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Karsch, Anna Luise: Gedichte. Berlin, 1792.

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An Phillis.


Eine Einladung zu den Ruinen bey Potsdam.



1765.
Durch deines Lagers Ueberhang
Ist nicht des Tages Blick gedrungen,
O Phillis! als mich zum Gesang
Mein klopfend Herz schon aufgezwungen.
Ich nahm die Leyer, dachte dich,
Und frug, ob meine Muse wüßte,
Daß Phillis lieblich träumend sich
Mit mir und ihrem Schäfer küßte?
Komm, meine Freundin! küsse mich,
Und laß mich deine Rechte führen
Zum Hügel, den so schauerlich
Die Zeichen der Vernichtung zieren.


An Phillis.


Eine Einladung zu den Ruinen bey Potsdam.



1765.
Durch deines Lagers Ueberhang
Iſt nicht des Tages Blick gedrungen,
O Phillis! als mich zum Geſang
Mein klopfend Herz ſchon aufgezwungen.
Ich nahm die Leyer, dachte dich,
Und frug, ob meine Muſe wuͤßte,
Daß Phillis lieblich traͤumend ſich
Mit mir und ihrem Schaͤfer kuͤßte?
Komm, meine Freundin! kuͤſſe mich,
Und laß mich deine Rechte fuͤhren
Zum Huͤgel, den ſo ſchauerlich
Die Zeichen der Vernichtung zieren.

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[90/0250] An Phillis. Eine Einladung zu den Ruinen bey Potsdam. 1765. Durch deines Lagers Ueberhang Iſt nicht des Tages Blick gedrungen, O Phillis! als mich zum Geſang Mein klopfend Herz ſchon aufgezwungen. Ich nahm die Leyer, dachte dich, Und frug, ob meine Muſe wuͤßte, Daß Phillis lieblich traͤumend ſich Mit mir und ihrem Schaͤfer kuͤßte? Komm, meine Freundin! kuͤſſe mich, Und laß mich deine Rechte fuͤhren Zum Huͤgel, den ſo ſchauerlich Die Zeichen der Vernichtung zieren.

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Zitationshilfe: Karsch, Anna Luise: Gedichte. Berlin, 1792, S. 90. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/karsch_gedichte_1792/250>, abgerufen am 22.09.2019.