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Hufeland, Otto: Vorlesungen über physicalische Geographie von A. v. Humboldt. [G]eschrieben im Sommer 1829 durch Otto Hufeland. [Berlin], [ca. 1829]. [= Abschrift einer Nachschrift der ‚Kosmos-Vorträge‛ Alexander von Humboldts in der Sing-Akademie zu Berlin, 6.12.1827–27.3.1828.]

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könnte fast sagen, einander abgelöst, da der folgende beim Tode
des vorangehenden immer schon geboren war.

Wenn Copernicus als der Schöpfer einer richtigern Ansicht des Welt-
systems betrachtet werden muß, so hat sich Tycho de Brahe um
die beobachtende Astronomie bedeutende Verdienste erworben.
Galilei danken wir insbesondere ein treffliches Werk über
die Gesetze der Bewegung, die sowohl für Astronomie wie
Physik eine gleich wichtige Anwendung finden. Von Keppler, dem
bedeutendsten dieser Männer, kann mit Recht gesagt werden,
daß er den Grund gelegt habe zu der Höhe, welche die Astronomie
als Wissenschaft auszeichnet. Zu Wiel im Würtembergschen gebo-
ren, Sohn eines Gastwirths, hatte er sein ganzes Leben hindurch
mit Armuth und Dürftigkeit zu kämpfen. Obgleich ausübender Astro-
nom zu Prag, Professor zu Graetz und Astronom des Herzogs von
Wallenstein, wurde ihm doch während der unruhigen Zeit des 30-
jährigen Kriegs keine seiner Besoldungen ausgezahlt, und er
starb im Mangel zu Regensburg, wohin er gegangen war, um
eine geringe Pension zu erbitten. Seine unsterblichen Verdien-
ste fanden erst bei der dankbaren Nachwelt ihre verdiente
Verehrung. Die von ihm entdeckten Gesetze des Planetenlaufs,
die sogenannten drei Kepplerschen Regeln, gaben Newton die
nähere Veranlassung zu seinen Entdeckungen.

Es darf nicht übersehen werden, daß unsere Lage auf der Erde
eine sehr günstige für die Kenntniß des Weltgebäudes ist, in
sofern wir auf einem nicht leuchtenden Weltkörper wohnen.
Befänden wir uns innerhalb der Photosphäre der Sonne, so wür-
den wir von der Existenz der übrigen Sterne nichts wissen.

könnte fast sagen, einander abgelöst, da der folgende beim Tode
des vorangehenden immer schon geboren war.

Wenn Copernicus als der Schöpfer einer richtigern Ansicht des Welt-
systems betrachtet werden muß, so hat sich Tycho de Brahe um
die beobachtende Astronomie bedeutende Verdienste erworben.
Galilei danken wir insbesondere ein treffliches Werk über
die Gesetze der Bewegung, die sowohl für Astronomie wie
Physik eine gleich wichtige Anwendung finden. Von Keppler, dem
bedeutendsten dieser Männer, kann mit Recht gesagt werden,
daß er den Grund gelegt habe zu der Höhe, welche die Astronomie
als Wissenschaft auszeichnet. Zu Wiel im Würtembergschen gebo-
ren, Sohn eines Gastwirths, hatte er sein ganzes Leben hindurch
mit Armuth und Dürftigkeit zu kämpfen. Obgleich ausübender Astro-
nom zu Prag, Professor zu Graetz und Astronom des Herzogs von
Wallenstein, wurde ihm doch während der unruhigen Zeit des 30-
jährigen Kriegs keine seiner Besoldungen ausgezahlt, und er
starb im Mangel zu Regensburg, wohin er gegangen war, um
eine geringe Pension zu erbitten. Seine unsterblichen Verdien-
ste fanden erst bei der dankbaren Nachwelt ihre verdiente
Verehrung. Die von ihm entdeckten Gesetze des Planetenlaufs,
die sogenannten drei Kepplerschen Regeln, gaben Newton die
nähere Veranlassung zu seinen Entdeckungen.

Es darf nicht übersehen werden, daß unsere Lage auf der Erde
eine sehr günstige für die Kenntniß des Weltgebäudes ist, in
sofern wir auf einem nicht leuchtenden Weltkörper wohnen.
Befänden wir uns innerhalb der Photosphäre der Sonne, so wür-
den wir von der Existenz der übrigen Sterne nichts wissen.

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[123/0127] könnte fast sagen, einander abgelöst, da der folgende beim Tode des vorangehenden immer schon geboren war. Wenn Copernicus als der Schöpfer einer richtigern Ansicht des Welt- systems betrachtet werden muß, so hat sich Tycho de Brahe um die beobachtende Astronomie bedeutende Verdienste erworben. Galilei danken wir insbesondere ein treffliches Werk über die Gesetze der Bewegung, die sowohl für Astronomie wie Physik eine gleich wichtige Anwendung finden. Von Keppler, dem bedeutendsten dieser Männer, kann mit Recht gesagt werden, daß er den Grund gelegt habe zu der Höhe, welche die Astronomie als Wissenschaft auszeichnet. Zu Wiel im Würtembergschen gebo- ren, Sohn eines Gastwirths, hatte er sein ganzes Leben hindurch mit Armuth u Dürftigkeit zu kämpfen. Obgleich ausübender Astro- nom zu Prag, Professor zu Graetz u Astronom des Herzogs von Wallenstein, wurde ihm doch während der unruhigen Zeit des 30- jährigen Kriegs keine seiner Besoldungen ausgezahlt, und er starb im Mangel zu Regensburg, wohin er gegangen war, um eine geringe Pension zu erbitten. Seine unsterblichen Verdien- ste fanden erst bei der dankbaren Nachwelt ihre verdiente Verehrung. Die von ihm entdeckten Gesetze des Planetenlaufs, die sogenannten drei Kepplerschen Regeln, gaben Newton die nähere Veranlassung zu seinen Entdeckungen. Es darf nicht übersehen werden, daß unsere Lage auf der Erde eine sehr günstige für die Kenntniß des Weltgebäudes ist, in sofern wir auf einem nicht leuchtenden Weltkörper wohnen. Befänden wir uns innerhalb der Photosphäre der Sonne, so wür- den wir von der Existenz der übrigen Sterne nichts wissen.

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Christian Thomas: Herausgeber
Tina Krell, Sandra Balck, Benjamin Fiechter, Christian Thomas: Bearbeiter
Nalan Lom: Bilddigitalisierung

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Dieses Werk wurde auf der Grundlage der Transkription von [N. N.]: Physikalische Geographie. Vorgetragen von Alexander von Humboldt. [Berlin], [1827/28] anhand der Vorlage geprüft und korrigiert, nach XML/TEI P5 konvertiert und gemäß dem DTA-Basisformat kodiert.

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Zitationshilfe: Hufeland, Otto: Vorlesungen über physicalische Geographie von A. v. Humboldt. [G]eschrieben im Sommer 1829 durch Otto Hufeland. [Berlin], [ca. 1829]. [= Abschrift einer Nachschrift der ‚Kosmos-Vorträge‛ Alexander von Humboldts in der Sing-Akademie zu Berlin, 6.12.1827–27.3.1828.], S. 123. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/hufeland_privatbesitz_1829/127>, abgerufen am 24.03.2019.