Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Jacobi, Johann Friedrich: Betrachtungen über die Weisen Absichten Gottes, bey denen Dingen, die wir in der menschlichen Gesellschaft und der Offenbahrung antreffen. Bd. 2. Göttingen, 1745.

Bild:
<< vorherige Seite



die ledigen Frauens-Personen rar gemacht.
Hieraus aber folget diese grosse Unordnung,
daß viele sich zu anderer Männer Weiber
nahen, und Ehebruch treiben. Daß sel-
biger unter dem jüdischen Volcke zu Zeiten
sehr häuffig gewesen, scheinet aus den gar
scharffen Gesetzen, so der HErr 3. B. Mos.
Cap. 20. v. 4. 10. und 5. B. Mos. Cap. 22.
v. 22. gegeben, zu erhellen, indem es nöthig
gewesen, diesem Laster durch eine Lebens-
Strafe Einhalt zu thun.

§. 7.

Ausserdem hat die Ehe mit vielen Wei-Dem
Schöpffer
ist die
Vielwei-
berey ent-
gegen.

bern selber viele Unbequemlichkeiten mit sich
verknüpft, welche sich bey den Ehen zwi-
schen einem Mann und einer Frau nicht fin-
den. Die Eiffersucht der verschiedenen
Weiber lässet nicht leicht zu, daß eine recht
vertraute Freundschafft unter ihnen sollte
obwalten. Man lese, was zwischen den
beiden Schwestern der Lea und Rahel vor-

gegan-
L 3



die ledigen Frauens-Perſonen rar gemacht.
Hieraus aber folget dieſe groſſe Unordnung,
daß viele ſich zu anderer Maͤnner Weiber
nahen, und Ehebruch treiben. Daß ſel-
biger unter dem juͤdiſchen Volcke zu Zeiten
ſehr haͤuffig geweſen, ſcheinet aus den gar
ſcharffen Geſetzen, ſo der HErr 3. B. Moſ.
Cap. 20. v. 4. 10. und 5. B. Moſ. Cap. 22.
v. 22. gegeben, zu erhellen, indem es noͤthig
geweſen, dieſem Laſter durch eine Lebens-
Strafe Einhalt zu thun.

§. 7.

Auſſerdem hat die Ehe mit vielen Wei-Dem
Schoͤpffer
iſt die
Vielwei-
berey ent-
gegen.

bern ſelber viele Unbequemlichkeiten mit ſich
verknuͤpft, welche ſich bey den Ehen zwi-
ſchen einem Mann und einer Frau nicht fin-
den. Die Eifferſucht der verſchiedenen
Weiber laͤſſet nicht leicht zu, daß eine recht
vertraute Freundſchafft unter ihnen ſollte
obwalten. Man leſe, was zwiſchen den
beiden Schweſtern der Lea und Rahel vor-

gegan-
L 3
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <p><pb facs="#f0183" n="165"/><milestone rendition="#hr" unit="section"/><lb/>
die ledigen Frauens-Per&#x017F;onen rar gemacht.<lb/>
Hieraus aber folget die&#x017F;e gro&#x017F;&#x017F;e Unordnung,<lb/>
daß viele &#x017F;ich zu anderer Ma&#x0364;nner Weiber<lb/>
nahen, und Ehebruch treiben. Daß &#x017F;el-<lb/>
biger unter dem ju&#x0364;di&#x017F;chen Volcke zu Zeiten<lb/>
&#x017F;ehr ha&#x0364;uffig gewe&#x017F;en, &#x017F;cheinet aus den gar<lb/>
&#x017F;charffen Ge&#x017F;etzen, &#x017F;o der HErr 3. B. Mo&#x017F;.<lb/>
Cap. 20. v. 4. 10. und 5. B. Mo&#x017F;. Cap. 22.<lb/>
v. 22. gegeben, zu erhellen, indem es no&#x0364;thig<lb/>
gewe&#x017F;en, die&#x017F;em La&#x017F;ter durch eine Lebens-<lb/>
Strafe Einhalt zu thun.</p>
        </div><lb/>
        <div n="2">
          <head>§. 7.</head><lb/>
          <p>Au&#x017F;&#x017F;erdem hat die Ehe mit vielen Wei-<note place="right">Dem<lb/>
Scho&#x0364;pffer<lb/>
i&#x017F;t die<lb/>
Vielwei-<lb/>
berey ent-<lb/>
gegen.</note><lb/>
bern &#x017F;elber viele Unbequemlichkeiten mit &#x017F;ich<lb/>
verknu&#x0364;pft, welche &#x017F;ich bey den Ehen zwi-<lb/>
&#x017F;chen einem Mann und einer Frau nicht fin-<lb/>
den. Die Eiffer&#x017F;ucht der ver&#x017F;chiedenen<lb/>
Weiber la&#x0364;&#x017F;&#x017F;et nicht leicht zu, daß eine recht<lb/>
vertraute Freund&#x017F;chafft unter ihnen &#x017F;ollte<lb/>
obwalten. Man le&#x017F;e, was zwi&#x017F;chen den<lb/>
beiden Schwe&#x017F;tern der Lea und Rahel vor-<lb/>
<fw place="bottom" type="sig">L 3</fw><fw place="bottom" type="catch">gegan-</fw><lb/></p>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[165/0183] die ledigen Frauens-Perſonen rar gemacht. Hieraus aber folget dieſe groſſe Unordnung, daß viele ſich zu anderer Maͤnner Weiber nahen, und Ehebruch treiben. Daß ſel- biger unter dem juͤdiſchen Volcke zu Zeiten ſehr haͤuffig geweſen, ſcheinet aus den gar ſcharffen Geſetzen, ſo der HErr 3. B. Moſ. Cap. 20. v. 4. 10. und 5. B. Moſ. Cap. 22. v. 22. gegeben, zu erhellen, indem es noͤthig geweſen, dieſem Laſter durch eine Lebens- Strafe Einhalt zu thun. §. 7. Auſſerdem hat die Ehe mit vielen Wei- bern ſelber viele Unbequemlichkeiten mit ſich verknuͤpft, welche ſich bey den Ehen zwi- ſchen einem Mann und einer Frau nicht fin- den. Die Eifferſucht der verſchiedenen Weiber laͤſſet nicht leicht zu, daß eine recht vertraute Freundſchafft unter ihnen ſollte obwalten. Man leſe, was zwiſchen den beiden Schweſtern der Lea und Rahel vor- gegan- Dem Schoͤpffer iſt die Vielwei- berey ent- gegen. L 3

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/jacobi_betrachtungen02_1745
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/jacobi_betrachtungen02_1745/183
Zitationshilfe: Jacobi, Johann Friedrich: Betrachtungen über die Weisen Absichten Gottes, bey denen Dingen, die wir in der menschlichen Gesellschaft und der Offenbahrung antreffen. Bd. 2. Göttingen, 1745, S. 165. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/jacobi_betrachtungen02_1745/183>, abgerufen am 07.08.2020.