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Hohberg, Wolf Helmhard von: Georgica Curiosa. Bd. 2. Nürnberg, 1682.

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Zwölfftes Buch/ Holtz und Weidwerck.
Cap. XI.
Vom Waldmist und Misteln.
[Spaltenumbruch]

ES pflegen die Unterthanen an etlichen Orten/ in
den Wäldern den Holtzmist/ oder das Gereusicht
was von den Waldbäumen abfället/ mit höltz er-
nen/ auch wol mit eisernen Rechen zusammen auf Hauf-
fen zu bringen/ hernach weg zu führen/ und unter ihre
Miststätte zu der andern Stalldung zu schütten/ der
Meynung/ daß solches dem Holtzgrund/ wann er sau-
der abgeraumet wird/ nützlicher sey/ und Anlaß gebe/
desto eher wieder junges Holtz anzutreiben. Die Er-
fahrung aber zeigt das Widerspiel/ und die Vernunfft
gibt es selbst/ daß diese abgefallene Blätter und Ge-
reusicht von den Tannen/ Föhren und Fiechten ihrer
Wurtzen eine gute Dung/ und Wärme den Winter
durch geben/ da hingegen wann die deren entblöset sind/
einen guten warmen Peltz/ also zu sagen/ dardurch ver-
lieren; zudem wird ein Jeder sehen/ daß die jungen Tan-
nen/ Föhren und dergleichen Bäume von dem Saamen
der herab fällt/ den Winter über unter diesen Blättern
desto weniger erfrieren/ lieber wachsen/ durch das Mist-
rechen aber werden diese jungen zarten Bäumlein mit
samt dem Reusicht/ ausgerissen/ daß also kein junges
[Spaltenumbruch] Holtz recht nachwachsen kan/ daher dißfalls solcher Un-
rath billich zu verhindern und abzustellen/ und wann ja
Mangel an der Dung/ soll es doch nur mit weitzähnich-
ten/ stumpffen/ nicht aber mit eisernen oder scharffen
engen Rechen geschehen. Wiewol es besser wäre/ man
trachtete auf andere Weise die Aecker zu dungen/ als
mit solchen grossen Schaden des Gehöltzes.

Gleichergestalt werden die Wälder verringert/ wann
man mit dem Mistel abwerffen/ oder die Vogelbeer zu
sammlen mit den Bäumen grob umgehet/ die Aeste zer-
bricht und verletzt; also thun auch die fürwitzigen Jun-
gen in den Wäldern/ wann sie die Vögelnester zur Un-
zeit zusammen suchen/ sonderlich wann sie solche in den
hohlen Bäumen antreffen/ mit Aufhauen und Eröff-
nung durch Gewalt der Hacken/ nicht geringen Nach-
theil/ daß sie lieber einen gantzen Baum verderben/ als ein
Nest zurucke lassen wollen/ da denn die Forster und ihre
Nachgesetzte fleissige Obsicht tragen sollen/ damit der-
gleichen Frevel und Muthwillen abgestellet/ und die U-
bertretter gepfändet/ und mit allem Ernst abgestrafft
werden sollen.

Cap. XII.
Andere Verbott und Beobachtungen in den Wäldern.
[Spaltenumbruch]
ES geschihet unter andern in den Wäldern auch
dieser Mißbrauch/ wo etwan Holtzobst/ Aepffel/
Birnen und dergleichen zu finden ist/ daß die
Wildlinge von fremden vagirenden Leuten allenthal-
ben aufgesucht/ ausgegraben und hin und wieder ver-
kaufft werden/ welche nicht weniger mit Straffe zu be-
legen/ man habe dann von der Herrschafft absonderliche
Erlaubnis.
2. Soll auch Niemand/ ohne Bewilligung/ das
alte Gras und die Haiden in den Gehöltz/ Aenger oder
Wiesen abbrennen; und da ihm auch solches gegönnet
würde/ soll er vor allen acht haben/ damit durch das
Feuer/ wie leichtlich geschehen kan/ im Forst kein Scha-
den geschehen möge/ und soll er im widrigen Fall darfür
hafften.
3. Die Holtzbediente sollen mit keinem Holtz/ Koh-
len/ Wid/ Wildlingen oder was dem Holtz anhängig
ist/ nicht handeln/ bey Verlust ihres Dienstes und dem
Verbrechen nach/ unausbleiblicher Straffe.
4. Denen Schäfern und Hirten soll mit Ernst
verbotten seyn/ daß sie zwischen Pfingsten und Michaelis
kein Feuer in Wäldern und Feldern anzünden; bey kal-
tem Wetter aber mögen sie wol alte Stöcke aushacken/
und ihnen ein Feuer davon machen/ doch mit dieser Auf-
sicht und Beding/ daß sie solches unausgelöschter nie-
mal verlassen; und soll/ wann Gemeinhalter dem Viehe
zugestellet sind/ ein jeder Hauswirth für seine Dienst-
boten und Hirten hafften und büssen/ daher er ihnen sol-
che Obsicht desto schärffer einbinden solle.
5. Die Holtzbeamten sollen von dem Holtz weder
Scheitter/ noch Bauholtz/ noch etwas anders/ was zum
Forstwesen gehört/ wegschencken/ oder etwas nachlassen
[Spaltenumbruch] an Geld oder Holtz/ es geschehe gleich unter was Schein
und Praetext es immer wolle; sondern sollen verbunden
seyn/ ihren Ordnungen in allem und jeden richtig nach-
zugehen/ weil solches nicht ihnen/ sondern allein der
Herrschafft zustehet/ weil es meistentheils nur Partiten
und andere böse Consequentien nach sich zu ziehen pfle-
get.
6. Weil/ indem man das Holtz zum Brennen
oder Kohlen Stammweise abgiebt/ grosser Betrug mit
untergehen kan/ als ist allweg gewisser/ daß mans hauet/
und zu Klafftern aufrichtet.
7. Auf diejenigen/ denen das Holtz zu ihrer Noth-
durfft in dem Forst zu nehmen/ erlaubt ist/ soll man wol
acht haben/ ob sie solches nicht anderwärts weiter ver-
kauffen/ so ihnen nicht gebühret/ daher zu straffen/ oder
solcher Freyheit gar verlustigt zu machen.
8. Die Holtzfuhren sollen in den Wäldern keine
neue Wege/ ihres Gefallens/ machen/ weil damit viel
junge Bäume zu schanden geführt werden/ daher auch
zu befehlen/ daß die Aufrichtung der Klaffter nahend an
den gewöhnlichen Holtz- und Landstrassen fürgenommen
werde.
9. Die Gipfel von Tannen/ Fiechten/ Kranwethen/
und dergleichen sollen zu Wein- und Bierzeigern nicht
gestattet seyn/ weil dardurch viel junges Holtz verderbet
wird/ daher es zu verbieten/ und wo in Schenck- und
Wirthshäusern/ über das Verbott gehandelt wird/
zu straffen/ und können sie zu ihren Zeigern wol von Tan-
nen und dergleichen Reisicht geflochtene Büsche oder
Kräntze gebrauchen.
10. Die Unterthanen und Schäfer sollen ihren
Hunden Prügel anhencken/ und sie nicht in den Forst ja-
gen
Zwoͤlfftes Buch/ Holtz und Weidwerck.
Cap. XI.
Vom Waldmiſt und Miſteln.
[Spaltenumbruch]

ES pflegen die Unterthanen an etlichen Orten/ in
den Waͤldern den Holtzmiſt/ oder das Gereuſicht
was von den Waldbaͤumen abfaͤllet/ mit hoͤltz er-
nen/ auch wol mit eiſernen Rechen zuſammen auf Hauf-
fen zu bringen/ hernach weg zu fuͤhren/ und unter ihre
Miſtſtaͤtte zu der andern Stalldung zu ſchuͤtten/ der
Meynung/ daß ſolches dem Holtzgrund/ wann er ſau-
der abgeraumet wird/ nuͤtzlicher ſey/ und Anlaß gebe/
deſto eher wieder junges Holtz anzutreiben. Die Er-
fahrung aber zeigt das Widerſpiel/ und die Vernunfft
gibt es ſelbſt/ daß dieſe abgefallene Blaͤtter und Ge-
reuſicht von den Tannen/ Foͤhren und Fiechten ihrer
Wurtzen eine gute Dung/ und Waͤrme den Winter
durch geben/ da hingegen wann die deren entbloͤſet ſind/
einen guten warmen Peltz/ alſo zu ſagen/ dardurch ver-
lieren; zudem wird ein Jeder ſehen/ daß die jungen Tan-
nen/ Foͤhren und dergleichen Baͤume von dem Saamen
der herab faͤllt/ den Winter uͤber unter dieſen Blaͤttern
deſto weniger erfrieren/ lieber wachſen/ durch das Miſt-
rechen aber werden dieſe jungen zarten Baͤumlein mit
ſamt dem Reuſicht/ ausgeriſſen/ daß alſo kein junges
[Spaltenumbruch] Holtz recht nachwachſen kan/ daher dißfalls ſolcher Un-
rath billich zu verhindern und abzuſtellen/ und wann ja
Mangel an der Dung/ ſoll es doch nur mit weitzaͤhnich-
ten/ ſtumpffen/ nicht aber mit eiſernen oder ſcharffen
engen Rechen geſchehen. Wiewol es beſſer waͤre/ man
trachtete auf andere Weiſe die Aecker zu dungen/ als
mit ſolchen groſſen Schaden des Gehoͤltzes.

Gleichergeſtalt werden die Waͤlder verringert/ wann
man mit dem Miſtel abwerffen/ oder die Vogelbeer zu
ſammlen mit den Baͤumen grob umgehet/ die Aeſte zer-
bricht und verletzt; alſo thun auch die fuͤrwitzigen Jun-
gen in den Waͤldern/ wann ſie die Voͤgelneſter zur Un-
zeit zuſammen ſuchen/ ſonderlich wann ſie ſolche in den
hohlen Baͤumen antreffen/ mit Aufhauen und Eroͤff-
nung durch Gewalt der Hacken/ nicht geringen Nach-
theil/ daß ſie lieber einen gantzen Baum verdeꝛben/ als ein
Neſt zurucke laſſen wollen/ da denn die Forſter und ihre
Nachgeſetzte fleiſſige Obſicht tragen ſollen/ damit der-
gleichen Frevel und Muthwillen abgeſtellet/ und die U-
bertretter gepfaͤndet/ und mit allem Ernſt abgeſtrafft
werden ſollen.

Cap. XII.
Andere Verbott und Beobachtungen in den Waͤldern.
[Spaltenumbruch]
ES geſchihet unter andern in den Waͤldern auch
dieſer Mißbrauch/ wo etwan Holtzobſt/ Aepffel/
Birnen und dergleichen zu finden iſt/ daß die
Wildlinge von fremden vagirenden Leuten allenthal-
ben aufgeſucht/ ausgegraben und hin und wieder ver-
kaufft werden/ welche nicht weniger mit Straffe zu be-
legen/ man habe dann von der Herꝛſchafft abſonderliche
Erlaubnis.
2. Soll auch Niemand/ ohne Bewilligung/ das
alte Gras und die Haiden in den Gehoͤltz/ Aenger oder
Wieſen abbrennen; und da ihm auch ſolches gegoͤnnet
wuͤrde/ ſoll er vor allen acht haben/ damit durch das
Feuer/ wie leichtlich geſchehen kan/ im Forſt kein Scha-
den geſchehen moͤge/ und ſoll er im widrigen Fall darfuͤr
hafften.
3. Die Holtzbediente ſollen mit keinem Holtz/ Koh-
len/ Wid/ Wildlingen oder was dem Holtz anhaͤngig
iſt/ nicht handeln/ bey Verluſt ihres Dienſtes und dem
Verbrechen nach/ unausbleiblicher Straffe.
4. Denen Schaͤfern und Hirten ſoll mit Ernſt
verbotten ſeyn/ daß ſie zwiſchen Pfingſten und Michaelis
kein Feuer in Waͤldern und Feldern anzuͤnden; bey kal-
tem Wetter aber moͤgen ſie wol alte Stoͤcke aushacken/
und ihnen ein Feuer davon machen/ doch mit dieſer Auf-
ſicht und Beding/ daß ſie ſolches unausgeloͤſchter nie-
mal verlaſſen; und ſoll/ wann Gemeinhalter dem Viehe
zugeſtellet ſind/ ein jeder Hauswirth fuͤr ſeine Dienſt-
boten und Hirten hafften und buͤſſen/ daher er ihnen ſol-
che Obſicht deſto ſchaͤrffer einbinden ſolle.
5. Die Holtzbeamten ſollen von dem Holtz weder
Scheitter/ noch Bauholtz/ noch etwas anders/ was zum
Forſtweſen gehoͤrt/ wegſchencken/ oder etwas nachlaſſen
[Spaltenumbruch] an Geld oder Holtz/ es geſchehe gleich unter was Schein
und Prætext es immer wolle; ſondern ſollen verbunden
ſeyn/ ihren Ordnungen in allem und jeden richtig nach-
zugehen/ weil ſolches nicht ihnen/ ſondern allein der
Herrſchafft zuſtehet/ weil es meiſtentheils nur Partiten
und andere boͤſe Conſequentien nach ſich zu ziehen pfle-
get.
6. Weil/ indem man das Holtz zum Brennen
oder Kohlen Stammweiſe abgiebt/ groſſer Betrug mit
untergehen kan/ als iſt allweg gewiſſer/ daß mans hauet/
und zu Klafftern aufrichtet.
7. Auf diejenigen/ denen das Holtz zu ihrer Noth-
durfft in dem Forſt zu nehmen/ erlaubt iſt/ ſoll man wol
acht haben/ ob ſie ſolches nicht anderwaͤrts weiter ver-
kauffen/ ſo ihnen nicht gebuͤhret/ daher zu ſtraffen/ oder
ſolcher Freyheit gar verluſtigt zu machen.
8. Die Holtzfuhren ſollen in den Waͤldern keine
neue Wege/ ihres Gefallens/ machen/ weil damit viel
junge Baͤume zu ſchanden gefuͤhrt werden/ daher auch
zu befehlen/ daß die Aufrichtung der Klaffter nahend an
den gewoͤhnlichen Holtz- und Landſtraſſen fuͤrgenommen
werde.
9. Die Gipfel von Tañen/ Fiechten/ Kranwethen/
und dergleichen ſollen zu Wein- und Bierzeigern nicht
geſtattet ſeyn/ weil dardurch viel junges Holtz verderbet
wird/ daher es zu verbieten/ und wo in Schenck- und
Wirthshaͤuſern/ uͤber das Verbott gehandelt wird/
zu ſtraffen/ und koͤnnen ſie zu ihren Zeigern wol von Tan-
nen und dergleichen Reiſicht geflochtene Buͤſche oder
Kraͤntze gebrauchen.
10. Die Unterthanen und Schaͤfer ſollen ihren
Hunden Pruͤgel anhencken/ und ſie nicht in den Forſt ja-
gen
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[575/0593] Zwoͤlfftes Buch/ Holtz und Weidwerck. Cap. XI. Vom Waldmiſt und Miſteln. ES pflegen die Unterthanen an etlichen Orten/ in den Waͤldern den Holtzmiſt/ oder das Gereuſicht was von den Waldbaͤumen abfaͤllet/ mit hoͤltz er- nen/ auch wol mit eiſernen Rechen zuſammen auf Hauf- fen zu bringen/ hernach weg zu fuͤhren/ und unter ihre Miſtſtaͤtte zu der andern Stalldung zu ſchuͤtten/ der Meynung/ daß ſolches dem Holtzgrund/ wann er ſau- der abgeraumet wird/ nuͤtzlicher ſey/ und Anlaß gebe/ deſto eher wieder junges Holtz anzutreiben. Die Er- fahrung aber zeigt das Widerſpiel/ und die Vernunfft gibt es ſelbſt/ daß dieſe abgefallene Blaͤtter und Ge- reuſicht von den Tannen/ Foͤhren und Fiechten ihrer Wurtzen eine gute Dung/ und Waͤrme den Winter durch geben/ da hingegen wann die deren entbloͤſet ſind/ einen guten warmen Peltz/ alſo zu ſagen/ dardurch ver- lieren; zudem wird ein Jeder ſehen/ daß die jungen Tan- nen/ Foͤhren und dergleichen Baͤume von dem Saamen der herab faͤllt/ den Winter uͤber unter dieſen Blaͤttern deſto weniger erfrieren/ lieber wachſen/ durch das Miſt- rechen aber werden dieſe jungen zarten Baͤumlein mit ſamt dem Reuſicht/ ausgeriſſen/ daß alſo kein junges Holtz recht nachwachſen kan/ daher dißfalls ſolcher Un- rath billich zu verhindern und abzuſtellen/ und wann ja Mangel an der Dung/ ſoll es doch nur mit weitzaͤhnich- ten/ ſtumpffen/ nicht aber mit eiſernen oder ſcharffen engen Rechen geſchehen. Wiewol es beſſer waͤre/ man trachtete auf andere Weiſe die Aecker zu dungen/ als mit ſolchen groſſen Schaden des Gehoͤltzes. Gleichergeſtalt werden die Waͤlder verringert/ wann man mit dem Miſtel abwerffen/ oder die Vogelbeer zu ſammlen mit den Baͤumen grob umgehet/ die Aeſte zer- bricht und verletzt; alſo thun auch die fuͤrwitzigen Jun- gen in den Waͤldern/ wann ſie die Voͤgelneſter zur Un- zeit zuſammen ſuchen/ ſonderlich wann ſie ſolche in den hohlen Baͤumen antreffen/ mit Aufhauen und Eroͤff- nung durch Gewalt der Hacken/ nicht geringen Nach- theil/ daß ſie lieber einen gantzen Baum verdeꝛben/ als ein Neſt zurucke laſſen wollen/ da denn die Forſter und ihre Nachgeſetzte fleiſſige Obſicht tragen ſollen/ damit der- gleichen Frevel und Muthwillen abgeſtellet/ und die U- bertretter gepfaͤndet/ und mit allem Ernſt abgeſtrafft werden ſollen. Cap. XII. Andere Verbott und Beobachtungen in den Waͤldern. ES geſchihet unter andern in den Waͤldern auch dieſer Mißbrauch/ wo etwan Holtzobſt/ Aepffel/ Birnen und dergleichen zu finden iſt/ daß die Wildlinge von fremden vagirenden Leuten allenthal- ben aufgeſucht/ ausgegraben und hin und wieder ver- kaufft werden/ welche nicht weniger mit Straffe zu be- legen/ man habe dann von der Herꝛſchafft abſonderliche Erlaubnis. 2. Soll auch Niemand/ ohne Bewilligung/ das alte Gras und die Haiden in den Gehoͤltz/ Aenger oder Wieſen abbrennen; und da ihm auch ſolches gegoͤnnet wuͤrde/ ſoll er vor allen acht haben/ damit durch das Feuer/ wie leichtlich geſchehen kan/ im Forſt kein Scha- den geſchehen moͤge/ und ſoll er im widrigen Fall darfuͤr hafften. 3. Die Holtzbediente ſollen mit keinem Holtz/ Koh- len/ Wid/ Wildlingen oder was dem Holtz anhaͤngig iſt/ nicht handeln/ bey Verluſt ihres Dienſtes und dem Verbrechen nach/ unausbleiblicher Straffe. 4. Denen Schaͤfern und Hirten ſoll mit Ernſt verbotten ſeyn/ daß ſie zwiſchen Pfingſten und Michaelis kein Feuer in Waͤldern und Feldern anzuͤnden; bey kal- tem Wetter aber moͤgen ſie wol alte Stoͤcke aushacken/ und ihnen ein Feuer davon machen/ doch mit dieſer Auf- ſicht und Beding/ daß ſie ſolches unausgeloͤſchter nie- mal verlaſſen; und ſoll/ wann Gemeinhalter dem Viehe zugeſtellet ſind/ ein jeder Hauswirth fuͤr ſeine Dienſt- boten und Hirten hafften und buͤſſen/ daher er ihnen ſol- che Obſicht deſto ſchaͤrffer einbinden ſolle. 5. Die Holtzbeamten ſollen von dem Holtz weder Scheitter/ noch Bauholtz/ noch etwas anders/ was zum Forſtweſen gehoͤrt/ wegſchencken/ oder etwas nachlaſſen an Geld oder Holtz/ es geſchehe gleich unter was Schein und Prætext es immer wolle; ſondern ſollen verbunden ſeyn/ ihren Ordnungen in allem und jeden richtig nach- zugehen/ weil ſolches nicht ihnen/ ſondern allein der Herrſchafft zuſtehet/ weil es meiſtentheils nur Partiten und andere boͤſe Conſequentien nach ſich zu ziehen pfle- get. 6. Weil/ indem man das Holtz zum Brennen oder Kohlen Stammweiſe abgiebt/ groſſer Betrug mit untergehen kan/ als iſt allweg gewiſſer/ daß mans hauet/ und zu Klafftern aufrichtet. 7. Auf diejenigen/ denen das Holtz zu ihrer Noth- durfft in dem Forſt zu nehmen/ erlaubt iſt/ ſoll man wol acht haben/ ob ſie ſolches nicht anderwaͤrts weiter ver- kauffen/ ſo ihnen nicht gebuͤhret/ daher zu ſtraffen/ oder ſolcher Freyheit gar verluſtigt zu machen. 8. Die Holtzfuhren ſollen in den Waͤldern keine neue Wege/ ihres Gefallens/ machen/ weil damit viel junge Baͤume zu ſchanden gefuͤhrt werden/ daher auch zu befehlen/ daß die Aufrichtung der Klaffter nahend an den gewoͤhnlichen Holtz- und Landſtraſſen fuͤrgenommen werde. 9. Die Gipfel von Tañen/ Fiechten/ Kranwethen/ und dergleichen ſollen zu Wein- und Bierzeigern nicht geſtattet ſeyn/ weil dardurch viel junges Holtz verderbet wird/ daher es zu verbieten/ und wo in Schenck- und Wirthshaͤuſern/ uͤber das Verbott gehandelt wird/ zu ſtraffen/ und koͤnnen ſie zu ihren Zeigern wol von Tan- nen und dergleichen Reiſicht geflochtene Buͤſche oder Kraͤntze gebrauchen. 10. Die Unterthanen und Schaͤfer ſollen ihren Hunden Pruͤgel anhencken/ und ſie nicht in den Forſt ja- gen

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Zitationshilfe: Hohberg, Wolf Helmhard von: Georgica Curiosa. Bd. 2. Nürnberg, 1682, S. 575. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/hohberg_georgica02_1682/593>, abgerufen am 20.11.2019.