Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Hohberg, Wolf Helmhard von: Georgica Curiosa. Bd. 2. Nürnberg, 1682.

Bild:
<< vorherige Seite
Zwölfftes Buch/ Holtz und Weidwerck.
Cap. CXXXVI.
Von den Papageyen und Sittich.
[Spaltenumbruch]

JCH hätte dieses Vogels zu gedencken wol unter-
lassen können; weil aber dergleichen Geflügel in
edlen Häusern wegen ihrer Schönheit/ und art-
lichen Gelehrlichkeit offtmals erhalten werden; solche
lang und über Menschengedencken manchmals leben/
auch nicht Jederman weiß/ damit recht um zu gehen/
habe ich derer eine kurtze Anregung thun wollen.

Der Papagey ist ein artlicher/ geschicklich- und ge-
schwätziger Vogel/ der nicht allein reden/ sondern auch al-
lerhand Stimmen der Thier/ als singen/ krayen/ bellen/
lachen/ weinen und dergleichen nachahmen kan; sind von
vielerley Grösse/ Farben und Arten unterschieden/ werden
aus Jndien die meisten von Cuba und Manacapan zu
uns überbracht; es gibt auch eine Art groß/ schön von
Farben/ aber etwas ungelerniger/ die man Jndianische
Raben heisset; auch sind etliche in der Tauben/ etliche
in der Kranwethsvögel/ auch etliche nur in der Schwal-
ben und Spatzen Grösse; je kleiner sie aber sind/ je ei-
nen längern Schweiff haben sie/ der Papagey hat et-
was sonderliches an sich/ daß er wie das Crocodill/ al-
lein den obern Theil des Schnabels bewegen kan/ hat
eine sehr dicke breite Zungen/ und in dem innersten
Theil des untern Schnabels eine Oeffnung/ fast einer
Erbsen weit/ auf dem Schnabel fängt er sich/ wann
er auf die Erden flieget/ und hilfft mit dem Schna-
bel dem gantzen Leib fort/ wann er ab- oder aufklet-
tert.

Wann er lernen soll/ muß man seinen Keficht be-
decken/ ihm einen Spiegel auswärts anhängen/ dar-
inn er sich besehen kan/ und muß ihm etliche Wort/ die
er lernen soll/ gegen den Abend/ wann sie gessen haben/
offt fürsagen/ auch Morgens wiederhohlen/ so vermeynt
er/ der Papagey im Spiegel thue solches/ und befleis-
set sich desto emsiger es nachzudichten/ am besten ge-
schihet dieses im Duncklen; eine Weibs- oder Kindes-
stimm wird er ehe nachsprechen/ als eines Mannes.

Sie trincken von Natur nicht/ aber baden sich
gerne/ und ist ihnen sehr nutz/ wann sie offt mit Wein
klein eingesprühet/ genetzt und also befeuchtet werden/
ihnen den Staub und das Ungeziefer zu vertreiben/
sie kriegen davon sehr schöne Federn/ dann sie lieben die
Sauberkeit/ sonst bekommen sie bald das Podagra/
und muß der Boden ihres Hauses allzeit über den
andern Tag heraus genommen/ ein anderer saube-
rer hinein gethan/ abgeputzt/ und also offt umgewech-
selt werden.

Jhre beste und gesündeste Speise/ ist Semmel zer-
brockt/ oder die Schmollen gantz davon/ die muß in
Wasser geweicht/ die übrige Feuchten wieder ausge-
druckt/ und also in ihr Nüschlein täglich gelegt werden;
theils weichen die Semmel auch in Wein oder Bier.
Mich hat aber ein Papagey-Händler versichert/ daß
ihnen das Wasser am gesündesten und besten sey/ sonst
können sie/ ohn allen Getranck/ gesund und frisch leben.
Gibt man ihnen aber Wasser oder Wein/ so schledern
[Spaltenumbruch] und trincken sie wol/ ist ihnen aber nicht gesund/ und
bekommen davon leicht den Durchfall. Sie fressen
auch sonst allerhand Obst/ Kesten/ Nüsse/ Aepfel/
Mandel/ Zucker; am besten und unschädlichsten aber
ist es ihnen/ man lasse sie bey Semmel und Wasser
verbleiben; gesaltzene Speise ist ihnen sehr schädlich/
und sollen davon verrecken. Wann sie recht gehalten
werden/ leben sie auf hundert/ und noch mehr
Jahr.

Die weissen Papagey/ und die grauen mit den ro-
then Schweiffen/ sind gelerniger als die andern/ wie-
wol sich auch unter den grünen etliche gute finden/ etli-
che aber lernen nichts/ schreyen und kirren nur/ daß ei-
nem die Ohren davon gellen.

Die Sittich reden nichts/ aber lachen und pfeiffen/
weinen auch/ der Gleichheit nach/ wie die kleinen Kin-
der/ wann sie kranck sind oder gestäupt werden/ sind
nicht viel grösser als eine Droschel/ aber langschweiffig/
gantz Grasgrün/ und am Leib etwas liechter; der
Schnabel und die Füsse sind röthlicht und Fleischfarb/
sonderlich auswärts/ inwendig sind sie etwas dunckeler.
Das Männlein hat um den Hals ein Ringlein gelb-
grünlicht.

Jhre Speise ist gleich den Papageyen geweichte
Semmel und anders Obst/ auch Hanff/ und Kerne
vom wilden Saffran; er lebt von zwölff biß funffzehen
Jahren/ wie D. Olina in seiner Uccelliera fol. 27. be-
zeuget.

Beedes Sittich und Papageyen sind einer fremden
Specht-Art/ weil sie (wie diese) nur vier Zähen/
vornen zwey und hinten zwey haben; die Füsse brauchen
sie wie der Mensch seine Hände/ und fressen ihre Spei-
se also/ daß sie die mit den Füssen zu ihren Munde lan-
gen.

Jn der Jndianischen Jnsul Gracchana (wie Ges-
nerus
meldet) werden sie gemästet/ und für ein Schleck-
bißlein gehalten/ und soll ihr Fleisch die Gelbsucht ver-
treiben.

Jn der West-Jndianischen Jnsul Cuba (wie Jan
de Laet
vermeldet) werden die Papageyen/ als gar
einfältige Vögel/ also gefangen: Man setzt einen Kna-
ben von 11 oder 12 Jahren auf einen Baum/ bedeckt
ihm das Haupt mit Gras/ Laubwerck oder Stroh/ se-
tzet ihm einen lebendigen Papagey auf die Hand/ den
der Knab auf den Kopff zwickt oder schlägt/ biß er
kläglich und laut zu schreyen anfängt/ da fliegen die wil-
den Papagey häuffig zu/ und setzen sich auf denselbigen
Baum/ entzwischen hat dieser Knab in der andern
Hand ein Stecklein mit einer Mäschen/ damit weiß er
mit geschwinder List/ bald dort/ bald da/ sie bey den
Kopff anzufassen/ und zu sich zu ziehen/ in einen Sack
zu werffen/ oder zu erwürgen/ und unter dem Baum
herab fallen zu lassen; also fangen sie/ so viel sie wollen/
und essen sie/ weil sie jung sind/ welches meistentheils
im Majo vorgenommen wird.

Cap.
Zwoͤlfftes Buch/ Holtz und Weidwerck.
Cap. CXXXVI.
Von den Papageyen und Sittich.
[Spaltenumbruch]

JCH haͤtte dieſes Vogels zu gedencken wol unter-
laſſen koͤnnen; weil aber dergleichen Gefluͤgel in
edlen Haͤuſern wegen ihrer Schoͤnheit/ und art-
lichen Gelehrlichkeit offtmals erhalten werden; ſolche
lang und uͤber Menſchengedencken manchmals leben/
auch nicht Jederman weiß/ damit recht um zu gehen/
habe ich derer eine kurtze Anregung thun wollen.

Der Papagey iſt ein artlicher/ geſchicklich- und ge-
ſchwaͤtziger Vogel/ der nicht allein reden/ ſondern auch al-
lerhand Stimmen der Thier/ als ſingen/ krayen/ bellen/
lachen/ weinen und dergleichen nachahmen kan; ſind von
vielerley Groͤſſe/ Farben und Arten unterſchieden/ werden
aus Jndien die meiſten von Cuba und Manacapan zu
uns uͤberbracht; es gibt auch eine Art groß/ ſchoͤn von
Farben/ aber etwas ungelerniger/ die man Jndianiſche
Raben heiſſet; auch ſind etliche in der Tauben/ etliche
in der Kranwethsvoͤgel/ auch etliche nur in der Schwal-
ben und Spatzen Groͤſſe; je kleiner ſie aber ſind/ je ei-
nen laͤngern Schweiff haben ſie/ der Papagey hat et-
was ſonderliches an ſich/ daß er wie das Crocodill/ al-
lein den obern Theil des Schnabels bewegen kan/ hat
eine ſehr dicke breite Zungen/ und in dem innerſten
Theil des untern Schnabels eine Oeffnung/ faſt einer
Erbſen weit/ auf dem Schnabel faͤngt er ſich/ wann
er auf die Erden flieget/ und hilfft mit dem Schna-
bel dem gantzen Leib fort/ wann er ab- oder aufklet-
tert.

Wann er lernen ſoll/ muß man ſeinen Keficht be-
decken/ ihm einen Spiegel auswaͤrts anhaͤngen/ dar-
inn er ſich beſehen kan/ und muß ihm etliche Wort/ die
er lernen ſoll/ gegen den Abend/ wann ſie geſſen haben/
offt fuͤrſagen/ auch Morgens wiederhohlen/ ſo vermeynt
er/ der Papagey im Spiegel thue ſolches/ und befleiſ-
ſet ſich deſto emſiger es nachzudichten/ am beſten ge-
ſchihet dieſes im Duncklen; eine Weibs- oder Kindes-
ſtimm wird er ehe nachſprechen/ als eines Mannes.

Sie trincken von Natur nicht/ aber baden ſich
gerne/ und iſt ihnen ſehr nutz/ wann ſie offt mit Wein
klein eingeſpruͤhet/ genetzt und alſo befeuchtet werden/
ihnen den Staub und das Ungeziefer zu vertreiben/
ſie kriegen davon ſehr ſchoͤne Federn/ dann ſie lieben die
Sauberkeit/ ſonſt bekommen ſie bald das Podagra/
und muß der Boden ihres Hauſes allzeit uͤber den
andern Tag heraus genommen/ ein anderer ſaube-
rer hinein gethan/ abgeputzt/ und alſo offt umgewech-
ſelt werden.

Jhre beſte und geſuͤndeſte Speiſe/ iſt Semmel zer-
brockt/ oder die Schmollen gantz davon/ die muß in
Waſſer geweicht/ die uͤbrige Feuchten wieder ausge-
druckt/ und alſo in ihr Nuͤſchlein taͤglich gelegt werden;
theils weichen die Semmel auch in Wein oder Bier.
Mich hat aber ein Papagey-Haͤndler verſichert/ daß
ihnen das Waſſer am geſuͤndeſten und beſten ſey/ ſonſt
koͤnnen ſie/ ohn allen Getranck/ geſund und friſch leben.
Gibt man ihnen aber Waſſer oder Wein/ ſo ſchledern
[Spaltenumbruch] und trincken ſie wol/ iſt ihnen aber nicht geſund/ und
bekommen davon leicht den Durchfall. Sie freſſen
auch ſonſt allerhand Obſt/ Keſten/ Nuͤſſe/ Aepfel/
Mandel/ Zucker; am beſten und unſchaͤdlichſten aber
iſt es ihnen/ man laſſe ſie bey Semmel und Waſſer
verbleiben; geſaltzene Speiſe iſt ihnen ſehr ſchaͤdlich/
und ſollen davon verrecken. Wann ſie recht gehalten
werden/ leben ſie auf hundert/ und noch mehr
Jahr.

Die weiſſen Papagey/ und die grauen mit den ro-
then Schweiffen/ ſind gelerniger als die andern/ wie-
wol ſich auch unter den gruͤnen etliche gute finden/ etli-
che aber lernen nichts/ ſchreyen und kirren nur/ daß ei-
nem die Ohren davon gellen.

Die Sittich reden nichts/ aber lachen und pfeiffen/
weinen auch/ der Gleichheit nach/ wie die kleinen Kin-
der/ wann ſie kranck ſind oder geſtaͤupt werden/ ſind
nicht viel groͤſſer als eine Droſchel/ aber langſchweiffig/
gantz Grasgruͤn/ und am Leib etwas liechter; der
Schnabel und die Fuͤſſe ſind roͤthlicht und Fleiſchfarb/
ſonderlich auswaͤrts/ inwendig ſind ſie etwas dunckeler.
Das Maͤnnlein hat um den Hals ein Ringlein gelb-
gruͤnlicht.

Jhre Speiſe iſt gleich den Papageyen geweichte
Semmel und anders Obſt/ auch Hanff/ und Kerne
vom wilden Saffran; er lebt von zwoͤlff biß funffzehen
Jahren/ wie D. Olina in ſeiner Uccelliera fol. 27. be-
zeuget.

Beedes Sittich und Papageyen ſind einer fremden
Specht-Art/ weil ſie (wie dieſe) nur vier Zaͤhen/
vornen zwey und hinten zwey haben; die Fuͤſſe brauchen
ſie wie der Menſch ſeine Haͤnde/ und freſſen ihre Spei-
ſe alſo/ daß ſie die mit den Fuͤſſen zu ihren Munde lan-
gen.

Jn der Jndianiſchen Jnſul Gracchana (wie Geſ-
nerus
meldet) werden ſie gemaͤſtet/ und fuͤr ein Schleck-
bißlein gehalten/ und ſoll ihr Fleiſch die Gelbſucht ver-
treiben.

Jn der Weſt-Jndianiſchen Jnſul Cuba (wie Jan
de Laet
vermeldet) werden die Papageyen/ als gar
einfaͤltige Voͤgel/ alſo gefangen: Man ſetzt einen Kna-
ben von 11 oder 12 Jahren auf einen Baum/ bedeckt
ihm das Haupt mit Gras/ Laubwerck oder Stroh/ ſe-
tzet ihm einen lebendigen Papagey auf die Hand/ den
der Knab auf den Kopff zwickt oder ſchlaͤgt/ biß er
klaͤglich und laut zu ſchreyen anfaͤngt/ da fliegen die wil-
den Papagey haͤuffig zu/ und ſetzen ſich auf denſelbigen
Baum/ entzwiſchen hat dieſer Knab in der andern
Hand ein Stecklein mit einer Maͤſchen/ damit weiß er
mit geſchwinder Liſt/ bald dort/ bald da/ ſie bey den
Kopff anzufaſſen/ und zu ſich zu ziehen/ in einen Sack
zu werffen/ oder zu erwuͤrgen/ und unter dem Baum
herab fallen zu laſſen; alſo fangen ſie/ ſo viel ſie wollen/
und eſſen ſie/ weil ſie jung ſind/ welches meiſtentheils
im Majo vorgenommen wird.

Cap.
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <pb facs="#f0737" n="719"/>
          <fw place="top" type="header"> <hi rendition="#b">Zwo&#x0364;lfftes Buch/ Holtz und Weidwerck.</hi> </fw><lb/>
          <div n="3">
            <head> <hi rendition="#aq"> <hi rendition="#b"> <hi rendition="#g"><hi rendition="#k">Cap.</hi> CXXXVI.</hi> </hi> </hi><lb/> <hi rendition="#fr">Von den Papageyen und Sittich.</hi> </head><lb/>
            <cb/>
            <p><hi rendition="#in">J</hi>CH ha&#x0364;tte die&#x017F;es Vogels zu gedencken wol unter-<lb/>
la&#x017F;&#x017F;en ko&#x0364;nnen; weil aber dergleichen Geflu&#x0364;gel in<lb/>
edlen Ha&#x0364;u&#x017F;ern wegen ihrer Scho&#x0364;nheit/ und art-<lb/>
lichen Gelehrlichkeit offtmals erhalten werden; &#x017F;olche<lb/>
lang und u&#x0364;ber Men&#x017F;chengedencken manchmals leben/<lb/>
auch nicht Jederman weiß/ damit recht um zu gehen/<lb/>
habe ich derer eine kurtze Anregung thun wollen.</p><lb/>
            <p>Der Papagey i&#x017F;t ein artlicher/ ge&#x017F;chicklich- und ge-<lb/>
&#x017F;chwa&#x0364;tziger Vogel/ der nicht allein reden/ &#x017F;ondern auch al-<lb/>
lerhand Stimmen der Thier/ als &#x017F;ingen/ krayen/ bellen/<lb/>
lachen/ weinen und dergleichen nachahmen kan; &#x017F;ind von<lb/>
vielerley Gro&#x0364;&#x017F;&#x017F;e/ Farben und Arten unter&#x017F;chieden/ werden<lb/>
aus Jndien die mei&#x017F;ten von <hi rendition="#aq">Cuba</hi> und <hi rendition="#aq">Manacapan</hi> zu<lb/>
uns u&#x0364;berbracht; es gibt auch eine Art groß/ &#x017F;cho&#x0364;n von<lb/>
Farben/ aber etwas ungelerniger/ die man Jndiani&#x017F;che<lb/>
Raben hei&#x017F;&#x017F;et; auch &#x017F;ind etliche in der Tauben/ etliche<lb/>
in der Kranwethsvo&#x0364;gel/ auch etliche nur in der Schwal-<lb/>
ben und Spatzen Gro&#x0364;&#x017F;&#x017F;e; je kleiner &#x017F;ie aber &#x017F;ind/ je ei-<lb/>
nen la&#x0364;ngern Schweiff haben &#x017F;ie/ der Papagey hat et-<lb/>
was &#x017F;onderliches an &#x017F;ich/ daß er wie das Crocodill/ al-<lb/>
lein den obern Theil des Schnabels bewegen kan/ hat<lb/>
eine &#x017F;ehr dicke breite Zungen/ und in dem inner&#x017F;ten<lb/>
Theil des untern Schnabels eine Oeffnung/ fa&#x017F;t einer<lb/>
Erb&#x017F;en weit/ auf dem Schnabel fa&#x0364;ngt er &#x017F;ich/ wann<lb/>
er auf die Erden flieget/ und hilfft mit dem Schna-<lb/>
bel dem gantzen Leib fort/ wann er ab- oder aufklet-<lb/>
tert.</p><lb/>
            <p>Wann er lernen &#x017F;oll/ muß man &#x017F;einen Keficht be-<lb/>
decken/ ihm einen Spiegel auswa&#x0364;rts anha&#x0364;ngen/ dar-<lb/>
inn er &#x017F;ich be&#x017F;ehen kan/ und muß ihm etliche Wort/ die<lb/>
er lernen &#x017F;oll/ gegen den Abend/ wann &#x017F;ie ge&#x017F;&#x017F;en haben/<lb/>
offt fu&#x0364;r&#x017F;agen/ auch Morgens wiederhohlen/ &#x017F;o vermeynt<lb/>
er/ der Papagey im Spiegel thue &#x017F;olches/ und beflei&#x017F;-<lb/>
&#x017F;et &#x017F;ich de&#x017F;to em&#x017F;iger es nachzudichten/ am be&#x017F;ten ge-<lb/>
&#x017F;chihet die&#x017F;es im Duncklen; eine Weibs- oder Kindes-<lb/>
&#x017F;timm wird er ehe nach&#x017F;prechen/ als eines Mannes.</p><lb/>
            <p>Sie trincken von Natur nicht/ aber baden &#x017F;ich<lb/>
gerne/ und i&#x017F;t ihnen &#x017F;ehr nutz/ wann &#x017F;ie offt mit Wein<lb/>
klein einge&#x017F;pru&#x0364;het/ genetzt und al&#x017F;o befeuchtet werden/<lb/>
ihnen den Staub und das Ungeziefer zu vertreiben/<lb/>
&#x017F;ie kriegen davon &#x017F;ehr &#x017F;cho&#x0364;ne Federn/ dann &#x017F;ie lieben die<lb/>
Sauberkeit/ &#x017F;on&#x017F;t bekommen &#x017F;ie bald das Podagra/<lb/>
und muß der Boden ihres Hau&#x017F;es allzeit u&#x0364;ber den<lb/>
andern Tag heraus genommen/ ein anderer &#x017F;aube-<lb/>
rer hinein gethan/ abgeputzt/ und al&#x017F;o offt umgewech-<lb/>
&#x017F;elt werden.</p><lb/>
            <p>Jhre be&#x017F;te und ge&#x017F;u&#x0364;nde&#x017F;te Spei&#x017F;e/ i&#x017F;t Semmel zer-<lb/>
brockt/ oder die Schmollen gantz davon/ die muß in<lb/>
Wa&#x017F;&#x017F;er geweicht/ die u&#x0364;brige Feuchten wieder ausge-<lb/>
druckt/ und al&#x017F;o in ihr Nu&#x0364;&#x017F;chlein ta&#x0364;glich gelegt werden;<lb/>
theils weichen die Semmel auch in Wein oder Bier.<lb/>
Mich hat aber ein Papagey-Ha&#x0364;ndler ver&#x017F;ichert/ daß<lb/>
ihnen das Wa&#x017F;&#x017F;er am ge&#x017F;u&#x0364;nde&#x017F;ten und be&#x017F;ten &#x017F;ey/ &#x017F;on&#x017F;t<lb/>
ko&#x0364;nnen &#x017F;ie/ ohn allen Getranck/ ge&#x017F;und und fri&#x017F;ch leben.<lb/>
Gibt man ihnen aber Wa&#x017F;&#x017F;er oder Wein/ &#x017F;o &#x017F;chledern<lb/><cb/>
und trincken &#x017F;ie wol/ i&#x017F;t ihnen aber nicht ge&#x017F;und/ und<lb/>
bekommen davon leicht den Durchfall. Sie fre&#x017F;&#x017F;en<lb/>
auch &#x017F;on&#x017F;t allerhand Ob&#x017F;t/ Ke&#x017F;ten/ Nu&#x0364;&#x017F;&#x017F;e/ Aepfel/<lb/>
Mandel/ Zucker; am be&#x017F;ten und un&#x017F;cha&#x0364;dlich&#x017F;ten aber<lb/>
i&#x017F;t es ihnen/ man la&#x017F;&#x017F;e &#x017F;ie bey Semmel und Wa&#x017F;&#x017F;er<lb/>
verbleiben; ge&#x017F;altzene Spei&#x017F;e i&#x017F;t ihnen &#x017F;ehr &#x017F;cha&#x0364;dlich/<lb/>
und &#x017F;ollen davon verrecken. Wann &#x017F;ie recht gehalten<lb/>
werden/ leben &#x017F;ie auf hundert/ und noch mehr<lb/>
Jahr.</p><lb/>
            <p>Die wei&#x017F;&#x017F;en Papagey/ und die grauen mit den ro-<lb/>
then Schweiffen/ &#x017F;ind gelerniger als die andern/ wie-<lb/>
wol &#x017F;ich auch unter den gru&#x0364;nen etliche gute finden/ etli-<lb/>
che aber lernen nichts/ &#x017F;chreyen und kirren nur/ daß ei-<lb/>
nem die Ohren davon gellen.</p><lb/>
            <p>Die Sittich reden nichts/ aber lachen und pfeiffen/<lb/>
weinen auch/ der Gleichheit nach/ wie die kleinen Kin-<lb/>
der/ wann &#x017F;ie kranck &#x017F;ind oder ge&#x017F;ta&#x0364;upt werden/ &#x017F;ind<lb/>
nicht viel gro&#x0364;&#x017F;&#x017F;er als eine Dro&#x017F;chel/ aber lang&#x017F;chweiffig/<lb/>
gantz Grasgru&#x0364;n/ und am Leib etwas liechter; der<lb/>
Schnabel und die Fu&#x0364;&#x017F;&#x017F;e &#x017F;ind ro&#x0364;thlicht und Flei&#x017F;chfarb/<lb/>
&#x017F;onderlich auswa&#x0364;rts/ inwendig &#x017F;ind &#x017F;ie etwas dunckeler.<lb/>
Das Ma&#x0364;nnlein hat um den Hals ein Ringlein gelb-<lb/>
gru&#x0364;nlicht.</p><lb/>
            <p>Jhre Spei&#x017F;e i&#x017F;t gleich den Papageyen geweichte<lb/>
Semmel und anders Ob&#x017F;t/ auch Hanff/ und Kerne<lb/>
vom wilden Saffran; er lebt von zwo&#x0364;lff biß funffzehen<lb/>
Jahren/ wie <hi rendition="#aq">D. Olina</hi> in &#x017F;einer <hi rendition="#aq">Uccelliera fol.</hi> 27. be-<lb/>
zeuget.</p><lb/>
            <p>Beedes Sittich und Papageyen &#x017F;ind einer fremden<lb/>
Specht-Art/ weil &#x017F;ie (wie die&#x017F;e) nur vier Za&#x0364;hen/<lb/>
vornen zwey und hinten zwey haben; die Fu&#x0364;&#x017F;&#x017F;e brauchen<lb/>
&#x017F;ie wie der Men&#x017F;ch &#x017F;eine Ha&#x0364;nde/ und fre&#x017F;&#x017F;en ihre Spei-<lb/>
&#x017F;e al&#x017F;o/ daß &#x017F;ie die mit den Fu&#x0364;&#x017F;&#x017F;en zu ihren Munde lan-<lb/>
gen.</p><lb/>
            <p>Jn der Jndiani&#x017F;chen Jn&#x017F;ul <hi rendition="#aq">Gracchana</hi> (wie <hi rendition="#aq">Ge&#x017F;-<lb/>
nerus</hi> meldet) werden &#x017F;ie gema&#x0364;&#x017F;tet/ und fu&#x0364;r ein Schleck-<lb/>
bißlein gehalten/ und &#x017F;oll ihr Flei&#x017F;ch die Gelb&#x017F;ucht ver-<lb/>
treiben.</p><lb/>
            <p>Jn der We&#x017F;t-Jndiani&#x017F;chen Jn&#x017F;ul <hi rendition="#aq">Cuba</hi> (wie <hi rendition="#aq">Jan<lb/>
de Laet</hi> vermeldet) werden die Papageyen/ als gar<lb/>
einfa&#x0364;ltige Vo&#x0364;gel/ al&#x017F;o gefangen: Man &#x017F;etzt einen Kna-<lb/>
ben von 11 oder 12 Jahren auf einen Baum/ bedeckt<lb/>
ihm das Haupt mit Gras/ Laubwerck oder Stroh/ &#x017F;e-<lb/>
tzet ihm einen lebendigen Papagey auf die Hand/ den<lb/>
der Knab auf den Kopff zwickt oder &#x017F;chla&#x0364;gt/ biß er<lb/>
kla&#x0364;glich und laut zu &#x017F;chreyen anfa&#x0364;ngt/ da fliegen die wil-<lb/>
den Papagey ha&#x0364;uffig zu/ und &#x017F;etzen &#x017F;ich auf den&#x017F;elbigen<lb/>
Baum/ entzwi&#x017F;chen hat die&#x017F;er Knab in der andern<lb/>
Hand ein Stecklein mit einer Ma&#x0364;&#x017F;chen/ damit weiß er<lb/>
mit ge&#x017F;chwinder Li&#x017F;t/ bald dort/ bald da/ &#x017F;ie bey den<lb/>
Kopff anzufa&#x017F;&#x017F;en/ und zu &#x017F;ich zu ziehen/ in einen Sack<lb/>
zu werffen/ oder zu erwu&#x0364;rgen/ und unter dem Baum<lb/>
herab fallen zu la&#x017F;&#x017F;en; al&#x017F;o fangen &#x017F;ie/ &#x017F;o viel &#x017F;ie wollen/<lb/>
und e&#x017F;&#x017F;en &#x017F;ie/ weil &#x017F;ie jung &#x017F;ind/ welches mei&#x017F;tentheils<lb/>
im <hi rendition="#aq">Majo</hi> vorgenommen wird.</p>
          </div><lb/>
          <fw place="bottom" type="catch"> <hi rendition="#aq"> <hi rendition="#b"> <hi rendition="#g"> <hi rendition="#k">Cap.</hi> </hi> </hi> </hi> </fw><lb/>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[719/0737] Zwoͤlfftes Buch/ Holtz und Weidwerck. Cap. CXXXVI. Von den Papageyen und Sittich. JCH haͤtte dieſes Vogels zu gedencken wol unter- laſſen koͤnnen; weil aber dergleichen Gefluͤgel in edlen Haͤuſern wegen ihrer Schoͤnheit/ und art- lichen Gelehrlichkeit offtmals erhalten werden; ſolche lang und uͤber Menſchengedencken manchmals leben/ auch nicht Jederman weiß/ damit recht um zu gehen/ habe ich derer eine kurtze Anregung thun wollen. Der Papagey iſt ein artlicher/ geſchicklich- und ge- ſchwaͤtziger Vogel/ der nicht allein reden/ ſondern auch al- lerhand Stimmen der Thier/ als ſingen/ krayen/ bellen/ lachen/ weinen und dergleichen nachahmen kan; ſind von vielerley Groͤſſe/ Farben und Arten unterſchieden/ werden aus Jndien die meiſten von Cuba und Manacapan zu uns uͤberbracht; es gibt auch eine Art groß/ ſchoͤn von Farben/ aber etwas ungelerniger/ die man Jndianiſche Raben heiſſet; auch ſind etliche in der Tauben/ etliche in der Kranwethsvoͤgel/ auch etliche nur in der Schwal- ben und Spatzen Groͤſſe; je kleiner ſie aber ſind/ je ei- nen laͤngern Schweiff haben ſie/ der Papagey hat et- was ſonderliches an ſich/ daß er wie das Crocodill/ al- lein den obern Theil des Schnabels bewegen kan/ hat eine ſehr dicke breite Zungen/ und in dem innerſten Theil des untern Schnabels eine Oeffnung/ faſt einer Erbſen weit/ auf dem Schnabel faͤngt er ſich/ wann er auf die Erden flieget/ und hilfft mit dem Schna- bel dem gantzen Leib fort/ wann er ab- oder aufklet- tert. Wann er lernen ſoll/ muß man ſeinen Keficht be- decken/ ihm einen Spiegel auswaͤrts anhaͤngen/ dar- inn er ſich beſehen kan/ und muß ihm etliche Wort/ die er lernen ſoll/ gegen den Abend/ wann ſie geſſen haben/ offt fuͤrſagen/ auch Morgens wiederhohlen/ ſo vermeynt er/ der Papagey im Spiegel thue ſolches/ und befleiſ- ſet ſich deſto emſiger es nachzudichten/ am beſten ge- ſchihet dieſes im Duncklen; eine Weibs- oder Kindes- ſtimm wird er ehe nachſprechen/ als eines Mannes. Sie trincken von Natur nicht/ aber baden ſich gerne/ und iſt ihnen ſehr nutz/ wann ſie offt mit Wein klein eingeſpruͤhet/ genetzt und alſo befeuchtet werden/ ihnen den Staub und das Ungeziefer zu vertreiben/ ſie kriegen davon ſehr ſchoͤne Federn/ dann ſie lieben die Sauberkeit/ ſonſt bekommen ſie bald das Podagra/ und muß der Boden ihres Hauſes allzeit uͤber den andern Tag heraus genommen/ ein anderer ſaube- rer hinein gethan/ abgeputzt/ und alſo offt umgewech- ſelt werden. Jhre beſte und geſuͤndeſte Speiſe/ iſt Semmel zer- brockt/ oder die Schmollen gantz davon/ die muß in Waſſer geweicht/ die uͤbrige Feuchten wieder ausge- druckt/ und alſo in ihr Nuͤſchlein taͤglich gelegt werden; theils weichen die Semmel auch in Wein oder Bier. Mich hat aber ein Papagey-Haͤndler verſichert/ daß ihnen das Waſſer am geſuͤndeſten und beſten ſey/ ſonſt koͤnnen ſie/ ohn allen Getranck/ geſund und friſch leben. Gibt man ihnen aber Waſſer oder Wein/ ſo ſchledern und trincken ſie wol/ iſt ihnen aber nicht geſund/ und bekommen davon leicht den Durchfall. Sie freſſen auch ſonſt allerhand Obſt/ Keſten/ Nuͤſſe/ Aepfel/ Mandel/ Zucker; am beſten und unſchaͤdlichſten aber iſt es ihnen/ man laſſe ſie bey Semmel und Waſſer verbleiben; geſaltzene Speiſe iſt ihnen ſehr ſchaͤdlich/ und ſollen davon verrecken. Wann ſie recht gehalten werden/ leben ſie auf hundert/ und noch mehr Jahr. Die weiſſen Papagey/ und die grauen mit den ro- then Schweiffen/ ſind gelerniger als die andern/ wie- wol ſich auch unter den gruͤnen etliche gute finden/ etli- che aber lernen nichts/ ſchreyen und kirren nur/ daß ei- nem die Ohren davon gellen. Die Sittich reden nichts/ aber lachen und pfeiffen/ weinen auch/ der Gleichheit nach/ wie die kleinen Kin- der/ wann ſie kranck ſind oder geſtaͤupt werden/ ſind nicht viel groͤſſer als eine Droſchel/ aber langſchweiffig/ gantz Grasgruͤn/ und am Leib etwas liechter; der Schnabel und die Fuͤſſe ſind roͤthlicht und Fleiſchfarb/ ſonderlich auswaͤrts/ inwendig ſind ſie etwas dunckeler. Das Maͤnnlein hat um den Hals ein Ringlein gelb- gruͤnlicht. Jhre Speiſe iſt gleich den Papageyen geweichte Semmel und anders Obſt/ auch Hanff/ und Kerne vom wilden Saffran; er lebt von zwoͤlff biß funffzehen Jahren/ wie D. Olina in ſeiner Uccelliera fol. 27. be- zeuget. Beedes Sittich und Papageyen ſind einer fremden Specht-Art/ weil ſie (wie dieſe) nur vier Zaͤhen/ vornen zwey und hinten zwey haben; die Fuͤſſe brauchen ſie wie der Menſch ſeine Haͤnde/ und freſſen ihre Spei- ſe alſo/ daß ſie die mit den Fuͤſſen zu ihren Munde lan- gen. Jn der Jndianiſchen Jnſul Gracchana (wie Geſ- nerus meldet) werden ſie gemaͤſtet/ und fuͤr ein Schleck- bißlein gehalten/ und ſoll ihr Fleiſch die Gelbſucht ver- treiben. Jn der Weſt-Jndianiſchen Jnſul Cuba (wie Jan de Laet vermeldet) werden die Papageyen/ als gar einfaͤltige Voͤgel/ alſo gefangen: Man ſetzt einen Kna- ben von 11 oder 12 Jahren auf einen Baum/ bedeckt ihm das Haupt mit Gras/ Laubwerck oder Stroh/ ſe- tzet ihm einen lebendigen Papagey auf die Hand/ den der Knab auf den Kopff zwickt oder ſchlaͤgt/ biß er klaͤglich und laut zu ſchreyen anfaͤngt/ da fliegen die wil- den Papagey haͤuffig zu/ und ſetzen ſich auf denſelbigen Baum/ entzwiſchen hat dieſer Knab in der andern Hand ein Stecklein mit einer Maͤſchen/ damit weiß er mit geſchwinder Liſt/ bald dort/ bald da/ ſie bey den Kopff anzufaſſen/ und zu ſich zu ziehen/ in einen Sack zu werffen/ oder zu erwuͤrgen/ und unter dem Baum herab fallen zu laſſen; alſo fangen ſie/ ſo viel ſie wollen/ und eſſen ſie/ weil ſie jung ſind/ welches meiſtentheils im Majo vorgenommen wird. Cap.

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/hohberg_georgica02_1682
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/hohberg_georgica02_1682/737
Zitationshilfe: Hohberg, Wolf Helmhard von: Georgica Curiosa. Bd. 2. Nürnberg, 1682, S. 719. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/hohberg_georgica02_1682/737>, abgerufen am 20.10.2019.