Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Immermann, Karl: Münchhausen. Bd. 2. Düsseldorf, 1839.

Bild:
<< vorherige Seite

Seit Lichtmeß keinen Lohn nicht gekriegt. Thut
drei Gulden sechs Kreuzer per Monat, zusammen
zwölf Gulden vier und zwanzig Kreuzer.



Den sechs und zwanzigsten Juni: Seit drei
Tagen nichts zu fressen gehabt. An mein' Rieken
continuirlich immerwährend gedacht. Ist kaum noch
auszustehen. Sichtlich mager geworden.



O Rieke, dein Getreuer
Aus Schwaben oder Baiern,
Dem ist es nicht gegonnen,
Wenn Abends sinkt die Sonnen,
Daß er an deiner Brust
Dich kußt nach Herzenslust.

Vorstehenden Spruch gemacht gestern Nacht als
den acht und zwanzigsten Juni, da ich nicht schla-
fen konnt' von wegen Hunger und Flöh'.

Zweites Blatt.

Den fünften Juli: Lange nichts eingeschrieben
in die Brieftafel. War zu beschäftigt die Zeit her.
Außerordentlich mich verbessert in meiner ganzen
Lag' und Condition. Fräulein verliebt in mich.


Seit Lichtmeß keinen Lohn nicht gekriegt. Thut
drei Gulden ſechs Kreuzer per Monat, zuſammen
zwölf Gulden vier und zwanzig Kreuzer.



Den ſechs und zwanzigſten Juni: Seit drei
Tagen nichts zu freſſen gehabt. An mein’ Rieken
continuirlich immerwährend gedacht. Iſt kaum noch
auszuſtehen. Sichtlich mager geworden.



O Rieke, dein Getreuer
Aus Schwaben oder Baiern,
Dem iſt es nicht gegonnen,
Wenn Abends ſinkt die Sonnen,
Daß er an deiner Bruſt
Dich kußt nach Herzensluſt.

Vorſtehenden Spruch gemacht geſtern Nacht als
den acht und zwanzigſten Juni, da ich nicht ſchla-
fen konnt’ von wegen Hunger und Flöh’.

Zweites Blatt.

Den fünften Juli: Lange nichts eingeſchrieben
in die Brieftafel. War zu beſchäftigt die Zeit her.
Außerordentlich mich verbeſſert in meiner ganzen
Lag’ und Condition. Fräulein verliebt in mich.


<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <div n="3">
            <pb facs="#f0057" n="39"/>
            <p>Seit Lichtmeß keinen Lohn nicht gekriegt. Thut<lb/>
drei Gulden &#x017F;echs Kreuzer per Monat, zu&#x017F;ammen<lb/>
zwölf Gulden vier und zwanzig Kreuzer.</p><lb/>
            <milestone rendition="#hr" unit="section"/>
            <p>Den &#x017F;echs und zwanzig&#x017F;ten Juni: Seit drei<lb/>
Tagen nichts zu fre&#x017F;&#x017F;en gehabt. An mein&#x2019; Rieken<lb/>
continuirlich immerwährend gedacht. I&#x017F;t kaum noch<lb/>
auszu&#x017F;tehen. Sichtlich mager geworden.</p><lb/>
            <milestone rendition="#hr" unit="section"/>
            <lg type="poem">
              <l>O Rieke, dein Getreuer</l><lb/>
              <l>Aus Schwaben oder Baiern,</l><lb/>
              <l>Dem i&#x017F;t es nicht gegonnen,</l><lb/>
              <l>Wenn Abends &#x017F;inkt die Sonnen,</l><lb/>
              <l>Daß er an deiner Bru&#x017F;t</l><lb/>
              <l>Dich kußt nach Herzenslu&#x017F;t.</l>
            </lg><lb/>
            <p>Vor&#x017F;tehenden Spruch gemacht ge&#x017F;tern Nacht als<lb/>
den acht und zwanzig&#x017F;ten Juni, da ich nicht &#x017F;chla-<lb/>
fen konnt&#x2019; von wegen Hunger und Flöh&#x2019;.</p>
          </div><lb/>
          <div n="3">
            <head><hi rendition="#g">Zweites Blatt</hi>.</head><lb/>
            <p>Den fünften Juli: Lange nichts einge&#x017F;chrieben<lb/>
in die Brieftafel. War zu be&#x017F;chäftigt die Zeit her.<lb/>
Außerordentlich mich verbe&#x017F;&#x017F;ert in meiner ganzen<lb/>
Lag&#x2019; und Condition. Fräulein verliebt in mich.</p><lb/>
          </div>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[39/0057] Seit Lichtmeß keinen Lohn nicht gekriegt. Thut drei Gulden ſechs Kreuzer per Monat, zuſammen zwölf Gulden vier und zwanzig Kreuzer. Den ſechs und zwanzigſten Juni: Seit drei Tagen nichts zu freſſen gehabt. An mein’ Rieken continuirlich immerwährend gedacht. Iſt kaum noch auszuſtehen. Sichtlich mager geworden. O Rieke, dein Getreuer Aus Schwaben oder Baiern, Dem iſt es nicht gegonnen, Wenn Abends ſinkt die Sonnen, Daß er an deiner Bruſt Dich kußt nach Herzensluſt. Vorſtehenden Spruch gemacht geſtern Nacht als den acht und zwanzigſten Juni, da ich nicht ſchla- fen konnt’ von wegen Hunger und Flöh’. Zweites Blatt. Den fünften Juli: Lange nichts eingeſchrieben in die Brieftafel. War zu beſchäftigt die Zeit her. Außerordentlich mich verbeſſert in meiner ganzen Lag’ und Condition. Fräulein verliebt in mich.

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/immermann_muenchhausen02_1839
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/immermann_muenchhausen02_1839/57
Zitationshilfe: Immermann, Karl: Münchhausen. Bd. 2. Düsseldorf, 1839, S. 39. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/immermann_muenchhausen02_1839/57>, abgerufen am 24.02.2019.