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Kaempfer, Engelbert: Geschichte und Beschreibung von Japan. Hrsg. v. Christian Wilhelm von Dohm. Bd. 1. Lemgo, 1777.

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Acht. Kap. Von dem Clima der japanischen Länder etc.
stand dieser Jnsel zu untersuchen. Er bestieg sie mit funfzig Mann; fand aber weder Geist
noch Hölle, sondern auf ihrer Höhe einen flachen so sehr schwefelreichen Boden, daß, wo
man hintrat, Dampf hervorkam. Dieser Boden bringt jezt für Schwefel seinem Besitzer
über zwanzig Kisten Silber ein; und das Holz, welches am Ufer wächst, trägt gleichfals
seinen Vortheil bei.

Das Land Simabara, besonders die Gegend des oben bemeldeten warmen Ba-
des, bringt auch einen natürlich reinen Schwefel hervor, welcher aber aus Ehrfurcht, den
daselbst herschenden Geist zu erzürnen, nicht gesamlet noch berührt wird; weil man gefun-
den, daß er denselben nicht entbehren wolle. Mehrere andere Oerter nicht zu erwähnen,
weil sie mir nicht hinlänglich bekant sind.

Gold.

Gold liefern die Berge und Thäler verschiedener Landschaften. Es wird solches
theils aus seinem eignen Erz, theils aus gewissem Sande, und auch nicht weniges*) aus
dem Kupfer geschieden und herausgebracht. Der Kaiser übet über die Gold- und alle an-
dere Minen im Reiche die Macht aus, daß sie ohne seinen Befehl und Erlaubnis nicht
dürfen geöfnet und bearbeitet werden. Wenn das Arbeiten erlaubt ist, so bekömt er zwei
Theile des Ertrags; und der Landesherr, als Besitzer des Grundes, den dritten Theil. Doch
weis diese den Vortheil schon gleich zu machen.

Sador, eine nördliche Provinzialinsel, giebt das reichste Erz und feinste Gold. Man
findet daselbst Adern, aus welchen ein Catti Erz ein bis zwei Tail Gold enthält. Doch
ist mir auch berichtet, daß innerhalb einigen Jahren die Adern, so wol hier als auch in
andern Bergwerken, nicht sehr einträglich gewesen sind; und daß dieses zu der scharfen Auf-
sicht und strengen Einrichtung des ausländischen Handels mit den Holländern und Chine-
sern die vornehmste Ursache gegeben habe. Man finder hieselbst auch einen goldreichen
Bergsand; welchen der Landesfürst gar wohl zu nutzen weis, ohne dem kaiserlichen Hofe
davon Nachricht und Antheil zu geben. Surunga hat jederzeit das mehreste Golderz ge-
liefert:**) und es wird auch daselbst von dem Kupfer geschieden. Satzuma hat unter
andern eine Mine, von dessen Erz ein Catti vier bis fünf Tail Gold geben sol. Es ist
aber verboten hier zu brechen, weil man fürchtet, es mögte dessen nicht viel seyn, und es
auf folgende Zeiten aufhebt. Oomura hatte an dem Seebusen zu Okus einen überhangen-

den
*) [Spaltenumbruch]
Jn der englischen Uebersetzung: "Eine ge-
ringe Quantität."
**) [Spaltenumbruch]
Jn der englischen Uebersetzung. Nach den
[Spaltenumbruch] Goldminen von Sado sind die Minen von Su-
runga immer für die reichsten gehalten.
Q 2

Acht. Kap. Von dem Clima der japaniſchen Laͤnder ꝛc.
ſtand dieſer Jnſel zu unterſuchen. Er beſtieg ſie mit funfzig Mann; fand aber weder Geiſt
noch Hoͤlle, ſondern auf ihrer Hoͤhe einen flachen ſo ſehr ſchwefelreichen Boden, daß, wo
man hintrat, Dampf hervorkam. Dieſer Boden bringt jezt fuͤr Schwefel ſeinem Beſitzer
uͤber zwanzig Kiſten Silber ein; und das Holz, welches am Ufer waͤchſt, traͤgt gleichfals
ſeinen Vortheil bei.

Das Land Simabara, beſonders die Gegend des oben bemeldeten warmen Ba-
des, bringt auch einen natuͤrlich reinen Schwefel hervor, welcher aber aus Ehrfurcht, den
daſelbſt herſchenden Geiſt zu erzuͤrnen, nicht geſamlet noch beruͤhrt wird; weil man gefun-
den, daß er denſelben nicht entbehren wolle. Mehrere andere Oerter nicht zu erwaͤhnen,
weil ſie mir nicht hinlaͤnglich bekant ſind.

Gold.

Gold liefern die Berge und Thaͤler verſchiedener Landſchaften. Es wird ſolches
theils aus ſeinem eignen Erz, theils aus gewiſſem Sande, und auch nicht weniges*) aus
dem Kupfer geſchieden und herausgebracht. Der Kaiſer uͤbet uͤber die Gold- und alle an-
dere Minen im Reiche die Macht aus, daß ſie ohne ſeinen Befehl und Erlaubnis nicht
duͤrfen geoͤfnet und bearbeitet werden. Wenn das Arbeiten erlaubt iſt, ſo bekoͤmt er zwei
Theile des Ertrags; und der Landesherr, als Beſitzer des Grundes, den dritten Theil. Doch
weis dieſe den Vortheil ſchon gleich zu machen.

Sador, eine noͤrdliche Provinzialinſel, giebt das reichſte Erz und feinſte Gold. Man
findet daſelbſt Adern, aus welchen ein Catti Erz ein bis zwei Tail Gold enthaͤlt. Doch
iſt mir auch berichtet, daß innerhalb einigen Jahren die Adern, ſo wol hier als auch in
andern Bergwerken, nicht ſehr eintraͤglich geweſen ſind; und daß dieſes zu der ſcharfen Auf-
ſicht und ſtrengen Einrichtung des auslaͤndiſchen Handels mit den Hollaͤndern und Chine-
ſern die vornehmſte Urſache gegeben habe. Man finder hieſelbſt auch einen goldreichen
Bergſand; welchen der Landesfuͤrſt gar wohl zu nutzen weis, ohne dem kaiſerlichen Hofe
davon Nachricht und Antheil zu geben. Surunga hat jederzeit das mehreſte Golderz ge-
liefert:**) und es wird auch daſelbſt von dem Kupfer geſchieden. Satzuma hat unter
andern eine Mine, von deſſen Erz ein Catti vier bis fuͤnf Tail Gold geben ſol. Es iſt
aber verboten hier zu brechen, weil man fuͤrchtet, es moͤgte deſſen nicht viel ſeyn, und es
auf folgende Zeiten aufhebt. Oomura hatte an dem Seebuſen zu Okus einen uͤberhangen-

den
*) [Spaltenumbruch]
Jn der engliſchen Ueberſetzung: „Eine ge-
ringe Quantitaͤt.‟
**) [Spaltenumbruch]
Jn der engliſchen Ueberſetzung. Nach den
[Spaltenumbruch] Goldminen von Sado ſind die Minen von Su-
runga immer fuͤr die reichſten gehalten.
Q 2
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[123/0211] Acht. Kap. Von dem Clima der japaniſchen Laͤnder ꝛc. ſtand dieſer Jnſel zu unterſuchen. Er beſtieg ſie mit funfzig Mann; fand aber weder Geiſt noch Hoͤlle, ſondern auf ihrer Hoͤhe einen flachen ſo ſehr ſchwefelreichen Boden, daß, wo man hintrat, Dampf hervorkam. Dieſer Boden bringt jezt fuͤr Schwefel ſeinem Beſitzer uͤber zwanzig Kiſten Silber ein; und das Holz, welches am Ufer waͤchſt, traͤgt gleichfals ſeinen Vortheil bei. Das Land Simabara, beſonders die Gegend des oben bemeldeten warmen Ba- des, bringt auch einen natuͤrlich reinen Schwefel hervor, welcher aber aus Ehrfurcht, den daſelbſt herſchenden Geiſt zu erzuͤrnen, nicht geſamlet noch beruͤhrt wird; weil man gefun- den, daß er denſelben nicht entbehren wolle. Mehrere andere Oerter nicht zu erwaͤhnen, weil ſie mir nicht hinlaͤnglich bekant ſind. Gold. Gold liefern die Berge und Thaͤler verſchiedener Landſchaften. Es wird ſolches theils aus ſeinem eignen Erz, theils aus gewiſſem Sande, und auch nicht weniges *) aus dem Kupfer geſchieden und herausgebracht. Der Kaiſer uͤbet uͤber die Gold- und alle an- dere Minen im Reiche die Macht aus, daß ſie ohne ſeinen Befehl und Erlaubnis nicht duͤrfen geoͤfnet und bearbeitet werden. Wenn das Arbeiten erlaubt iſt, ſo bekoͤmt er zwei Theile des Ertrags; und der Landesherr, als Beſitzer des Grundes, den dritten Theil. Doch weis dieſe den Vortheil ſchon gleich zu machen. Sador, eine noͤrdliche Provinzialinſel, giebt das reichſte Erz und feinſte Gold. Man findet daſelbſt Adern, aus welchen ein Catti Erz ein bis zwei Tail Gold enthaͤlt. Doch iſt mir auch berichtet, daß innerhalb einigen Jahren die Adern, ſo wol hier als auch in andern Bergwerken, nicht ſehr eintraͤglich geweſen ſind; und daß dieſes zu der ſcharfen Auf- ſicht und ſtrengen Einrichtung des auslaͤndiſchen Handels mit den Hollaͤndern und Chine- ſern die vornehmſte Urſache gegeben habe. Man finder hieſelbſt auch einen goldreichen Bergſand; welchen der Landesfuͤrſt gar wohl zu nutzen weis, ohne dem kaiſerlichen Hofe davon Nachricht und Antheil zu geben. Surunga hat jederzeit das mehreſte Golderz ge- liefert: **) und es wird auch daſelbſt von dem Kupfer geſchieden. Satzuma hat unter andern eine Mine, von deſſen Erz ein Catti vier bis fuͤnf Tail Gold geben ſol. Es iſt aber verboten hier zu brechen, weil man fuͤrchtet, es moͤgte deſſen nicht viel ſeyn, und es auf folgende Zeiten aufhebt. Oomura hatte an dem Seebuſen zu Okus einen uͤberhangen- den *) Jn der engliſchen Ueberſetzung: „Eine ge- ringe Quantitaͤt.‟ **) Jn der engliſchen Ueberſetzung. Nach den Goldminen von Sado ſind die Minen von Su- runga immer fuͤr die reichſten gehalten. Q 2

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Zitationshilfe: Kaempfer, Engelbert: Geschichte und Beschreibung von Japan. Hrsg. v. Christian Wilhelm von Dohm. Bd. 1. Lemgo, 1777, S. 123. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/kaempfer_japan01_1777/211>, abgerufen am 18.06.2019.