erſparen. Was an den Wurtzen mangelt/ kan man durch Umhackung und Abraumung bald ſpuͤhren; Dieſe Baum-Wurtzen machen bißweilen Knotten/ voller Saffts/ die immer junge eigne Brut machen/ und dem alten Baum ihren Safft nicht beyziehen wollen/ da muß man mit einem Meſſer den Knotten ſauber abſchneiden/ mit Koth bereiben/ und alſo dem rechten Stamm ſeine gebuͤhrliche Nahrung wieder zuſenden/ muß aber alles im abnehmenden Monden verrichtet werden. Cap. XXX. Himmels-Witterung/ ſo den Baͤumen ſchaͤdlich. VOn den durch Himmliſche Influenzen erregten boͤſen Winden/ ſo die Baͤume anwaͤhen und zu Grunde richten/ iſt im vorigen Capitel etwas vermeldet worden; ſo die Lateiner Siderationem, eine Beſchaͤdigung nennen von dem Wetter oder von der Hitze. Solis nam ſæpè arboribus fit noxius aër, & tenerum germen, florumq́ue infecit honorem Interdum ſegetem & ſata læta, anniq́ue labores Corripuit, ſcabraq́ue uffit rubigine culmos, wie Fracaſtorius lib. 1. Syphil. ſchreibet; Deren Ur- ſach viel den Vergiliis, etliche aber dem Hundsſtern zu- ſchreiben; wiewol man dieſen mehr dem Weinſtock/ die Vergilias den Baͤumen/ und Aquilam der Saat ſchaͤd- lich zu ſeyn erachtet. Weil nun ſonſten alle Gewaͤchſe der Waͤrme und der Feuchtigkeit in gewiſſer moderation bedoͤrffen/ und wann die allzuhitzige Duͤrre die Feuchten/ und die zu- groſſe uͤbermaͤſſige Kaͤlte die Waͤrme austreibt/ ſo wird das Weſen und Krafft der Gewaͤchſe bald zu ihrem Un- tergang beſchleuniget. Daher auf die vier Jahrs-Thei- le/ und ihre gewoͤhnliche Eigenſchafft billige reflexion zu machen/ daß im Sommer der Hitz und Duͤrren/ im Winter aber der Kaͤlt und Feuchtigkeit mit geziemen- dem Temperament begegnet/ und der Baͤume und Garten-Gewaͤchſe unzeitiges und gewoͤhnliches Unwe- ſen in billiger moderation und Gleichſtand erhalten werde. GOtt hat zwar alles weißlich und gut erſchaffen/ der Suͤndenfall aber unſerer erſten Eltern/ und die aner- erbte Boßheit/ damit wir ihnen immer folgen/ verur- ſachen/ daß GOtt die Erden verflucht hat; und dieſer Fluch kommt meiſtentheils durch ſchadhaffte Influenzen des Geſtirnes/ der Lufft/ der Wolcken/ ſo aus der vom Goͤttlichen Fluch beſchwerten Erden die Daͤmpfe und boͤſen Duͤnſte aufziehet/ ſolche wieder zu ihrem Verder- ben herab ſchuͤttet/ und wie dieſes alles unſere Suͤnden auf uns laden/ alſo iſt auch dafuͤr kein anders Mittel/ als ernſthaffte Reu und Buß/ ſamt einem eiferigem Gebet/ ſo dem erzoͤrneten GOtt die Waffen und die Ruten/ da- mit Er uns ſtraffen will/ entweder gar aus der Hand nehmen/ oder doch etwas lindern kan. Diß iſt nicht darum geſchrieben/ daß ein Menſch nur allein beten/ und die Hand aus Rad nicht auch le- gen/ oder die Vernunfft und die Mittel/ die ihm GOtt verliehen/ nicht brauchen ſolte. Der kalte Winter iſt zwar nothwendig/ weil er die belaͤſtigte und erhitzte Erden abkuͤhlet und gleichſam ru- hen macht und erquicket/ die Waͤrme darinnen concen- triret und zuſammen ſchleuſt; wann er aber ohne Schnee mit allzurauhem Froſt zu tief eingreiffet/ kan er wol den jungen Gewaͤchſen ſchaͤdlich ſeyn; alſo muß ein Gaͤrt- ner ſich nicht verdrieſſen laſſen/ ſolche mit Stroh und Einmachung zu verwahren/ oder gar in die Gewoͤlber und Keller unterzubringen. Nicht weniger wann der Schnee per materiam aëris glutinoſam zuſamm ballet/ ſich an die Aeſte der Baͤume henckt/ und ſie alſo beſchweret/ daß/ wann auch ein Wind darzu kommt/ ſie offtermals brechen und ber- ſten muͤſſen/ welches ſonderlich gefaͤhrlich/ wann es zum Ende des Hornungs oder im Mertzen geſchiehet/ da die Augen ſchon zimlich ausgeſchlagen/ da muß ein Gaͤrt- ner Fleiß haben/ die zarten ſchwachen Baͤume ſacht und beſcheidentlich zu bewegen/ nicht den gantzen Stamm mit

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/hohberg_georgica01_1682
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/hohberg_georgica01_1682/441
Zitationshilfe: Hohberg, Wolf Helmhard von: Georgica Curiosa. Bd. 1. Nürnberg, 1682, S. 423. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/hohberg_georgica01_1682/441>, abgerufen am 21.01.2020.