Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Hohberg, Wolf Helmhard von: Georgica Curiosa. Bd. 2. Nürnberg, 1682.

Bild:
<< vorherige Seite
Eilfftes Buch/ Wasser-Lust.
Cap. IV.
Vom Unterscheid der Wasser.
[Spaltenumbruch]

WJe unterschiedliche Wasser sind/ darnach ha-
ben sie auch andere und andere Eigenschafften;
Das Regen-Wasser/ wann es zu rechter Zeit
gefangen wird/ hält man für das reineste und subti-
leste.

Darnach sind die kalten und Crystallinenen Bron-
nenquellen/ die aus den Gebürgen und hohen Orten ent-
springen/ die zwar an ihm selbst meistentheils für gut und
gesund gepriesen werden/ dennoch bißweilen/ wann sie
durch schwefelichte/ salnitrische und mineralische Grün-
de percoliren und rinnen/ auch die Art/ Güte oder Boß-
heit derselben mit sich fortführen/ und also die angebohr-
ne qualitet und Eigenschafft damit ändern oder gar ver-
lieren.
3. Sind die Schöpffbronnen/ die durch Kunst
und Mühe offt tieff unter der Erden müssen gesucht und
gegraben werden.
4. Jst das fliessende Wasser/ so wieder einen gros-
sen Unterscheid leidet/ nachdem es über steinichte/ kie-
sichte/ sandichte/ oder aber laimichte/ marassige und fet-
te Gründe lauffet/ entweder an der Farb selbst/ dunck-
ler/ röthlichter/ blaulichter oder klärer/ oder aber von
dem Gegenschein des Grundes einem also gefärbt zu
seyn scheinet; Nicht allein in grossen Flüssen/ als in un-
serer Donau/ deren Wasser eine absonderliche blaulicht-
graue Farbe/ daher in Oesterreich die Donau-Farb/ als
eine absonderliche Species Coloris genennet wird/ und
siehet man so wol bey Mätthausen/ da die Ennß/ als bey
Passau/ da der Jnn von Mittag/ und die Jltz von Mit-
ternachtwerts in die Donau fliesset/ von jedem Fluß die
unterschiedlichen Farben lange Zeit unvermenget/ als
wie der Rhein/ der auch durch den gantzen Bodensee
seine Farbe behält/ und durch und durch/ biß zu seinem
Ausfluß leichtlich von dem See-Wasser erkennet wird.
Darzu gehören auch die kleinern Flüßlein und Bäche/
die allenthalben den grossen Flüssen ihren Tribut und
Zoll abführen/ auch Felder und Wiesen mit ihrer An-
grentzung bewässern und erquicken.
5. Giebt es Saltzbronnen/ wie zu Hall und
Gmünden/ im Land ob der Ennß/ davon das gantze
Ober- und Unter-Oesterreich mit Saltz versehen
wird.
6. Sind die Sauerbronnen/ die mit ihrer durch-
dringenden Art die Krös-Aederlein durchweichen/ und
die Verstopffungen der innerlichen Glieder eröffnen/ ei-
nen Appetit zum Essen machen/ und zu vielerley Ge-
brechen tauglich und heilsam sind.
7. Finden sich auch Gesund-Bäder/ etliche warm/
wie zu Baden/ vier Meil von Wien/ da Jährlich eine
fürtreffliche und berühmte Gesellschafft im Früling und
Anfang des Sommers zusammen kommet/ sowol der
Gesundheit/ als des Lusts zu pflegen/ und von der Re-
gierenden Römischen Kayserl. Mayestät/ unserer Aller-
[Spaltenumbruch] gnädigsten Herrschafft/ und Dero Hofstatt selbsten offt
mit Dero Gegenwart gewürdiget wird. So giebt es
auch andere treffliche Gesund-Bäder in Oesterreich o-
der an den Grentzen/ die man zwar wärmen muß/
nichts destoweniger aber/ wegen ihrer mannigfaltigen
Wirckung/ Jährlich grossen Zulauff haben/ als das
Bad zu Heylbronn/ zu Männerstorff/ zu Obern-
Walsee.
8. Giebt es/ sonderlich wo Bergwerck sind/ aller-
ley vermischte Wasser von Saliter/ Schwefel/ Alaun/
Pech/ Ertz/ Silber/ Eysen/ Bley/ Kupffer und an-
dern unterschiedenen Mineralien/ nach des Grundes
Jnbegriff/ durchgegangen und vermenget.
9. Die ärgsten Wasser werden die gehalten/ die
in Marassen/ Pfützen/ Lacken/ Seen und Teichen sich
befinden/ wiewol in diesen zweyen letztern auch ein grosser
Unterscheid/ nachdem sie aus guten und bösen Quellen
herentspringen.
10. So sind auch etliche Wasser zu etwas taugli-
cher oder undienlicher/ als die andern/ als etliche sind
gut und bequem zum Bierbräuen/ zum Kochen/ zum
Bleichen/ diese und jene Farb besser oder weniger aus-
zutrocknen/ zum Weissen/ den Stahl zu temperiren/
also daß man an zwey/ drey/ oder mehr Orten/ wo man
gleiches Maltz und Hopffen giebt/ gleichen Fleiß zum
Bräuen anwendet/ dennoch die meiste Schuld dem
Wasser zueignet/ wann es hier starck/ lang-liegend und
gut/ an jenem aber gering und nicht bleiblich gehalten/
und in der Warheit also befunden wird.

Der bey allen Gelehrten bekannte und gepriesne
Pater Athan. Kircherus giebt in seinem Mundo subter-
ranco Tom. I. fol.
247. von denen durch der Erden Be-
schaffenheit inficirten Wassern diesen Unterscheid/ und
sagt/ sie sind entweder gesaltzen/ oder vom Nitro, A-
laun/ Vitriol/ Schwefel/ Kupffer-Rost/ Kalch und
Gyps/ Metallen/ Bitumine, oder feisten Schwefel-
Laim/ Quecksilber/ Eisen/ Ertz/ oder Steinmachen-
den mineris vermenget/ und daher werden sie sauer/ bit-
ter/ gesaltzen/ warm/ kalt/ fett oder ölicht/ gifftig/ ge-
färbt/ aufsiedend/ verwandelhafftig/ reinigend/ und ge-
wissen Gliedern heilsam; und sagt ferner: Ex horum
singulorun cum singulis combinatione nascitur admi-
rabilis illa aquarum varietas, quam Philosophi conci-
pere nequiverunt, has enim species si juxta artis no-
strae combinatoriae principia conjugaveris, nascentur
47900160, quadringenti septuaginta novem millio-
nes, mille sexcentae aquarum differentium species~.
Has iterum si in differentes terrestrium glebarum,
salium, nitri, aluminis, vitrioli, sulphuris, metallo-
rum species resolveris, numerum habebis, qui omnem
numerum arenae maris excedat.
Daher sich niemand
über den so grossen und unbegreifflichen Unterscheid der
Wasser verwundern darff.

Cap.
L l l
Eilfftes Buch/ Waſſer-Luſt.
Cap. IV.
Vom Unterſcheid der Waſſer.
[Spaltenumbruch]

WJe unterſchiedliche Waſſer ſind/ darnach ha-
ben ſie auch andere und andere Eigenſchafften;
Das Regen-Waſſer/ wann es zu rechter Zeit
gefangen wird/ haͤlt man fuͤr das reineſte und ſubti-
leſte.

Darnach ſind die kalten und Cryſtallinenen Bron-
nenquellen/ die aus den Gebuͤrgen und hohen Orten ent-
ſpringen/ die zwar an ihm ſelbſt meiſtentheils fuͤr gut und
geſund geprieſen werden/ dennoch bißweilen/ wann ſie
durch ſchwefelichte/ ſalnitriſche und mineraliſche Gruͤn-
de percoliren und rinnen/ auch die Art/ Guͤte oder Boß-
heit derſelben mit ſich fortfuͤhren/ und alſo die angebohr-
ne qualitet und Eigenſchafft damit aͤndern oder gar ver-
lieren.
3. Sind die Schoͤpffbronnen/ die durch Kunſt
und Muͤhe offt tieff unter der Erden muͤſſen geſucht und
gegraben werden.
4. Jſt das flieſſende Waſſer/ ſo wieder einen groſ-
ſen Unterſcheid leidet/ nachdem es uͤber ſteinichte/ kie-
ſichte/ ſandichte/ oder aber laimichte/ maraſſige und fet-
te Gruͤnde lauffet/ entweder an der Farb ſelbſt/ dunck-
ler/ roͤthlichter/ blaulichter oder klaͤrer/ oder aber von
dem Gegenſchein des Grundes einem alſo gefaͤrbt zu
ſeyn ſcheinet; Nicht allein in groſſen Fluͤſſen/ als in un-
ſerer Donau/ deren Waſſer eine abſonderliche blaulicht-
graue Farbe/ daher in Oeſterreich die Donau-Farb/ als
eine abſonderliche Species Coloris genennet wird/ und
ſiehet man ſo wol bey Maͤtthauſen/ da die Ennß/ als bey
Paſſau/ da der Jnn von Mittag/ und die Jltz von Mit-
ternachtwerts in die Donau flieſſet/ von jedem Fluß die
unterſchiedlichen Farben lange Zeit unvermenget/ als
wie der Rhein/ der auch durch den gantzen Bodenſee
ſeine Farbe behaͤlt/ und durch und durch/ biß zu ſeinem
Ausfluß leichtlich von dem See-Waſſer erkennet wird.
Darzu gehoͤren auch die kleinern Fluͤßlein und Baͤche/
die allenthalben den groſſen Fluͤſſen ihren Tribut und
Zoll abfuͤhren/ auch Felder und Wieſen mit ihrer An-
grentzung bewaͤſſern und erquicken.
5. Giebt es Saltzbronnen/ wie zu Hall und
Gmuͤnden/ im Land ob der Ennß/ davon das gantze
Ober- und Unter-Oeſterreich mit Saltz verſehen
wird.
6. Sind die Sauerbronnen/ die mit ihrer durch-
dringenden Art die Kroͤs-Aederlein durchweichen/ und
die Verſtopffungen der innerlichen Glieder eroͤffnen/ ei-
nen Appetit zum Eſſen machen/ und zu vielerley Ge-
brechen tauglich und heilſam ſind.
7. Finden ſich auch Geſund-Baͤder/ etliche warm/
wie zu Baden/ vier Meil von Wien/ da Jaͤhrlich eine
fuͤrtreffliche und beruͤhmte Geſellſchafft im Fruͤling und
Anfang des Sommers zuſammen kommet/ ſowol der
Geſundheit/ als des Luſts zu pflegen/ und von der Re-
gierenden Roͤmiſchen Kayſerl. Mayeſtaͤt/ unſerer Aller-
[Spaltenumbruch] gnaͤdigſten Herꝛſchafft/ und Dero Hofſtatt ſelbſten offt
mit Dero Gegenwart gewuͤrdiget wird. So giebt es
auch andere treffliche Geſund-Baͤder in Oeſterreich o-
der an den Grentzen/ die man zwar waͤrmen muß/
nichts deſtoweniger aber/ wegen ihrer mannigfaltigen
Wirckung/ Jaͤhrlich groſſen Zulauff haben/ als das
Bad zu Heylbronn/ zu Maͤnnerſtorff/ zu Obern-
Walſee.
8. Giebt es/ ſonderlich wo Bergwerck ſind/ aller-
ley vermiſchte Waſſer von Saliter/ Schwefel/ Alaun/
Pech/ Ertz/ Silber/ Eyſen/ Bley/ Kupffer und an-
dern unterſchiedenen Mineralien/ nach des Grundes
Jnbegriff/ durchgegangen und vermenget.
9. Die aͤrgſten Waſſer werden die gehalten/ die
in Maraſſen/ Pfuͤtzen/ Lacken/ Seen und Teichen ſich
befinden/ wiewol in dieſen zweyen letztern auch ein groſſer
Unterſcheid/ nachdem ſie aus guten und boͤſen Quellen
herentſpringen.
10. So ſind auch etliche Waſſer zu etwas taugli-
cher oder undienlicher/ als die andern/ als etliche ſind
gut und bequem zum Bierbraͤuen/ zum Kochen/ zum
Bleichen/ dieſe und jene Farb beſſer oder weniger aus-
zutrocknen/ zum Weiſſen/ den Stahl zu temperiren/
alſo daß man an zwey/ drey/ oder mehr Orten/ wo man
gleiches Maltz und Hopffen giebt/ gleichen Fleiß zum
Braͤuen anwendet/ dennoch die meiſte Schuld dem
Waſſer zueignet/ wann es hier ſtarck/ lang-liegend und
gut/ an jenem aber gering und nicht bleiblich gehalten/
und in der Warheit alſo befunden wird.

Der bey allen Gelehrten bekannte und geprieſne
Pater Athan. Kircherus giebt in ſeinem Mundo ſubter-
ranco Tom. I. fol.
247. von denen durch der Erden Be-
ſchaffenheit inficirten Waſſern dieſen Unterſcheid/ und
ſagt/ ſie ſind entweder geſaltzen/ oder vom Nitro, A-
laun/ Vitriol/ Schwefel/ Kupffer-Roſt/ Kalch und
Gyps/ Metallen/ Bitumine, oder feiſten Schwefel-
Laim/ Queckſilber/ Eiſen/ Ertz/ oder Steinmachen-
den mineris vermenget/ und daher werden ſie ſauer/ bit-
ter/ geſaltzen/ warm/ kalt/ fett oder oͤlicht/ gifftig/ ge-
faͤrbt/ aufſiedend/ verwandelhafftig/ reinigend/ und ge-
wiſſen Gliedern heilſam; und ſagt ferner: Ex horum
ſingulorũ cum ſingulis combinatione naſcitur admi-
rabilis illa aquarum varietas, quam Philoſophi conci-
pere nequiverunt, has enim ſpecies ſi juxta artis no-
ſtræ combinatoriæ principia conjugaveris, naſcentur
47900160, quadringenti ſeptuaginta novem millio-
nes, mille ſexcentæ aquarum differentium ſpecies~.
Has iterum ſi in differentes terreſtrium glebarum,
ſalium, nitri, aluminis, vitrioli, ſulphuris, metallo-
rum ſpecies reſolveris, numerum habebis, qui omnem
numerum arenæ maris excedat.
Daher ſich niemand
uͤber den ſo groſſen und unbegreifflichen Unterſcheid der
Waſſer verwundern darff.

Cap.
L l l
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <pb facs="#f0467" n="449"/>
          <fw place="top" type="header"> <hi rendition="#b">Eilfftes Buch/ Wa&#x017F;&#x017F;er-Lu&#x017F;t.</hi> </fw><lb/>
          <div n="3">
            <head> <hi rendition="#b"> <hi rendition="#aq"> <hi rendition="#g"><hi rendition="#k">Cap.</hi> IV.</hi> </hi> </hi><lb/> <hi rendition="#fr">Vom Unter&#x017F;cheid der Wa&#x017F;&#x017F;er.</hi> </head><lb/>
            <cb/>
            <p><hi rendition="#in">W</hi>Je unter&#x017F;chiedliche Wa&#x017F;&#x017F;er &#x017F;ind/ darnach ha-<lb/>
ben &#x017F;ie auch andere und andere Eigen&#x017F;chafften;<lb/>
Das Regen-Wa&#x017F;&#x017F;er/ wann es zu rechter Zeit<lb/>
gefangen wird/ ha&#x0364;lt man fu&#x0364;r das reine&#x017F;te und &#x017F;ubti-<lb/>
le&#x017F;te.</p><lb/>
            <list>
              <item>Darnach &#x017F;ind die kalten und Cry&#x017F;tallinenen Bron-<lb/>
nenquellen/ die aus den Gebu&#x0364;rgen und hohen Orten ent-<lb/>
&#x017F;pringen/ die zwar an ihm &#x017F;elb&#x017F;t mei&#x017F;tentheils fu&#x0364;r gut und<lb/>
ge&#x017F;und geprie&#x017F;en werden/ dennoch bißweilen/ wann &#x017F;ie<lb/>
durch &#x017F;chwefelichte/ <hi rendition="#aq">&#x017F;alnitri</hi>&#x017F;che und <hi rendition="#aq">minerali</hi>&#x017F;che Gru&#x0364;n-<lb/>
de <hi rendition="#aq">percoli</hi>ren und rinnen/ auch die Art/ Gu&#x0364;te oder Boß-<lb/>
heit der&#x017F;elben mit &#x017F;ich fortfu&#x0364;hren/ und al&#x017F;o die angebohr-<lb/>
ne <hi rendition="#aq">qualitet</hi> und Eigen&#x017F;chafft damit a&#x0364;ndern oder gar ver-<lb/>
lieren.</item><lb/>
              <item>3. Sind die Scho&#x0364;pffbronnen/ die durch Kun&#x017F;t<lb/>
und Mu&#x0364;he offt tieff unter der Erden mu&#x0364;&#x017F;&#x017F;en ge&#x017F;ucht und<lb/>
gegraben werden.</item><lb/>
              <item>4. J&#x017F;t das flie&#x017F;&#x017F;ende Wa&#x017F;&#x017F;er/ &#x017F;o wieder einen gro&#x017F;-<lb/>
&#x017F;en Unter&#x017F;cheid leidet/ nachdem es u&#x0364;ber &#x017F;teinichte/ kie-<lb/>
&#x017F;ichte/ &#x017F;andichte/ oder aber laimichte/ mara&#x017F;&#x017F;ige und fet-<lb/>
te Gru&#x0364;nde lauffet/ entweder an der Farb &#x017F;elb&#x017F;t/ dunck-<lb/>
ler/ ro&#x0364;thlichter/ blaulichter oder kla&#x0364;rer/ oder aber von<lb/>
dem Gegen&#x017F;chein des Grundes einem al&#x017F;o gefa&#x0364;rbt zu<lb/>
&#x017F;eyn &#x017F;cheinet; Nicht allein in gro&#x017F;&#x017F;en Flu&#x0364;&#x017F;&#x017F;en/ als in un-<lb/>
&#x017F;erer Donau/ deren Wa&#x017F;&#x017F;er eine ab&#x017F;onderliche blaulicht-<lb/>
graue Farbe/ daher in Oe&#x017F;terreich die Donau-Farb/ als<lb/>
eine ab&#x017F;onderliche <hi rendition="#aq">Species Coloris</hi> genennet wird/ und<lb/>
&#x017F;iehet man &#x017F;o wol bey Ma&#x0364;tthau&#x017F;en/ da die Ennß/ als bey<lb/>
Pa&#x017F;&#x017F;au/ da der Jnn von Mittag/ und die Jltz von Mit-<lb/>
ternachtwerts in die Donau flie&#x017F;&#x017F;et/ von jedem Fluß die<lb/>
unter&#x017F;chiedlichen Farben lange Zeit unvermenget/ als<lb/>
wie der Rhein/ der auch durch den gantzen Boden&#x017F;ee<lb/>
&#x017F;eine Farbe beha&#x0364;lt/ und durch und durch/ biß zu &#x017F;einem<lb/>
Ausfluß leichtlich von dem See-Wa&#x017F;&#x017F;er erkennet wird.<lb/>
Darzu geho&#x0364;ren auch die kleinern Flu&#x0364;ßlein und Ba&#x0364;che/<lb/>
die allenthalben den gro&#x017F;&#x017F;en Flu&#x0364;&#x017F;&#x017F;en ihren Tribut und<lb/>
Zoll abfu&#x0364;hren/ auch Felder und Wie&#x017F;en mit ihrer An-<lb/>
grentzung bewa&#x0364;&#x017F;&#x017F;ern und erquicken.</item><lb/>
              <item>5. Giebt es Saltzbronnen/ wie zu Hall und<lb/>
Gmu&#x0364;nden/ im Land ob der Ennß/ davon das gantze<lb/>
Ober- und Unter-Oe&#x017F;terreich mit Saltz ver&#x017F;ehen<lb/>
wird.</item><lb/>
              <item>6. Sind die Sauerbronnen/ die mit ihrer durch-<lb/>
dringenden Art die Kro&#x0364;s-Aederlein durchweichen/ und<lb/>
die Ver&#x017F;topffungen der innerlichen Glieder ero&#x0364;ffnen/ ei-<lb/>
nen <hi rendition="#aq">Appetit</hi> zum E&#x017F;&#x017F;en machen/ und zu vielerley Ge-<lb/>
brechen tauglich und heil&#x017F;am &#x017F;ind.</item><lb/>
              <item>7. Finden &#x017F;ich auch Ge&#x017F;und-Ba&#x0364;der/ etliche warm/<lb/>
wie zu Baden/ vier Meil von Wien/ da Ja&#x0364;hrlich eine<lb/>
fu&#x0364;rtreffliche und beru&#x0364;hmte Ge&#x017F;ell&#x017F;chafft im Fru&#x0364;ling und<lb/>
Anfang des Sommers zu&#x017F;ammen kommet/ &#x017F;owol der<lb/>
Ge&#x017F;undheit/ als des Lu&#x017F;ts zu pflegen/ und von der Re-<lb/>
gierenden Ro&#x0364;mi&#x017F;chen Kay&#x017F;erl. Maye&#x017F;ta&#x0364;t/ un&#x017F;erer Aller-<lb/><cb/>
gna&#x0364;dig&#x017F;ten Her&#xA75B;&#x017F;chafft/ und Dero Hof&#x017F;tatt &#x017F;elb&#x017F;ten offt<lb/>
mit Dero Gegenwart gewu&#x0364;rdiget wird. So giebt es<lb/>
auch andere treffliche Ge&#x017F;und-Ba&#x0364;der in Oe&#x017F;terreich o-<lb/>
der an den Grentzen/ die man zwar wa&#x0364;rmen muß/<lb/>
nichts de&#x017F;toweniger aber/ wegen ihrer mannigfaltigen<lb/>
Wirckung/ Ja&#x0364;hrlich gro&#x017F;&#x017F;en Zulauff haben/ als das<lb/>
Bad zu Heylbronn/ zu Ma&#x0364;nner&#x017F;torff/ zu Obern-<lb/>
Wal&#x017F;ee.</item><lb/>
              <item>8. Giebt es/ &#x017F;onderlich wo Bergwerck &#x017F;ind/ aller-<lb/>
ley vermi&#x017F;chte Wa&#x017F;&#x017F;er von Saliter/ Schwefel/ Alaun/<lb/>
Pech/ Ertz/ Silber/ Ey&#x017F;en/ Bley/ Kupffer und an-<lb/>
dern unter&#x017F;chiedenen <hi rendition="#aq">Minerali</hi>en/ nach des Grundes<lb/>
Jnbegriff/ durchgegangen und vermenget.</item><lb/>
              <item>9. Die a&#x0364;rg&#x017F;ten Wa&#x017F;&#x017F;er werden die gehalten/ die<lb/>
in Mara&#x017F;&#x017F;en/ Pfu&#x0364;tzen/ Lacken/ Seen und Teichen &#x017F;ich<lb/>
befinden/ wiewol in die&#x017F;en zweyen letztern auch ein gro&#x017F;&#x017F;er<lb/>
Unter&#x017F;cheid/ nachdem &#x017F;ie aus guten und bo&#x0364;&#x017F;en Quellen<lb/>
herent&#x017F;pringen.</item><lb/>
              <item>10. So &#x017F;ind auch etliche Wa&#x017F;&#x017F;er zu etwas taugli-<lb/>
cher oder undienlicher/ als die andern/ als etliche &#x017F;ind<lb/>
gut und bequem zum Bierbra&#x0364;uen/ zum Kochen/ zum<lb/>
Bleichen/ die&#x017F;e und jene Farb be&#x017F;&#x017F;er oder weniger aus-<lb/>
zutrocknen/ zum Wei&#x017F;&#x017F;en/ den Stahl zu <hi rendition="#aq">temperi</hi>ren/<lb/>
al&#x017F;o daß man an zwey/ drey/ oder mehr Orten/ wo man<lb/>
gleiches Maltz und Hopffen giebt/ gleichen Fleiß zum<lb/>
Bra&#x0364;uen anwendet/ dennoch die mei&#x017F;te Schuld dem<lb/>
Wa&#x017F;&#x017F;er zueignet/ wann es hier &#x017F;tarck/ lang-liegend und<lb/>
gut/ an jenem aber gering und nicht bleiblich gehalten/<lb/>
und in der Warheit al&#x017F;o befunden wird.</item>
            </list><lb/>
            <p>Der bey allen Gelehrten bekannte und geprie&#x017F;ne<lb/><hi rendition="#aq">Pater Athan. Kircherus</hi> giebt in &#x017F;einem <hi rendition="#aq">Mundo &#x017F;ubter-<lb/>
ranco Tom. I. fol.</hi> 247. von denen durch der Erden Be-<lb/>
&#x017F;chaffenheit <hi rendition="#aq">inficirt</hi>en Wa&#x017F;&#x017F;ern die&#x017F;en Unter&#x017F;cheid/ und<lb/>
&#x017F;agt/ &#x017F;ie &#x017F;ind entweder ge&#x017F;altzen/ oder vom <hi rendition="#aq">Nitro,</hi> A-<lb/>
laun/ Vitriol/ Schwefel/ Kupffer-Ro&#x017F;t/ Kalch und<lb/>
Gyps/ Metallen/ <hi rendition="#aq">Bitumine,</hi> oder fei&#x017F;ten Schwefel-<lb/>
Laim/ Queck&#x017F;ilber/ Ei&#x017F;en/ Ertz/ oder Steinmachen-<lb/>
den <hi rendition="#aq">mineris</hi> vermenget/ und daher werden &#x017F;ie &#x017F;auer/ bit-<lb/>
ter/ ge&#x017F;altzen/ warm/ kalt/ fett oder o&#x0364;licht/ gifftig/ ge-<lb/>
fa&#x0364;rbt/ auf&#x017F;iedend/ verwandelhafftig/ reinigend/ und ge-<lb/>
wi&#x017F;&#x017F;en Gliedern heil&#x017F;am; und &#x017F;agt ferner: <hi rendition="#aq">Ex horum<lb/>
&#x017F;inguloru&#x0303; cum &#x017F;ingulis combinatione na&#x017F;citur admi-<lb/>
rabilis illa aquarum varietas, quam Philo&#x017F;ophi conci-<lb/>
pere nequiverunt, has enim &#x017F;pecies &#x017F;i juxta artis no-<lb/>
&#x017F;træ combinatoriæ principia conjugaveris, na&#x017F;centur<lb/>
47900160, quadringenti &#x017F;eptuaginta novem millio-<lb/>
nes, mille &#x017F;excentæ aquarum differentium &#x017F;pecies~.<lb/>
Has iterum &#x017F;i in differentes terre&#x017F;trium glebarum,<lb/>
&#x017F;alium, nitri, aluminis, vitrioli, &#x017F;ulphuris, metallo-<lb/>
rum &#x017F;pecies re&#x017F;olveris, numerum habebis, qui omnem<lb/>
numerum arenæ maris excedat.</hi> Daher &#x017F;ich niemand<lb/>
u&#x0364;ber den &#x017F;o gro&#x017F;&#x017F;en und unbegreifflichen Unter&#x017F;cheid der<lb/>
Wa&#x017F;&#x017F;er verwundern darff.</p>
          </div><lb/>
          <fw place="bottom" type="sig">&#x2741; <hi rendition="#fr">L l l</hi></fw>
          <fw place="bottom" type="catch"> <hi rendition="#aq"> <hi rendition="#b"> <hi rendition="#g"> <hi rendition="#k">Cap.</hi> </hi> </hi> </hi> </fw><lb/>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[449/0467] Eilfftes Buch/ Waſſer-Luſt. Cap. IV. Vom Unterſcheid der Waſſer. WJe unterſchiedliche Waſſer ſind/ darnach ha- ben ſie auch andere und andere Eigenſchafften; Das Regen-Waſſer/ wann es zu rechter Zeit gefangen wird/ haͤlt man fuͤr das reineſte und ſubti- leſte. Darnach ſind die kalten und Cryſtallinenen Bron- nenquellen/ die aus den Gebuͤrgen und hohen Orten ent- ſpringen/ die zwar an ihm ſelbſt meiſtentheils fuͤr gut und geſund geprieſen werden/ dennoch bißweilen/ wann ſie durch ſchwefelichte/ ſalnitriſche und mineraliſche Gruͤn- de percoliren und rinnen/ auch die Art/ Guͤte oder Boß- heit derſelben mit ſich fortfuͤhren/ und alſo die angebohr- ne qualitet und Eigenſchafft damit aͤndern oder gar ver- lieren. 3. Sind die Schoͤpffbronnen/ die durch Kunſt und Muͤhe offt tieff unter der Erden muͤſſen geſucht und gegraben werden. 4. Jſt das flieſſende Waſſer/ ſo wieder einen groſ- ſen Unterſcheid leidet/ nachdem es uͤber ſteinichte/ kie- ſichte/ ſandichte/ oder aber laimichte/ maraſſige und fet- te Gruͤnde lauffet/ entweder an der Farb ſelbſt/ dunck- ler/ roͤthlichter/ blaulichter oder klaͤrer/ oder aber von dem Gegenſchein des Grundes einem alſo gefaͤrbt zu ſeyn ſcheinet; Nicht allein in groſſen Fluͤſſen/ als in un- ſerer Donau/ deren Waſſer eine abſonderliche blaulicht- graue Farbe/ daher in Oeſterreich die Donau-Farb/ als eine abſonderliche Species Coloris genennet wird/ und ſiehet man ſo wol bey Maͤtthauſen/ da die Ennß/ als bey Paſſau/ da der Jnn von Mittag/ und die Jltz von Mit- ternachtwerts in die Donau flieſſet/ von jedem Fluß die unterſchiedlichen Farben lange Zeit unvermenget/ als wie der Rhein/ der auch durch den gantzen Bodenſee ſeine Farbe behaͤlt/ und durch und durch/ biß zu ſeinem Ausfluß leichtlich von dem See-Waſſer erkennet wird. Darzu gehoͤren auch die kleinern Fluͤßlein und Baͤche/ die allenthalben den groſſen Fluͤſſen ihren Tribut und Zoll abfuͤhren/ auch Felder und Wieſen mit ihrer An- grentzung bewaͤſſern und erquicken. 5. Giebt es Saltzbronnen/ wie zu Hall und Gmuͤnden/ im Land ob der Ennß/ davon das gantze Ober- und Unter-Oeſterreich mit Saltz verſehen wird. 6. Sind die Sauerbronnen/ die mit ihrer durch- dringenden Art die Kroͤs-Aederlein durchweichen/ und die Verſtopffungen der innerlichen Glieder eroͤffnen/ ei- nen Appetit zum Eſſen machen/ und zu vielerley Ge- brechen tauglich und heilſam ſind. 7. Finden ſich auch Geſund-Baͤder/ etliche warm/ wie zu Baden/ vier Meil von Wien/ da Jaͤhrlich eine fuͤrtreffliche und beruͤhmte Geſellſchafft im Fruͤling und Anfang des Sommers zuſammen kommet/ ſowol der Geſundheit/ als des Luſts zu pflegen/ und von der Re- gierenden Roͤmiſchen Kayſerl. Mayeſtaͤt/ unſerer Aller- gnaͤdigſten Herꝛſchafft/ und Dero Hofſtatt ſelbſten offt mit Dero Gegenwart gewuͤrdiget wird. So giebt es auch andere treffliche Geſund-Baͤder in Oeſterreich o- der an den Grentzen/ die man zwar waͤrmen muß/ nichts deſtoweniger aber/ wegen ihrer mannigfaltigen Wirckung/ Jaͤhrlich groſſen Zulauff haben/ als das Bad zu Heylbronn/ zu Maͤnnerſtorff/ zu Obern- Walſee. 8. Giebt es/ ſonderlich wo Bergwerck ſind/ aller- ley vermiſchte Waſſer von Saliter/ Schwefel/ Alaun/ Pech/ Ertz/ Silber/ Eyſen/ Bley/ Kupffer und an- dern unterſchiedenen Mineralien/ nach des Grundes Jnbegriff/ durchgegangen und vermenget. 9. Die aͤrgſten Waſſer werden die gehalten/ die in Maraſſen/ Pfuͤtzen/ Lacken/ Seen und Teichen ſich befinden/ wiewol in dieſen zweyen letztern auch ein groſſer Unterſcheid/ nachdem ſie aus guten und boͤſen Quellen herentſpringen. 10. So ſind auch etliche Waſſer zu etwas taugli- cher oder undienlicher/ als die andern/ als etliche ſind gut und bequem zum Bierbraͤuen/ zum Kochen/ zum Bleichen/ dieſe und jene Farb beſſer oder weniger aus- zutrocknen/ zum Weiſſen/ den Stahl zu temperiren/ alſo daß man an zwey/ drey/ oder mehr Orten/ wo man gleiches Maltz und Hopffen giebt/ gleichen Fleiß zum Braͤuen anwendet/ dennoch die meiſte Schuld dem Waſſer zueignet/ wann es hier ſtarck/ lang-liegend und gut/ an jenem aber gering und nicht bleiblich gehalten/ und in der Warheit alſo befunden wird. Der bey allen Gelehrten bekannte und geprieſne Pater Athan. Kircherus giebt in ſeinem Mundo ſubter- ranco Tom. I. fol. 247. von denen durch der Erden Be- ſchaffenheit inficirten Waſſern dieſen Unterſcheid/ und ſagt/ ſie ſind entweder geſaltzen/ oder vom Nitro, A- laun/ Vitriol/ Schwefel/ Kupffer-Roſt/ Kalch und Gyps/ Metallen/ Bitumine, oder feiſten Schwefel- Laim/ Queckſilber/ Eiſen/ Ertz/ oder Steinmachen- den mineris vermenget/ und daher werden ſie ſauer/ bit- ter/ geſaltzen/ warm/ kalt/ fett oder oͤlicht/ gifftig/ ge- faͤrbt/ aufſiedend/ verwandelhafftig/ reinigend/ und ge- wiſſen Gliedern heilſam; und ſagt ferner: Ex horum ſingulorũ cum ſingulis combinatione naſcitur admi- rabilis illa aquarum varietas, quam Philoſophi conci- pere nequiverunt, has enim ſpecies ſi juxta artis no- ſtræ combinatoriæ principia conjugaveris, naſcentur 47900160, quadringenti ſeptuaginta novem millio- nes, mille ſexcentæ aquarum differentium ſpecies~. Has iterum ſi in differentes terreſtrium glebarum, ſalium, nitri, aluminis, vitrioli, ſulphuris, metallo- rum ſpecies reſolveris, numerum habebis, qui omnem numerum arenæ maris excedat. Daher ſich niemand uͤber den ſo groſſen und unbegreifflichen Unterſcheid der Waſſer verwundern darff. Cap. ❁ L l l

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/hohberg_georgica02_1682
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/hohberg_georgica02_1682/467
Zitationshilfe: Hohberg, Wolf Helmhard von: Georgica Curiosa. Bd. 2. Nürnberg, 1682, S. 449. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/hohberg_georgica02_1682/467>, abgerufen am 22.10.2018.