Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Jacobi, Johann Friedrich: Betrachtungen über die Weisen Absichten Gottes, bey denen Dingen, die wir in der menschlichen Gesellschaft und der Offenbahrung antreffen. Bd. 2. Göttingen, 1745.

Bild:
<< vorherige Seite


Man lese Prideaux Connexion A. und N.
T. mit ander Völcker-Historie Theil
II.
Bl. 387. Heinsius Kirchen-Historie Th.
I. Secul. IX. Cap. V. §. VII. Bl. 1099.
§. 16.
Jnglei-
chen aus
der Ver-
hältniß
der beyden
menschli-
chen Ge-
schlechter
zu einan-
der.

Vielleicht giebt jemand zu, daß der
Schöpfer überhaupt gewust, daß vieler
Stoff zu gewissen Dingen seine Vollkom-
menheit nicht erreichen würde, er habe aber
nicht eigentlich gewust, welche eintzelne
Stücke würden vernichtet werden, sonst
hätte er selbige zum Theil entweder gar
nicht geschaffen, oder wenigstens diejenigen
Theile daran weggelassen, welche gar kei-
nen Nutzen zu haben und vergeblich zu
seyn scheinen. Z. E. Jn den Raupen, wel-
che eine Schlupff-Wespe zum Neste und
Nahrung ihrer Brut machet, würden die
Knötgen nicht seyn, aus welchen die Flügel
hervor kommen, indem eine solche Raupe
vernichtet wird, ehe die Fittige hervor trei-
ben können. Wir wollen auch diesem
Einwurf begegnen, und zwar wollen wir
aus der zeitigen Vernichtung vieler Din-
ge beweisen, daß in dem Verstande des
Schöpffers alle eintzelne Dinge, alle ihre

Bewe-


Man leſe Prideaux Connexion A. und N.
T. mit ander Voͤlcker-Hiſtorie Theil
II.
Bl. 387. Heinſius Kirchen-Hiſtorie Th.
I. Secul. IX. Cap. V. §. VII. Bl. 1099.
§. 16.
Jnglei-
chen aus
der Ver-
haͤltniß
der beyden
menſchli-
chen Ge-
ſchlechter
zu einan-
der.

Vielleicht giebt jemand zu, daß der
Schoͤpfer uͤberhaupt gewuſt, daß vieler
Stoff zu gewiſſen Dingen ſeine Vollkom-
menheit nicht erreichen wuͤrde, er habe aber
nicht eigentlich gewuſt, welche eintzelne
Stuͤcke wuͤrden vernichtet werden, ſonſt
haͤtte er ſelbige zum Theil entweder gar
nicht geſchaffen, oder wenigſtens diejenigen
Theile daran weggelaſſen, welche gar kei-
nen Nutzen zu haben und vergeblich zu
ſeyn ſcheinen. Z. E. Jn den Raupen, wel-
che eine Schlupff-Weſpe zum Neſte und
Nahrung ihrer Brut machet, wuͤrden die
Knoͤtgen nicht ſeyn, aus welchen die Fluͤgel
hervor kommen, indem eine ſolche Raupe
vernichtet wird, ehe die Fittige hervor trei-
ben koͤnnen. Wir wollen auch dieſem
Einwurf begegnen, und zwar wollen wir
aus der zeitigen Vernichtung vieler Din-
ge beweiſen, daß in dem Verſtande des
Schoͤpffers alle eintzelne Dinge, alle ihre

Bewe-
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <pb facs="#f0322" n="304"/>
          <milestone rendition="#hr" unit="section"/><lb/>
          <list>
            <item>Man le&#x017F;e <hi rendition="#fr">Prideaux Connexion A. und N.<lb/>
T. mit ander Vo&#x0364;lcker-Hi&#x017F;torie Theil</hi> <hi rendition="#aq">II.</hi><lb/>
Bl. 387. <hi rendition="#fr">Hein&#x017F;ius Kirchen-Hi&#x017F;torie</hi> Th.<lb/><hi rendition="#aq">I.</hi> <hi rendition="#fr">Secul.</hi> <hi rendition="#aq">IX.</hi> Cap. <hi rendition="#aq">V. §. VII.</hi> Bl. 1099.</item>
          </list>
        </div><lb/>
        <div n="2">
          <head>§. 16.</head><lb/>
          <note place="left">Jnglei-<lb/>
chen aus<lb/>
der Ver-<lb/>
ha&#x0364;ltniß<lb/>
der beyden<lb/>
men&#x017F;chli-<lb/>
chen Ge-<lb/>
&#x017F;chlechter<lb/>
zu einan-<lb/>
der.</note>
          <p>Vielleicht giebt jemand zu, daß der<lb/>
Scho&#x0364;pfer u&#x0364;berhaupt gewu&#x017F;t, daß vieler<lb/>
Stoff zu gewi&#x017F;&#x017F;en Dingen &#x017F;eine Vollkom-<lb/>
menheit nicht erreichen wu&#x0364;rde, er habe aber<lb/>
nicht eigentlich gewu&#x017F;t, welche eintzelne<lb/>
Stu&#x0364;cke wu&#x0364;rden vernichtet werden, &#x017F;on&#x017F;t<lb/>
ha&#x0364;tte er &#x017F;elbige zum Theil entweder gar<lb/>
nicht ge&#x017F;chaffen, oder wenig&#x017F;tens diejenigen<lb/>
Theile daran weggela&#x017F;&#x017F;en, welche gar kei-<lb/>
nen Nutzen zu haben und vergeblich zu<lb/>
&#x017F;eyn &#x017F;cheinen. Z. E. Jn den Raupen, wel-<lb/>
che eine Schlupff-We&#x017F;pe zum Ne&#x017F;te und<lb/>
Nahrung ihrer Brut machet, wu&#x0364;rden die<lb/>
Kno&#x0364;tgen nicht &#x017F;eyn, aus welchen die Flu&#x0364;gel<lb/>
hervor kommen, indem eine &#x017F;olche Raupe<lb/>
vernichtet wird, ehe die Fittige hervor trei-<lb/>
ben ko&#x0364;nnen. Wir wollen auch die&#x017F;em<lb/>
Einwurf begegnen, und zwar wollen wir<lb/>
aus der zeitigen Vernichtung vieler Din-<lb/>
ge bewei&#x017F;en, daß in dem Ver&#x017F;tande des<lb/>
Scho&#x0364;pffers alle eintzelne Dinge, alle ihre<lb/>
<fw place="bottom" type="catch">Bewe-</fw><lb/></p>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[304/0322] Man leſe Prideaux Connexion A. und N. T. mit ander Voͤlcker-Hiſtorie Theil II. Bl. 387. Heinſius Kirchen-Hiſtorie Th. I. Secul. IX. Cap. V. §. VII. Bl. 1099. §. 16. Vielleicht giebt jemand zu, daß der Schoͤpfer uͤberhaupt gewuſt, daß vieler Stoff zu gewiſſen Dingen ſeine Vollkom- menheit nicht erreichen wuͤrde, er habe aber nicht eigentlich gewuſt, welche eintzelne Stuͤcke wuͤrden vernichtet werden, ſonſt haͤtte er ſelbige zum Theil entweder gar nicht geſchaffen, oder wenigſtens diejenigen Theile daran weggelaſſen, welche gar kei- nen Nutzen zu haben und vergeblich zu ſeyn ſcheinen. Z. E. Jn den Raupen, wel- che eine Schlupff-Weſpe zum Neſte und Nahrung ihrer Brut machet, wuͤrden die Knoͤtgen nicht ſeyn, aus welchen die Fluͤgel hervor kommen, indem eine ſolche Raupe vernichtet wird, ehe die Fittige hervor trei- ben koͤnnen. Wir wollen auch dieſem Einwurf begegnen, und zwar wollen wir aus der zeitigen Vernichtung vieler Din- ge beweiſen, daß in dem Verſtande des Schoͤpffers alle eintzelne Dinge, alle ihre Bewe-

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/jacobi_betrachtungen02_1745
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/jacobi_betrachtungen02_1745/322
Zitationshilfe: Jacobi, Johann Friedrich: Betrachtungen über die Weisen Absichten Gottes, bey denen Dingen, die wir in der menschlichen Gesellschaft und der Offenbahrung antreffen. Bd. 2. Göttingen, 1745, S. 304. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/jacobi_betrachtungen02_1745/322>, abgerufen am 12.08.2020.