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Hufeland, Otto: Vorlesungen über physicalische Geographie von A. v. Humboldt. [G]eschrieben im Sommer 1829 durch Otto Hufeland. [Berlin], [ca. 1829]. [= Abschrift einer Nachschrift der ‚Kosmos-Vorträge‛ Alexander von Humboldts in der Sing-Akademie zu Berlin, 6.12.1827–27.3.1828].

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nen. Sehr schöne Gruppen bilden das Schiff, der Schütze, die Krone, das
südliche Kreuz, der herrliche Stern Canopus, die Magellanischen Wol-
ken u. s. w. der Nebelfleck des Schiffes Argo ist ein so gedrängter
Sternhaufen, daß er hinter vorüberziehenden Wolken hervortre-
tend einen Eindruck von Helle erregt, als ob der Mond aufgegan-
gen wäre.

Zu den Sternen des südlichen Himmels rechne ich alle diejenigen, welche
man unter 371/2° N. B., also zu Rhodus, Madeira und Südspanien zu
sehen bekommt. Erst seit 2 Jahrhunderten hat man sich gründlicher mit
dem südlichen Himmel beschäftigt; die Alten kannten ihn nur bis zum
Krebs, den man in Syene sehen kann. Die Vorrückung der Nachtglei-
chen verursacht es, daß die schönen südlichen Sterne uns gleichsam
fliehen; zur Zeit der Römer erblickte man das südliche Kreuz zu
Alexandrien und der Canopus war in Spanien sichtbar. Damals hieß
erstere Constellation der Thron der Cäsarn, die später auf die
Phantasie der christlichen Völker, das ehrwürdige Symbol ihres
Glaubens darstellend, einen so viel tiefern Eindruck machte. Ich habe
schon früher erwähnt, daß Dante dieß schöne Sternbild, das auch jetzt
noch am rothen Meer, nördlicher als die Enge von Bab el Mandeb
sichtbar ist, gekannt und besungen hat; in der Uebersetzung von Streck-
fuss
heißt die vielbesprochene Stelle im Fegefeuer also:

Zur Rechten kehrt ich mich, den Geist gewandt
Zum andern Pol, und sah vier Stern' im Schimmer,
Die niemand, als das erste Paar erkannt,
Den Himmel letzt ihr funkelndes Geflimmer!
O du verwaistes Land, du öder Nord,
Du siehst den Glanz der schönen Lichter nimmer!
übersetzt und erläutert von Karl Streckfuß. Zweiter Theil: Das Fegefeuer. Halle, 1825, S. 4, Vers 22-27. Online verfügbar: Bavarian State Library, abgerufen am 03.02.2015.

nen. Sehr schöne Gruppen bilden das Schiff, der Schütze, die Krone, das
südliche Kreuz, der herrliche Stern Canopus, die Magellanischen Wol-
ken u. s. w. der Nebelfleck des Schiffes Argo ist ein so gedrängter
Sternhaufen, daß er hinter vorüberziehenden Wolken hervortre-
tend einen Eindruck von Helle erregt, als ob der Mond aufgegan-
gen wäre.

Zu den Sternen des südlichen Him̃els rechne ich alle diejenigen, welche
man unter 37½° N. B., also zu Rhodus, Madeira und Südspanien zu
sehen bekom̃t. Erst seit 2 Jahrhunderten hat man sich gründlicher mit
dem südlichen Him̃el beschäftigt; die Alten kannten ihn nur bis zum
Krebs, den man in Syene sehen kañ. Die Vorrückung der Nachtglei-
chen verursacht es, daß die schönen südlichen Sterne uns gleichsam
fliehen; zur Zeit der Römer erblickte man das südliche Kreuz zu
Alexandrien und der Canopus war in Spanien sichtbar. Damals hieß
erstere Constellation der Thron der Cäsarn, die später auf die
Phantasie der christlichen Völker, das ehrwürdige Symbol ihres
Glaubens darstellend, einen so viel tiefern Eindruck machte. Ich habe
schon früher erwähnt, daß Dante dieß schöne Sternbild, das auch jetzt
noch am rothen Meer, nördlicher als die Enge von Bab el Mandeb
sichtbar ist, gekañt und besungen hat; in der Uebersetzung von Streck-
fuss
heißt die vielbesprochene Stelle im Fegefeuer also:

Zur Rechten kehrt ich mich, den Geist gewandt
Zum andern Pol, und sah vier Stern‘ im Schim̃er,
Die niemand, als das erste Paar erkannt,
Den Him̃el letzt ihr funkelndes Geflim̃er!
O du verwaistes Land, du öder Nord,
Du siehst den Glanz der schönen Lichter nimmer!
übersetzt und erläutert von Karl Streckfuß. Zweiter Theil: Das Fegefeuer. Halle, 1825, S. 4, Vers 22-27. Online verfügbar: Bavarian State Library, abgerufen am 03.02.2015.
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[135/0139] nen. Sehr schöne Gruppen bilden das Schiff, der Schütze, die Krone, das südliche Kreuz, der herrliche Stern Canopus, die Magellanischen Wol- ken u. s. w. der Nebelfleck des Schiffes Argo ist ein so gedrängter Sternhaufen, daß er hinter vorüberziehenden Wolken hervortre- tend einen Eindruck von Helle erregt, als ob der Mond aufgegan- gen wäre. Zu den Sternen des südlichen Him̃els rechne ich alle diejenigen, welche man unter 37½° N. B., also zu Rhodus, Madeira u Südspanien zu sehen bekom̃t. Erst seit 2 Jahrhunderten hat man sich gründlicher mit dem südlichen Him̃el beschäftigt; die Alten kannten ihn nur bis zum Krebs, den man in Syene sehen kañ. Die Vorrückung der Nachtglei- chen verursacht es, daß die schönen südlichen Sterne uns gleichsam fliehen; zur Zeit der Römer erblickte man das südliche Kreuz zu Alexandrien u der Canopus war in Spanien sichtbar. Damals hieß erstere Constellation der Thron der Cäsarn, die später auf die Phantasie der christlichen Völker, das ehrwürdige Symbol ihres Glaubens darstellend, einen so viel tiefern Eindruck machte. Ich habe schon früher erwähnt, daß Dante dieß schöne Sternbild, das auch jetzt noch am rothen Meer, nördlicher als die Enge von Bab el Mandeb sichtbar ist, gekañt u besungen hat; in der Uebersetzung von Streck- fuss heißt die vielbesprochene Stelle im Fegefeuer also: Zur Rechten kehrt ich mich, den Geist gewandt Zum andern Pol, u sah vier Stern‘ im Schim̃er, Die niemand, als das erste Paar erkannt, Den Him̃el letzt ihr funkelndes Geflim̃er! O du verwaistes Land, du öder Nord, Du siehst den Glanz der schönen Lichter nimmer!

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Christian Thomas: Herausgeber
Tina Krell, Sandra Balck, Benjamin Fiechter, Christian Thomas: Bearbeiter
Nalan Lom: Bilddigitalisierung

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Dieses Werk wurde auf der Grundlage der Transkription von [N. N.]: Physikalische Geographie. Vorgetragen von Alexander von Humboldt. [Berlin], [1827/28] anhand der Vorlage geprüft und korrigiert, nach XML/TEI P5 konvertiert und gemäß dem DTA-Basisformat kodiert.

  • langes s (ſ): als s transkribiert
  • I/J: Lautwert transkribiert



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Zitationshilfe: Hufeland, Otto: Vorlesungen über physicalische Geographie von A. v. Humboldt. [G]eschrieben im Sommer 1829 durch Otto Hufeland. [Berlin], [ca. 1829]. [= Abschrift einer Nachschrift der ‚Kosmos-Vorträge‛ Alexander von Humboldts in der Sing-Akademie zu Berlin, 6.12.1827–27.3.1828]. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/hufeland_privatbesitz_1829/139>, S. 135, abgerufen am 19.11.2017.