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Hohberg, Wolf Helmhard von: Georgica Curiosa. Bd. 1. Nürnberg, 1682.

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Fünftes Buch/ Kuchen- und Artzney-Garten.
[Spaltenumbruch] Feldern/ die Wurtzen sind rund und fasecht/ gut zu es-
sen/ und dörffen geringe Wartung/ wo sie nur mürben
Grund finden; man kan sie von dem Saamen und
der knollichten Wurtzen fortpflantzen/ wo sie einmal hin-
kommen/ wachsen sie gern fort.

Sie sind so fruchtbar/ daß Herr Laurenberg meldet/
er habe sie in eine höltzerne Kisten eingeschlossen/ zu ver-
hüten/ daß sie in die nächsten Bettlein nicht wuchern
möchten; haben nichts desto weniger ihre Fasern und
Wurtzen durch die Runsen und Löchlein durchgedrun-
gen/ und sich in dem nächsten Grund einlosirt. Sind
einer mittelmässig-trockenen und warmen Natur/ wer-
den gegessen/ und bey den Holländern gesotten oder un-
ter der Aschen gebraten/ offentlich verkaufft und begie-
rig verzehrt/ geben keine böse Nahrung/ sind lieblich am
Geschmack/ profluvium foeminarum sistunt & Vene-
rem augere creduntur.
Zu viel gessen/ machen sie
Wind und Schleim/ und beschweren den Magen. Aus
ihrer Blühe wird ein Wasser gebrannt/ das soll dem
Rosenwasser fast gleichriechend seyn.

Das dritte Gewächs ist fast mit dem vorigen glei-
cher Art/ allein grösser; ist erstlich aus Malaga in Hi-
spanien kommen/ allda sie jetzund/ wie auch in Engel-
land selbst/ gebauet wird. Herr Laurembergius nen-
nets Glandem terrestrem Malacensem, die Jndianer
heissens Batatas, Camotes, Amotes, Aies. Jst eine gu-
te und angenehme Speise/ werden wie unsere Erdäpfeln
zugerichtet/ sind einer mittelmässigen temperirten Na-
tur. Wird in unsern Landen mit Mühe aufgebracht/
weil sie grosser Wärme benöthigt und einen fetten und
mürben Grunde bedörffen/ werden durch ihre klei-
[Spaltenumbruch] [Abbildung] nere Wurtzen/ oder zerschnittene Stucke der grös-
sern/ fortgepflantzt; wann sie guten Grunde finden/ kan
mans nach acht Monaten schon essen/ in Malaga sind sie
so gewächsig/ daß offt ein Stuck ein gantzes Pfund/ so
Spannen lang ist/ wigt. Jn unsern Gärten tragen sie
weder Blühe noch Saamen/ allein das Kraut/ welches
den Arum-Blättern fast ähnlich/ und dicke/ grüne/ saff-
tige Stengel hat.

Cap. XLIV.
Vom Salat und Lattich allerley Sorten.
[Spaltenumbruch]

BJßhero sind die Garten-Gewächse/ die unter der
Erden mit ihren Wurtzen/ Kielen oder Knollen zu
der Kuchen dienen/ eingeführt worden; jetzt wollen
wir die jenigen vorstellen/ die ober der Erden mit ihren
Blättern/ Kraut oder Frucht zur Tafel kommen. Un-
ter welchen der Salat darum der gemeineste und ge-
bräuchigste ist/ weilen schwerlich einiges Kuchen-Gärt-
lein/ so klein es auch/ zu finden ist/ das nicht vor allen an-
dern vornemlich mit Salat besetzt und besaamet werde/
und im Früling schier vor allen den ersten Genuß gibet;
weil er zu allen Zeiten/ klein und groß/ unvollkommen
und vollkommen/ allein und gemengt/ zu einer annehm-
lichen Erfrischung und Befeuchtigung des hitzigen und
trockenen Magens nützlich und gesund kan genossen
werden.

Es sind aber dessen viel und mancherley Sorten/
als langlecht/ kraus/ röhtlich/ grün/ weiß/ braunlicht;
unter welchen allein der jenige den Vorzug hat/ der sich
von sich selbst in Häubter schliesset/ an Farb grünweiß-
licht/ und etlicher aussenher auch röthlich/ aber inwen-
dig schön gelb/ und hart und fest ineinander gedruckt.
Alle Salät werden anfangs auf das Mist-Bett mei-
stentheils (sonderlich der gemeine) etwas dick gesäet/
und hernach überzogen.

Der Häubtel-Salat will ein gut wol gemistet Erd-
reich/ etwas weiter voneinander im Vollmonden gesäet/
[Spaltenumbruch] will einen warmen sonnichten/ und von den Mitter-
nacht-Winden unbeleidigten Stand haben; das Bette
darein er weder bey windigem noch gar zu trockenem
Wetter solle gesetzt werden/ muß vor Winters umge-
graben/ und mit alten kurtzen Mist bedunget seyn. Der
Aufgehende wird mit Stroh/ und nicht mit Tannenreis/
(der wegen des Abreisens den zarten Blätlein schädlich)
verhüllt. Sobald er vier oder sechs Blätlein hat/ und
ehe er sich noch auf der Erden zu weit ausbreitet/ muß er
in sein Bettlein versetzt seyn; Zeilweise eine Spannen
weit voneinander/ und vier Finger tieff; die Wurtzen
müssen ein wenig vor abgestutzt/ sonderlich was faul oder
zerbrochen wäre/ sauber abgeschnitten werden. Da
muß man das Sprützen mit lauem/ nicht allzukaltem
Bach- oder Regenwasser nicht spahren/ sonst schiesset er
bey dürrem Wetter bald in den Saamen; er schliesset
sich von sich selbst.

Etliche versetzen diesen Salat im Neumonden/ und
glauben zu verhindern/ daß er nicht sobald in den Saa-
men sich erhöhe/ etliche legen ein Stuck Dachziegels
oben darauf. Wann man aber mehr Häubter auf einmal
hat/ als man bedarf/ und sorgt/ die übrigen bey schö-
nen warmen Wetter möchten in den Saamen schies-
sen/ so zeucht man sie/ samt den Wurtzen/ aus/ setzt sie
in den Keller/ in die Better/ wo man die Gewächse
über Winter einlegt/ in frischen Sand/ so bleiben sie

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Fuͤnftes Buch/ Kuchen- und Artzney-Garten.
[Spaltenumbruch] Feldern/ die Wurtzen ſind rund und faſecht/ gut zu eſ-
ſen/ und doͤrffen geringe Wartung/ wo ſie nur muͤrben
Grund finden; man kan ſie von dem Saamen und
der knollichten Wurtzen fortpflantzen/ wo ſie einmal hin-
kommen/ wachſen ſie gern fort.

Sie ſind ſo fruchtbar/ daß Herr Laurenberg meldet/
er habe ſie in eine hoͤltzerne Kiſten eingeſchloſſen/ zu ver-
huͤten/ daß ſie in die naͤchſten Bettlein nicht wuchern
moͤchten; haben nichts deſto weniger ihre Faſern und
Wurtzen durch die Runſen und Loͤchlein durchgedrun-
gen/ und ſich in dem naͤchſten Grund einloſirt. Sind
einer mittelmaͤſſig-trockenen und warmen Natur/ wer-
den gegeſſen/ und bey den Hollaͤndern geſotten oder un-
ter der Aſchen gebraten/ offentlich verkaufft und begie-
rig verzehrt/ geben keine boͤſe Nahrung/ ſind lieblich am
Geſchmack/ profluvium fœminarum ſiſtunt & Vene-
rem augere creduntur.
Zu viel geſſen/ machen ſie
Wind und Schleim/ und beſchweren den Magen. Aus
ihrer Bluͤhe wird ein Waſſer gebrannt/ das ſoll dem
Roſenwaſſer faſt gleichriechend ſeyn.

Das dritte Gewaͤchs iſt faſt mit dem vorigen glei-
cher Art/ allein groͤſſer; iſt erſtlich aus Malaga in Hi-
ſpanien kommen/ allda ſie jetzund/ wie auch in Engel-
land ſelbſt/ gebauet wird. Herr Laurembergius nen-
nets Glandem terreſtrem Malacenſem, die Jndianer
heiſſens Batatas, Camotes, Amotes, Aies. Jſt eine gu-
te und angenehme Speiſe/ werden wie unſere Erdaͤpfeln
zugerichtet/ ſind einer mittelmaͤſſigen temperirten Na-
tur. Wird in unſern Landen mit Muͤhe aufgebracht/
weil ſie groſſer Waͤrme benoͤthigt und einen fetten und
muͤrben Grunde bedoͤrffen/ werden durch ihre klei-
[Spaltenumbruch] [Abbildung] nere Wurtzen/ oder zerſchnittene Stucke der groͤſ-
ſern/ fortgepflantzt; wann ſie guten Grunde finden/ kan
mans nach acht Monaten ſchon eſſen/ in Malaga ſind ſie
ſo gewaͤchſig/ daß offt ein Stuck ein gantzes Pfund/ ſo
Spannen lang iſt/ wigt. Jn unſern Gaͤrten tragen ſie
weder Bluͤhe noch Saamen/ allein das Kraut/ welches
den Arum-Blaͤttern faſt aͤhnlich/ und dicke/ gruͤne/ ſaff-
tige Stengel hat.

Cap. XLIV.
Vom Salat und Lattich allerley Sorten.
[Spaltenumbruch]

BJßhero ſind die Garten-Gewaͤchſe/ die unter der
Erden mit ihren Wurtzen/ Kielen oder Knollen zu
der Kuchen dienen/ eingefuͤhrt worden; jetzt wollen
wir die jenigen vorſtellen/ die ober der Erden mit ihren
Blaͤttern/ Kraut oder Frucht zur Tafel kommen. Un-
ter welchen der Salat darum der gemeineſte und ge-
braͤuchigſte iſt/ weilen ſchwerlich einiges Kuchen-Gaͤrt-
lein/ ſo klein es auch/ zu finden iſt/ das nicht vor allen an-
dern vornemlich mit Salat beſetzt und beſaamet werde/
und im Fruͤling ſchier vor allen den erſten Genuß gibet;
weil er zu allen Zeiten/ klein und groß/ unvollkommen
und vollkommen/ allein und gemengt/ zu einer annehm-
lichen Erfriſchung und Befeuchtigung des hitzigen und
trockenen Magens nuͤtzlich und geſund kan genoſſen
werden.

Es ſind aber deſſen viel und mancherley Sorten/
als langlecht/ kraus/ roͤhtlich/ gruͤn/ weiß/ braunlicht;
unter welchen allein der jenige den Vorzug hat/ der ſich
von ſich ſelbſt in Haͤubter ſchlieſſet/ an Farb gruͤnweiß-
licht/ und etlicher auſſenher auch roͤthlich/ aber inwen-
dig ſchoͤn gelb/ und hart und feſt ineinander gedruckt.
Alle Salaͤt werden anfangs auf das Miſt-Bett mei-
ſtentheils (ſonderlich der gemeine) etwas dick geſaͤet/
und hernach uͤberzogen.

Der Haͤubtel-Salat will ein gut wol gemiſtet Erd-
reich/ etwas weiter voneinander im Vollmonden geſaͤet/
[Spaltenumbruch] will einen warmen ſonnichten/ und von den Mitter-
nacht-Winden unbeleidigten Stand haben; das Bette
darein er weder bey windigem noch gar zu trockenem
Wetter ſolle geſetzt werden/ muß vor Winters umge-
graben/ und mit alten kurtzen Miſt bedunget ſeyn. Der
Aufgehende wird mit Stroh/ und nicht mit Tannenreis/
(der wegen des Abreiſens den zarten Blaͤtlein ſchaͤdlich)
verhuͤllt. Sobald er vier oder ſechs Blaͤtlein hat/ und
ehe er ſich noch auf der Erden zu weit ausbreitet/ muß er
in ſein Bettlein verſetzt ſeyn; Zeilweiſe eine Spannen
weit voneinander/ und vier Finger tieff; die Wurtzen
muͤſſen ein wenig vor abgeſtutzt/ ſonderlich was faul oder
zerbrochen waͤre/ ſauber abgeſchnitten werden. Da
muß man das Spruͤtzen mit lauem/ nicht allzukaltem
Bach- oder Regenwaſſer nicht ſpahren/ ſonſt ſchieſſet er
bey duͤrrem Wetter bald in den Saamen; er ſchlieſſet
ſich von ſich ſelbſt.

Etliche verſetzen dieſen Salat im Neumonden/ und
glauben zu verhindern/ daß er nicht ſobald in den Saa-
men ſich erhoͤhe/ etliche legen ein Stuck Dachziegels
oben darauf. Wann man aber mehr Haͤubter auf einmal
hat/ als man bedarf/ und ſorgt/ die uͤbrigen bey ſchoͤ-
nen warmen Wetter moͤchten in den Saamen ſchieſ-
ſen/ ſo zeucht man ſie/ ſamt den Wurtzen/ aus/ ſetzt ſie
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uͤber Winter einlegt/ in friſchen Sand/ ſo bleiben ſie

lang
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[493[491]/0509] Fuͤnftes Buch/ Kuchen- und Artzney-Garten. Feldern/ die Wurtzen ſind rund und faſecht/ gut zu eſ- ſen/ und doͤrffen geringe Wartung/ wo ſie nur muͤrben Grund finden; man kan ſie von dem Saamen und der knollichten Wurtzen fortpflantzen/ wo ſie einmal hin- kommen/ wachſen ſie gern fort. Sie ſind ſo fruchtbar/ daß Herr Laurenberg meldet/ er habe ſie in eine hoͤltzerne Kiſten eingeſchloſſen/ zu ver- huͤten/ daß ſie in die naͤchſten Bettlein nicht wuchern moͤchten; haben nichts deſto weniger ihre Faſern und Wurtzen durch die Runſen und Loͤchlein durchgedrun- gen/ und ſich in dem naͤchſten Grund einloſirt. Sind einer mittelmaͤſſig-trockenen und warmen Natur/ wer- den gegeſſen/ und bey den Hollaͤndern geſotten oder un- ter der Aſchen gebraten/ offentlich verkaufft und begie- rig verzehrt/ geben keine boͤſe Nahrung/ ſind lieblich am Geſchmack/ profluvium fœminarum ſiſtunt & Vene- rem augere creduntur. Zu viel geſſen/ machen ſie Wind und Schleim/ und beſchweren den Magen. Aus ihrer Bluͤhe wird ein Waſſer gebrannt/ das ſoll dem Roſenwaſſer faſt gleichriechend ſeyn. Das dritte Gewaͤchs iſt faſt mit dem vorigen glei- cher Art/ allein groͤſſer; iſt erſtlich aus Malaga in Hi- ſpanien kommen/ allda ſie jetzund/ wie auch in Engel- land ſelbſt/ gebauet wird. Herr Laurembergius nen- nets Glandem terreſtrem Malacenſem, die Jndianer heiſſens Batatas, Camotes, Amotes, Aies. Jſt eine gu- te und angenehme Speiſe/ werden wie unſere Erdaͤpfeln zugerichtet/ ſind einer mittelmaͤſſigen temperirten Na- tur. Wird in unſern Landen mit Muͤhe aufgebracht/ weil ſie groſſer Waͤrme benoͤthigt und einen fetten und muͤrben Grunde bedoͤrffen/ werden durch ihre klei- [Abbildung] nere Wurtzen/ oder zerſchnittene Stucke der groͤſ- ſern/ fortgepflantzt; wann ſie guten Grunde finden/ kan mans nach acht Monaten ſchon eſſen/ in Malaga ſind ſie ſo gewaͤchſig/ daß offt ein Stuck ein gantzes Pfund/ ſo Spannen lang iſt/ wigt. Jn unſern Gaͤrten tragen ſie weder Bluͤhe noch Saamen/ allein das Kraut/ welches den Arum-Blaͤttern faſt aͤhnlich/ und dicke/ gruͤne/ ſaff- tige Stengel hat. Cap. XLIV. Vom Salat und Lattich allerley Sorten. BJßhero ſind die Garten-Gewaͤchſe/ die unter der Erden mit ihren Wurtzen/ Kielen oder Knollen zu der Kuchen dienen/ eingefuͤhrt worden; jetzt wollen wir die jenigen vorſtellen/ die ober der Erden mit ihren Blaͤttern/ Kraut oder Frucht zur Tafel kommen. Un- ter welchen der Salat darum der gemeineſte und ge- braͤuchigſte iſt/ weilen ſchwerlich einiges Kuchen-Gaͤrt- lein/ ſo klein es auch/ zu finden iſt/ das nicht vor allen an- dern vornemlich mit Salat beſetzt und beſaamet werde/ und im Fruͤling ſchier vor allen den erſten Genuß gibet; weil er zu allen Zeiten/ klein und groß/ unvollkommen und vollkommen/ allein und gemengt/ zu einer annehm- lichen Erfriſchung und Befeuchtigung des hitzigen und trockenen Magens nuͤtzlich und geſund kan genoſſen werden. Es ſind aber deſſen viel und mancherley Sorten/ als langlecht/ kraus/ roͤhtlich/ gruͤn/ weiß/ braunlicht; unter welchen allein der jenige den Vorzug hat/ der ſich von ſich ſelbſt in Haͤubter ſchlieſſet/ an Farb gruͤnweiß- licht/ und etlicher auſſenher auch roͤthlich/ aber inwen- dig ſchoͤn gelb/ und hart und feſt ineinander gedruckt. Alle Salaͤt werden anfangs auf das Miſt-Bett mei- ſtentheils (ſonderlich der gemeine) etwas dick geſaͤet/ und hernach uͤberzogen. Der Haͤubtel-Salat will ein gut wol gemiſtet Erd- reich/ etwas weiter voneinander im Vollmonden geſaͤet/ will einen warmen ſonnichten/ und von den Mitter- nacht-Winden unbeleidigten Stand haben; das Bette darein er weder bey windigem noch gar zu trockenem Wetter ſolle geſetzt werden/ muß vor Winters umge- graben/ und mit alten kurtzen Miſt bedunget ſeyn. Der Aufgehende wird mit Stroh/ und nicht mit Tannenreis/ (der wegen des Abreiſens den zarten Blaͤtlein ſchaͤdlich) verhuͤllt. Sobald er vier oder ſechs Blaͤtlein hat/ und ehe er ſich noch auf der Erden zu weit ausbreitet/ muß er in ſein Bettlein verſetzt ſeyn; Zeilweiſe eine Spannen weit voneinander/ und vier Finger tieff; die Wurtzen muͤſſen ein wenig vor abgeſtutzt/ ſonderlich was faul oder zerbrochen waͤre/ ſauber abgeſchnitten werden. Da muß man das Spruͤtzen mit lauem/ nicht allzukaltem Bach- oder Regenwaſſer nicht ſpahren/ ſonſt ſchieſſet er bey duͤrrem Wetter bald in den Saamen; er ſchlieſſet ſich von ſich ſelbſt. Etliche verſetzen dieſen Salat im Neumonden/ und glauben zu verhindern/ daß er nicht ſobald in den Saa- men ſich erhoͤhe/ etliche legen ein Stuck Dachziegels oben darauf. Wann man aber mehr Haͤubter auf einmal hat/ als man bedarf/ und ſorgt/ die uͤbrigen bey ſchoͤ- nen warmen Wetter moͤchten in den Saamen ſchieſ- ſen/ ſo zeucht man ſie/ ſamt den Wurtzen/ aus/ ſetzt ſie in den Keller/ in die Better/ wo man die Gewaͤchſe uͤber Winter einlegt/ in friſchen Sand/ ſo bleiben ſie lang Q q q ij

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Zitationshilfe: Hohberg, Wolf Helmhard von: Georgica Curiosa. Bd. 1. Nürnberg, 1682, S. 493[491]. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/hohberg_georgica01_1682/509>, abgerufen am 15.10.2019.