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Kaempfer, Engelbert: Geschichte und Beschreibung von Japan. Hrsg. v. Christian Wilhelm von Dohm. Bd. 1. Lemgo, 1777.

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Viert. Kap. Folge der geistlichen Erbkaiser, welche nach der Geburt etc.
streitenden Partheien gemeinschaftliche Sache machte, und dadurch sein eigen Jnteresse
empor zu bringen suchte. Dieses wuchs auch so sehr, und seine Gewalt nahm dermaßen
zu, daß er sich nicht nur unumschränkte Macht in Entscheidung aller weltlichen Händel des
Kaiserthums anmaßete, sondern auch seinem Nachfolger einen mächtigen Vormund zu
bestellen wagte. Hierdurch bekam die Gewalt der geistlichen Erbkaiser einen tödlichen
Streich, welches der Ungehorsam und die Streitigkeiten der Fürsten verursachte, und durch
den Joritomo und dessen Nachfolger vollendet wurde, als welche dem Dairi seine Macht
fast gänzlich entzogen, ohne doch die Vorurtheile ihrer höchsten Würde, Ranges, Hei-
ligkeit und einige andere Rechte und Vorzüge zu vermindern, welche nicht eigentlich zu der
Regierung eines weltlichen Kaiserthums gehören, wovon wir ein mehrers im folgenden
Kapitel melden werden. Konje regierte 14 Jahr.



Fünftes Kapitel.
Folge der geistlichen Erbkaiser, welche nach der Geburt
Joritomo, des ersten weltlichen Kaisers, bis auf unsere Zeiten
gelebt haben.


Dai LXXVII.

Kon Je hatte zum Nachfolger seinen ältern Bruder Gosiirakawa*) oder Siira-
kawa
den zweiten, des Kaisers To Bas vierter Sohn, im Jahr nach Synmu
1816, nach Christi Geburt 1156. Nach seiner Besteigung des Throns verordnete er die
Nengo Foogien, welche drei Jahr daurte. Jn dem ersten Jahr seiner Regierung am
11ten Tage des 7ten Monats empörte sich Jsi Jn gegen den Kaiser. Dieser Aufruhr

ver-
*) Bey Deguignes Ko-Ssira-kafa; sinesisch Heu-peho-yüen.
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Viert. Kap. Folge der geiſtlichen Erbkaiſer, welche nach der Geburt ꝛc.
ſtreitenden Partheien gemeinſchaftliche Sache machte, und dadurch ſein eigen Jntereſſe
empor zu bringen ſuchte. Dieſes wuchs auch ſo ſehr, und ſeine Gewalt nahm dermaßen
zu, daß er ſich nicht nur unumſchraͤnkte Macht in Entſcheidung aller weltlichen Haͤndel des
Kaiſerthums anmaßete, ſondern auch ſeinem Nachfolger einen maͤchtigen Vormund zu
beſtellen wagte. Hierdurch bekam die Gewalt der geiſtlichen Erbkaiſer einen toͤdlichen
Streich, welches der Ungehorſam und die Streitigkeiten der Fuͤrſten verurſachte, und durch
den Joritomo und deſſen Nachfolger vollendet wurde, als welche dem Dairi ſeine Macht
faſt gaͤnzlich entzogen, ohne doch die Vorurtheile ihrer hoͤchſten Wuͤrde, Ranges, Hei-
ligkeit und einige andere Rechte und Vorzuͤge zu vermindern, welche nicht eigentlich zu der
Regierung eines weltlichen Kaiſerthums gehoͤren, wovon wir ein mehrers im folgenden
Kapitel melden werden. Konje regierte 14 Jahr.



Fuͤnftes Kapitel.
Folge der geiſtlichen Erbkaiſer, welche nach der Geburt
Joritomo, des erſten weltlichen Kaiſers, bis auf unſere Zeiten
gelebt haben.


Dai LXXVII.

Kon Je hatte zum Nachfolger ſeinen aͤltern Bruder Goſiirakawa*) oder Siira-
kawa
den zweiten, des Kaiſers To Bas vierter Sohn, im Jahr nach Synmu
1816, nach Chriſti Geburt 1156. Nach ſeiner Beſteigung des Throns verordnete er die
Nengo Foogien, welche drei Jahr daurte. Jn dem erſten Jahr ſeiner Regierung am
11ten Tage des 7ten Monats empoͤrte ſich Jſi Jn gegen den Kaiſer. Dieſer Aufruhr

ver-
*) Bey Deguignes Ko-Sſira-kafa; ſineſiſch Heu-peho-yuͤen.
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[221/0325] Viert. Kap. Folge der geiſtlichen Erbkaiſer, welche nach der Geburt ꝛc. ſtreitenden Partheien gemeinſchaftliche Sache machte, und dadurch ſein eigen Jntereſſe empor zu bringen ſuchte. Dieſes wuchs auch ſo ſehr, und ſeine Gewalt nahm dermaßen zu, daß er ſich nicht nur unumſchraͤnkte Macht in Entſcheidung aller weltlichen Haͤndel des Kaiſerthums anmaßete, ſondern auch ſeinem Nachfolger einen maͤchtigen Vormund zu beſtellen wagte. Hierdurch bekam die Gewalt der geiſtlichen Erbkaiſer einen toͤdlichen Streich, welches der Ungehorſam und die Streitigkeiten der Fuͤrſten verurſachte, und durch den Joritomo und deſſen Nachfolger vollendet wurde, als welche dem Dairi ſeine Macht faſt gaͤnzlich entzogen, ohne doch die Vorurtheile ihrer hoͤchſten Wuͤrde, Ranges, Hei- ligkeit und einige andere Rechte und Vorzuͤge zu vermindern, welche nicht eigentlich zu der Regierung eines weltlichen Kaiſerthums gehoͤren, wovon wir ein mehrers im folgenden Kapitel melden werden. Konje regierte 14 Jahr. Fuͤnftes Kapitel. Folge der geiſtlichen Erbkaiſer, welche nach der Geburt Joritomo, des erſten weltlichen Kaiſers, bis auf unſere Zeiten gelebt haben. Dai LXXVII. Kon Je hatte zum Nachfolger ſeinen aͤltern Bruder Goſiirakawa *) oder Siira- kawa den zweiten, des Kaiſers To Bas vierter Sohn, im Jahr nach Synmu 1816, nach Chriſti Geburt 1156. Nach ſeiner Beſteigung des Throns verordnete er die Nengo Foogien, welche drei Jahr daurte. Jn dem erſten Jahr ſeiner Regierung am 11ten Tage des 7ten Monats empoͤrte ſich Jſi Jn gegen den Kaiſer. Dieſer Aufruhr ver- *) Bey Deguignes Ko-Sſira-kafa; ſineſiſch Heu-peho-yuͤen. E e 3

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Zitationshilfe: Kaempfer, Engelbert: Geschichte und Beschreibung von Japan. Hrsg. v. Christian Wilhelm von Dohm. Bd. 1. Lemgo, 1777, S. 221. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/kaempfer_japan01_1777/325>, abgerufen am 19.05.2019.