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Hohberg, Wolf Helmhard von: Georgica Curiosa. Bd. 1. Nürnberg, 1682.

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Erstes Buch/ Land-Gut.
[Spaltenumbruch] jedem Edelmann und Geistlichen frey stehet/ doch sollen
sie nichts verkauffen oder ausschencken/ sie haben dann
eine Praescription oder sonderbahre Concession. Jch
rede aber hier nur von denen Gütern/ welche die Gerech-
tigkeit haben/ nicht allein für ihre Haus-Nothdurfft zu
bräuen/ sondern auch das Bier auf ihren Tafernen und
Wirtshäusern auszugeben und weiter zu verführen. An
vielen Orten haben die Lands-Fürsten diß Recht/ sonderlich
das weisse Bier zu machen/ als ein sonderbares Regale an
sich gezogen/ und dörffen weder die Land-Städte/ noch
der Adel/ hierinn einigen Eingriff thun/ trägt auch jähr-
lich etwas ansehnliches: Jn Oesterreich aber sind die
Bräu-Häuser allein bey den Gütern gestattet/ die alte
Gerechtigkeit darzu haben/ oder/ die neue Freyheiten
deßwegen erhalten; wie dann in wenig Jahren her/
um Wien viel Bräu-Häuser sind aufgerichtet wor-
den; wiewol es der Orten/ so wol des häuffig-wachsenden
Weinshalber/ als auch anderwerts wegen des Aepffel-und
Birnen-Mostes/ keinen so absonderlichen grossen Profit
bringen kan; in Mähren aber/ und vornemlich im Königreich
Böhmen/ wo die meisten Herrschafften das Bräu-Recht
haben/ trägt es Cento per Cento Verzinsung. Und
setzt davon ein Böhmischer Herrschaffts-Verwalter
oder Hauptmann/ wie sie daselbst genennt werden/ Herr
Johann Erasmus Wegener/ in seinem kleinen Tractät-
lein von der Oeconomia, folgende Worte: Will man
wissen/ wie groß der Nutzen vom Bräu-Haus ist/ so
setze auf ein Gebräu von 20. Faß/ jedes von 4. Emern/
40. Strich/ darein kan die Besoldung des Mältzers
gerechnet werden/ weilen jeder Strich Gersten ein
Viertel Auswachs gibt. Den Strich zu 1. fl. Rheinisch
ist 40. fl. Hopffen 3. Strich/ ist 3. fl. wiewol man ge-
meiniglich bey allen Herrschafften den Waitz/ Gersten
und Hopffen selbst haben und bauen solle/ also daß auf
ein Gebräu Bier von 20. Fassen über 50. fl. Unkosten
[Spaltenumbruch] nicht aufgehen/ wann man die Sachen darzu kauffen
muß. Herentgegen wird jedes Faß zu 8. fl. wieder aus-
geben/ ist 160. fl. daß also der Gewinnst über 100. fl.
sich belaufft. Wann man nun alle Wochen einmal
bräuet (welches auf vielen Herrschafften geschiehet) be-
laufft sich das Einkommen über 6000. fl. Diß ist nun
ein herrliches Einkommen/ und sind die Bräu- und
Wirtshäuser wol zu beobachten. Hactenus ille. Das
wäre von ein hundert Gulden Unkosten oder Capital
zweyhundert Interesse; wir wollen aber den Conto so
hoch nicht spannen/ weilen die Besoldungen der Bräuer
und Bräuknecht/ Mältzer und dergleichen/ auch nicht
ein Geringes austrägt/ ein grosser Spesa auf Erhaltung
des Bräu-Hauses/ der Kessel/ der Bodingen und an-
dern darzu gehörigen Gezeuges aufgehet; man auch zu
Zeiten so wol mit dem Maltz/ als auch in Bräuung des
Biers Schaden leidet/ und nicht allzeit so gute Anwehrun-
gen findet/ als man verlangt; offt viel geborgt/ und nicht
alles bezahlt wird/ zugeschweigen anderer unglücklicher
Zufälle und ungetreuer Bedienten; daher wollen wir
allein diß vermelden/ wann über alle Unkosten und Schä-
den/ ein Jahr dem andern zu Hülffe/ nur die Helffte Ein-
kommens/ als 50 per Cento trägt/ so ist es ein solches
denckwürdiges Mittel/ sich ohne Wucher zu bereichern/
daß man dergleichen Vortheil weder von anderm Ge-
trayd/ noch von Wein-Gärten jährlich haben und ge-
niessen kan; daher dieses nutzliche und wolträchtigte
Theil der Wirthschafft desto fleissiger und besser in acht
zu nehmen. Die Grösse und Weiten des Bräu-Hauses
soll seyn nach Proportion des Vermögens und des Ver-
schleusses/ damit die rechte Mittelmaß getroffen/ und das
Gebäu weder zu enge noch zu weit werde. Was fer-
ners bey dem Bierbräuen in acht zu haben/ davon soll
im siebenden Buch ausführlicher Bericht folgen.

Cap. XLVIII.
Vom Maltz-Hause.
[Spaltenumbruch]

GLeichwie man ohne Maltz nicht bräuen kan: al-
so muß auch bey dem Bräu-Hause ein Maltz-
Hause beygefügt werden. Das muß nun nach
jenes Grösse/ auch seine gebührliche Weitschafft haben/
die darinnen höltzerne oder von Steinen gemauerte/ aus-
getünchte und verküttete Weickbodingen/ müssen so groß
seyn/ als man Getraydes zu einem Bräu bedarff auf
20 oder 30 Metzen; daß selbiges auf einmal einzuwei-
cken genugsamen Platz habe/ so kan alles fein zugleich
fortgehen/ und gibt zum Bräuwerck nicht eine geringe
Beförderung; zu unterst der Weickboding/ soll es ein
Zapffen-Loch haben/ dabey man das Wasser/ nach ge-
nugsamen eingeweickten Getrayde/ wieder ablassen kan.
Jn dem Maltz-Hause muß zum andern auch eine schöne
weite Maltz-Tenne seyn/ darauf man so viel Trayd oder
mehr maltzen möge/ als man zu einem/ zweyen und mehr
Bräuen bedarff/ die wird nun von zähem/ vesten/ wolab-
gebörten und durch arbeitetem Leim geschlagen/ allerdings
wie gewöhnlich die Tennen in den Scheuren und Stä-
deln zum Treschen zugerichtet sind. Wann nun der
Tenn aus frischem Leim also geschlagen ist/ soll der Leim
mit einer Gabel wol durchstochen/ und in die Löcher/
[Spaltenumbruch] auch sonst allenthalben über der gantzen Maltz-Tennen
Saltz gestreuet/ hernach soll der Tenne fein glatt und
dick vergleicht/ und/ wie in Scheuren bräuchig/ recht
und wol zugeebnet werden. Aus dieser Ursach aber
hält mans für gut/ daß der Tenn mit Saltz bestreuet
werde/ damit/ wann er nun gantz und gar trocken ist/ er
nichts destoweniger eine gesaltzene wolgeschmacke Feuch-
tigkeit von sich in das Getrayd oder Maltz über sich gebe/
und solches daher desto besser und mürber davon werde;
ohne Zweifel auch von bösen Geschmacken und Fäulung/
durch des Saltzes Erhaltungs-Schärffe und gleichsam
Lebens-Balsam/ desto länger und beständiger bleibe.
Zum Dritten gehört auch in das Maltz-Haus ein
Schwelck-Binne oder Boden/ der mag von zusamm-
gefaltzten starcken/ und dichte zusamm-getrungenen Bret-
tern/ oder aber von Estrich/ von Leim oder Mörtel (so
besser ist) geschlagen seyn/ darauf man das Maltz/ nach-
dem es genug gewachsen ist/ schwelcken könne. Von dem
Maltz-Dörren/ auch andern zum Bierbräuen/ Maltzen
und Dörren gehörigen Umständen/ wird im sieben-
den Buch weitläuffiger gehandelt.

Cap.
G

Erſtes Buch/ Land-Gut.
[Spaltenumbruch] jedem Edelmann und Geiſtlichen frey ſtehet/ doch ſollen
ſie nichts verkauffen oder ausſchencken/ ſie haben dann
eine Præſcription oder ſonderbahre Conceſſion. Jch
rede aber hier nur von denen Guͤtern/ welche die Gerech-
tigkeit haben/ nicht allein fuͤr ihre Haus-Nothdurfft zu
braͤuen/ ſondern auch das Bier auf ihren Tafernen und
Wirtshaͤuſern auszugeben und weiter zu verfuͤhren. An
vielẽ Orten haben die Lands-Fuͤrſten diß Recht/ ſonderlich
das weiſſe Bier zu machen/ als ein ſonderbares Regale an
ſich gezogen/ und doͤrffen weder die Land-Staͤdte/ noch
der Adel/ hierinn einigen Eingriff thun/ traͤgt auch jaͤhr-
lich etwas anſehnliches: Jn Oeſterreich aber ſind die
Braͤu-Haͤuſer allein bey den Guͤtern geſtattet/ die alte
Gerechtigkeit darzu haben/ oder/ die neue Freyheiten
deßwegen erhalten; wie dann in wenig Jahren her/
um Wien viel Braͤu-Haͤuſer ſind aufgerichtet wor-
den; wiewol es der Orten/ ſo wol des haͤuffig-wachſenden
Weinshalber/ als auch anderweꝛts wegen des Aepffel-uñ
Birnen-Moſtes/ keinen ſo abſonderlichen groſſen Profit
bringẽ kan; in Maͤhren aber/ uñ vornemlich im Koͤnigreich
Boͤhmen/ wo die meiſten Herꝛſchafften das Braͤu-Recht
haben/ traͤgt es Cento per Cento Verzinſung. Und
ſetzt davon ein Boͤhmiſcher Herrſchaffts-Verwalter
oder Hauptmann/ wie ſie daſelbſt genennt werden/ Herꝛ
Johann Eraſmus Wegener/ in ſeinem kleinen Tractaͤt-
lein von der Oeconomia, folgende Worte: Will man
wiſſen/ wie groß der Nutzen vom Braͤu-Haus iſt/ ſo
ſetze auf ein Gebraͤu von 20. Faß/ jedes von 4. Emern/
40. Strich/ darein kan die Beſoldung des Maͤltzers
gerechnet werden/ weilen jeder Strich Gerſten ein
Viertel Auswachs gibt. Den Strich zu 1. fl. Rheiniſch
iſt 40. fl. Hopffen 3. Strich/ iſt 3. fl. wiewol man ge-
meiniglich bey allen Herrſchafften den Waitz/ Gerſten
und Hopffen ſelbſt haben und bauen ſolle/ alſo daß auf
ein Gebraͤu Bier von 20. Faſſen uͤber 50. fl. Unkoſten
[Spaltenumbruch] nicht aufgehen/ wann man die Sachen darzu kauffen
muß. Herentgegen wird jedes Faß zu 8. fl. wieder aus-
geben/ iſt 160. fl. daß alſo der Gewinnſt uͤber 100. fl.
ſich belaufft. Wann man nun alle Wochen einmal
braͤuet (welches auf vielen Herrſchafften geſchiehet) be-
laufft ſich das Einkommen uͤber 6000. fl. Diß iſt nun
ein herrliches Einkommen/ und ſind die Braͤu- und
Wirtshaͤuſer wol zu beobachten. Hactenus ille. Das
waͤre von ein hundert Gulden Unkoſten oder Capital
zweyhundert Intereſſe; wir wollen aber den Conto ſo
hoch nicht ſpannen/ weilen die Beſoldungen der Braͤuer
und Braͤuknecht/ Maͤltzer und dergleichen/ auch nicht
ein Geringes austraͤgt/ ein groſſer Speſa auf Erhaltung
des Braͤu-Hauſes/ der Keſſel/ der Bodingen und an-
dern darzu gehoͤrigen Gezeuges aufgehet; man auch zu
Zeiten ſo wol mit dem Maltz/ als auch in Braͤuung des
Biers Schaden leidet/ uñ nicht allzeit ſo gute Anwehrun-
gen findet/ als man verlangt; offt viel geborgt/ und nicht
alles bezahlt wird/ zugeſchweigen anderer ungluͤcklicher
Zufaͤlle und ungetreuer Bedienten; daher wollen wir
allein diß vermelden/ wann uͤber alle Unkoſten und Schaͤ-
den/ ein Jahr dem andern zu Huͤlffe/ nur die Helffte Ein-
kommens/ als 50 per Cento traͤgt/ ſo iſt es ein ſolches
denckwuͤrdiges Mittel/ ſich ohne Wucher zu bereichern/
daß man dergleichen Vortheil weder von anderm Ge-
trayd/ noch von Wein-Gaͤrten jaͤhrlich haben und ge-
nieſſen kan; daher dieſes nutzliche und woltraͤchtigte
Theil der Wirthſchafft deſto fleiſſiger und beſſer in acht
zu nehmen. Die Groͤſſe und Weiten des Braͤu-Hauſes
ſoll ſeyn nach Proportion des Vermoͤgens und des Ver-
ſchleuſſes/ damit die rechte Mittelmaß getroffen/ und das
Gebaͤu weder zu enge noch zu weit werde. Was fer-
ners bey dem Bierbraͤuen in acht zu haben/ davon ſoll
im ſiebenden Buch ausfuͤhrlicher Bericht folgen.

Cap. XLVIII.
Vom Maltz-Hauſe.
[Spaltenumbruch]

GLeichwie man ohne Maltz nicht braͤuen kan: al-
ſo muß auch bey dem Braͤu-Hauſe ein Maltz-
Hauſe beygefuͤgt werden. Das muß nun nach
jenes Groͤſſe/ auch ſeine gebuͤhrliche Weitſchafft haben/
die darinnen hoͤltzerne oder von Steinen gemauerte/ aus-
getuͤnchte und verkuͤttete Weickbodingen/ muͤſſen ſo groß
ſeyn/ als man Getraydes zu einem Braͤu bedarff auf
20 oder 30 Metzen; daß ſelbiges auf einmal einzuwei-
cken genugſamen Platz habe/ ſo kan alles fein zugleich
fortgehen/ und gibt zum Braͤuwerck nicht eine geringe
Befoͤrderung; zu unterſt der Weickboding/ ſoll es ein
Zapffen-Loch haben/ dabey man das Waſſer/ nach ge-
nugſamen eingeweickten Getrayde/ wieder ablaſſen kan.
Jn dem Maltz-Hauſe muß zum andern auch eine ſchoͤne
weite Maltz-Tenne ſeyn/ darauf man ſo viel Trayd oder
mehr maltzen moͤge/ als man zu einem/ zweyen und mehr
Braͤuen bedarff/ die wird nun von zaͤhem/ veſten/ wolab-
geboͤrten und durch arbeitetem Leim geſchlagẽ/ allerdings
wie gewoͤhnlich die Tennen in den Scheuren und Staͤ-
deln zum Treſchen zugerichtet ſind. Wann nun der
Tenn aus friſchem Leim alſo geſchlagen iſt/ ſoll der Leim
mit einer Gabel wol durchſtochen/ und in die Loͤcher/
[Spaltenumbruch] auch ſonſt allenthalben uͤber der gantzen Maltz-Tennen
Saltz geſtreuet/ hernach ſoll der Tenne fein glatt und
dick vergleicht/ und/ wie in Scheuren braͤuchig/ recht
und wol zugeebnet werden. Aus dieſer Urſach aber
haͤlt mans fuͤr gut/ daß der Tenn mit Saltz beſtreuet
werde/ damit/ wann er nun gantz und gar trocken iſt/ er
nichts deſtoweniger eine geſaltzene wolgeſchmacke Feuch-
tigkeit von ſich in das Getrayd oder Maltz uͤber ſich gebe/
und ſolches daher deſto beſſer und muͤrber davon werde;
ohne Zweifel auch von boͤſen Geſchmacken und Faͤulung/
durch des Saltzes Erhaltungs-Schaͤrffe und gleichſam
Lebens-Balſam/ deſto laͤnger und beſtaͤndiger bleibe.
Zum Dritten gehoͤrt auch in das Maltz-Haus ein
Schwelck-Binne oder Boden/ der mag von zuſamm-
gefaltzten ſtarcken/ und dichte zuſam̃-getrungenen Bret-
tern/ oder aber von Eſtrich/ von Leim oder Moͤrtel (ſo
beſſer iſt) geſchlagen ſeyn/ darauf man das Maltz/ nach-
dem es genug gewachſen iſt/ ſchwelcken koͤnne. Von dem
Maltz-Doͤrren/ auch andern zum Bierbraͤuen/ Maltzen
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den Buch weitlaͤuffiger gehandelt.

Cap.
G
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[49/0067] Erſtes Buch/ Land-Gut. jedem Edelmann und Geiſtlichen frey ſtehet/ doch ſollen ſie nichts verkauffen oder ausſchencken/ ſie haben dann eine Præſcription oder ſonderbahre Conceſſion. Jch rede aber hier nur von denen Guͤtern/ welche die Gerech- tigkeit haben/ nicht allein fuͤr ihre Haus-Nothdurfft zu braͤuen/ ſondern auch das Bier auf ihren Tafernen und Wirtshaͤuſern auszugeben und weiter zu verfuͤhren. An vielẽ Orten haben die Lands-Fuͤrſten diß Recht/ ſonderlich das weiſſe Bier zu machen/ als ein ſonderbares Regale an ſich gezogen/ und doͤrffen weder die Land-Staͤdte/ noch der Adel/ hierinn einigen Eingriff thun/ traͤgt auch jaͤhr- lich etwas anſehnliches: Jn Oeſterreich aber ſind die Braͤu-Haͤuſer allein bey den Guͤtern geſtattet/ die alte Gerechtigkeit darzu haben/ oder/ die neue Freyheiten deßwegen erhalten; wie dann in wenig Jahren her/ um Wien viel Braͤu-Haͤuſer ſind aufgerichtet wor- den; wiewol es der Orten/ ſo wol des haͤuffig-wachſenden Weinshalber/ als auch anderweꝛts wegen des Aepffel-uñ Birnen-Moſtes/ keinen ſo abſonderlichen groſſen Profit bringẽ kan; in Maͤhren aber/ uñ vornemlich im Koͤnigreich Boͤhmen/ wo die meiſten Herꝛſchafften das Braͤu-Recht haben/ traͤgt es Cento per Cento Verzinſung. Und ſetzt davon ein Boͤhmiſcher Herrſchaffts-Verwalter oder Hauptmann/ wie ſie daſelbſt genennt werden/ Herꝛ Johann Eraſmus Wegener/ in ſeinem kleinen Tractaͤt- lein von der Oeconomia, folgende Worte: Will man wiſſen/ wie groß der Nutzen vom Braͤu-Haus iſt/ ſo ſetze auf ein Gebraͤu von 20. Faß/ jedes von 4. Emern/ 40. Strich/ darein kan die Beſoldung des Maͤltzers gerechnet werden/ weilen jeder Strich Gerſten ein Viertel Auswachs gibt. Den Strich zu 1. fl. Rheiniſch iſt 40. fl. Hopffen 3. Strich/ iſt 3. fl. wiewol man ge- meiniglich bey allen Herrſchafften den Waitz/ Gerſten und Hopffen ſelbſt haben und bauen ſolle/ alſo daß auf ein Gebraͤu Bier von 20. Faſſen uͤber 50. fl. Unkoſten nicht aufgehen/ wann man die Sachen darzu kauffen muß. Herentgegen wird jedes Faß zu 8. fl. wieder aus- geben/ iſt 160. fl. daß alſo der Gewinnſt uͤber 100. fl. ſich belaufft. Wann man nun alle Wochen einmal braͤuet (welches auf vielen Herrſchafften geſchiehet) be- laufft ſich das Einkommen uͤber 6000. fl. Diß iſt nun ein herrliches Einkommen/ und ſind die Braͤu- und Wirtshaͤuſer wol zu beobachten. Hactenus ille. Das waͤre von ein hundert Gulden Unkoſten oder Capital zweyhundert Intereſſe; wir wollen aber den Conto ſo hoch nicht ſpannen/ weilen die Beſoldungen der Braͤuer und Braͤuknecht/ Maͤltzer und dergleichen/ auch nicht ein Geringes austraͤgt/ ein groſſer Speſa auf Erhaltung des Braͤu-Hauſes/ der Keſſel/ der Bodingen und an- dern darzu gehoͤrigen Gezeuges aufgehet; man auch zu Zeiten ſo wol mit dem Maltz/ als auch in Braͤuung des Biers Schaden leidet/ uñ nicht allzeit ſo gute Anwehrun- gen findet/ als man verlangt; offt viel geborgt/ und nicht alles bezahlt wird/ zugeſchweigen anderer ungluͤcklicher Zufaͤlle und ungetreuer Bedienten; daher wollen wir allein diß vermelden/ wann uͤber alle Unkoſten und Schaͤ- den/ ein Jahr dem andern zu Huͤlffe/ nur die Helffte Ein- kommens/ als 50 per Cento traͤgt/ ſo iſt es ein ſolches denckwuͤrdiges Mittel/ ſich ohne Wucher zu bereichern/ daß man dergleichen Vortheil weder von anderm Ge- trayd/ noch von Wein-Gaͤrten jaͤhrlich haben und ge- nieſſen kan; daher dieſes nutzliche und woltraͤchtigte Theil der Wirthſchafft deſto fleiſſiger und beſſer in acht zu nehmen. Die Groͤſſe und Weiten des Braͤu-Hauſes ſoll ſeyn nach Proportion des Vermoͤgens und des Ver- ſchleuſſes/ damit die rechte Mittelmaß getroffen/ und das Gebaͤu weder zu enge noch zu weit werde. Was fer- ners bey dem Bierbraͤuen in acht zu haben/ davon ſoll im ſiebenden Buch ausfuͤhrlicher Bericht folgen. Cap. XLVIII. Vom Maltz-Hauſe. GLeichwie man ohne Maltz nicht braͤuen kan: al- ſo muß auch bey dem Braͤu-Hauſe ein Maltz- Hauſe beygefuͤgt werden. Das muß nun nach jenes Groͤſſe/ auch ſeine gebuͤhrliche Weitſchafft haben/ die darinnen hoͤltzerne oder von Steinen gemauerte/ aus- getuͤnchte und verkuͤttete Weickbodingen/ muͤſſen ſo groß ſeyn/ als man Getraydes zu einem Braͤu bedarff auf 20 oder 30 Metzen; daß ſelbiges auf einmal einzuwei- cken genugſamen Platz habe/ ſo kan alles fein zugleich fortgehen/ und gibt zum Braͤuwerck nicht eine geringe Befoͤrderung; zu unterſt der Weickboding/ ſoll es ein Zapffen-Loch haben/ dabey man das Waſſer/ nach ge- nugſamen eingeweickten Getrayde/ wieder ablaſſen kan. Jn dem Maltz-Hauſe muß zum andern auch eine ſchoͤne weite Maltz-Tenne ſeyn/ darauf man ſo viel Trayd oder mehr maltzen moͤge/ als man zu einem/ zweyen und mehr Braͤuen bedarff/ die wird nun von zaͤhem/ veſten/ wolab- geboͤrten und durch arbeitetem Leim geſchlagẽ/ allerdings wie gewoͤhnlich die Tennen in den Scheuren und Staͤ- deln zum Treſchen zugerichtet ſind. Wann nun der Tenn aus friſchem Leim alſo geſchlagen iſt/ ſoll der Leim mit einer Gabel wol durchſtochen/ und in die Loͤcher/ auch ſonſt allenthalben uͤber der gantzen Maltz-Tennen Saltz geſtreuet/ hernach ſoll der Tenne fein glatt und dick vergleicht/ und/ wie in Scheuren braͤuchig/ recht und wol zugeebnet werden. Aus dieſer Urſach aber haͤlt mans fuͤr gut/ daß der Tenn mit Saltz beſtreuet werde/ damit/ wann er nun gantz und gar trocken iſt/ er nichts deſtoweniger eine geſaltzene wolgeſchmacke Feuch- tigkeit von ſich in das Getrayd oder Maltz uͤber ſich gebe/ und ſolches daher deſto beſſer und muͤrber davon werde; ohne Zweifel auch von boͤſen Geſchmacken und Faͤulung/ durch des Saltzes Erhaltungs-Schaͤrffe und gleichſam Lebens-Balſam/ deſto laͤnger und beſtaͤndiger bleibe. Zum Dritten gehoͤrt auch in das Maltz-Haus ein Schwelck-Binne oder Boden/ der mag von zuſamm- gefaltzten ſtarcken/ und dichte zuſam̃-getrungenen Bret- tern/ oder aber von Eſtrich/ von Leim oder Moͤrtel (ſo beſſer iſt) geſchlagen ſeyn/ darauf man das Maltz/ nach- dem es genug gewachſen iſt/ ſchwelcken koͤnne. Von dem Maltz-Doͤrren/ auch andern zum Bierbraͤuen/ Maltzen und Doͤrren gehoͤrigen Umſtaͤnden/ wird im ſieben- den Buch weitlaͤuffiger gehandelt. Cap. G

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Zitationshilfe: Hohberg, Wolf Helmhard von: Georgica Curiosa. Bd. 1. Nürnberg, 1682, S. 49. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/hohberg_georgica01_1682/67>, abgerufen am 20.10.2019.