Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Karsch, Anna Luise: Gedichte. Berlin, 1792.

Bild:
<< vorherige Seite
Mittags, als die Dichterin mit bei dem Dom-
Dechant Spiegel zu Halberstadt speiste.



Wir Menschen sind so sehr verschieden:
Der eine liebt den stillen Frieden,
Der andre liebt den Ruhm, der dritte liebt den Scherz,
Und welcher Mensch kann für sein Herz?
Dies hat ihm die Natur gegeben --
Der beste Vorsatz müsse leben!


Als sie eine zum Scherz verfertigte Ordre
an den Kanzeleidirektor Brandhorst, und ein Exe-
cutoriale auf einem Tisch fand.



Da Mandloff, der einmal die Kanzelei regiert,
Und jetzt vom ganzen Kreis zu Potsdam Rechnung führt,
Da dieser, wie es uns vom Kammersekretaire
B*mann eröffnet ward, so eigennützig wäre
Mittags, als die Dichterin mit bei dem Dom-
Dechant Spiegel zu Halberſtadt ſpeiſte.



Wir Menſchen ſind ſo ſehr verſchieden:
Der eine liebt den ſtillen Frieden,
Der andre liebt den Ruhm, der dritte liebt den Scherz,
Und welcher Menſch kann fuͤr ſein Herz?
Dies hat ihm die Natur gegeben —
Der beſte Vorſatz muͤſſe leben!


Als ſie eine zum Scherz verfertigte Ordre
an den Kanzeleidirektor Brandhorſt, und ein Exe-
cutoriale auf einem Tiſch fand.



Da Mandloff, der einmal die Kanzelei regiert,
Und jetzt vom ganzen Kreis zu Potsdam Rechnung fuͤhrt,
Da dieſer, wie es uns vom Kammerſekretaire
B*mann eroͤffnet ward, ſo eigennuͤtzig waͤre
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <pb facs="#f0486" n="326"/>
          <div n="3">
            <head> <hi rendition="#b">Mittags, als die Dichterin mit bei dem Dom-<lb/>
Dechant Spiegel zu Halber&#x017F;tadt &#x017F;pei&#x017F;te.</hi> </head><lb/>
            <dateline> <hi rendition="#c">Den 18. Februar 1762.</hi> </dateline><lb/>
            <milestone rendition="#hr" unit="section"/>
            <lg type="poem">
              <l><hi rendition="#in">W</hi>ir Men&#x017F;chen &#x017F;ind &#x017F;o &#x017F;ehr ver&#x017F;chieden:</l><lb/>
              <l>Der eine liebt den &#x017F;tillen Frieden,</l><lb/>
              <l>Der andre liebt den Ruhm, der dritte liebt den Scherz,</l><lb/>
              <l>Und welcher Men&#x017F;ch kann fu&#x0364;r &#x017F;ein Herz?</l><lb/>
              <l>Dies hat ihm die Natur gegeben &#x2014;</l><lb/>
              <l>Der be&#x017F;te Vor&#x017F;atz mu&#x0364;&#x017F;&#x017F;e leben!</l>
            </lg>
          </div><lb/>
          <milestone rendition="#hr" unit="section"/>
          <div n="3">
            <head> <hi rendition="#b">Als &#x017F;ie eine zum Scherz verfertigte Ordre<lb/>
an den Kanzeleidirektor Brandhor&#x017F;t, und ein Exe-<lb/>
cutoriale auf einem Ti&#x017F;ch fand.</hi> </head><lb/>
            <milestone rendition="#hr" unit="section"/>
            <dateline> <hi rendition="#c">Den 5. Julii 1763.</hi> </dateline><lb/>
            <lg type="poem">
              <l><hi rendition="#in">D</hi>a Mandloff, der einmal die Kanzelei regiert,</l><lb/>
              <l>Und jetzt vom ganzen Kreis zu Potsdam Rechnung fu&#x0364;hrt,</l><lb/>
              <l>Da die&#x017F;er, wie es uns vom Kammer&#x017F;ekretaire</l><lb/>
              <l>B*mann ero&#x0364;ffnet ward, &#x017F;o eigennu&#x0364;tzig wa&#x0364;re</l><lb/>
            </lg>
          </div>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[326/0486] Mittags, als die Dichterin mit bei dem Dom- Dechant Spiegel zu Halberſtadt ſpeiſte. Den 18. Februar 1762. Wir Menſchen ſind ſo ſehr verſchieden: Der eine liebt den ſtillen Frieden, Der andre liebt den Ruhm, der dritte liebt den Scherz, Und welcher Menſch kann fuͤr ſein Herz? Dies hat ihm die Natur gegeben — Der beſte Vorſatz muͤſſe leben! Als ſie eine zum Scherz verfertigte Ordre an den Kanzeleidirektor Brandhorſt, und ein Exe- cutoriale auf einem Tiſch fand. Den 5. Julii 1763. Da Mandloff, der einmal die Kanzelei regiert, Und jetzt vom ganzen Kreis zu Potsdam Rechnung fuͤhrt, Da dieſer, wie es uns vom Kammerſekretaire B*mann eroͤffnet ward, ſo eigennuͤtzig waͤre

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/karsch_gedichte_1792
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/karsch_gedichte_1792/486
Zitationshilfe: Karsch, Anna Luise: Gedichte. Berlin, 1792, S. 326. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/karsch_gedichte_1792/486>, abgerufen am 23.09.2019.