Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Jung-Stilling, Johann Heinrich: Versuch einer Grundlehre sämmtlicher Kameralwissenschaften. Lautern, 1779.

Bild:
<< vorherige Seite
Allgemeine
Allgemeine Staats-Gewerbkunde.

§. 356. Alle bisher abgehandelte Ge-
werbe dergestalt in einen ganzen Gewerb-
körper hinordnen, daß jeder einzelne Er-
werber dadurch den höchsten Grad der
Glückseligkeit, den er in seinem Gewer-
be zu erlangen fähig ist, zu erreichen
Gelegenheit habe, und wirklich erreiche.
Aus dem reinen Ertrage alle Gewerbe,
der einzelnen und allgemeinen Glückse-
ligkeit unbeschadet, einen hinlänglichen
Ertrag sammlen, und endlich aus die-
sem Ertrage die Bedürfnisse des Gan-
zen so zu befriedigen, daß dadurch die
einzelne und allgemeine Glückseligkeit
auf die beßte Weise befördert werde.

Das alles zusammen nenne ich das Staats-
gewerb.

* Das Wort Staatsgewerbkunde wird
dem Leser auffallen. Allein weil ich
durchs Gewerb alle Bemühung verstehe,
die man anwendet, um Bedürfnisse zu
befriedigen: so ist ja ausgemacht, daß
alle Staatsbeschäftigungen Gewerbe
sind. Ein jeder nenne die Sache wie
er will. Dieses wird keine Verwirrung
machen.
§. 357.
Allgemeine
Allgemeine Staats-Gewerbkunde.

§. 356. Alle bisher abgehandelte Ge-
werbe dergeſtalt in einen ganzen Gewerb-
koͤrper hinordnen, daß jeder einzelne Er-
werber dadurch den hoͤchſten Grad der
Gluͤckſeligkeit, den er in ſeinem Gewer-
be zu erlangen faͤhig iſt, zu erreichen
Gelegenheit habe, und wirklich erreiche.
Aus dem reinen Ertrage alle Gewerbe,
der einzelnen und allgemeinen Gluͤckſe-
ligkeit unbeſchadet, einen hinlaͤnglichen
Ertrag ſammlen, und endlich aus die-
ſem Ertrage die Beduͤrfniſſe des Gan-
zen ſo zu befriedigen, daß dadurch die
einzelne und allgemeine Gluͤckſeligkeit
auf die beßte Weiſe befoͤrdert werde.

Das alles zuſammen nenne ich das Staats-
gewerb.

* Das Wort Staatsgewerbkunde wird
dem Leſer auffallen. Allein weil ich
durchs Gewerb alle Bemuͤhung verſtehe,
die man anwendet, um Beduͤrfniſſe zu
befriedigen: ſo iſt ja ausgemacht, daß
alle Staatsbeſchaͤftigungen Gewerbe
ſind. Ein jeder nenne die Sache wie
er will. Dieſes wird keine Verwirrung
machen.
§. 357.
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <pb facs="#f0196" n="176"/>
        <fw place="top" type="header"> <hi rendition="#b">Allgemeine</hi> </fw><lb/>
        <div n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Allgemeine Staats-Gewerbkunde.</hi> <ref target="#*"/>
          </head><lb/>
          <p>§. 356. <hi rendition="#fr">Alle bisher abgehandelte Ge-<lb/>
werbe derge&#x017F;talt in einen ganzen Gewerb-<lb/>
ko&#x0364;rper hinordnen, daß jeder einzelne Er-<lb/>
werber dadurch den ho&#x0364;ch&#x017F;ten Grad der<lb/>
Glu&#x0364;ck&#x017F;eligkeit, den er in &#x017F;einem Gewer-<lb/>
be zu erlangen fa&#x0364;hig i&#x017F;t, zu erreichen<lb/>
Gelegenheit habe, und wirklich erreiche.<lb/>
Aus dem reinen Ertrage alle Gewerbe,<lb/>
der einzelnen und allgemeinen Glu&#x0364;ck&#x017F;e-<lb/>
ligkeit unbe&#x017F;chadet, einen hinla&#x0364;nglichen<lb/>
Ertrag &#x017F;ammlen, und endlich aus die-<lb/>
&#x017F;em Ertrage die Bedu&#x0364;rfni&#x017F;&#x017F;e des Gan-<lb/>
zen &#x017F;o zu befriedigen, daß dadurch die<lb/>
einzelne und allgemeine Glu&#x0364;ck&#x017F;eligkeit<lb/>
auf die beßte Wei&#x017F;e befo&#x0364;rdert werde.</hi><lb/>
Das alles zu&#x017F;ammen nenne ich das Staats-<lb/>
gewerb.</p><lb/>
          <note place="end" n="*">Das Wort <hi rendition="#fr">Staatsgewerbkunde</hi> wird<lb/>
dem Le&#x017F;er auffallen. Allein weil ich<lb/>
durchs Gewerb alle Bemu&#x0364;hung ver&#x017F;tehe,<lb/>
die man anwendet, um Bedu&#x0364;rfni&#x017F;&#x017F;e zu<lb/>
befriedigen: &#x017F;o i&#x017F;t ja ausgemacht, daß<lb/>
alle Staatsbe&#x017F;cha&#x0364;ftigungen Gewerbe<lb/>
&#x017F;ind. Ein jeder nenne die Sache wie<lb/>
er will. Die&#x017F;es wird keine Verwirrung<lb/>
machen.</note><lb/>
          <fw place="bottom" type="catch">§. 357.</fw><lb/>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[176/0196] Allgemeine Allgemeine Staats-Gewerbkunde. §. 356. Alle bisher abgehandelte Ge- werbe dergeſtalt in einen ganzen Gewerb- koͤrper hinordnen, daß jeder einzelne Er- werber dadurch den hoͤchſten Grad der Gluͤckſeligkeit, den er in ſeinem Gewer- be zu erlangen faͤhig iſt, zu erreichen Gelegenheit habe, und wirklich erreiche. Aus dem reinen Ertrage alle Gewerbe, der einzelnen und allgemeinen Gluͤckſe- ligkeit unbeſchadet, einen hinlaͤnglichen Ertrag ſammlen, und endlich aus die- ſem Ertrage die Beduͤrfniſſe des Gan- zen ſo zu befriedigen, daß dadurch die einzelne und allgemeine Gluͤckſeligkeit auf die beßte Weiſe befoͤrdert werde. Das alles zuſammen nenne ich das Staats- gewerb. * Das Wort Staatsgewerbkunde wird dem Leſer auffallen. Allein weil ich durchs Gewerb alle Bemuͤhung verſtehe, die man anwendet, um Beduͤrfniſſe zu befriedigen: ſo iſt ja ausgemacht, daß alle Staatsbeſchaͤftigungen Gewerbe ſind. Ein jeder nenne die Sache wie er will. Dieſes wird keine Verwirrung machen. §. 357.

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/jungstilling_versuch_1779
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/jungstilling_versuch_1779/196
Zitationshilfe: Jung-Stilling, Johann Heinrich: Versuch einer Grundlehre sämmtlicher Kameralwissenschaften. Lautern, 1779, S. 176. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/jungstilling_versuch_1779/196>, abgerufen am 19.05.2019.