Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Hohberg, Wolf Helmhard von: Georgica Curiosa. Bd. 1. Nürnberg, 1682.

Bild:
<< vorherige Seite

Sechstes Buch/ Blumen-Garten.
[Spaltenumbruch] cken/ hilfft dem verstopfften Harn heraus/ und hat mit
der Salsaparilla einerley Krafft.

Das aus den weissen Blumen gedistillirte Wasser
ist zu allen innerlichen Entzündungen dienlich/ sonderlich
der Augen/ mit einem nassen Tüchlein aufgelegt; die
Blätter im Bad gebraucht/ treiben den Urin und Stein/
und heilen die Schäden an den Schenckeln zu. Diß
Gewächs muß bey uns in Geschirr/ und Winter-Zeit
in die Einsetz-Zimmer gebracht werden; man kan sie
durch Abreissung der Zweiglein/ wie die Negelein/ peltzen
und vermehren.

Strohblumen/ Papierblumen/ forsan Ptarmica
Austriaca Clusii,
wird auch von etlichen perpetuel ge-
nennet/ darum/ daß die abgebrochene Blume nicht leicht-
lich verwelcket/ weil sie ohne diß unsäfftig und dürr schei-
net; hat purpurfarbe/ Pfersichblühefarbe/ weißlichte
und Strohfarbe Blumen/ die haben schmale spitzige in
der Mitten etwas breitere Blätlein/ in Form eines
Sternleins/ darinnen in der Mitte ein gleichfärbiger
Potzen ist/ aus welchem das Sämlein kommt/ blüht den
gantzen Sommer durch/ biß in den todten Herbst/ be-
darff weder sonderbaren Fleiß noch Wartung/ sondern
[Spaltenumbruch] wo es einmal hingebracht wird/ verwehet der Wind den
Saamen hin und her/ und wird also nicht leicht gantz
verderben.

Von diesem ist noch eine andere Art/ das Kraut ist
grasicht und schön grün/ treibt Spannenhohe Stengel/
und eine leibfarbe dicke/ aber kleinere Blühe/ als die
Papierblümlein/ blühet auch gar lang/ verwelcket aber
eher.

Trachelium seu Cervicaria, Halskraut/ wird
auch von etlichen Uvularia genennet/ weil es zu den Zu-
ständen und Gebrechen des Halses und des Zäpfleins wol
dienet; hat harte Nessel-ähnliche zerkerbte Blätter/
bringt weisse und auch blaue Glockenblumen/ hat eine
weisse zarte Wurtzen/ wie der Rapuntzel/ und wird auch
im Früling an statt des Salats mit Essig und Oel genos-
sen. Das kleinere Halskraut hat einen Stengel/ der
sich in etliche Aeste theilet/ hat am Gipffel poschete zu-
sammgehäuffte Glockenblümlein Veyelblau/ werden im
Früling zum Salat gebraucht. Werden vom Saa-
men gebauet/ können auch im Früling die Beyschösse
fortgepflantzet werden.

Cap. XCVII.
Trifolium palustre, Valeriana graeca,
Vergiß mein nicht.
[Spaltenumbruch]

TRifolium palustre, Wasserklee/ Biberklee/
wächst gern in denen von Bronnenquellen durch-
äderichten Wiesen/ weil es ohne Wasser nicht le-
ben kan; hat eine von vielen kurtzen Knien zusamm ge-
gliederte Wurtzen/ die mit vielen Fäsern sich einsencken/
hat grünlichte zarte und dicke Blätter/ allzeit drey auf ei-
nem Stengel zusammen gesetzt/ wie die andern Wiesen-
klee/ der Stengel ist anderthalb Spannen hoch/ und
bißweilen auch länger/ daran oben schöne langährichte
weisse Jachzinckenförmige Blumen/ mit umgewunde-
nen artlichen Zäserlein sich befinden.

Jst zweyerley Gattungen/ grösser und kleiner/ nach
den Blumen kommen kleine Hülslein/ in welchen der
Hirsenförmige/ aber kleinere gelbröthlichte Saamen
sich enthält; wird fast wie die Nymphaea gesetzet/ aus-
ser/ daß die Aeuglein der Wurtzel nur eines Fingers tief
stehen/ darauf man allein so viel Wasser giesset/ daß es
die Erden kaum bedecke/ nur erweiche/ und nicht über-
schwemme/ muß also das Wasser nicht gar darüber ge-
hen; wann man im Garten einen Teich oder Bronnen-
quellen hat/ kommen sie am besten/ ans Ufer gepflantzet.
Wird selten und nur im Herbst ausgenommen/ die ü-
brige Brut abgesondert/ und bald wieder eingelegt.

Das Trifolium bituminosum tam in odorum,
quam odoratum
stellet uns das Eychstättische Garten-
Buch für.

Valeriana graeca, ist ihm dieser Nahme allein-zu-
fälliger Weise gegeben worden/ weil es mit der rechten
Valeriana weder gleichet/ noch Geruch/ noch Wür-
ckung hat/ ohne daß etwan die Blätter sich in etwas mö-
gen gleichförmig erweisen; ist zweyerley Gattungen/
blau und weisser/ oben auf den Gipffeln zierlich zusamm-
[Spaltenumbruch] gesetzter und Bürstenweise ausgetheilter Blühe/ die in
der Mitten kleine weisse Zäserlein mit goldfarben Knöpf-
fen heraus sprossen/ darauf länglichte Schötlein mit ei-
nem kleinen schwartzen Saamen folgen/ davon sie leicht-
lich/ wie auch von den häuffigen Beyschössen vermehret
werden/ dörffen keinen absonderlichen fetten Grunde/
noch fleissige Wartung/ wo sie einmal hinkommen/ ge-
deyen sie gerne.

Es ist auch noch eine andere Art/ die man rothen
Valdrian heisset/ hat eine lange/ runde/ Fingersdicke
wolriechende weisse Wurtzen/ bringt zu Ende des Junii
Doldenweise liechtrothe an langen Häuslein dick zusam-
mengesetzte Blumen/ die den gantzen Sommer über
blühen/ will fleissige Begiessung und warmen Sonnen-
schein.

Noch ist ein fremder Jndianischer Valdrian/ bringt
bleichgrüne Blätter/ und an einem Schuchhohen Sten-
gel eine Kron voll schöner purpurfarben Blumen von 5
Blättern/ etliche bringen anch weisse Blumen/ auf welche
lange Hülsen mit dem Saamen folgen; dieser ist erstlich/
nach Tabernaemontani Zeugnus/ aus Candia nach
Florenz und Padua geschickt worden/ und von dannen zu
uns in unsere Gärten kommen.

Vergiß mein nicht/ weiß nicht/ ists eine Art von
der Chamaedrys oder vom Teucrio, wir habens zwey-
erley Arten/ das in den Gärten/ und das wilde; das
zahme ist ziemlich niedrig/ mit Saatblauen gleichsam
geschmeltzten kleinen Blümlein/ die sich in den Gärten
leicht vermehren; das wilde hat liechtblaue mit kleinen
in der Mitten leuchtenden gelben Sternlein besetzten
Blumen/ wächset aber allenthalben in Wiesen und
feuchten Orten.

Cap.
Q q q q iij

Sechſtes Buch/ Blumen-Garten.
[Spaltenumbruch] cken/ hilfft dem verſtopfften Harn heraus/ und hat mit
der Salſaparilla einerley Krafft.

Das aus den weiſſen Blumen gediſtillirte Waſſer
iſt zu allen innerlichen Entzuͤndungen dienlich/ ſonderlich
der Augen/ mit einem naſſen Tuͤchlein aufgelegt; die
Blaͤtter im Bad gebraucht/ treiben den Urin und Stein/
und heilen die Schaͤden an den Schenckeln zu. Diß
Gewaͤchs muß bey uns in Geſchirr/ und Winter-Zeit
in die Einſetz-Zimmer gebracht werden; man kan ſie
durch Abreiſſung der Zweiglein/ wie die Negelein/ peltzen
und vermehren.

Strohblumen/ Papierblumen/ forſan Ptarmica
Auſtriaca Cluſii,
wird auch von etlichen perpetuel ge-
nennet/ darum/ daß die abgebrochene Blume nicht leicht-
lich verwelcket/ weil ſie ohne diß unſaͤfftig und duͤrr ſchei-
net; hat purpurfarbe/ Pferſichbluͤhefarbe/ weißlichte
und Strohfarbe Blumen/ die haben ſchmale ſpitzige in
der Mitten etwas breitere Blaͤtlein/ in Form eines
Sternleins/ darinnen in der Mitte ein gleichfaͤrbiger
Potzen iſt/ aus welchem das Saͤmlein kommt/ bluͤht den
gantzen Sommer durch/ biß in den todten Herbſt/ be-
darff weder ſonderbaren Fleiß noch Wartung/ ſondern
[Spaltenumbruch] wo es einmal hingebracht wird/ verwehet der Wind den
Saamen hin und her/ und wird alſo nicht leicht gantz
verderben.

Von dieſem iſt noch eine andere Art/ das Kraut iſt
graſicht und ſchoͤn gruͤn/ treibt Spannenhohe Stengel/
und eine leibfarbe dicke/ aber kleinere Bluͤhe/ als die
Papierbluͤmlein/ bluͤhet auch gar lang/ verwelcket aber
eher.

Trachelium ſeu Cervicaria, Halskraut/ wird
auch von etlichen Uvularia genennet/ weil es zu den Zu-
ſtaͤnden und Gebrechen des Halſes und des Zaͤpfleins wol
dienet; hat harte Neſſel-aͤhnliche zerkerbte Blaͤtter/
bringt weiſſe und auch blaue Glockenblumen/ hat eine
weiſſe zarte Wurtzen/ wie der Rapuntzel/ und wird auch
im Fruͤling an ſtatt des Salats mit Eſſig und Oel genoſ-
ſen. Das kleinere Halskraut hat einen Stengel/ der
ſich in etliche Aeſte theilet/ hat am Gipffel poſchete zu-
ſammgehaͤuffte Glockenbluͤmlein Veyelblau/ werden im
Fruͤling zum Salat gebraucht. Werden vom Saa-
men gebauet/ koͤnnen auch im Fruͤling die Beyſchoͤſſe
fortgepflantzet werden.

Cap. XCVII.
Trifolium paluſtre, Valeriana græca,
Vergiß mein nicht.
[Spaltenumbruch]

TRifolium paluſtre, Waſſerklee/ Biberklee/
waͤchſt gern in denen von Bronnenquellen durch-
aͤderichten Wieſen/ weil es ohne Waſſer nicht le-
ben kan; hat eine von vielen kurtzen Knien zuſamm ge-
gliederte Wurtzen/ die mit vielen Faͤſern ſich einſencken/
hat gruͤnlichte zarte und dicke Blaͤtter/ allzeit drey auf ei-
nem Stengel zuſammen geſetzt/ wie die andern Wieſen-
klee/ der Stengel iſt anderthalb Spannen hoch/ und
bißweilen auch laͤnger/ daran oben ſchoͤne langaͤhrichte
weiſſe Jachzinckenfoͤrmige Blumen/ mit umgewunde-
nen artlichen Zaͤſerlein ſich befinden.

Jſt zweyerley Gattungen/ groͤſſer und kleiner/ nach
den Blumen kommen kleine Huͤlslein/ in welchen der
Hirſenfoͤrmige/ aber kleinere gelbroͤthlichte Saamen
ſich enthaͤlt; wird faſt wie die Nymphæa geſetzet/ auſ-
ſer/ daß die Aeuglein der Wurtzel nur eines Fingers tief
ſtehen/ darauf man allein ſo viel Waſſer gieſſet/ daß es
die Erden kaum bedecke/ nur erweiche/ und nicht uͤber-
ſchwemme/ muß alſo das Waſſer nicht gar daruͤber ge-
hen; wann man im Garten einen Teich oder Bronnen-
quellen hat/ kommen ſie am beſten/ ans Ufer gepflantzet.
Wird ſelten und nur im Herbſt ausgenommen/ die uͤ-
brige Brut abgeſondert/ und bald wieder eingelegt.

Das Trifolium bituminoſum tàm in odorum,
quàm odoratum
ſtellet uns das Eychſtaͤttiſche Garten-
Buch fuͤr.

Valeriana græca, iſt ihm dieſer Nahme allein-zu-
faͤlliger Weiſe gegeben worden/ weil es mit der rechten
Valeriana weder gleichet/ noch Geruch/ noch Wuͤr-
ckung hat/ ohne daß etwan die Blaͤtter ſich in etwas moͤ-
gen gleichfoͤrmig erweiſen; iſt zweyerley Gattungen/
blau und weiſſer/ oben auf den Gipffeln zierlich zuſam̃-
[Spaltenumbruch] geſetzter und Buͤrſtenweiſe ausgetheilter Bluͤhe/ die in
der Mitten kleine weiſſe Zaͤſerlein mit goldfarben Knoͤpf-
fen heraus ſproſſen/ darauf laͤnglichte Schoͤtlein mit ei-
nem kleinen ſchwartzen Saamen folgen/ davon ſie leicht-
lich/ wie auch von den haͤuffigen Beyſchoͤſſen vermehret
werden/ doͤrffen keinen abſonderlichen fetten Grunde/
noch fleiſſige Wartung/ wo ſie einmal hinkommen/ ge-
deyen ſie gerne.

Es iſt auch noch eine andere Art/ die man rothen
Valdrian heiſſet/ hat eine lange/ runde/ Fingersdicke
wolriechende weiſſe Wurtzen/ bringt zu Ende des Junii
Doldenweiſe liechtrothe an langen Haͤuslein dick zuſam-
mengeſetzte Blumen/ die den gantzen Sommer uͤber
bluͤhen/ will fleiſſige Begieſſung und warmen Sonnen-
ſchein.

Noch iſt ein fremder Jndianiſcher Valdrian/ bringt
bleichgruͤne Blaͤtter/ und an einem Schuchhohen Sten-
gel eine Kron voll ſchoͤner purpurfarben Blumen von 5
Blaͤttern/ etliche bringen anch weiſſe Blumen/ auf welche
lange Huͤlſen mit dem Saamen folgen; dieſer iſt erſtlich/
nach Tabernæmontani Zeugnus/ aus Candia nach
Florenz und Padua geſchickt worden/ und von dannen zu
uns in unſere Gaͤrten kommen.

Vergiß mein nicht/ weiß nicht/ iſts eine Art von
der Chamædrys oder vom Teucrio, wir habens zwey-
erley Arten/ das in den Gaͤrten/ und das wilde; das
zahme iſt ziemlich niedrig/ mit Saatblauen gleichſam
geſchmeltzten kleinen Bluͤmlein/ die ſich in den Gaͤrten
leicht vermehren; das wilde hat liechtblaue mit kleinen
in der Mitten leuchtenden gelben Sternlein beſetzten
Blumen/ waͤchſet aber allenthalben in Wieſen und
feuchten Orten.

Cap.
Q q q q iij
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <div n="3">
            <p><pb facs="#f0715" n="679[677]"/><fw place="top" type="header"><hi rendition="#b">Sech&#x017F;tes Buch/ Blumen-Garten.</hi></fw><lb/><cb/>
cken/ hilfft dem ver&#x017F;topfften Harn heraus/ und hat mit<lb/>
der <hi rendition="#aq">Sal&#x017F;aparilla</hi> einerley Krafft.</p><lb/>
            <p>Das aus den wei&#x017F;&#x017F;en Blumen gedi&#x017F;tillirte Wa&#x017F;&#x017F;er<lb/>
i&#x017F;t zu allen innerlichen Entzu&#x0364;ndungen dienlich/ &#x017F;onderlich<lb/>
der Augen/ mit einem na&#x017F;&#x017F;en Tu&#x0364;chlein aufgelegt; die<lb/>
Bla&#x0364;tter im Bad gebraucht/ treiben den Urin und Stein/<lb/>
und heilen die Scha&#x0364;den an den Schenckeln zu. Diß<lb/>
Gewa&#x0364;chs muß bey uns in Ge&#x017F;chirr/ und Winter-Zeit<lb/>
in die Ein&#x017F;etz-Zimmer gebracht werden; man kan &#x017F;ie<lb/>
durch Abrei&#x017F;&#x017F;ung der Zweiglein/ wie die Negelein/ peltzen<lb/>
und vermehren.</p><lb/>
            <p>Strohblumen/ Papierblumen/ <hi rendition="#aq">for&#x017F;an Ptarmica<lb/>
Au&#x017F;triaca Clu&#x017F;ii,</hi> wird auch von etlichen <hi rendition="#aq">perpetuel</hi> ge-<lb/>
nennet/ darum/ daß die abgebrochene Blume nicht leicht-<lb/>
lich verwelcket/ weil &#x017F;ie ohne diß un&#x017F;a&#x0364;fftig und du&#x0364;rr &#x017F;chei-<lb/>
net; hat purpurfarbe/ Pfer&#x017F;ichblu&#x0364;hefarbe/ weißlichte<lb/>
und Strohfarbe Blumen/ die haben &#x017F;chmale &#x017F;pitzige in<lb/>
der Mitten etwas breitere Bla&#x0364;tlein/ in Form eines<lb/>
Sternleins/ darinnen in der Mitte ein gleichfa&#x0364;rbiger<lb/>
Potzen i&#x017F;t/ aus welchem das Sa&#x0364;mlein kommt/ blu&#x0364;ht den<lb/>
gantzen Sommer durch/ biß in den todten Herb&#x017F;t/ be-<lb/>
darff weder &#x017F;onderbaren Fleiß noch Wartung/ &#x017F;ondern<lb/><cb/>
wo es einmal hingebracht wird/ verwehet der Wind den<lb/>
Saamen hin und her/ und wird al&#x017F;o nicht leicht gantz<lb/>
verderben.</p><lb/>
            <p>Von die&#x017F;em i&#x017F;t noch eine andere Art/ das Kraut i&#x017F;t<lb/>
gra&#x017F;icht und &#x017F;cho&#x0364;n gru&#x0364;n/ treibt Spannenhohe Stengel/<lb/>
und eine leibfarbe dicke/ aber kleinere Blu&#x0364;he/ als die<lb/>
Papierblu&#x0364;mlein/ blu&#x0364;het auch gar lang/ verwelcket aber<lb/>
eher.</p><lb/>
            <p><hi rendition="#aq">Trachelium &#x017F;eu Cervicaria,</hi> Halskraut/ wird<lb/>
auch von etlichen <hi rendition="#aq">Uvularia</hi> genennet/ weil es zu den Zu-<lb/>
&#x017F;ta&#x0364;nden und Gebrechen des Hal&#x017F;es und des Za&#x0364;pfleins wol<lb/>
dienet; hat harte Ne&#x017F;&#x017F;el-a&#x0364;hnliche zerkerbte Bla&#x0364;tter/<lb/>
bringt wei&#x017F;&#x017F;e und auch blaue Glockenblumen/ hat eine<lb/>
wei&#x017F;&#x017F;e zarte Wurtzen/ wie der Rapuntzel/ und wird auch<lb/>
im Fru&#x0364;ling an &#x017F;tatt des Salats mit E&#x017F;&#x017F;ig und Oel geno&#x017F;-<lb/>
&#x017F;en. Das kleinere Halskraut hat einen Stengel/ der<lb/>
&#x017F;ich in etliche Ae&#x017F;te theilet/ hat am Gipffel po&#x017F;chete zu-<lb/>
&#x017F;ammgeha&#x0364;uffte Glockenblu&#x0364;mlein Veyelblau/ werden im<lb/>
Fru&#x0364;ling zum Salat gebraucht. Werden vom Saa-<lb/>
men gebauet/ ko&#x0364;nnen auch im Fru&#x0364;ling die Bey&#x017F;cho&#x0364;&#x017F;&#x017F;e<lb/>
fortgepflantzet werden.</p>
          </div><lb/>
          <div n="3">
            <head> <hi rendition="#aq"><hi rendition="#g"><hi rendition="#k">Cap.</hi> XCVII</hi>.<lb/>
Trifolium palu&#x017F;tre, Valeriana græca,</hi> <hi rendition="#fr">Vergiß mein nicht.</hi> </head><lb/>
            <cb/>
            <p><hi rendition="#aq"><hi rendition="#in">T</hi>Rifolium palu&#x017F;tre,</hi> Wa&#x017F;&#x017F;erklee/ Biberklee/<lb/>
wa&#x0364;ch&#x017F;t gern in denen von Bronnenquellen durch-<lb/>
a&#x0364;derichten Wie&#x017F;en/ weil es ohne Wa&#x017F;&#x017F;er nicht le-<lb/>
ben kan; hat eine von vielen kurtzen Knien zu&#x017F;amm ge-<lb/>
gliederte Wurtzen/ die mit vielen Fa&#x0364;&#x017F;ern &#x017F;ich ein&#x017F;encken/<lb/>
hat gru&#x0364;nlichte zarte und dicke Bla&#x0364;tter/ allzeit drey auf ei-<lb/>
nem Stengel zu&#x017F;ammen ge&#x017F;etzt/ wie die andern Wie&#x017F;en-<lb/>
klee/ der Stengel i&#x017F;t anderthalb Spannen hoch/ und<lb/>
bißweilen auch la&#x0364;nger/ daran oben &#x017F;cho&#x0364;ne langa&#x0364;hrichte<lb/>
wei&#x017F;&#x017F;e Jachzinckenfo&#x0364;rmige Blumen/ mit umgewunde-<lb/>
nen artlichen Za&#x0364;&#x017F;erlein &#x017F;ich befinden.</p><lb/>
            <p>J&#x017F;t zweyerley Gattungen/ gro&#x0364;&#x017F;&#x017F;er und kleiner/ nach<lb/>
den Blumen kommen kleine Hu&#x0364;lslein/ in welchen der<lb/>
Hir&#x017F;enfo&#x0364;rmige/ aber kleinere gelbro&#x0364;thlichte Saamen<lb/>
&#x017F;ich entha&#x0364;lt; wird fa&#x017F;t wie die <hi rendition="#aq">Nymphæa</hi> ge&#x017F;etzet/ au&#x017F;-<lb/>
&#x017F;er/ daß die Aeuglein der Wurtzel nur eines Fingers tief<lb/>
&#x017F;tehen/ darauf man allein &#x017F;o viel Wa&#x017F;&#x017F;er gie&#x017F;&#x017F;et/ daß es<lb/>
die Erden kaum bedecke/ nur erweiche/ und nicht u&#x0364;ber-<lb/>
&#x017F;chwemme/ muß al&#x017F;o das Wa&#x017F;&#x017F;er nicht gar daru&#x0364;ber ge-<lb/>
hen; wann man im Garten einen Teich oder Bronnen-<lb/>
quellen hat/ kommen &#x017F;ie am be&#x017F;ten/ ans Ufer gepflantzet.<lb/>
Wird &#x017F;elten und nur im Herb&#x017F;t ausgenommen/ die u&#x0364;-<lb/>
brige Brut abge&#x017F;ondert/ und bald wieder eingelegt.</p><lb/>
            <p>Das <hi rendition="#aq">Trifolium bitumino&#x017F;um tàm in odorum,<lb/>
quàm odoratum</hi> &#x017F;tellet uns das Eych&#x017F;ta&#x0364;tti&#x017F;che Garten-<lb/>
Buch fu&#x0364;r.</p><lb/>
            <p><hi rendition="#aq">Valeriana græca,</hi> i&#x017F;t ihm die&#x017F;er Nahme allein-zu-<lb/>
fa&#x0364;lliger Wei&#x017F;e gegeben worden/ weil es mit der rechten<lb/><hi rendition="#aq">Valeriana</hi> weder gleichet/ noch Geruch/ noch Wu&#x0364;r-<lb/>
ckung hat/ ohne daß etwan die Bla&#x0364;tter &#x017F;ich in etwas mo&#x0364;-<lb/>
gen gleichfo&#x0364;rmig erwei&#x017F;en; i&#x017F;t zweyerley Gattungen/<lb/>
blau und wei&#x017F;&#x017F;er/ oben auf den Gipffeln zierlich zu&#x017F;am&#x0303;-<lb/><cb/>
ge&#x017F;etzter und Bu&#x0364;r&#x017F;tenwei&#x017F;e ausgetheilter Blu&#x0364;he/ die in<lb/>
der Mitten kleine wei&#x017F;&#x017F;e Za&#x0364;&#x017F;erlein mit goldfarben Kno&#x0364;pf-<lb/>
fen heraus &#x017F;pro&#x017F;&#x017F;en/ darauf la&#x0364;nglichte Scho&#x0364;tlein mit ei-<lb/>
nem kleinen &#x017F;chwartzen Saamen folgen/ davon &#x017F;ie leicht-<lb/>
lich/ wie auch von den ha&#x0364;uffigen Bey&#x017F;cho&#x0364;&#x017F;&#x017F;en vermehret<lb/>
werden/ do&#x0364;rffen keinen ab&#x017F;onderlichen fetten Grunde/<lb/>
noch flei&#x017F;&#x017F;ige Wartung/ wo &#x017F;ie einmal hinkommen/ ge-<lb/>
deyen &#x017F;ie gerne.</p><lb/>
            <p>Es i&#x017F;t auch noch eine andere Art/ die man rothen<lb/>
Valdrian hei&#x017F;&#x017F;et/ hat eine lange/ runde/ Fingersdicke<lb/>
wolriechende wei&#x017F;&#x017F;e Wurtzen/ bringt zu Ende des <hi rendition="#aq">Junii</hi><lb/>
Doldenwei&#x017F;e liechtrothe an langen Ha&#x0364;uslein dick zu&#x017F;am-<lb/>
menge&#x017F;etzte Blumen/ die den gantzen Sommer u&#x0364;ber<lb/>
blu&#x0364;hen/ will flei&#x017F;&#x017F;ige Begie&#x017F;&#x017F;ung und warmen Sonnen-<lb/>
&#x017F;chein.</p><lb/>
            <p>Noch i&#x017F;t ein fremder Jndiani&#x017F;cher Valdrian/ bringt<lb/>
bleichgru&#x0364;ne Bla&#x0364;tter/ und an einem Schuchhohen Sten-<lb/>
gel eine Kron voll &#x017F;cho&#x0364;ner purpurfarben Blumen von 5<lb/>
Bla&#x0364;ttern/ etliche bringen anch wei&#x017F;&#x017F;e Blumen/ auf welche<lb/>
lange Hu&#x0364;l&#x017F;en mit dem Saamen folgen; die&#x017F;er i&#x017F;t er&#x017F;tlich/<lb/>
nach <hi rendition="#aq">Tabernæmontani</hi> Zeugnus/ aus Candia nach<lb/>
Florenz und Padua ge&#x017F;chickt worden/ und von dannen zu<lb/>
uns in un&#x017F;ere Ga&#x0364;rten kommen.</p><lb/>
            <p>Vergiß mein nicht/ weiß nicht/ i&#x017F;ts eine Art von<lb/>
der <hi rendition="#aq">Chamædrys</hi> oder vom <hi rendition="#aq">Teucrio,</hi> wir habens zwey-<lb/>
erley Arten/ das in den Ga&#x0364;rten/ und das wilde; das<lb/>
zahme i&#x017F;t ziemlich niedrig/ mit Saatblauen gleich&#x017F;am<lb/>
ge&#x017F;chmeltzten kleinen Blu&#x0364;mlein/ die &#x017F;ich in den Ga&#x0364;rten<lb/>
leicht vermehren; das wilde hat liechtblaue mit kleinen<lb/>
in der Mitten leuchtenden gelben Sternlein be&#x017F;etzten<lb/>
Blumen/ wa&#x0364;ch&#x017F;et aber allenthalben in Wie&#x017F;en und<lb/>
feuchten Orten.</p>
          </div><lb/>
          <fw place="bottom" type="sig">Q q q q iij</fw>
          <fw place="bottom" type="catch"> <hi rendition="#aq"> <hi rendition="#g"> <hi rendition="#k">Cap.</hi> </hi> </hi> </fw><lb/>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[679[677]/0715] Sechſtes Buch/ Blumen-Garten. cken/ hilfft dem verſtopfften Harn heraus/ und hat mit der Salſaparilla einerley Krafft. Das aus den weiſſen Blumen gediſtillirte Waſſer iſt zu allen innerlichen Entzuͤndungen dienlich/ ſonderlich der Augen/ mit einem naſſen Tuͤchlein aufgelegt; die Blaͤtter im Bad gebraucht/ treiben den Urin und Stein/ und heilen die Schaͤden an den Schenckeln zu. Diß Gewaͤchs muß bey uns in Geſchirr/ und Winter-Zeit in die Einſetz-Zimmer gebracht werden; man kan ſie durch Abreiſſung der Zweiglein/ wie die Negelein/ peltzen und vermehren. Strohblumen/ Papierblumen/ forſan Ptarmica Auſtriaca Cluſii, wird auch von etlichen perpetuel ge- nennet/ darum/ daß die abgebrochene Blume nicht leicht- lich verwelcket/ weil ſie ohne diß unſaͤfftig und duͤrr ſchei- net; hat purpurfarbe/ Pferſichbluͤhefarbe/ weißlichte und Strohfarbe Blumen/ die haben ſchmale ſpitzige in der Mitten etwas breitere Blaͤtlein/ in Form eines Sternleins/ darinnen in der Mitte ein gleichfaͤrbiger Potzen iſt/ aus welchem das Saͤmlein kommt/ bluͤht den gantzen Sommer durch/ biß in den todten Herbſt/ be- darff weder ſonderbaren Fleiß noch Wartung/ ſondern wo es einmal hingebracht wird/ verwehet der Wind den Saamen hin und her/ und wird alſo nicht leicht gantz verderben. Von dieſem iſt noch eine andere Art/ das Kraut iſt graſicht und ſchoͤn gruͤn/ treibt Spannenhohe Stengel/ und eine leibfarbe dicke/ aber kleinere Bluͤhe/ als die Papierbluͤmlein/ bluͤhet auch gar lang/ verwelcket aber eher. Trachelium ſeu Cervicaria, Halskraut/ wird auch von etlichen Uvularia genennet/ weil es zu den Zu- ſtaͤnden und Gebrechen des Halſes und des Zaͤpfleins wol dienet; hat harte Neſſel-aͤhnliche zerkerbte Blaͤtter/ bringt weiſſe und auch blaue Glockenblumen/ hat eine weiſſe zarte Wurtzen/ wie der Rapuntzel/ und wird auch im Fruͤling an ſtatt des Salats mit Eſſig und Oel genoſ- ſen. Das kleinere Halskraut hat einen Stengel/ der ſich in etliche Aeſte theilet/ hat am Gipffel poſchete zu- ſammgehaͤuffte Glockenbluͤmlein Veyelblau/ werden im Fruͤling zum Salat gebraucht. Werden vom Saa- men gebauet/ koͤnnen auch im Fruͤling die Beyſchoͤſſe fortgepflantzet werden. Cap. XCVII. Trifolium paluſtre, Valeriana græca, Vergiß mein nicht. TRifolium paluſtre, Waſſerklee/ Biberklee/ waͤchſt gern in denen von Bronnenquellen durch- aͤderichten Wieſen/ weil es ohne Waſſer nicht le- ben kan; hat eine von vielen kurtzen Knien zuſamm ge- gliederte Wurtzen/ die mit vielen Faͤſern ſich einſencken/ hat gruͤnlichte zarte und dicke Blaͤtter/ allzeit drey auf ei- nem Stengel zuſammen geſetzt/ wie die andern Wieſen- klee/ der Stengel iſt anderthalb Spannen hoch/ und bißweilen auch laͤnger/ daran oben ſchoͤne langaͤhrichte weiſſe Jachzinckenfoͤrmige Blumen/ mit umgewunde- nen artlichen Zaͤſerlein ſich befinden. Jſt zweyerley Gattungen/ groͤſſer und kleiner/ nach den Blumen kommen kleine Huͤlslein/ in welchen der Hirſenfoͤrmige/ aber kleinere gelbroͤthlichte Saamen ſich enthaͤlt; wird faſt wie die Nymphæa geſetzet/ auſ- ſer/ daß die Aeuglein der Wurtzel nur eines Fingers tief ſtehen/ darauf man allein ſo viel Waſſer gieſſet/ daß es die Erden kaum bedecke/ nur erweiche/ und nicht uͤber- ſchwemme/ muß alſo das Waſſer nicht gar daruͤber ge- hen; wann man im Garten einen Teich oder Bronnen- quellen hat/ kommen ſie am beſten/ ans Ufer gepflantzet. Wird ſelten und nur im Herbſt ausgenommen/ die uͤ- brige Brut abgeſondert/ und bald wieder eingelegt. Das Trifolium bituminoſum tàm in odorum, quàm odoratum ſtellet uns das Eychſtaͤttiſche Garten- Buch fuͤr. Valeriana græca, iſt ihm dieſer Nahme allein-zu- faͤlliger Weiſe gegeben worden/ weil es mit der rechten Valeriana weder gleichet/ noch Geruch/ noch Wuͤr- ckung hat/ ohne daß etwan die Blaͤtter ſich in etwas moͤ- gen gleichfoͤrmig erweiſen; iſt zweyerley Gattungen/ blau und weiſſer/ oben auf den Gipffeln zierlich zuſam̃- geſetzter und Buͤrſtenweiſe ausgetheilter Bluͤhe/ die in der Mitten kleine weiſſe Zaͤſerlein mit goldfarben Knoͤpf- fen heraus ſproſſen/ darauf laͤnglichte Schoͤtlein mit ei- nem kleinen ſchwartzen Saamen folgen/ davon ſie leicht- lich/ wie auch von den haͤuffigen Beyſchoͤſſen vermehret werden/ doͤrffen keinen abſonderlichen fetten Grunde/ noch fleiſſige Wartung/ wo ſie einmal hinkommen/ ge- deyen ſie gerne. Es iſt auch noch eine andere Art/ die man rothen Valdrian heiſſet/ hat eine lange/ runde/ Fingersdicke wolriechende weiſſe Wurtzen/ bringt zu Ende des Junii Doldenweiſe liechtrothe an langen Haͤuslein dick zuſam- mengeſetzte Blumen/ die den gantzen Sommer uͤber bluͤhen/ will fleiſſige Begieſſung und warmen Sonnen- ſchein. Noch iſt ein fremder Jndianiſcher Valdrian/ bringt bleichgruͤne Blaͤtter/ und an einem Schuchhohen Sten- gel eine Kron voll ſchoͤner purpurfarben Blumen von 5 Blaͤttern/ etliche bringen anch weiſſe Blumen/ auf welche lange Huͤlſen mit dem Saamen folgen; dieſer iſt erſtlich/ nach Tabernæmontani Zeugnus/ aus Candia nach Florenz und Padua geſchickt worden/ und von dannen zu uns in unſere Gaͤrten kommen. Vergiß mein nicht/ weiß nicht/ iſts eine Art von der Chamædrys oder vom Teucrio, wir habens zwey- erley Arten/ das in den Gaͤrten/ und das wilde; das zahme iſt ziemlich niedrig/ mit Saatblauen gleichſam geſchmeltzten kleinen Bluͤmlein/ die ſich in den Gaͤrten leicht vermehren; das wilde hat liechtblaue mit kleinen in der Mitten leuchtenden gelben Sternlein beſetzten Blumen/ waͤchſet aber allenthalben in Wieſen und feuchten Orten. Cap. Q q q q iij

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/hohberg_georgica01_1682
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/hohberg_georgica01_1682/715
Zitationshilfe: Hohberg, Wolf Helmhard von: Georgica Curiosa. Bd. 1. Nürnberg, 1682, S. 679[677]. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/hohberg_georgica01_1682/715>, abgerufen am 22.10.2019.