Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Hohberg, Wolf Helmhard von: Georgica Curiosa. Bd. 1. Nürnberg, 1682.

Bild:
<< vorherige Seite
Des Adelichen Land- und Feld-Lebens
[Spaltenumbruch] Söhne/ sondern nur Töchter und andere Befreundten
hinter sich liesse/ mögen sich selbige dieser Lehens-Gnade
nicht behelffen/ sondern fällt dem Lands-Fürsten ohne
Mittel heim; Es sey dann solches neues Lehen/ aus
sonderbarem Favor, mit beygefügter Clausel der Lehens-
Gnad/ ausdrücklich verliehen worden. Hernach gilt
diese Lehens-Gnad auch nicht/ wann ein Lehen-Gut
durch Fellonia oder Verwirckung confiscirt wird/ oder
wann es inner Jahres Frist nicht gesucht/ sondern ver-
schlaffen worden/ so werden auch ausländische und andere
Herren-Lehen dardurch nicht gebunden.
Zum Sechsten/ es hat auch (wie oben schon mit we-
nigen gedacht) die Praescription in Lehens-Gütern so
weit ihre Statt/ daß/ wann ein Lehens-Fähiger ein Lehen-
Gut gantzer dreyssig Jahr/ ohn alle Interruption, oder
ohne des Lehens-Herrn Widerrede/ innen hat/ nutzet
und gebrauchet/ so kan dem Jnnhaber (wann er schon
mit keinem Lehen-Brief versehen ist) das Gut von dem
Lehens-Herrn dennoch nicht genommen werden. Kein
eigenthümliches Erb- oder frey-eignes Gut kan es gleich-
wol nicht seyn/ es wäre dann hundert gantzer Jahr/ nach-
[Spaltenumbruch] einander/ ohn alle Interruption, oder Contradiction,
poffidi
rt worden.
Zum Siebenden/ die jüngsten Lehen-Briefe sol-
len sich allezeit mit den ältern conformiren/ und wann
die alten das Lehen auf Söhn und Töchter zugleich con-
ferir
en/ können solche in den jüngern investituren nicht
ausgeschlossen werden. Wann ein Lehen vielen Perso-
nen zugleich/ oder einem Weibsbild/ oder unvogtbaren
Erben/ verliehen wird/ müssen sie einen qualificirten
Lehen-Trager stellen. Jn Affter- und grossen Stammen-
Lehen/ ist meistes der Aelteste unter ihnen Lehen-Trager/
oder wie es die Pactata Familiae ausweisen.
Zum Achten/ soll keiner sein Lehen-Gut/ ohne
Consens des Lehen-Herrn/ in langwührigen Bestand
verlassen/ doch soll erlaubt seyn auf kurtze Jahr (wann
sie nur nicht über zehen Jahr sind) solches Lehen-Gut
unverfänglich zu verlassen. Wer nun mehr in dieser Ma-
teria zu wissen verlangt/ kan sich aus Herrn Walteri
U. J. D.
und Nieder-Oesterreichischen Cantzlern ge-
schriebenem Lehen-Buch und Land-Rechten/ Raths er-
hohlen.
Cap. XXXVII.
Von Uberlend-Diensten.
[Spaltenumbruch]

DJe Uberlend-Dienste sind diese/ daß auch offt
unter fremden Herrschafften/ und an nahen o-
der weit-entlegenen Orten Grundstücke/ Wiesen/
Aecker/ Gehültze und dergleichen/ wegen unterschiede-
nen Ursachen mit einem gewissen von Alters her gewohn-
ten und hergebrachten Dienst und andern Servituten der
Obrigkeit verbunden sind. Diese sind nun von zweyer-
ley Gattungen/ Lehenbahr und freyeigen; was Lehen-
bahr ist/ wird bey allen Fällen und Veränderungen/
(wie sonst das gemeine Lehen-Recht erfordert und mit
sich bringet) mit einem neuen Lehen-Brief versehen;
was aber freyes Eigen ist/ wird wieder in 2. Theil ge-
theilet/ in gemeine und verzickte Dienste: Die Gemei-
nen kommen meistes theils etwas höher/ haben aber
desto weniger Gefahr/ wann nur die Jährliche Ge-
bühr auf einen oder den andern Termin, nach discre-
tion
der Obrigkeit/ und Mögligkeit des Vasallen ab-
gerichtet wird. Die verzickte Dienste sind meistes theils
geringe/ und treffen nur etliche Pfenning an/ sind aber
desto fleissiger zu beobachten/ weil periculum in mora,
daß/ im fall auf einen bestimmten Jahrs-Tag/ Geor-
gii/ Michaelis/ und welcherley Tag benennet wird/
[Spaltenumbruch] vor Untergang der Sonnen der besagte verzickte Dienst
vergessen und nicht abgelegt wird/ das gantze Grund-
stuck der Obrigkeit dardurch verfallen wird/ welches
einen nachlässigen oder vergeßlichen Hauß-Vatter in
grossen Schaden und Verderben bringen kan/ woferne
nicht die gewissenhaffte langmüthige Herrschafft aus
Gnaden etwas nachlässet. Welche Güter ihre Grund-
Bücher (davon hernach absonderlich tractirt wird)
halten und besitzen/ da werden auch diese Uberlend-
Dienste gebührlich in eine sonderbare Classen eingetra-
gen/ und daselbst die Jährliche Erlegung des Dienstes
eingezeichnet/ und bißweilen wol auch dem Abstatter/
wegen der Richtigmachung/ ein Scheinlein heraus ge-
geben/ sonst aber haben die Grund-Bücher (fast wie
der Kauffleute Bücher) Vim probandi in sich/ und
kan sich jeder keck darauf beruffen/ und daraus sein
Recht probiren. Wo man aber keine Grund-Bücher
hält/ kan man diese Dienst nur in die Urbarien und Un-
terthanen Register zuletzt absonderlich einschreiben/ und
von Jahr zu Jahr die Abstattung gebührlich und treulich
einverleiben.

Cap. XXXVIII.
Von den Zehenden.
[Spaltenumbruch]

DJe Zehenden sind auch ein schönes und nutzba-
res pertinens zu einem Land-Gut/ da man auf
gewissen Feldern/ Aeckern/ und Grundstucken
(darunter auch der Wein-Zehend und Berg-Recht ge-
hörig) den völligen/ bißweilen nur den halben/ dritten
oder vierdten Theil am Zehend in gewisser Maß zu er-
heben hat.

Zum Ersten/ ist Lands-bräuchig/ daß man von al-
[Spaltenumbruch] lem dem/ was mit dem Pflug/ mit der Hauen/ oder Hand
zu Feld allenthalben auf den Zehendbaren Gründen er-
baut worden/ den Zehenden reiche und bezahle/ es sey
Wein/ Saffran/ Weitz/ Korn/ Gersten/ Habern/ Lin-
set/ Hanff/ Hirsbrey/ Mahen/ Arbeis/ Wicken/ Kraut/
Zwibel/ oder andere Früchte/ solle auch ausser den uralten
Haus-Gärten kein Grund oder Gut/ es habe auch Na-
men/ wie es immer wolle/ welches nicht darüber authen-
tische
Des Adelichen Land- und Feld-Lebens
[Spaltenumbruch] Soͤhne/ ſondern nur Toͤchter und andere Befreundten
hinter ſich lieſſe/ moͤgen ſich ſelbige dieſer Lehens-Gnade
nicht behelffen/ ſondern faͤllt dem Lands-Fuͤrſten ohne
Mittel heim; Es ſey dann ſolches neues Lehen/ aus
ſonderbarem Favor, mit beygefuͤgter Clauſel der Lehens-
Gnad/ ausdruͤcklich verliehen worden. Hernach gilt
dieſe Lehens-Gnad auch nicht/ wann ein Lehen-Gut
durch Fellonia oder Verwirckung confiſcirt wird/ oder
wann es inner Jahres Friſt nicht geſucht/ ſondern ver-
ſchlaffen worden/ ſo werden auch auslaͤndiſche und andere
Herren-Lehen dardurch nicht gebunden.
Zum Sechſten/ es hat auch (wie oben ſchon mit we-
nigen gedacht) die Præſcription in Lehens-Guͤtern ſo
weit ihre Statt/ daß/ wann ein Lehens-Faͤhiger ein Lehen-
Gut gantzer dreyſſig Jahr/ ohn alle Interruption, oder
ohne des Lehens-Herrn Widerrede/ innen hat/ nutzet
und gebrauchet/ ſo kan dem Jnnhaber (wann er ſchon
mit keinem Lehen-Brief verſehen iſt) das Gut von dem
Lehens-Herrn dennoch nicht genommen werden. Kein
eigenthuͤmliches Erb- oder frey-eignes Gut kan es gleich-
wol nicht ſeyn/ es waͤre dann hundert gantzer Jahr/ nach-
[Spaltenumbruch] einander/ ohn alle Interruption, oder Contradiction,
poffidi
rt worden.
Zum Siebenden/ die juͤngſten Lehen-Briefe ſol-
len ſich allezeit mit den aͤltern conformiren/ und wann
die alten das Lehen auf Soͤhn und Toͤchter zugleich con-
ferir
en/ koͤnnen ſolche in den juͤngern inveſtituren nicht
ausgeſchloſſen werden. Wann ein Lehen vielen Perſo-
nen zugleich/ oder einem Weibsbild/ oder unvogtbaren
Erben/ verliehen wird/ muͤſſen ſie einen qualificirten
Lehen-Trager ſtellen. Jn Affter- und groſſen Stammen-
Lehen/ iſt meiſtes der Aelteſte unter ihnen Lehen-Trager/
oder wie es die Pactata Familiæ ausweiſen.
Zum Achten/ ſoll keiner ſein Lehen-Gut/ ohne
Conſens des Lehen-Herrn/ in langwuͤhrigen Beſtand
verlaſſen/ doch ſoll erlaubt ſeyn auf kurtze Jahr (wann
ſie nur nicht uͤber zehen Jahr ſind) ſolches Lehen-Gut
unverfaͤnglich zu verlaſſen. Wer nun mehr in dieſer Ma-
teria zu wiſſen verlangt/ kan ſich aus Herrn Walteri
U. J. D.
und Nieder-Oeſterreichiſchen Cantzlern ge-
ſchriebenem Lehen-Buch und Land-Rechten/ Raths er-
hohlen.
Cap. XXXVII.
Von Uberlend-Dienſten.
[Spaltenumbruch]

DJe Uberlend-Dienſte ſind dieſe/ daß auch offt
unter fremden Herrſchafften/ und an nahen o-
der weit-entlegenen Orten Grundſtuͤcke/ Wieſen/
Aecker/ Gehuͤltze und dergleichen/ wegen unterſchiede-
nen Urſachen mit einem gewiſſen von Alters her gewohn-
ten und hergebrachten Dienſt und andern Servituten der
Obrigkeit verbunden ſind. Dieſe ſind nun von zweyer-
ley Gattungen/ Lehenbahr und freyeigen; was Lehen-
bahr iſt/ wird bey allen Faͤllen und Veraͤnderungen/
(wie ſonſt das gemeine Lehen-Recht erfordert und mit
ſich bringet) mit einem neuen Lehen-Brief verſehen;
was aber freyes Eigen iſt/ wird wieder in 2. Theil ge-
theilet/ in gemeine und verzickte Dienſte: Die Gemei-
nen kommen meiſtes theils etwas hoͤher/ haben aber
deſto weniger Gefahr/ wann nur die Jaͤhrliche Ge-
buͤhr auf einen oder den andern Termin, nach diſcre-
tion
der Obrigkeit/ und Moͤgligkeit des Vaſallen ab-
gerichtet wird. Die verzickte Dienſte ſind meiſtes theils
geringe/ und treffen nur etliche Pfenning an/ ſind aber
deſto fleiſſiger zu beobachten/ weil periculum in morâ,
daß/ im fall auf einen beſtimmten Jahrs-Tag/ Geor-
gii/ Michaelis/ und welcherley Tag benennet wird/
[Spaltenumbruch] vor Untergang der Sonnen der beſagte verzickte Dienſt
vergeſſen und nicht abgelegt wird/ das gantze Grund-
ſtuck der Obrigkeit dardurch verfallen wird/ welches
einen nachlaͤſſigen oder vergeßlichen Hauß-Vatter in
groſſen Schaden und Verderben bringen kan/ woferne
nicht die gewiſſenhaffte langmuͤthige Herrſchafft aus
Gnaden etwas nachlaͤſſet. Welche Guͤter ihre Grund-
Buͤcher (davon hernach abſonderlich tractirt wird)
halten und beſitzen/ da werden auch dieſe Uberlend-
Dienſte gebuͤhrlich in eine ſonderbare Claſſen eingetra-
gen/ und daſelbſt die Jaͤhrliche Erlegung des Dienſtes
eingezeichnet/ und bißweilen wol auch dem Abſtatter/
wegen der Richtigmachung/ ein Scheinlein heraus ge-
geben/ ſonſt aber haben die Grund-Buͤcher (faſt wie
der Kauffleute Buͤcher) Vim probandi in ſich/ und
kan ſich jeder keck darauf beruffen/ und daraus ſein
Recht probiren. Wo man aber keine Grund-Buͤcher
haͤlt/ kan man dieſe Dienſt nur in die Urbarien und Un-
terthanen Regiſter zuletzt abſonderlich einſchreiben/ und
von Jahr zu Jahr die Abſtattung gebuͤhrlich und treulich
einverleiben.

Cap. XXXVIII.
Von den Zehenden.
[Spaltenumbruch]

DJe Zehenden ſind auch ein ſchoͤnes und nutzba-
res pertinens zu einem Land-Gut/ da man auf
gewiſſen Feldern/ Aeckern/ und Grundſtucken
(darunter auch der Wein-Zehend und Berg-Recht ge-
hoͤrig) den voͤlligen/ bißweilen nur den halben/ dritten
oder vierdten Theil am Zehend in gewiſſer Maß zu er-
heben hat.

Zum Erſten/ iſt Lands-braͤuchig/ daß man von al-
[Spaltenumbruch] lem dem/ was mit dem Pflug/ mit der Hauen/ oder Hand
zu Feld allenthalben auf den Zehendbaren Gruͤnden er-
baut worden/ den Zehenden reiche und bezahle/ es ſey
Wein/ Saffran/ Weitz/ Korn/ Gerſten/ Habern/ Lin-
ſet/ Hanff/ Hirsbrey/ Mahen/ Arbeis/ Wicken/ Kraut/
Zwibel/ oder andere Fruͤchte/ ſolle auch auſſer den uralten
Haus-Gaͤrten kein Grund oder Gut/ es habe auch Na-
men/ wie es immer wolle/ welches nicht daruͤber authen-
tiſche
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <div n="3">
            <list>
              <item><pb facs="#f0058" n="40"/><fw place="top" type="header"><hi rendition="#b">Des Adelichen Land- und Feld-Lebens</hi></fw><lb/><cb/>
So&#x0364;hne/ &#x017F;ondern nur To&#x0364;chter und andere Befreundten<lb/>
hinter &#x017F;ich lie&#x017F;&#x017F;e/ mo&#x0364;gen &#x017F;ich &#x017F;elbige die&#x017F;er Lehens-Gnade<lb/>
nicht behelffen/ &#x017F;ondern fa&#x0364;llt dem Lands-Fu&#x0364;r&#x017F;ten ohne<lb/>
Mittel heim; Es &#x017F;ey dann &#x017F;olches neues Lehen/ aus<lb/>
&#x017F;onderbarem <hi rendition="#aq">Favor,</hi> mit beygefu&#x0364;gter Clau&#x017F;el der Lehens-<lb/>
Gnad/ ausdru&#x0364;cklich verliehen worden. Hernach gilt<lb/>
die&#x017F;e Lehens-Gnad auch nicht/ wann ein Lehen-Gut<lb/>
durch <hi rendition="#aq">Fellonia</hi> oder Verwirckung <hi rendition="#aq">confi&#x017F;ci</hi>rt wird/ oder<lb/>
wann es inner Jahres Fri&#x017F;t nicht ge&#x017F;ucht/ &#x017F;ondern ver-<lb/>
&#x017F;chlaffen worden/ &#x017F;o werden auch ausla&#x0364;ndi&#x017F;che und andere<lb/>
Herren-Lehen dardurch nicht gebunden.</item><lb/>
              <item>Zum Sech&#x017F;ten/ es hat auch (wie oben &#x017F;chon mit we-<lb/>
nigen gedacht) die <hi rendition="#aq">Præ&#x017F;cription</hi> in Lehens-Gu&#x0364;tern &#x017F;o<lb/>
weit ihre Statt/ daß/ wann ein Lehens-Fa&#x0364;higer ein Lehen-<lb/>
Gut gantzer drey&#x017F;&#x017F;ig Jahr/ ohn alle <hi rendition="#aq">Interruption,</hi> oder<lb/>
ohne des Lehens-Herrn Widerrede/ innen hat/ nutzet<lb/>
und gebrauchet/ &#x017F;o kan dem Jnnhaber (wann er &#x017F;chon<lb/>
mit keinem Lehen-Brief ver&#x017F;ehen i&#x017F;t) das Gut von dem<lb/>
Lehens-Herrn dennoch nicht genommen werden. Kein<lb/>
eigenthu&#x0364;mliches Erb- oder frey-eignes Gut kan es gleich-<lb/>
wol nicht &#x017F;eyn/ es wa&#x0364;re dann hundert gantzer Jahr/ nach-<lb/><cb/>
einander/ ohn alle <hi rendition="#aq">Interruption,</hi> oder <hi rendition="#aq">Contradiction,<lb/>
poffidi</hi>rt worden.</item><lb/>
              <item>Zum Siebenden/ die ju&#x0364;ng&#x017F;ten Lehen-Briefe &#x017F;ol-<lb/>
len &#x017F;ich allezeit mit den a&#x0364;ltern <hi rendition="#aq">conformi</hi>ren/ und wann<lb/>
die alten das Lehen auf So&#x0364;hn und To&#x0364;chter zugleich <hi rendition="#aq">con-<lb/>
ferir</hi>en/ ko&#x0364;nnen &#x017F;olche in den ju&#x0364;ngern <hi rendition="#aq">inve&#x017F;titu</hi>ren nicht<lb/>
ausge&#x017F;chlo&#x017F;&#x017F;en werden. Wann ein Lehen vielen Per&#x017F;o-<lb/>
nen zugleich/ oder einem Weibsbild/ oder unvogtbaren<lb/>
Erben/ verliehen wird/ mu&#x0364;&#x017F;&#x017F;en &#x017F;ie einen <hi rendition="#aq">qualificir</hi>ten<lb/>
Lehen-Trager &#x017F;tellen. Jn Affter- und gro&#x017F;&#x017F;en Stammen-<lb/>
Lehen/ i&#x017F;t mei&#x017F;tes der Aelte&#x017F;te unter ihnen Lehen-Trager/<lb/>
oder wie es die <hi rendition="#aq">Pactata Familiæ</hi> auswei&#x017F;en.</item><lb/>
              <item>Zum Achten/ &#x017F;oll keiner &#x017F;ein Lehen-Gut/ ohne<lb/><hi rendition="#aq">Con&#x017F;ens</hi> des Lehen-Herrn/ in langwu&#x0364;hrigen Be&#x017F;tand<lb/>
verla&#x017F;&#x017F;en/ doch &#x017F;oll erlaubt &#x017F;eyn auf kurtze Jahr (wann<lb/>
&#x017F;ie nur nicht u&#x0364;ber zehen Jahr &#x017F;ind) &#x017F;olches Lehen-Gut<lb/>
unverfa&#x0364;nglich zu verla&#x017F;&#x017F;en. Wer nun mehr in die&#x017F;er Ma-<lb/>
teria zu wi&#x017F;&#x017F;en verlangt/ kan &#x017F;ich aus Herrn <hi rendition="#aq">Walteri<lb/>
U. J. D.</hi> und Nieder-Oe&#x017F;terreichi&#x017F;chen Cantzlern ge-<lb/>
&#x017F;chriebenem Lehen-Buch und Land-Rechten/ Raths er-<lb/>
hohlen.</item>
            </list>
          </div><lb/>
          <div n="3">
            <head> <hi rendition="#aq"><hi rendition="#g"><hi rendition="#k">Cap.</hi> XXXVII</hi>.</hi><lb/> <hi rendition="#fr">Von Uberlend-Dien&#x017F;ten.</hi> </head><lb/>
            <cb/>
            <p><hi rendition="#in">D</hi>Je Uberlend-Dien&#x017F;te &#x017F;ind die&#x017F;e/ daß auch offt<lb/>
unter fremden Herr&#x017F;chafften/ und an nahen o-<lb/>
der weit-entlegenen Orten Grund&#x017F;tu&#x0364;cke/ Wie&#x017F;en/<lb/>
Aecker/ Gehu&#x0364;ltze und dergleichen/ wegen unter&#x017F;chiede-<lb/>
nen Ur&#x017F;achen mit einem gewi&#x017F;&#x017F;en von Alters her gewohn-<lb/>
ten und hergebrachten Dien&#x017F;t und andern <hi rendition="#aq">Servitu</hi>ten der<lb/>
Obrigkeit verbunden &#x017F;ind. Die&#x017F;e &#x017F;ind nun von zweyer-<lb/>
ley Gattungen/ Lehenbahr und freyeigen; was Lehen-<lb/>
bahr i&#x017F;t/ wird bey allen Fa&#x0364;llen und Vera&#x0364;nderungen/<lb/>
(wie &#x017F;on&#x017F;t das gemeine Lehen-Recht erfordert und mit<lb/>
&#x017F;ich bringet) mit einem neuen Lehen-Brief ver&#x017F;ehen;<lb/>
was aber freyes Eigen i&#x017F;t/ wird wieder in 2. Theil ge-<lb/>
theilet/ in gemeine und verzickte Dien&#x017F;te: Die Gemei-<lb/>
nen kommen mei&#x017F;tes theils etwas ho&#x0364;her/ haben aber<lb/>
de&#x017F;to weniger Gefahr/ wann nur die Ja&#x0364;hrliche Ge-<lb/>
bu&#x0364;hr auf einen oder den andern <hi rendition="#aq">Termin,</hi> nach <hi rendition="#aq">di&#x017F;cre-<lb/>
tion</hi> der Obrigkeit/ und Mo&#x0364;gligkeit des <hi rendition="#aq">Va&#x017F;all</hi>en ab-<lb/>
gerichtet wird. Die verzickte Dien&#x017F;te &#x017F;ind mei&#x017F;tes theils<lb/>
geringe/ und treffen nur etliche Pfenning an/ &#x017F;ind aber<lb/>
de&#x017F;to flei&#x017F;&#x017F;iger zu beobachten/ weil <hi rendition="#aq">periculum in morâ,</hi><lb/>
daß/ im fall auf einen be&#x017F;timmten Jahrs-Tag/ Geor-<lb/>
gii/ Michaelis/ und welcherley Tag benennet wird/<lb/><cb/>
vor Untergang der Sonnen der be&#x017F;agte verzickte Dien&#x017F;t<lb/>
verge&#x017F;&#x017F;en und nicht abgelegt wird/ das gantze Grund-<lb/>
&#x017F;tuck der Obrigkeit dardurch verfallen wird/ welches<lb/>
einen nachla&#x0364;&#x017F;&#x017F;igen oder vergeßlichen Hauß-Vatter in<lb/>
gro&#x017F;&#x017F;en Schaden und Verderben bringen kan/ woferne<lb/>
nicht die gewi&#x017F;&#x017F;enhaffte langmu&#x0364;thige Herr&#x017F;chafft aus<lb/>
Gnaden etwas nachla&#x0364;&#x017F;&#x017F;et. Welche Gu&#x0364;ter ihre Grund-<lb/>
Bu&#x0364;cher (davon hernach ab&#x017F;onderlich <hi rendition="#aq">tract</hi>irt wird)<lb/>
halten und be&#x017F;itzen/ da werden auch die&#x017F;e Uberlend-<lb/>
Dien&#x017F;te gebu&#x0364;hrlich in eine &#x017F;onderbare <hi rendition="#aq">Cla&#x017F;&#x017F;</hi>en eingetra-<lb/>
gen/ und da&#x017F;elb&#x017F;t die Ja&#x0364;hrliche Erlegung des Dien&#x017F;tes<lb/>
eingezeichnet/ und bißweilen wol auch dem Ab&#x017F;tatter/<lb/>
wegen der Richtigmachung/ ein Scheinlein heraus ge-<lb/>
geben/ &#x017F;on&#x017F;t aber haben die Grund-Bu&#x0364;cher (fa&#x017F;t wie<lb/>
der Kauffleute Bu&#x0364;cher) <hi rendition="#aq">Vim probandi</hi> in &#x017F;ich/ und<lb/>
kan &#x017F;ich jeder keck darauf beruffen/ und daraus &#x017F;ein<lb/>
Recht <hi rendition="#aq">probi</hi>ren. Wo man aber keine Grund-Bu&#x0364;cher<lb/>
ha&#x0364;lt/ kan man die&#x017F;e Dien&#x017F;t nur in die <hi rendition="#aq">Urbari</hi>en und Un-<lb/>
terthanen Regi&#x017F;ter zuletzt ab&#x017F;onderlich ein&#x017F;chreiben/ und<lb/>
von Jahr zu Jahr die Ab&#x017F;tattung gebu&#x0364;hrlich und treulich<lb/>
einverleiben.</p>
          </div><lb/>
          <div n="3">
            <head> <hi rendition="#aq"><hi rendition="#g"><hi rendition="#k">Cap.</hi> XXXVIII</hi>.</hi><lb/> <hi rendition="#fr">Von den Zehenden.</hi> </head><lb/>
            <cb/>
            <p><hi rendition="#in">D</hi>Je Zehenden &#x017F;ind auch ein &#x017F;cho&#x0364;nes und nutzba-<lb/>
res <hi rendition="#aq">pertinens</hi> zu einem Land-Gut/ da man auf<lb/>
gewi&#x017F;&#x017F;en Feldern/ Aeckern/ und Grund&#x017F;tucken<lb/>
(darunter auch der Wein-Zehend und Berg-Recht ge-<lb/>
ho&#x0364;rig) den vo&#x0364;lligen/ bißweilen nur den halben/ dritten<lb/>
oder vierdten Theil am Zehend in gewi&#x017F;&#x017F;er Maß zu er-<lb/>
heben hat.</p><lb/>
            <list>
              <item>Zum Er&#x017F;ten/ i&#x017F;t Lands-bra&#x0364;uchig/ daß man von al-<lb/><cb/>
lem dem/ was mit dem Pflug/ mit der Hauen/ oder Hand<lb/>
zu Feld allenthalben auf den Zehendbaren Gru&#x0364;nden er-<lb/>
baut worden/ den Zehenden reiche und bezahle/ es &#x017F;ey<lb/>
Wein/ Saffran/ Weitz/ Korn/ Ger&#x017F;ten/ Habern/ Lin-<lb/>
&#x017F;et/ Hanff/ Hirsbrey/ Mahen/ Arbeis/ Wicken/ Kraut/<lb/>
Zwibel/ oder andere Fru&#x0364;chte/ &#x017F;olle auch au&#x017F;&#x017F;er den uralten<lb/>
Haus-Ga&#x0364;rten kein Grund oder Gut/ es habe auch Na-<lb/>
men/ wie es immer wolle/ welches nicht daru&#x0364;ber <hi rendition="#aq">authen-</hi><lb/>
<fw place="bottom" type="catch">ti&#x017F;che</fw><lb/></item>
            </list>
          </div>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[40/0058] Des Adelichen Land- und Feld-Lebens Soͤhne/ ſondern nur Toͤchter und andere Befreundten hinter ſich lieſſe/ moͤgen ſich ſelbige dieſer Lehens-Gnade nicht behelffen/ ſondern faͤllt dem Lands-Fuͤrſten ohne Mittel heim; Es ſey dann ſolches neues Lehen/ aus ſonderbarem Favor, mit beygefuͤgter Clauſel der Lehens- Gnad/ ausdruͤcklich verliehen worden. Hernach gilt dieſe Lehens-Gnad auch nicht/ wann ein Lehen-Gut durch Fellonia oder Verwirckung confiſcirt wird/ oder wann es inner Jahres Friſt nicht geſucht/ ſondern ver- ſchlaffen worden/ ſo werden auch auslaͤndiſche und andere Herren-Lehen dardurch nicht gebunden. Zum Sechſten/ es hat auch (wie oben ſchon mit we- nigen gedacht) die Præſcription in Lehens-Guͤtern ſo weit ihre Statt/ daß/ wann ein Lehens-Faͤhiger ein Lehen- Gut gantzer dreyſſig Jahr/ ohn alle Interruption, oder ohne des Lehens-Herrn Widerrede/ innen hat/ nutzet und gebrauchet/ ſo kan dem Jnnhaber (wann er ſchon mit keinem Lehen-Brief verſehen iſt) das Gut von dem Lehens-Herrn dennoch nicht genommen werden. Kein eigenthuͤmliches Erb- oder frey-eignes Gut kan es gleich- wol nicht ſeyn/ es waͤre dann hundert gantzer Jahr/ nach- einander/ ohn alle Interruption, oder Contradiction, poffidirt worden. Zum Siebenden/ die juͤngſten Lehen-Briefe ſol- len ſich allezeit mit den aͤltern conformiren/ und wann die alten das Lehen auf Soͤhn und Toͤchter zugleich con- feriren/ koͤnnen ſolche in den juͤngern inveſtituren nicht ausgeſchloſſen werden. Wann ein Lehen vielen Perſo- nen zugleich/ oder einem Weibsbild/ oder unvogtbaren Erben/ verliehen wird/ muͤſſen ſie einen qualificirten Lehen-Trager ſtellen. Jn Affter- und groſſen Stammen- Lehen/ iſt meiſtes der Aelteſte unter ihnen Lehen-Trager/ oder wie es die Pactata Familiæ ausweiſen. Zum Achten/ ſoll keiner ſein Lehen-Gut/ ohne Conſens des Lehen-Herrn/ in langwuͤhrigen Beſtand verlaſſen/ doch ſoll erlaubt ſeyn auf kurtze Jahr (wann ſie nur nicht uͤber zehen Jahr ſind) ſolches Lehen-Gut unverfaͤnglich zu verlaſſen. Wer nun mehr in dieſer Ma- teria zu wiſſen verlangt/ kan ſich aus Herrn Walteri U. J. D. und Nieder-Oeſterreichiſchen Cantzlern ge- ſchriebenem Lehen-Buch und Land-Rechten/ Raths er- hohlen. Cap. XXXVII. Von Uberlend-Dienſten. DJe Uberlend-Dienſte ſind dieſe/ daß auch offt unter fremden Herrſchafften/ und an nahen o- der weit-entlegenen Orten Grundſtuͤcke/ Wieſen/ Aecker/ Gehuͤltze und dergleichen/ wegen unterſchiede- nen Urſachen mit einem gewiſſen von Alters her gewohn- ten und hergebrachten Dienſt und andern Servituten der Obrigkeit verbunden ſind. Dieſe ſind nun von zweyer- ley Gattungen/ Lehenbahr und freyeigen; was Lehen- bahr iſt/ wird bey allen Faͤllen und Veraͤnderungen/ (wie ſonſt das gemeine Lehen-Recht erfordert und mit ſich bringet) mit einem neuen Lehen-Brief verſehen; was aber freyes Eigen iſt/ wird wieder in 2. Theil ge- theilet/ in gemeine und verzickte Dienſte: Die Gemei- nen kommen meiſtes theils etwas hoͤher/ haben aber deſto weniger Gefahr/ wann nur die Jaͤhrliche Ge- buͤhr auf einen oder den andern Termin, nach diſcre- tion der Obrigkeit/ und Moͤgligkeit des Vaſallen ab- gerichtet wird. Die verzickte Dienſte ſind meiſtes theils geringe/ und treffen nur etliche Pfenning an/ ſind aber deſto fleiſſiger zu beobachten/ weil periculum in morâ, daß/ im fall auf einen beſtimmten Jahrs-Tag/ Geor- gii/ Michaelis/ und welcherley Tag benennet wird/ vor Untergang der Sonnen der beſagte verzickte Dienſt vergeſſen und nicht abgelegt wird/ das gantze Grund- ſtuck der Obrigkeit dardurch verfallen wird/ welches einen nachlaͤſſigen oder vergeßlichen Hauß-Vatter in groſſen Schaden und Verderben bringen kan/ woferne nicht die gewiſſenhaffte langmuͤthige Herrſchafft aus Gnaden etwas nachlaͤſſet. Welche Guͤter ihre Grund- Buͤcher (davon hernach abſonderlich tractirt wird) halten und beſitzen/ da werden auch dieſe Uberlend- Dienſte gebuͤhrlich in eine ſonderbare Claſſen eingetra- gen/ und daſelbſt die Jaͤhrliche Erlegung des Dienſtes eingezeichnet/ und bißweilen wol auch dem Abſtatter/ wegen der Richtigmachung/ ein Scheinlein heraus ge- geben/ ſonſt aber haben die Grund-Buͤcher (faſt wie der Kauffleute Buͤcher) Vim probandi in ſich/ und kan ſich jeder keck darauf beruffen/ und daraus ſein Recht probiren. Wo man aber keine Grund-Buͤcher haͤlt/ kan man dieſe Dienſt nur in die Urbarien und Un- terthanen Regiſter zuletzt abſonderlich einſchreiben/ und von Jahr zu Jahr die Abſtattung gebuͤhrlich und treulich einverleiben. Cap. XXXVIII. Von den Zehenden. DJe Zehenden ſind auch ein ſchoͤnes und nutzba- res pertinens zu einem Land-Gut/ da man auf gewiſſen Feldern/ Aeckern/ und Grundſtucken (darunter auch der Wein-Zehend und Berg-Recht ge- hoͤrig) den voͤlligen/ bißweilen nur den halben/ dritten oder vierdten Theil am Zehend in gewiſſer Maß zu er- heben hat. Zum Erſten/ iſt Lands-braͤuchig/ daß man von al- lem dem/ was mit dem Pflug/ mit der Hauen/ oder Hand zu Feld allenthalben auf den Zehendbaren Gruͤnden er- baut worden/ den Zehenden reiche und bezahle/ es ſey Wein/ Saffran/ Weitz/ Korn/ Gerſten/ Habern/ Lin- ſet/ Hanff/ Hirsbrey/ Mahen/ Arbeis/ Wicken/ Kraut/ Zwibel/ oder andere Fruͤchte/ ſolle auch auſſer den uralten Haus-Gaͤrten kein Grund oder Gut/ es habe auch Na- men/ wie es immer wolle/ welches nicht daruͤber authen- tiſche

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/hohberg_georgica01_1682
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/hohberg_georgica01_1682/58
Zitationshilfe: Hohberg, Wolf Helmhard von: Georgica Curiosa. Bd. 1. Nürnberg, 1682, S. 40. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/hohberg_georgica01_1682/58>, abgerufen am 15.10.2019.